IUFE – Ein Think Tank zur Förderung der UNO-Nachhaltigkeitsziele
von Ines Clarissa Schuster

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Nach dem Bericht über die Umsetzung der UNO-Nachhaltigkeitsziele in Kremsmünster sind wir bei CELSIUS neugierig auf ähnliche Projekte geworden, die Gemeinden bei Ihrer Wende zur Nachhaltigkeit unter die Arme greifen. Aus diesem Grund hat Ines Schuster von CELSIUS Florian Leregger, den Geschäftsführer des IUFE – Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung getroffen. Das IUFE arbeitet laut Eigendefinition als Think Tank im Sinne der nachhaltigen Entwicklung entlang der Sustainable Development Goals (SDGs). Zu den elementaren Aufgaben gehören die Wissensvermittlung sowie Bildungs- und Kommunikationsarbeit in den Bereichen der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes, der Friedenssicherung sowie der Entwicklungszusammenarbeit und -politik.

DI Florian Leregger

CELSIUS: Wie kam es zur Gründung des IUFE?

Florian Leregger: Das IUFE wurde vor 20 Jahren als entwicklungspolitisches Institut gegründet. Es ist als Verein organisiert. Der Begriff „Institut“ kommt von unserem Haupt-Schwerpunkt: Der Wissensvermittlung rund um Nachhaltigkeit.

CELSIUS: Es geht also viel um Kommunikation?

Florian Leregger: Genau, wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Kanälen:

  • Wir haben einen eigenen IUFE-Podcast mit vielen interessanten Hörsendungen.
  • Seit 2016 führen wir einen SDG-Blog Zukunftsrezepte, in welchem möglichst niederschwellig, unkompliziert Informationen zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht werden – immer mit der Verknüpfung zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen1 (SDGs).
  • Wir veranstalten Events: Fachtagungen, Dialog-Runden, Workshops, Schulveranstaltungen, Informationsabende, Filmabende, …

Seit der Corona-Pandemie verlagerten sich viele unserer Veranstaltungen ins Internet.

In der Vergangenheit gab es auch eine Fotoausstellung zum SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“.

CELSIUS: Wie lange sind Sie bereits aktiv am Institut tätig?

Florian Leregger: Seit rund 10 Jahren bin ich mit dem Institut verbandelt. Seit 2017 darf ich als Geschäftsführer wirken. Aktuell sind wir ein Dreierteam im Büro.

CELSIUS: An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Florian Leregger: Wir fokussieren uns auf SDG-Umsetzungen in Städten und Gemeinden. Vor kurzem haben wir uns die SDG-Umsetzung in einigen Niederösterreichischen Gemeinden ganz genau angesehen. Wir führten Interviews mit sechs Kommunalpolitiker:innen, um darauf aufbauend eine SWOT2 Analyse vorzulegen: Kommunale SDG-Umsetzung in Niederösterreich. Hierbei werden die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken einander gegenübergestellt.

Weiters entwickelten wir mit zwei Partnerinnen den SDG Kommunalcheck für Investitionsprojekte. Dies ist ein praktisches Anwender Tool, um konkrete Projekte – zum Beispiel die Errichtung eines neuen Kindergartens oder die Umgestaltung des Hauptplatzes – entlang der SDGs zu checken. Mit diesem Service wollen wir Gemeinden unterstützen, ihre Vorhaben entlang der SDGs zu orientieren. Wir wollen Städten und Gemeinden ein Instrument in die Hand geben, um selbst zu schauen, was sie machen können. Wir begleiten Prozesse, aber wir bewerten nicht.

Im Jahr 2022 lautet unser Themenschwerpunkt „Wirtschaft und Entwicklung“. Hier wollen wir den Spagat zwischen unseren beiden Arbeitsfeldern „Entwicklungszusammenarbeit“ und der „SDG-Umsetzung in Österreich“ schaffen. Heuer widmen wir uns den Beiträgen, welche Unternehmen für eine verantwortungsvolle Wirtschaft leisten können. Auf der anderen Seite schauen wir uns an, welche Rolle Unternehmen in der Entwicklungszusammenarbeit spielen können.

CELSIUS: Wie unterstützen Sie die Gemeinden konkret?

Florian Leregger: Alle Gemeinden sind unterschiedlich und haben ihre eigenen Herangehensweisen. Bei manchen Gemeinden stehen wir als vortragende Personen für Informationsveranstaltungen zur Verfügung. In anderen begleiten wir einen Prozess, um die SDGs näher in die eigene Gemeinde zu implementieren. Es gibt Beispiele, die in Richtung Bürgerbeteiligung gehen. Hier werden Bürgerinnen eingeladen, eine gemeinsame Zukunfts-Vision zu erarbeiten. Auch hier unterstützen wir.

Wir finden Partnerschaften wichtig. Meistens arbeiten wir gemeinsam mit anderen Partner:innen an Projekten.

CELSIUS: Mit welchen Gemeinden sind Sie denn derzeit im Gespräch?

Florian Leregger: Zum Beispiel ist Zwentendorf an der Donau sehr engagiert. Oder aber auch Trofaiach in der Steiermark, die sich entlang der SDGs engagieren.

