Schutz des Ozeans: Vorteile für Artenvielfalt, Produktion von Nahrungsmitteln und Klima

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Quelle: Sala, E., Mayorga, J., Bradley, D. et al. (2021) Protecting the global ocean for biodiversity, food and climate. Nature 592397–402 (2021).

Der Meeresboden ist das größte CO2-Reservoir auf der Erde. Besonders auf lange Sicht ist dies für uns wichtig – Der Meeresboden kann CO2 über Jahrtausende binden. Der Boden kann den gebundenen Kohlenstoff jedoch wieder als CO2 ins Wasser abgeben, wenn er beschädigt wird. Auslöser dafür können Schleppnetze sein, die beim industriellen Fischfang über den Meeresgrund gezogen werden. Das CO2, das dabei freigesetzt wird, kann eine Versauerung des Meeres verursachen. Dies kann sich wiederum negativ auf die Artenvielfalt und die Produktion von Nahrungsmitteln durch den Ozean auswirken.

Der Meeresboden ist weltweit der größte CO2-Speicher, wird jedoch kaum geschützt

Trotzdem stehen weltweit nur 7 % der Meere unter irgendeiner Form von Schutz und nur 2,6 % unter vollständigem oder besonderem Schutz. 26 Meeresbiolog*innen, Klimaexpert*innen und Ökonom*innen haben deshalb kürzlich einen Entwurf modelliert, der zeigen soll, welche Areale des Ozeans geschützt werden sollten, um drei Ziele zu erreichen: die Artenvielfalt im Meer zu erhalten, die Nahrungsproduktion zu fördern und klimaschädliche Emissionen zu verringern. 

Ziel 1: Die Artenvielfalt im Meer erhalten

Hinsichtlich der Biodiversität können 90 % der maximalen Vorteile erreicht werden, wenn insgesamt 21% des gesamten Ozeans geschützt werden. Und zwar wären das 6 % der Hochsee und 43 % der ausschließlichen Wirtschaftszonen der Küstenländer.(Ausschließliche Wirtschaftszone ist die 200-Seemeilen-Zone, in der ein Küstenstaat das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Nutzung hat.) Diese Zahlen gelten allerdings nur für eine global koordinierte Verteilungsstrategie der Schutzgebiete. Wenn die einzelnen Länder hingegen basiert auf nationalen Prioritäten schützen, müssten 44 % des gesamten Ozeans geschützt werden, um dasselbe zu erreichen. Internationale Zusammenarbeit ist also für den Artenschutz im Meer besonders wichtig.

Ziel 2: Produktion von Nahrungsmitteln fördern

Die Forscher*innen gehen davon aus, dass sich in vollständig oder besonders geschützten Meereszonen Fische und wirbellose Meerstiere vermehren würden, und sich von da aus dann in die ungeschützten Gebiete verbreiten würden, wo sie gefischt werden könnten. Würden 5,3 % des Ozeans in strategisch angelegten Zonen so geschützt, während der Fischfang sich auf die restlichen Meeresgebiete beschränkt, könnten bis zu 8,3 Megatonnen mehr Meeresfrüchte produziert werden als aktuell. Dies würde 90 % der Vorteile beinhalten, die für die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion erreicht werden können. Schützenswerte Zonen für dieses Ziel befinden sich vor allem in ausschließlichen Wirtschaftszonen.

Ziel 3: Klimaschädliche Emissionen verringern

Auf Basis von Satellitendaten schätzen die Forscher*innen, dass etwa 1,3 % des Meeres jährlich mit Grundschleppnetzen befischt werden. Dabei werden zwischen 0,58 und 1,47 Gigatonnen CO2 freigesetzt (Zum Vergleich: Die gesamten globalen CO2-Emissionen betragen 42 Gigatonnen jährlich). Wie viel genau davon in die Atmosphäre übergeht, ist zwar nicht klar, dennoch verändert der CO2-Gehalt im Wasser und im Boden die Umweltbedingungen und hat so Auswirkungen auf die Biodiversität und die Produktivität des Ozeans hinsichtlich Nahrungsmittel. 90 % der Risiken durch diese CO2-Freisetzung könnten allerdings durch 3,6 % Schutz, vor allem in ausschließlichen Wirtschaftszonen durchgeführt werden. Die ausschließliche Wirtschaftszone Chinas oder die europäischen Küstenregionen des Atlantiks sowie aufstrebende Regionen sind besonders von der CO2-Freisetzung bedrohte Gebiete.

In ihrer Studie identifizierten die Forscher jeweils Regionen für die einzelnen Ziele, die aus strategischer Sicht besonderen Schutz benötigen. In allen drei Fällen ist es effektiv Bereiche zu schützen, die durch menschliche Aktivitäten besonders bedroht sind. Dies sind vor allem Regionen, in denen großflächig industrieller Fischfang betrieben wird. Die Länder, die diese Regionen verwalten, können am meisten dazu beitragen, die Kohlenstofflager im Meeresgrund zu schützen und die Auswirkungen auf das Klima zu verringern. 

Ein besserer Schutz des Ozeans: Eine Win-Win-Win-Situation

Insgesamt können also Umwelt, Menschheit und Wirtschaft vom Schutz des Ozeans und seiner Arten profitieren. Um dies besonders effektiv zu gestalten, müssen die Nationen allerdings zusammenarbeiten und schnell handeln. So können die unterschiedlichen Vorteile am besten ausgeschöpft werden. 


Gesichtet: M.A.
Der zitierte Artikel ist zum Beispiel mit einem Zugang von der Universität Wien erreichbar.

Foto von PxHere

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