CELSIUS: Sie haben vorhin erwähnt, dass im Jahr 2022 auch Unternehmen näher betrachtet werden?

Florian Leregger: Ja, immer mehr Unternehmen entdecken die SDGs für sich. Die einen bringen sie in die externe Kommunikation. Andere erkennen das transformative Potential der SGDs und integrieren sie in ihr operatives Kerngeschäft.

CELSIUS: Wie wird das Institut finanziert?

Florian Leregger: Wir sind in erster Linie projektfinanziert, also durch öffentliche Fördermittel.

CELSIUS: Wir befinden uns ja mitten im Klimawandel. Gleichzeitig haben wir das Problem des sozialen Ungleichgewichtes. Menschen im globalen Süden haben andere Themen als wir im glücklichen Österreich. Wie sehen Sie eigentlich ein Lieferkettengesetz? Wäre das nicht die Lösung vieler Probleme?

Florian Leregger: Das macht auf jeden Fall Sinn – um möglichst hohe ökologische und soziale Standards zu gewährleisten. Denken wir beispielsweise an die Textil- Modebranche. Dort herrscht angefangen bei der Erzeugung der Baumwolle, über die chemischen Prozesse des Färbens, bis hin zu den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ein massiver Raubbau an der Umwelt sowie am Menschen. Durch ein umfassendes Lieferkettengesetz Verbesserungen für Umwelt und Menschen zu erreichen, wäre großartig.

CELSIUS: Das wünsche ich mir schon lange. Es nervt mich, dass ich nicht einmal in einem reichen Land wie Österreich bedenkenlos einkaufen gehen kann. Z.B. Würde ich tatsächlich gerne bei Ikea oder bei H&M einkaufen gehen können. Also einfach etwas besorgen, was ich gerade brauche, ohne vorher eine umfassende Analyse und Studie durchführen zu müssen. Es macht mich wütend, dass mir als Konsumentin, die Verantwortung umgehängt wird, bei jedem Produkt, dass ich erwerbe, darauf zu achten, dass es meine persönlichen ethischen Werte erfüllt.

Florian Leregger: Ich höre da Emotion heraus. Das kann ich gut verstehen. Es fehlt auch die Klarheit für uns Konsument:innen.

CELSIUS: Leider fehlt auch sehr oft die Alternative. Ich beschäftige mich intensiv mit meinem Konsum – welche Nahrungsmittel, welche Kleidung, welche Möbel kaufe ich… Leider kann ich oft nicht selbst wählen. Selbst mit dem Bewusstsein und der Transparenz, dass durch die Produktion von Ikea-Produkten wichtige Urwälder zerstört werden, dass Ikea seinen Steuerbeitrag von uns allen stiehlt und so weiter. Es fehlt die Alternative. Der gleiche Kasten, möglicherweise etwas nachhaltiger, kostet gleich ein paar Hunderter mehr. Oft kommt man nicht um diese „bösen“ Unternehmen drum rum.

Florian Leregger: Die Verantwortung darf tatsächlich nicht privatisiert werden. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, die eine Gesellschaft sich nachhaltig entwickeln lassen. Hier gibt es noch enorm viel Verbesserungspotential. Es gilt soziale sowie ökologische Kosten einzupreisen.

CELSIUS: Das IUFE ist doch auch ÖVP-nahe, was bedeutet das?

Florian Leregger: Sie haben recht, das IUFE entstand in der bürgerlichen Community. Verbindungen auch zur ÖVP bzw. ÖVP-Politiker:innen ermöglichen uns Kommunikationskanäle, um bestimmte Themen aufs Tapet zu bringen. Wir haben aber auch Kooperationen mit NGOs sowie Wissenschaftler:innen und Vertreter:innen aus Wirtschaft und Verwaltung. Wir verstehen uns als Brückenbauer, wir wollen unterschiedliche Gruppen miteinander vernetzen.

CELSIUS: Wenn ich Zeit und Lust hätte, das IUFE zu unterstützen, gäbe es da eine Möglichkeit?

Florian Leregger: Ich muss gestehen, dass wir keine ehrenamtliche Struktur haben. Es gibt zwar einzelne Personen die ehrenamtlich unterstützen z.B. tageweise bei einer Veranstaltung. Aber ein großes ehrenamtliches Netzwerk haben wir nicht. Wir bieten jedoch die Möglichkeit für Praktikant:innen und Volunteers.

CELSIUS: Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und das offene Gespräch. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und vor allem auch Spaß bei Ihren Tätigkeiten.

Florian Leregger: Ich bedanke mich auch.

Gesichtet: Martin Auer
Titelfoto: IUFE Fachtagung


1 Die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) ist ein globaler Plan zur Förderung nachhaltigen Friedens und Wohlstands und zum Schutz unseres Planeten. Seit 2016 arbeiten alle Länder daran, diese gemeinsame Vision zur Bekämpfung der Armut und Reduzierung von Ungleichheiten in nationale Entwicklungspläne zu überführen. (UNRIC)

2 Die SWOT-Analyse (engl. Akronym für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken)) ist ein Instrument der



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram