Nach der Pandemie ist während des Klimawandels – wie kann man Konferenzen nachhaltiger gestalten?

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Lesedauer 6 Minuten

von Christoph Bamberg – Projektbericht

Über zwei Jahre fanden kaum wissenschaftliche Konferenzen in Präsenz statt, dabei ist der persönliche Austausch ein wichtiger Faktor wissenschaftlichen Fortschritts. Die Maßnahmen gegen die Covid-19 Pandemie wurden vielerorts gelockert und Reisen ist wieder nahezu uneingeschränkt möglich. Während die Pandemie dadurch für viele in den Hintergrund rückt, schreitet der Klimawandel nach wie vor fort. Nun stellt sich in dieser Situation die Frage: Sollen wir wieder zu unserem alten Verhalten zurückkehren und für einen 60-minütigen Vortrag in die USA fliegen, von einer Konferenz zur nächsten jetten, im Hotel übernachten, Catering mit Wegwerfgeschirr nutzen? Oder sehen wir die Zwangspause vom Konferenzalltag als eine Gelegenheit die Form des persönlichen Austauschs untereinander neu zu denken? Es ist eine Chance für die Wissenschaft ihre Klimabilanz zu verbessern, inklusiver zu werden und ein neues Format für die Zukunft mitzugestalten.

Im Folgenden wird ein Versuch vorgestellt eine Konferenz für über 100 Teilnehmende nachhaltig und CO2-neutral durchzuführen. Dies gilt natürlich auch für andere Branchen. Dieser Text ist somit auch nicht nur für Wissenschaftler:innen relevant, sondern für alle, die sich überlegen wie sie größere Treffen nachhaltiger gestalten können.

Es gibt viele Ansätze wie man eine Konferenz nachhaltiger gestalten kann – und es ist nicht selbsterklärend, welche Maßnahmen am zielführendsten sind. Teilweise könnten sie auch eher hinderlich sein: Wenn ich mich zu sehr auf das Kompensieren entstandener Emissionen konzentriere, verpasse ich eventuell eine Gelegenheit die Ausschüttung an sich zu verringern. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen, was gut und was weniger gut funktioniert. Wie bei anderen Fragen der Nachhaltigkeit auch (z.B. “soll ich mich vegan ernähren oder eher lokal und saisonal?”) ist es wichtig einen Versuch zu wagen, bevor man zu lange hadert. Der hier beschriebene Versuch einer grünen Konferenz wurde, wie Wissenschaftler:innen das gerne machen, von einer Datenerhebung begleitet, die diesem Text zu Grunde liegt. Es handelt sich um die diesjährige Tagung der Deutschen Gesellschaft für Verhaltensmedizin (DGVM), die an der Paris Lodron Universität in Salzburg ausgerichtet wurde.

Jens Blechert, der Gastgeber, und sein Team haben sich das Ziel gesetzt die Veranstaltung komplett CO2-neutral zu gestalten. Diese Tagung ist ein interessantes Beispiel, da sie gerade nicht von Nachhaltigkeits- und Umweltforscher:innen abgehalten wurde und man somit besser beobachten kann, wie machbar es auch für Nicht-Expert:innen ist eine nachhaltige Konferenz zu planen. Die Konferenz wurde als hybride Veranstaltung abgehalten. Doch was bedeutet das und welche anderen Formate gibt es? 

Nachhaltigere Konferenzformate

  • Konferenzen an zentral gelegenen Orten: Bislang sind die Austragungsorte von Konferenzen oft historisch bedingt und nicht unbedingt aufgrund bewusster Überlegungen ausgewählt. Wird stattdessen die geographische Verteilung der Teilnehmer:innen analysiert und ein möglichst zentraler Konferenzort gewählt, kann das die Anzahl der Reisekilometer – und somit die Gesamtemissionen – verringern. Das funktioniert sogar dann, wenn viele immer noch mit dem Flugzeug anreisen1. Noch besser ist es natürlich, wenn der Ort so gewählt werden kann, dass die meisten mit dem Zug anreisen können.
  • Online-Konferenzen: Seit Beginn der Corona-Pandemie werden viele Konferenzen in den virtuellen Bereich verlegt – es finden also alle Vorträge und Diskussionen auf online-Plattformen statt. Zunehmend wird auch Software verwendet, die es den Teilnehmer:innen erlaubt, sich in virtuellen „Räumen“ zu bewegen, zu treffen und z.B. Poster zu präsentieren. Online-Konferenzen reduzieren nicht nur die Infektionsgefahr, sondern auch den Treibhausgasausstoß: Zwar kommen sie aufgrund von z.B. lokalem Stromverbrauch und Servernutzung nicht ohne CO2-Emissionen aus, jedoch sind diese deutlich geringer als die von Konferenzen mit persönlicher Konferenzteilnahme2. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch Wissenschaftler:innen, die z.B. aus finanziellen, familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht reisen können, online oft problemlos teilnehmen können. So wurde z.B. gezeigt, dass Online-Konferenzen den Anteil an weiblichen Teilnehmerinnen sowie die geographische Reichweite vergrößern3.
  • Hybrid-Konferenzen: Hybrid-Konferenzen stellen, wie der Name schon sagt, eine Mischform dar – während manche Teilnehmer:innen zum Konferenzort reisen, sind andere online dabei4. Aufgrund der insgesamt niedrigeren Reisetätigkeit sinken somit die Gesamtemissionen. Auch hier wird die Konferenz für größere Personengruppen zugänglich, wobei gleichzeitig die Vorteile des persönlichen Austausches zumindest für einen Teil der Teilnehmer:innen erhalten bleiben.
  • Hub-Konferenzen: Beim Hub-Modell findet eine Konferenz zeitgleich an mehreren Orten statt, die miteinander vernetzt sind. Zum Beispiel können Teilnehmer:innen an Ort 1 virtuell beim Vortrag einer Teilnehmerin an Ort 2 und der folgenden Diskussion dabei sein, und umgekehrt. Auch dieses Modell verknüpft die Vorteile persönlicher Konferenzteilnahme (z.B. informelle Gespräche und soziale Events am Abend) mit insgesamt reduzierter Reisetätigkeit (da jede:r Teilnehmer:in nur zum nächstgelegenen „Hub“ reisen muss) und somit reduzierten Emissionen5.

Ein Praxisbeispiel: Die DGVM-Konferenz

Wie es mit der nachhaltigen Gestaltung der hybriden DGVM-Konferenz lief und ob dies bei den Teilnehmenden gut ankam werden wir uns jetzt im Detail ansehen. Schon bei grundlegenden Entscheidungen wie dem Austragungsort und den Räumen können viele Emissionen eingespart werden. Hier kommt es auf die Erreichbarkeit des Veranstaltungsortes und die Energiebilanz der genutzten Gebäude an. Die Konferenz fand in Salzburg statt, also einem gut erreichbaren Ort, zentral in Europa gelegen und nicht auf einer schönen Mittelmeerinsel. In der Vergangenheit wurden Konferenzen gerne an solchen Urlaubsorten gehalten, um einen zusätzlichen Anreiz zur Teilnahme zu schaffen. Die DGVM fand in Räumen der Paris Lodron Universität statt, welche eine EMAS-zertifizierte Energieversorgung aufweisen5 und wurde als hybride Veranstaltung gleichzeitig online übertragen. 

Um die online Teilnehmenden reibungslos einzubinden, wurde ein externer technischer Support engagiert. Zwei Techniker waren dauerhaft im Einsatz vor Ort. Der hybride Charakter der Vorträge und Diskussionen war sehr ausrüstungsintensiv mit einer Kamera für das Podium und einer für das Plenum, mehreren Mikrophonen, etc. Dieser Aufwand lohnte sich jedoch dahingehend, dass das hybride Format reibungsarm funktionierte, bis auf kleinere Verzögerungen. Die technische Unterstützung kostete ungefähr die Hälfte des vorhandenen Budgets. Der hybride Charakter ist somit auf jeden Fall mit mehr Aufwand und Kosten für die Organisator:innen verbunden. Teilweise gibt es aber auch Einsparungen, wenn Vortragende sich online zuschalten statt per Flug anzureisen, der ihnen finanziert werden müsste.

Es kommt jedoch nicht nur auf Entscheidungen der Organisator:innen an, sondern auch auf die Bereitschaft der Konferenzteilnehmenden ihr Verhalten anzupassen. Bereits in der Teilnahmebestätigung wurden die Teilnehmenden darauf hingewiesen, dass die Konferenz ein “green meeting” ist, dass es “nur” veganes Catering gibt und weiterhin wurde um eine Emissions-arme Anreise per Zug gebeten. Für die Datenerhebung wurde auch eine Onlineumfrage geteilt. Insgesamt nahmen 80 Personen vor Ort und 20 online teil, also viermal so viele Präsenzteilnehmende.

Einsparungen & Kompensation bei Emissionen durch Anreise, Übernachtung und Bewirtung

Ein viel diskutierter Verursacher von Emissionen ist der Verkehr. Vier von 62 Präsenzteilnehmer:innen,  die Angaben zu ihrer Anreise gemacht haben, kamen mit dem Flugzeug, die restlichen 58 per Zug. Die vier Flugreisenden trugen 50% mehr zu CO2-Emmissionen bei als die restlichen 58 Zugreisenden. Die 20 zugeschalteten Teilnehmer machen weniger als 1% der “Anreise”-Bilanz aus. Die Anreise per Flugzeug trägt also, wenig überraschend, stark zu den Gesamtemissionen bei.

Was vielleicht unerwartet ist, ist der Beitrag der Übernachtung. Zwar ist es schwer genau abzuschätzen, wie hoch die Emissionen durch Übernachtungen sind, da man hierfür die Gebäudeemissionen der Hotels kennen müsste. Es gibt allerdings Richtwerte zur Orientierung, z.B. den VDR Standard des Geschäftsreise Verbands Deutschland6. Diese Werte wurden auch für die Berechnung hier verwendet. Das Ergebnis: Die zwei bis drei Übernachtung der 62 Befragten machten ungefähr so viel aus wie Flug- und Zugreisen zusammen.

Kompensation weiterer Emissionen

Durch Online-Teilnahme und überwiegende Anreise per Zug konnten die Emissionen schon relativ gering gehalten werden. Insgesamt sind dennoch schätzungsweise 5,4 Tonnen CO2-Äquivalent angefallen. Diese Emissionen sollen nun kompensiert werden. Um auf der sicheren Seite zu sein, wurden mit 10,4 t CO2 etwas mehr Emissionen kompensiert. Die Kosten beliefen sich auf 261€. Der freiwillige Beitrag der Teilnehmenden zur CO2-Kompensation von insgesamt 280€ reicht hierfür aus.

Das ausschließlich vegane Catering an den drei Konferenztagen reduzierte die Emissionen weiter, verglichen mit der Verwendung tierischer Produkte. Es fiel wenig Müll an und dieser konnte von der Universitätskantine zu großen Teilen kompostiert werden, ein weiterer Vorteil veganer Verpflegung. Die Wurst auf der Semmel wurde von den Teilnehmenden auch nicht vermisst – die Rückmeldungen zum Catering waren positiv. Lediglich auf ausreichende Abwechslung solle man 

achten. Auch beim Konferenzdinner wurde weitestgehend vegan gegessen (24 der 39 Dinnergäste) und auch hier zahlten 14 Teilnehmende mehr, um die CO2-Emissionen ihres Essens zu kompensieren. 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die DGVM-Konferenz ein Beispiel darstellt, wie sowohl der Rahmen für persönlichen wissenschaftlichen Austausch geschaffen kann und wie dabei die CO2-Emissionen gering gehalten werden können. Wichtig hierfür ist von Anfang an emissionsarm zu planen und nicht nur im Nachhinein die angefallenen Emissionen zu kompensieren. Der hybride Charakter ermöglicht außerdem denjenigen die Teilnahme, die nicht mobil genug waren oder nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung hatten, um vor Ort teilzunehmen. Eine nachhaltige Koferenzplanung kann also gleichzeitig auch sozial inklusiver sein. 

Es ist auch wichtig anzumerken, dass das nachhaltige Konzept nicht entgegen dem Wunsch der Teilnehmenden durchgesetzt wurde. Im Gegenteil, viele kompensierten freiwillig ihre Anreise und ihr Abendessen und äußerten sich in der Evaluation sehr positiv zum nachhaltigen Charakter der Konferenz.  

Zum Abschluss noch ein paar Tipps für zukünftige Konferenzplaner:innen:

  1. Die Teilnahmekosten waren etwas höher als gewöhnlich. Es lohnt sich also vorab die Universität oder andere Geldgeber:innen nach zusätzlichen Mitteln zu fragen oder diese per Sponsoring oder Fundraising zu sammeln.
  2. Es ist wichtig die online Teilnehmenden gut einzubinden, zum Beispiel durch eine hervorgehobene Begrüßung dieser und eine “Video-an Netiquette”. 
  3. Um die zusätzlichen Kosten für die technische Unterstützung aufzufangen, könnte man die online Teilnahme noch breiter, internationaler bewerben. 
  4. Universitäten und andere Betriebe können Konferenzplaner:innen durch Nachhaltigkeits-Beauftragte in jedem Planungsschritt unterstützen.
  5. Die Bereitschaft für Nachhaltigkeit ist bei den meisten groß, trauen Sie sich also Ihre nächste Konferenz nachhaltig zu planen!

Titelbild: David Röthler 

Quellen:

1. Stroud, J.T. & Feeley, K.J. 2015. Responsible academia: optimizing conference locations to minimize greenhouse gas emissions. Ecography 38: 402–404. Wiley/Blackwell (10.1111). 

2. Tao, Y., Steckel, D., Klemeš, J.J. & You, F. 2021. Trend towards virtual and hybrid conferences may be an effective climate change mitigation strategy. Nat. Commun. 12: 7324. Nature Publishing Group.

3. Skiles, M., Yang, E., Reshef, O., Muñoz, D.R., Cintron, D., Lind, M.L., et al. 2021. Conference demographics and footprint changed by virtual platforms. Nat. Sustain. 1–8. Nature Publishing Group.

4. Blackman, R.C., Bruder, A., Burdon, F.J., Convey, P., Funk, W.C., Jähnig, S.C., et al. 2020. A meeting framework for inclusive and sustainable science. Nat. Ecol. Evol. 4: 668–671. Nature Publishing Group.

5. Coroama, V.C., Hilty, L.M. & Birtel, M. 2012. Effects of Internet-based multiple-site conferences on greenhouse gas emissions. Telemat. Inform. 29: 362–374. Elsevier.

5. https://www.plus.ac.at/wp-content/uploads/2021/02/EMAS_Registrierungsurkunde_2019.pdf

6. https://www.vdr-service.de/arbeitsvorlagen/vdr-standard-co2-berechnung-geschaeftsreise



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Stellungnahme zur geplanten Tiefgarage Center of Physics Karl-Franzens-Universität Graz

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Lesedauer 3 Minuten

Fachgruppe Mobilitätswende und Stadtplanung der Scientists for Future Österreich

Stellungnahme zur geplanten Tiefgarage Center of Physics Karl-Franzens-Universität Graz 

Überblick: 

  • Im Rahmen des Baus des Center of Physics für KFU Graz und TU Graz anstelle des bisherigen Vorklinikgebäudes soll eine Tiefgarage mit 100 PKW-Stellplätzen für Bedienstete gebaut werden. Diese soll nicht unter dem Neubau, sondern unter der Grünfläche vor dem Hauptgebäude errichtet werden. 
  • Mit dem Bau der neuen Tiefgarage werden große Mengen Treibhausgase emittiert, weitere Anreize zur alltäglichen Nutzung von Privat-PKW geschaffen, der Fußgänger*innen-, Rad- und Busverkehr wird beeinträchtigt und die Grünfläche wird dauerhaft versiegelt. 
  • Erste Arbeiten sollen bereits ab Februar 2023 aufgenommen werden, inkl. Aushub der Baugrube und Baumfällungen. 
  • Die Fachgruppe Mobilitätswende und Stadtplanung spricht sich klar gegen den Bau der Tiefgarage aus. 
Universitätsplatz mit künftigem Standort Center of Physics (anstelle Hochhaus Vorklinik, links) Bild: Google Earth, bearbeitet S4F, Bereich der geplanten Tiefgarage hervorgehoben 

Details zum Projekt: 

Die geplante Tiefgarage erstreckt sich über die gesamte Länge der Grünfläche zwischen dem Chemie- und dem Physikgebäude. Die Ein- und Ausfahrt soll an der Halbärthgasse parallel zum historischen Chemiegebäude angeordnet werden. Neben der Abfahrt soll ein Zugangsbauwerk mit Lift errichtet werden. Es wird auch überlegt, die Abfahrtsrampe mit einer Überdachung zu versehen. 

Mit dem Aushub der Baugrube, einschließlich Baumfällungen, Abbruch der historischen Universitätsrampe mit Kandelabern und der historischen Einfriedungen soll im Februar 2023 begonnen werden. 

Eine Baugenehmigung liegt nicht vor, das Vorhaben wird lediglich als anzeigepflichtige Maßnahme behandelt. Baueinreichung und Bauverhandlung zum Neubau sollen im Herbst 2023 erfolgen. Ausmaß und Lage der Tiefgarage wurden im Vorfeld des Architekturwettbewerbes im Jahr 2021 zwischen Bildungsministerium und Stadt Graz abgestimmt. 

Nutzerinnen: Karl-Franzens-Universität Graz und TU Graz Bauherrin: Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) Architektur: fasch&fuchs, Wien 

Lageplan Wettbewerbsprojekt Fasch&Fuchs 2021, Umriss unterirdische Bauwerke und Erschließung, bearbeitet S4F

Kritikpunkte: 

Induzierter Kfz-Verkehr: Das Angebot von PKW-Stellplätzen für Bedienstete induziert nachweislich Kfz-Verkehr, fördert klimaschädliches Mobilitätsverhalten und widerspricht damit dem Stand der Wissenschaft und der Technik, dem insbesondere die beteiligten Universitäten verpflichtet sein sollten. Zum Erreichen der Klimaziele dürfen keine Anreize zur alltäglichen Nutzung von Privat-PKW geschaffen werden. 

Störung öffentlichen Verkehrs: Mit einer Erhöhung der Anzahl der Stellplätze entsteht eine zusätzliche Belastung der umgebenden Straßenzüge. Mit der Ein- und Ausfahrt in der Halbärthgasse wird der Fluss des Fußgänger*innenverkehrs am östlichen, hochfrequentierten Gehsteig an der Halbärthgasse, des Radverkehrs, und des Busverkehrs in dieser Straße beeinträchtigt. 

Ungerechtfertigte Emissionen und Mitteleinsatz: Allein durch den Neubau der Tiefgarage werden nach Schätzung des Institut Bauen und Umwelt e.V. etwa 1.100 Tonnen CO2-Äquivalent emittiert. Die für den Bau der Tiefgarage vorgesehenen Mittel von mehreren Millionen Euro könnten wesentlich sinnvoller für eine klimagerechte Ertüchtigung des Campus eingesetzt werden – etwa überdachte und voll ausgestattete Fahrradabstellplätze oder die energietechnische Optimierung von Bestandsgebäuden. 

Schädigung Mikroklima und Flächenversieglung: Es werden zahlreiche Bäume entfernt bzw. geschädigt – mit negativen Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität und auf das Stadtklima. Laut Naturschutzbund gehören 2 dieser Bäume zu den „1000 besonderen Bäumen der Steiermark“. Mit der Unterbauung der Grünfläche wird ein großer Bereich dauerhaft versiegelt. Die Begrünung auf der Decke der Tiefgarage ist ökologisch und in Bezug auf das Mikroklima minderwertig. Auch die Richtlinien der Stadt Graz setzen die Unterbauung von Grünflächen der Versiegelung gleich. 

Schädigung Standort: Auf der betroffenen Fläche befindet sich eine meteorologische Messstelle mit einer historisch einzigartigen Messreihe, die durch den Bau unterbrochen würde. Die Errichtung der Einfahrt und des Aufgangs/Liftgebäudes an der Halbärthgasse stellt einen massiven Eingriff in das historische Raumgefüge dar. 

Stellungnahme: 

Die Fachgruppe Mobilitätswende und Stadtplanung spricht sich klar gegen den Bau der Tiefgarage aus. Im Sinne einer klimagerechten Entwicklung – sowohl gesamtgesellschaftlich wie auch für die Universitäten – ist es notwendig, Erweiterung und Innovation auf allen Ebenen von CO2-Emissionen zu entkoppeln. Die Mobilität spielt dabei eine große Rolle. Die Standortsicherung muss daher über das effektive Management der bestehenden Stellplätze und vor allem über klima- und umweltfreundliche Formen der Erschließung erfolgen (z.B. Optimierung Radverkehr, Effektivierung Bus, Beschleunigung der Umsetzung Straßenbahn). Jedenfalls kann die Errichtung von 100 zusätzlichen PKW-Stellplätzen nicht als standortsichernd betrachtet werden. 

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Stand: 13.01.2023 

Quellen: 

Bundesimmobiliengesellschaft, Wettbewerbsportal AIK, IBU – Institut Bauen und Umwelt e.V., Naturschutzbund, Google Earth, Fasch&Fuchs, eigene Erfassung 

Scientists For Future Österreich, Fachgruppe Mobilitätswende und Stadtplanung 



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Offener Brief zur Unterstützung der ‘Erde Brennt’ Bewegung

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Lesedauer 10 Minuten

Krise, Krise, Krise. Eine Generation, die mit diesem Wort aufgewachsen ist. Eine Generation, die sieht, wie die grenzenlose Ausbeutung der Natur zur Klimakrise und einem drohenden ökologischen Zusammenbruch führt 1–5. Eine Generation, die beobachtet, wie steigende Ungleichheit, Wirtschafts- und Finanzkrisen soziale Krisen verschärfen 6. Eine Generation, die erlebt, wie zunehmende Marktorientierung und Konkurrenz an den Universitäten zu einer Marginalisierung von kritischer Bildung und Wissenschaft sowie einer Prekarisierung von Student*innen und Angestellten führt 7–9. Dabei sind Kritik und Suche nach alternativen Wegen für die Vielfachkrise entscheidend. 

Immer mehr Wissenschafter*innen argumentieren, dass Klima-, soziale, und Bildungskrisen systematisch miteinander verknüpft und nur gemeinsam zu lösen sind 10,11. Beispielsweise fordern immer mehr Wissenschafter*innen, dass soziale Grundbedürfnisse, inklusive Bildung und Gerechtigkeit, erreicht werden sollen ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten, die den sicheren Zustand unseres Klimas und unserer Umwelt abgrenzen 3,12. Der vor zwei Wochen veröffentlichte Bericht des ‚Austrian Panel on Climate Change’ betont ebenfalls die Wichtigkeit von Investitionen in sozial-ökologische Infrastrukturen und Sicherungssysteme, die vermeiden sollen, dass Klimamaßnahmen z.B. in Form von Steuern die Armutsgefährdung verstärken13. Dennoch wurde die Verknüpfung zwischen Klima-, sozialen, und Bildungskrisen bisher, zumindest in Klimabewegungen und Politik, nur wenig explizit umgesetzt.

Die Aktivist*innen von ‚Erde Brennt‘, die im Dezember mehrere Wochen lang Hörsäle in ganz Österreich besetzten, stellen diese Verknüpfung in den Mittelpunkt*. Mit ihren vorläufigen Forderungskatalogen schafft ‚Erde Brennt‘ eine holistische Brücke zwischen Klimaschutz, sozialer Solidarität und zukunftsfähiger Bildung (diese Forderungskataloge werden im Laufe der Besetzung demokratisch ausgearbeitet, und laufend auf https://erdebrennt.at/ aktualisiert). Die Forderungen zum Klimaschutz, wie der Ausstieg aus fossilen Energieträgern, eine radikale Mobilitätswende weg vom motorisierten Individualverkehr und eine Beschränkung des Bodenverbrauchs zum Schutz der Biodiversität sind im Einklang mit den Empfehlungen des Weltklimarats und Weltbiodiversitätsrats 14,15

Die vorläufigen sozialen Forderungen von ‚Erde Brennt‘ können ebenfalls aus wissenschaftlicher Perspektive unterstützt werden. Beispielsweise wird deren Forderung zur Besteuerung von Vermögen, Übergewinnen und hohen Einkommen in der Wissenschaft als essentiell betrachtet, um Ungleichheit zu verringern, da die Wirksamkeit solcher Maßnahmen sich im letzten Jahrhundert als wesentlich erwiesen haben 6. Auch die von der ‚Erde Brennt‘ verlangte Überführung von Energiekonzernen in öffentliches Eigentum könnte laut Wissenschafter*innen unter gewissen Bedingungen der Regierung ermöglichen, Maßnahmen zu ergreifen, um soziale Gerechtigkeit zu fördern und Demokratie zu stärken 16. Doch Ungleichheit endet nicht an der österreichischen Grenze: moderne, öfter auch als neo-imperialistisch bezeichnete Aneignung der Weltressourcen durch industrialisierte Länder generiert auch Ungleichheit auf globaler Ebene 17. Um diese zu bekämpfen, fordert ‚Erde Brennt‘ die Einführung von Lieferkettengesetzen. Solche Lieferkettengesetze wurden auch von Wissenschafter*innen häufig vorgeschlagen, um eine Auslagerung von Umwelt- und sozialen Problemen zu vermeiden, und die Rechenschaftspflicht von Lieferkettenunternehmen zu sichern 13,18,19

Die vorläufigen Forderungen von ‚Erde Brennt‘ für eine zukunftsfähige Bildung an Hochschulen können auch wissenschaftlich untermauert werden. Beispielsweise fordert ‚Erde Brennt‘ ein für alle Studierende verpflichtendes Modul an Lehrveranstaltungen, die auf eine kritische und intensive Auseinandersetzung mit der Klimakatastrophe und den sozialen Krisen ausgerichtet ist. Die Überarbeitung bestehender Studieninhalte zur Betonung der Klimakrise wird häufig auch von der Wissenschaft genannt als Maßnahme, ein klares Verständnis der Probleme des Klimawandels und den Aufbau von Kapazitäten auf individueller und institutioneller Ebene zur Bekämpfung der Klimakrise zu fördern 13,20–23. Eine Studie, die sich auf qualitative Studien über studentischen Aktivismus aus mehr als zwei Jahrzehnten stützt, analysierte ebenfalls, wie Basis-Student*innenorganisationen dazu beitrugen, Konzepte demokratischerer Universitäten und Gesellschaften zu entwickeln 23. Die Erkenntnisse dieser Studie belegen die Forderung von ‚Erde Brennt‘ zu mehr studentischer Selbstorganisation und basisdemokratischer Mitbestimmung. Zusätzlich wird auch die transdisziplinäre Kooperation zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteur*innen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Wissenschaft als wesentlich betrachtet. Damit soll das Reproduzieren von bestehendem disziplinärem Wissen vermieden werden, das die Entwicklung innovativer Lösungsansätze zu den Klima- und sozialen Krisen hemmt 13. Bildung und Wissenschaft zukunftsfähig zu machen, erfordert also die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen 13.

‚Erde Brennt‘ ist ein Baustein jener Wissenschaft und Bildung, die es für die Überwindung von Klima-, sozialer und Bildungskrise braucht. Um diese grundlegende Transformation der Gesellschaft anzutreiben, hat sich die Bewegung einen entsprechenden Raum erobert. Denn wo sollte die Gesellschaft von Grund auf kritisch überdacht werden, wenn nicht an der Universität selbst? Im Gegensatz zu einer universitären Bildung, die zwar nicht ausschließlich, dennoch zunehmend angeblich objektives, betriebsorientiertes Wissen vermittelt, praktiziert ‚Erde Brennt‘ eine freie und demokratische Universität, die Universität des Sokrates, in ihrem universalen Sinne. Eine Universität, in der alle willkommen sind, um demokratisch statt hierarchisch zu philosophieren, mit dem Anspruch, gemeinsame Lösungen zu den größten Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. ‚Erde Brennt‘ schafft an einer großteils apolitischen und handlungsunfähigen Institution einen Raum, in dem eine längst überfällige, allumfassende Transformation der Gesellschaft angestoßen wird, als Inkubator des gesellschaftlichen Wandels und Verstärker des kritischen Denkens. Bei der ersten Veranstaltung von ‚Erde Brennt‘ in Wien erkannte Ulrich Brand, Professor für Politikwissenschaften an der Universität Wien: „Die Uni ist noch nicht zukunftsfähig.“ Es ist Zeit, daran etwas zu ändern.

Aus diesen Gründen unterstützen wir, die untenstehenden Wissenschafter*innen, die Anliegen und Herangehensweise von ‚Erde Brennt‘.

Unterschrieben von (Wissenschafter*innen oder Wissenschaftsorganisationen):

Wissenschaftsorganisationen:

  • Netzwerk Unterbau Wissenschaft (NUWiss) www.nuwiss.at
  • Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit, Universität für Bodenkultur
  • Scientists 4 Future Österreich 
  • Österreichischer Biodiversitätsrat (27 MG) 

Wissenschafter*innen

  1. Nicolas Roux, Universität für Bodenkultur Wien
  2. Helmut Haberl, Universität für Bodenkultur, Wien
  3. Benjamin Fleischmann, Universität für Bodenkultur, Wien
  4. Robert Groß, Universität für Bodenkultur, Wien / Universität Innsbruck 
  5. Dominik Wiedenhofer, Universität für Bodenkultur, Wien
  6. Michaela C. Theurl, Universität für Bodenkultur, Wien
  7. Martin Schmid, Universität für Bodenkultur, Wien
  8. Fabian Schipfer, Technische Universität Wien
  9. Barbara Smetschka, Universität für Bodenkultur Wien
  10. Lara Leik, Universität Salzburg 
  11. Sarah Matej, Universität für Bodenkultur Wien
  12. Harald Grabher, Universität für Bodenkultur Wien
  13. Melanie Pichler, Universität für Bodenkultur Wien
  14. Nora Krenmayr, Universität für Bodenkultur Wien
  15. Jan Streeck, Universität für Bodenkultur Wien
  16. Barbara Plank, Universität für Bodenkultur Wien
  17. Simone Gingrich, Universität für Bodenkultur Wien
  18. Patrick Scherhaufer, Universität für Bodenkultur Wien
  19. Anna-Katharina Brenner, Universität für Bodenkultur Wien
  20. Maximilian Muhr, Universität für Bodenkultur Wien
  21. Judith Fischer, Universität für Bodenkultur Wien
  22. Paul Pfaffenbichler, Universität für Bodenkultur Wien
  23. Willi Haas, Universität für Bodenkultur Wien
  24. Simone Trimmel, Montanuniversität Leoben
  25. Georg Gratzer, Universität für Bodenkultur, Wien
  26. Andreas Mayer, Universität für Bodenkultur, Wien
  27. Doris Roth, Helmholtz Zentrum, München
  28. Lisa Kaufmann, Universität für Bodenkultur, Wien
  29. Florian Weidinger, Universität für Bodenkultur, Wien
  30. Marta López Cifuentes, Universität für Bodenkultur, Wien
  31. Daniela Haluza, Medizinische Universität Wien
  32. Tamara Artacker, Universität für Bodenkultur, Wien
  33. Bastian Bertsch-Hörmann, Universität für Bodenkultur, Wien
  34. Benedikt Becsi, Universität für Bodenkultur, Wien
  35. Christian Dorninger, Universität für Bodenkultur, Wien
  36. Tobias Pröll, Universität für Bodenkultur Wien
  37. Georg Neugebauer, Universität für Bodenkultur, Wien
  38. Silvia Scherhaufer, Universität für Bodenkultur, Wien
  39. Reinhold Ottner, Universität für Bodenkultur, Wien
  40. Daniel Gusenbauer, Universität für Bodenkultur, Wien
  41. Michael Klingler, Universität für Bodenkultur, Wien
  42. Aron Buzogány, Universität für Bodenkultur, Wien
  43. Patricia G D Huber, Universität für Bodenkultur, Wien
  44. Werner Zollitsch, Universität für Bodenkultur, Wien
  45. Thomas Ertl, Universität für Bodenkultur Wien
  46. Margarete Maurer, Rosa Luxemburg-Institut WIEN
  47. Kirsten von Elverfeldt, Universität Klagenfurt
  48. Rafaela Schinegger, Universität für Bodenkultur Wien
  49. René Sedmik, Technische Universität Wien
  50. Martin Kniepert, Universität für Bodenkultur Wien
  51. Verena Winiwarter, Österreichische Akademie der Wissenschaften, ehemals Universität für Bodenkultur, Wien
  52. Thomas Brudermann, Universität Graz
  53. Tobias Stern, Universität Graz
  54. Marie Lisa Kogler, Universität Graz
  55. Arijit Paul, Universität Graz
  56. Anna Schreuer, Universität Graz
  57. Julian Hörndl, Universität Salzburg
  58. Magdalena Rusch, Universität Graz
  59. Alfred Posch, Universität Graz
  60. Annechien Hoeben, Universität Graz
  61. Ulli Gelbmann, Universität Graz
  62. Anika Bausch, Universität Klagenfurt
  63. Simone Schreiegg, Universität Graz
  64. Katharina Trimmel, Universität Graz
  65. Franz Fehr, Universität für Bodenkultur, Wien
  66. Werner Suppanz, Universität Graz
  67. Alexandra Penicka-Arndt, Universität für Bodenkultur, Wien
  68. Monika Stromberger, Universität Graz
  69. Mathias Kirchner, Universität für Bodenkultur, Wien
  70. Karl-Heinz Erb, Universität für Bodenkultur, Wien
  71. Doris Virág, Universität für Bodenkultur, Wien
  72. Gabriela Miechtner, Universität für Bodenkultur, Wien
  73. Elisabeth Jost, Universität für Bodenkultur, Wien
  74. Michael Braito, Universität für Bodenkultur, Wien
  75. Christine Pichler, Universität für Bodenkultur, Wien
  76. Ernst Ternon, FH Wiener Neustadt Campus Wieselburg
  77. Alexandra Frangenheim, Universität für Bodenkultur, Wien
  78. Reinhard Steurer, Universität für Bodenkultur, Wien
  79. Christof Falkenberg, Universität für Bodenkultur, Wien
  80. Michael Ambros, Universität für Bodenkultur, Wien
  81. Peter Schwarzbauer (Pensionist), (ehemals) Universität für Bodenkultur, Wien 
  82. Philipp Sperner, UC Berkeley, USA / IFK Wien
  83. Eva Vetter, Zentrum für Lehrer:innenbildung, Universität Wien
  84. Henriette Gupfinger FH Wiener Neustadt Campus Wieselburg
  85. Marina Fischer-Kowalski, Universität für Bodenkultur, Wien
  86. Brigitte Ratzer, Technische Universität Wien
  87. Katta Spiel, Technische Universität Wien
  88. Verena Radinger-Peer, Universität für Bodenkultur, Wien
  89. Barbara Kump, Universität Twente, ehemals Wirtschaftsuniversität Wien 
  90. Jörg Ott, Universität Wien
  91. Stefan Hagel, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  92. Katrin Karner, Universität für Bodenkultur, Wien
  93. Laura Gianvittorio-Ungar, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  94. Jens Blechert, Universität Salzburg
  95. Elske Ammenwerth, Private Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie, Hall in Tirol
  96. Sigrid Stagl, Wirtschaftsuniversität Wien
  97. Michael Miess, Umweltbundesamt
  98. Johannes Tintner-Olifiers, Universität für Bodenkultur, Wien
  99. Stefan Puttinger, Johannes Kepler Universität Linz
  100. Johann Zaller, Universität für Bodenkultur, Wien
  101. Stefan Breuer, Fachhochschule Kärnten
  102. Melanie Fleischhacker, Universität Klagenfurt
  103. Ulrich Peter Hagg, Universität Klagenfurt
  104. Nils Carqueville, Universität Wien
  105. Tatjana Boczy, Universität Wien
  106. Johannes Klackl, Universität Salzburg
  107. Fridolin Krausmann, Universität für Bodenkultur
  108. Jana Köhler, Universität Wien
  109. Anke Schaffartzik, Central European University Vienna
  110. Nikola Winter, Universität Wien
  111. Raimund Sobotka, Universität Wien
  112. Doris Lucyshyn, Universität für Bodenkultur Wien
  113. Martin Greimel, Universität für Bodenkultur
  114. Kathrin Siegl, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  115. Wouter Dorigo, TU Wien
  116. Gunter Sperka, ehem. Klimakoordinator Land Salzburg
  117. Maximilian Rau, Universität Graz 
  118. Gaby Krasemann, Universität Klagenfurt
  119. Sara Hintze, Universität für Bodenkultur, Wien
  120. Robert Koeppe, JKU Linz
  121. Stefan Ohrhallinger, TU Wien
  122. Anke Strüver, Universität Graz
  123. Jana Plöchl, Universität für Bodenkultur Wien
  124. Mario Diethart, Universität Graz
  125. Dirk Raith, Universität Graz
  126. Rivka Saltiel, Universität Graz
  127. Melina Kerou, Universität Wien
  128. Gernot Lechner, Universität Graz
  129. Florian Ladstädter, Universität Graz
  130. Bernd Lenzner, Universität Wien
  131. Viktor Schwabl, Universität für Bodenkultur Wien
  132. Reinhold Christian, Forum Wissenschaft & Umwelt
  133. Lisa Bohunovsky, Universität für Bodenkultur Wien
  134. Maria Niedertscheider, Umweltbundesamt
  135. Andrea Jany, Universität Graz
  136. Barbara Laa, TU Wien
  137. Maria Kalleitner-Huber, Universität Mozarteum Salzburg
  138. Martin Bruckner, Wirtschaftsuniversität Wien
  139. Jürgen K. Friedel, Universität für Bodenkultur Wien
  140. Andreas Tribsch, Universität Salzburg
  141. Caroline Linhart, selbstständig, ehemals: Universität Wien, medizinische Universität Innsbruck, Universität Innsbruck
  142. Michael Deflorian, FH Wiener Neustadt
  143. Anke Bockreis, Universität Innsbruck
  144. Andreas Koch, Universität Salzburg
  145. Alexander Behr, Universität Wien
  146. Valentin Fiala, Freie Universität Berlin, ehem. Universität für Bodenkultur Wien
  147. Mirko Javurek, Johannes Kepler Universität Linz
  148. Philipp Wilfinger, Universität Graz
  149. Thomas A. Griffiths, Universität Wien
  150. Veronika Dworzak, Universität Klagenfurt
  151. Heidelinde Trimmel, Universität für Bodenkultur Wien
  152. Aliyeh Salehi, Universität für Bodenkultur Wien
  153. Steffen Kittlaus, TU Wien
  154. Thomas Neier, Wirtschaftsuniversität Wien
  155. L Glaser, Universität Wien
  156. Friederike Gesing, Universität Graz
  157. Lukas Brunner, Universität Wien
  158. Sabine Rosner, BOKU Wien
  159. Claudia Michl, Universität für Bodenkultur Wien
  160. Harald Pauli, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
  161. Axel Maas, Universität Graz
  162. Ines Hinterleitner, Universität für Bodenkultur Wien
  163. Carlo Bosi, Universität Salzburg 
  164. Wolfgang Woyke, Fachhochschule Kufstein-Tirol
  165. Pamela Baur, Universität Wien
  166. Andreas Melcher, Universität für Bodenkultur Wien
  167. Lukas Kenner, MedUniWien und VetMedUni Wien
  168. Judith Fitz, Universität für Bodenkultur Wien
  169. Martin Vojta, Universität Wien
  170. Franz Essl, Universität Wien
  171. Daniel Hupmman, IIASA
  172. Ernest Aigner, WU Wien
  173. Dorothea Born, Ludwig Boltzmann Gesellschaft
  174. Florian Borgwardt, Universität für Bodenkultur Wien
  175. Ursula Nopp-Mayr, Universität für Bodenkultur Wien
  176. Jana Petermann, Universität Salzburg
  177. Norbert Helm, Universität Wien
  178. Ilena Grimmer, HyCentA Research GmbH
  179. Johannes Wessely, Universität Wien
  180. Andreas Plach, Universität Wien
  181. Christoph Görg. Universität für Bodenkultur, Wien
  182. Günter Emberger, Technische Universität Wien
  183. Ulrich Leth, Technische Universität Wien
  184. Doris Österreicher, Universität für Bodenkultur Wien
  185. Heinz Berger, Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Wien
  186. Michael Dörfler-Kneihs, Univ. Für Musik u. Darst. Kunst Wien
  187. Sonja Lambert, Universität für Bodenkultur Wien
  188. Katarzyna Gruszka, WU Wien 
  189. Stefan Dullinger, Universität Wien
  190. Elisabeth Worliczek, Universität für Bodenkultur Wien
  191. Alina Brad, Universität Wien
  192. Ines Omann, ÖFSE wien
  193. Gabriel Bachner, Universität Graz
  194. Hanspeter Wieland, Universität für Bodenkultur, Wien
  195. Andreas Exner, Universität Graz
  196. Martin Röck, Technische Universität Graz
  197. Friedrich Hinterberger, Universität für Angewandte Kunst Wien und Universität Salzburg
  198. Thomas Wrbka, Universität Wien
  199. Alice Pechriggl, Universität Klagenfurt
  200. Michael Meschik, BOKU Wien
  201. Petra Riefler, Universität für Bodenkultur Wien
  202. Ulrich Brand, Universität Wien
  203. Michaela Kathan, Universität Wien
  204. Leander Lezameta, Universität Graz
  205. Sarah Lindner, Universität Graz
  206. Stefan Nabernegg, Universität Graz
  207. Winfrid Herbst, Naturschutzbund Salzburg
  208. H.Peter Degischer, em.Univ.Prof.TU Wien
  209. Elisabeth Höftberger, Universität Salzburg
  210. Susanne Drechsel, ZAMG
  211. Gernot Neuwirth, Naturschutzbund Österreich
  212. Matthias Kropf, BOKU Wien
  213. Teresa Lackner, Universität Graz 
  214. Fabian Kalleitner, Universität Wien
  215. Marianne Bügelmayer-Blaschek, AIT
  216. Richard Parncutt, Universität Graz
  217. Veronika Proschek, Universität Graz
  218. Ilona M. Otto, Wegener Center, Universität Graz
  219. Etienne Schneider, Universität Wien
  220. Stefan Fredenhagen, Universität Wien
  221. Barbara Prainsack, Universität Wien
  222. Katharina Toth, Universität für Bodenkultur Wien
  223. Ariane Giesriegl, FH Technikum Wien
  224. Christiane Kreyer, UMIT TIROL-Private Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie, Hall in Tirol
  225. Peter Reichl, Universität Wien
  226. Yvona Asbäck, Universität für Weiterbildung Krems
  227. Martin Schönhart, Universität für Bodenkultur Wien
  228. Wilhelm Linder, Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik
  229. Thomas Hein, Universität für Bodenkultur Wien
  230. Johannes Rüdisser, Universität Innsbruck
  231. Josef Melchior, Universität Wien
  232. Helmut Sattmann, Naturhistorisches Museum Wien
  233. Irmgard Greilhuber, Universität Wien
  234. Martin Hagmüller, Technische Universität Graz
  235. Beate Hennenberg, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
  236. Harald Rieder, Universität für Bodenkultur Wien
  237. Hans-Peter Manser, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
  238. Bernhard Ungericht, Universität Graz
  239. Lisa Muhr, FH Wiener Neustadt, Institut für Nachhaltigkeit
  240. Karin Liebhart, Universität Wien
  241. Stefanie Lemke, Universität für Bodenkultur Wien
  242. Thomas Drapela, Forschungsinstitut für biologischen Landbau
  243. Marc Klawitter, Technische Universität Graz
  244. Christina Plank, Universität für Bodenkultur Wien
  245. Sebastian Serna-Loaiza, Technische Universität Wien
  246. Gerald Gmachmeir, Johannes Kepler Universität Linz
  247. Florian Part, Universität für Bodenkultur Wien
  248. Claudia Mair-Bauernfeind, Universität Graz
  249. Roman Bisko, Universität für Bodenkultur Wien
  250. Roland Kaitna, Universität für Bodenkultur Wien
  251. Andreas Magerl, Universität für Bodenkultur Wien
  252. Christine Altenbuchner, Universität für Bodenkultur, Wien
  253. Bartolo Musil, Universität Mozarteum Salzburg


* Die Besetzungen der Hörsäle wurden zwar in ganz Österreich aufgelöst, dennoch arbeiten die Aktivist*innen der Erde brennt Bewegung noch weiter in verschiedenen Universitäten an den Forderungen und planen Aktionen, damit diese umgesetzt werden.

1.         Steffen, W. et al. Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science 347, 1259855 (2015).

2.         Allan, R. P. et al. IPCC, 2021: Summary for Policymakers. In: Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, pp. 3−32 (2021) doi:doi:10.1017/9781009157896.001.

3.         Fanning, A. L., O’Neill, D. W., Hickel, J. & Roux, N. The social shortfall and ecological overshoot of nations. Nat Sustain 1–11 (2021) doi:10.1038/s41893-021-00799-z.

4.         Pörtner, H.-O. et al. Scientific outcome of the IPBES-IPCC co-sponsored workshop on biodiversity and climate change. https://zenodo.org/record/5101125 (2021) doi:10.5281/zenodo.5101125.

5.         Armstrong McKay, D. I. et al. Exceeding 1.5°C global warming could trigger multiple climate tipping points. Science 377, eabn7950 (2022).

6.         Piketty, T. Capital in the Twenty-First Century. (Harvard University Press, 2017).

7.         Pechar, H. Austrian Higher Education Meets the Knowledge Society. Canadian Journal of Higher Education 34, 55–72 (2004).

8.         Parker, L. University corporatisation: Driving redefinition. Critical Perspectives on Accounting 22, 434–450 (2011).

9.         Dobusch, L. & Kapeller, J. A Guide to Paradigmatic Self-Marginalization: Lessons for Post-Keynesian Economists. Review of Political Economy 24, 469–487 (2012).

10.       Ainley, P. Education and climate change – some systemic connections. British Journal of Sociology of Education29, 213–223 (2008).

11.       Hickel, J. Less is More: How Degrowth Will Save the World. (Random House, 2020).

12.       Raworth, K. Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st-Century Economist. (Chelsea Green Publishing, 2017).

13.       Aigner, E. et al. APCC (2023): Zusammenfassung für Entscheidungstragende. [Aigner, E., C. Görg, V. Madner, A. Muhar, A. Novy, A. Posch, K. Steininger, L. Bohunovsky, J. Essletzbichler, K. Fischer, H. Frey, W. Haas, M. Haderer, J. Hofbauer, B. Hollaus, A. Jany, L. Keller, A. Krisch, K. Kubeczko, M. Miess, M. Ornetzeder, M. Penker, M. Pichler, U. Schneider, B. Smetschka, R. Steurer, N. Svanda, H. Theine, M. Weber und H. Wieser]. In: APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben (APCC SR Klimafreundliches Leben) [Görg, C., V. Madner, A. Muhar, A. Novy, A. Posch, K. Steininger, und E. Aigner (Hrsg.)]. Springer Spektrum: Berlin/Heidelberg.

14.       Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, I. Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services. https://zenodo.org/record/3553579 (2019) doi:10.5281/zenodo.3553579.

15.       IPCC. Summary for Policymakers. In: Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [P.R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, J. Malley, (eds.). Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, US(2022) doi:doi: 10.1017/9781009157926.00.

16.       Green, F. & Robeyns, I. On the Merits and Limits of Nationalising the Fossil Fuel Industry. undefined (2022).

17.       Hickel, J., Dorninger, C., Wieland, H. & Suwandi, I. Imperialist appropriation in the world economy: Drain from the global South through unequal exchange, 1990–2015. Global Environmental Change 73, 102467 (2022).

18.       Schilling‐Vacaflor, A. & Lenschow, A. Hardening foreign corporate accountability through mandatory due diligence in the European Union? New trends and persisting challenges. Regulation & Governance n/a, (2021).

19.       Schilling-Vacaflor, A. Integrating Human Rights and the Environment in Supply Chain Regulations. Sustainability13, 9666 (2021).

20.       Ozor, N. & Madukwe, M. C. Influencing Curriculum Development and Knowledge of Climate Change Issues in Universities: The Case of University Of Nigeria Nsukka. Journal of Agricultural Extension 16, 103–118 (2012).

21.       Leal Filho, W. et al. Handling climate change education at universities: an overview. Environmental Sciences Europe 33, 109 (2021).

22.       Phelan, L. & Lumb, M. Higher education for times of climate crisis – critical awareness, purpose and community. International Studies in Sociology of Education 30, 173–190 (2021).

23.       Bohunovsky, L. und L. Keller (2023): Bildung und Wissenschaft für ein klimafreundliches Leben. In: APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben (APCC SR Klimafreundliches Leben) [Görg, C., V. Madner, A. Muhar, A. Novy, A. Posch, K. Steininger und E. Aigner (Hrsg.)]. Springer Spektrum: Berlin/Heidelberg.

24.       Rhoads, R. A. Learning from Students as Agents of Social Change: Toward an Emancipatory Vision of the University. Journal of Change Management 9, 309–322 (2009).


Titelbild: Erde brennt auf Flickr



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Eindruck der ersten Klimakonferenz der WKO

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Lesedauer 2 Minuten

von Ines Clarissa Schuster – Erfahrungsbericht

Celsius hat diese Woche an der ersten Klimakonferenz der WKO teilgenommen.  Viele top Manager:innen und ganze vier Mitglieder der Bundesregierung waren vertreten, standen auf der Bühne und teilten ihre Meinung (Bundeskanzler Karl Nehammer, Bundesministerin Leonore Gewessler, Bundesminister Martin Kocher, Finanzminister Magnus Brunner). Hier einige unserer Eindrücke der Konferenz:

Vielsagend ist zunächst schon das Timing:  Im Jahr 2022 (!) organisiert die WKO ihre erste (!) Klimakonferenz – und das ausgerechnet in einer Zeit immens steigender Energiepreise.  Ein Zufall?  

Vielleicht war es naiv zu glauben, es würde inhaltlich tatsächlich um den Klimaschutz gehen. Das Programm der Veranstaltung schien vielversprechend. Bereits in der Früh demonstrierten NGOs wie z.B. Fridays4Future vor dem Gebäude, um darauf aufmerksam zu machen, worum es heute gehen soll. Tatsächlich wurde von vielen Rednern erwähnt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Aktivist:innen ist: Nur gemeinsam können wir die Herausforderung des Klimawandels lösen. 

Das sonstige Gesagte am Podium enttäuschte die Erwartungen allerdings gewaltig. Es wurde wenig über notwendige Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutiert. Inhalt war nicht: was konkret getan werden muss, welche Industriezweige wachsen sollten und welche nicht, welche Technologien gebraucht werden, wo Forschung gefördert werden muss, welche Fachkräfte zukünftig ausgebildet / umgeschult werden sollen etc. Stattdessen standen Entscheidungsträger, Wirtschaftsvertreter und top Manager:innen auf der Bühne und verlangten laut und selbstbewusst von der Politik – in den Markt einzugreifen: 

  • Die Energiepreise sind zu hoch!  Es muss eine Energiepreisbremse geben: Einen Deckel. (Darüber, wie genau der Deckel realisiert werden sollte, war man sich allerdings nicht einig). Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit und daher stabile Preise.  Klingt logisch, nur dass genau dieselben Menschen vor wenigen Jahren propagiert haben, der Preis bildet sich im gesunden kapitalistischen Wirtschaftssystem durch Nachfrage und Angebot – daher gibt er wieder, was ein bestimmtes Gut wert ist.  Der Markt regelt sich selbst. Manipulierte Preise geben falsche Signale an die Entscheidungsträger.

In diesem Fall stimmt die letztere Annahme. Energie ist wertvoll, ein hoher Preis ist ein riesiger Motivator so energieeffizient wie möglich zu agieren.

  • Die Wirtschaft braucht Zuschüsse und Förderungen vom Staat.  Mit Verweis auf Deutschlands riesige Hilfspakete (der 200 Mrd. “Doppelwumms“) Die Vertreter:innen bei dieser „Klimakonferenz“ wollen vor allem, dass so etwas auch in Österreich kommt, um den Industriestandort wettbewerbsfähig zu halten.

Solche Steuergeschenke für die Reichen wurden beispielsweise umfassend vom Momentum Institut analysiert.

  • Während auf der einen Seite ganz selbstverständlich direkt Geld vom Steuerzahler eingefordert wird, wird andererseits auch darauf bestanden, Bürokratie und die Einflussnahme von Politik zu senken.  Kürzere Genehmigungsverfahren, weniger Umweltschutz, weniger Regulierung, bloß keine zusätzlichen Steuern wie die Übergewinnsteuer, so der Tenor fast aller Sprecher:innen.  Von denselben Akteur:innen hörte man früher: „Wer zahlt schafft an.“ 

Aus unserer Sicht müssen Zuschüsse (von unserem Geld) sowie Preisdeckel an Bedingungen wie mehr Transparenz und Entscheidungsrechte über z.B. Gewinn-Ausschüttungen / Investitionen geknüpft sein.

  • Weitere nachvollziehbare Forderungen der Wirtschaft: Unvoreingenommene Politik im Sinne von Technologie-Offenheit und Ideologie-Freiheit, sowie Tempo bei Entscheidungen und stabile Rahmenbedingungen.

Diesen Punkten kann sich Celsius anschließen.

Fazit

Es ging nur auf dem Etikette ums Klima, die eigentlichen Anliegen der Wirtschaftsvertreter:innen waren:  

  • Unterstützung vom Staat in Form von Zuschüssen und Preisdeckeln
  • Ansonsten möglichst wenig Staat, wenig Regulierung, keine Belastungen … das Übliche.

Es ist erschreckend und beängstigend, wie viel politische Aufmerksamkeit und Macht die Wirtschaftskammer hat. Unter anderem die Ankündigung von WKO Generalsekretär Karlheinz Kopf, dass er gemeinsam mit WKO Präsident Harald Mahrer am nächsten Tag den Finanzminister Martin Kocher persönlich besuchen werde, um nächste Schritte und Entlastungspakete auszuarbeiten, zeigen das riesige Ungleichgewicht der Interessenvertreter. Es ist ganz selbstverständlich, dass Wirtschafsvertreter mit der Politik Regelungen vereinbaren. Aber wie oft haben Vertreter der Umwelt und des Klimas die Möglichkeit gemeinsam mit der Regierung notwendige Normen und Unterstützungsmöglichkeiten zu erarbeiten?

Titelbild: System Change not Climate Change via flickr



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EIN KLEINER HOFFNUNGSSCHIMMER – ABER ES GIBT NOCH SEHR VIEL ZU TUN! – Aktuelle Reports vor der Weltklimakonferenz

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Lesedauer 3 Minuten

von Renate Christ

Vor der Klimakonferenz in Sharm El Sheikh wurden in den letzten Tagen, wie auch in vergangenen Jahren, wichtige Reports von UNO Organisationen veröffentlicht. Es ist zu hoffen, dass in den Verhandlungen darauf Bedacht genommen wird. 

UNEP EMISSIONS GAP REPORT 2022

Der Emissions Gap Report des UNO Umweltprogramms (UNEP) analysiert jeweils den Effekt der derzeitigen Maßnahmen und der vorliegenden nationalen Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDC) und stellt sie den Treibhausgas (THG) Emissionsreduktionen, die für die Erreichung des 1,5°C bzw. 2°C Ziel notwendig sind, gegenüber. Der Report analysiert auch Maßnahmen in verschiedenen Sektoren, die zur Schließung dieses „Gaps“ geeignet sind. 

Die wichtigsten Eckdaten sind wie folgt: 

  • Nur mit derzeitigen Maßnahmen, ohne Berücksichtigung der NDC, sind im Jahr 2030 THG Emissionen von 58 GtCO2e zu erwarten und bis Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung von 2,8°C. 
  • Werden alle bedingungslosen NDC umgesetzt so ist eine Erwärmung von 2,6°C zu erwarten. Durch Implementierung aller NDC, die an Bedingungen wie finanzielle Hilfen geknüpft sind, könnte der Temperaturanstieg auf 2,4°C reduziert werden. 
  • Für eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5°C bzw. 2°C dürfen die Emissionen im Jahr 2030 nur noch 33 GtCO2e bzw. 41 GtCO2e betragen. Die aus den vorliegenden NDC resultierenden Emissionen liegen aber 23 GtCO2e bzw. 15 GtCO2e darüber. Diese Emissions Gap muss durch zusätzliche Maßnahmen geschlossen werden. Wenn die NDC implementiert werden, die an Bedingungen geknüpft sind, verringert sich das Emissions Gap um jeweils 3 GtCO2e.
  • Die Werte sind etwas niedriger als in vorangegangenen Berichten, da viele Länder begonnen haben Maßnahmen umzusetzen. Auch der jährliche Anstieg der globalen Emissionen hat etwas abgenommen und liegt bei 1,1% pro Jahr.  
  • In Glasgow wurden alle Staaten aufgefordert verbesserte NDC zu präsentieren. Diese führen jedoch nur zu einer weiteren prognostizierten THG Emissionsreduktion im Jahr 2030 von 0,5 GtCO2e oder weniger als 1%, also nur zu einer unwesentlichen Verringerung des Emissions Gaps. 
  • Die G20 Staaten werden voraussichtlich ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreichen, was das Emissions Gap bzw. den Temperaturanstieg erhöht. 
  • Viele Länder haben netto-null Ziele vorgelegt. Allerdings ist die Wirksamkeit solcher Ziele ohne konkrete kurzfristige Reduktionsziele nicht abschätzbar und wenig glaubwürdig.  
GHG unter verschiedenen Szenarios
GHG emissions under different scenarios and the emissions gap in 2030 (median estimate and tenth to ninetieth percentile range); Bildquelle: UNEP – Emissions Gap Report 2022

Report, Key Messages und Pressestatement

https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2022

UNFCCC SYNTHESEBERICHT 

Das Klimasekretariat wurde von den Vertragsstaaten beauftragt, den Effekt der vorgelegten NDC und langfristigen Pläne zu analysieren. Der Bericht kommt zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen wie der UNEP Emissions Gap Report. 

  • Wenn alle vorliegenden NDC umgesetzt werden, wird die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts 2,5°C betragen. 
  • Nur 24 Staaten haben nach Glasgow verbesserte NDC vorgelegt, mit geringem Effekt.
  • 62 Staaten, die 83% der globalen Emissionen repräsentieren, haben langfristige netto-null Ziele, allerdings oft ohne konkrete Umsetzungspläne. Dies ist einerseits ein positives Signal, birgt aber die Gefahr, dass dringend notwendige Maßnahmen in die ferne Zukunft aufgeschoben werden.   
  • Bis 2030 ist ein Anstieg der THG Emissionen von 10,6% gegenüber 2010 zu erwarten. Nach 2030 wird kein weiterer Anstieg mehr erwartet. Dies ist eine Verbesserung gegenüber vorherigen Berechnungen, die von einem Anstieg von 13,7% bis 2030 und darüber hinaus ausgingen. 
  • Das steht noch immer in krassem Gegensatz zur erforderlichen THG Reduktion zur Einhaltung des 1,5°C Ziels von 45% bis 2030 im Vergleich zu 2010, bzw. 43% im Vergleich zu 2019.  

Pressestatement und weiterführende Links zu den Reports

https://unfccc.int/news/climate-plans-remain-insufficient-more-ambitious-action-needed-now

WORLD METEOROLOGICAL ORGANISATION WMO BERICHTE

Im jüngsten Greenhouse Gas Bulletin wird festgehalten: 

  • 2020 bis 2021 wurde eine stärkere Zunahme der COKonzentration verzeichnet als im Schnitt der letzten Dekade und die Konzentration steigt weiter an. 
  • Die atmosphärische COKonzentration lag 2021 bei 415,7 ppm und damit 149% über dem vorindustriellen Niveau.
  • 2021 wurde die stärkste Zunahme der Methankonzentration seit 40 Jahren beobachtet.

In Sharm El Sheikh wird der jährliche Bericht zu Lage des globalen Klimas vorgestellt. Einige Daten wurden bereits vorweg präsentiert:

  • Die Jahre 2015-2021 waren die 7 wärmsten Jahre der Maßgeschichte 
  • Die globale Durchschnittstemperatur ist mehr als 1,1°C über dem vorindustriellen Niveau von 1850–1900.

Pressestatement und weiterführende Links 

https://public.wmo.int/en/media/press-release/more-bad-news-planet-greenhouse-gas-levels-hit-new-highs

Titelbild: Pixource auf Pixabay



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COP-27 was ist zu erwarten?

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Lesedauer 4 Minuten

von Renate Christ

Von Glasgow nach Sharm El-Sheikh

Nach zwei Jahren Pandemiepause haben sich Vertragsparteien und Delegierte erstmals im November 2021 wieder in Glasgow zur 26. Vertragsstaatenkonferenz der UNO Klimarahmen-konvention[1] (UNFCCC COP-26) getroffen. Dabei wurden beachtliche Erfolge erzielt. So wurde das Regelwerk für das Übereinkommen von Paris (Paris Agreement PA), wie Berichtspflichten und grundsätzliche Regeln für den globalen Emissionshandel, fertiggestellt. Erstmals wurden Kohleausstieg und fossile Subventionen im Schlussdokument direkt angesprochen and das 1,5°C Gard Ziel wurde klar bekräftigt. Dies allerdings mit dem Nachsatz des COP-Präsidenten, dass sein Puls bereits sehr schwach sei und dringendes Handeln geboten ist. Ein zentrales Element des Übereinkommens von Paris sind die national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions NDC), die alle wesentlichen Bereiche wie Emissionsminderung, Anpassung, Finanzierung, Technologietransfer etc. umfassen. Sie werden jeweils für einen Zeitraum von 5 Jahren vorgelegt. Eine Reihe von Staaten hat neue nationalen Beiträge vor allem im Bereich Emissionsminderung und netto Null Emissionsziele präsentiert und alle Staaten wurden zu einer Verschärfung ihrer NDC aufgefordert. Ein spezielles Arbeitsprogramm für weitere dringende Emissionsminderung, sowie Arbeitsprogramme für ein globales Anpassungsziel und für das im Jahr 2023 vorgesehene „global stock-take“ wurden verabschiedet, sowie weitere Arbeit zum Thema Verluste und Schäden vereinbart. Die Finanzierungszusage von 100 Mrd jährlich und eine Verdoppelung der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen wurden zwar bekräftigt, im Bereich Verluste und Schäden blieben die Aussagen aber sehr vage.    

Mittlerweile hat sich viel geändert. Zwei weitere Berichte des Weltklimarats haben die Dringlichkeit des Handelns unmissverständlich aufgezeigt, während viele Weltregionen drastische Auswirkungen der Klimaveränderung bereits schmerzhaft erlebten. Damit rückt die Frage der Anpassungsmaßnahmen und die Problematik von klimabedingten Verlusten und Schäden noch stärker ins Zentrum. Dennoch stiegen die globalen Emissionen nach einer kurzen Corona-bedingten Abnahme wieder deutlich an und durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise hat sich der Fokus vieler Staaten von der Dekarbonisierung des Energiesystems auf die kurzfristigen Herausforderungen der Energiewirtschaft verlagert. Damit ist die Ausganglage diesmal besonders schwierig. Auch im Rahmen der Klimakonvention selbst kam es zu Veränderungen. Die Amtszeit von Executive Secretary Patricia Espinosa ist ausgelaufen und erst kürzlich wurde Simon Stiell, ehemaliger Umweltminister von Grenada zum Nachfolger bestellt. Weiters wird der Vorsitz turnusmäßig von Großbritannien an das afrikanische Gastgeberland Ägypten weitergegeben.  

Was steht auf der Agenda

Beim Studium der Dokumente ist zu beachten, dass es sich bei der COP formell um drei Vertragsstaatenkonferenzen handelt, nämlich der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), des Kyoto Protokolls (KP) und des Übereinkommens von Paris (PA), und daher Themen wie Emissionsminderung, Anpassung oder Finanzen in unterschiedlichen Foren und unter mehreren Tagesordnungspunkten behandelt werden. Meist wird versucht, die Ergebnisse in einer Schlusserklärung zusammenzufassen. Die diesjährige COP steht ganz im Zeichen von Implementierung von Maßnahmen sowie Finanzierung. 

Wichtige Themen und Tagesordnungspunkte sind: 

  • Emissionsminderung: In Glasgow wurde ein Arbeitsprogramm zur dringenden Verschärfung von Emissionsminderungsmaßnahmen und deren Implementierung „urgently scaling up mitigation ambition and implementation“ verabschiedet. Dabei  geht es vor allem um verschärfte Emissionsreduktion im Rahmen der nationalen  Beiträge (NDC) für 2020-2025. Neue NDC für 2025-2030 sollen 2024 vorgelegt werden.  
  • Weltweite Bestandsaufnahme: Laufende Arbeiten zur im Jahr 2023 vorgesehenen weltweiten Bestandsaufnahme „global stocktake“, die auf Basis der derzeitigen NDC und deren Implementierung, sowie neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse analysieren soll wo wir im Hinblick auf die Einhaltung der Paris Ziele stehen sind ein wichtiger Tagesordnungspunkt. Die Ergebnisse des „global stocktake“ bilden auch eine Grundlage für die Verschärfung der nationalen Beiträge für die Periode 2025-2030.
  • Anpassungsmaßnahmen: Bei der COP26 wurde das Glasgow – Sharm El Sheik Arbeitsprogramm für ein globales Anpassungsziel „global goal on adaptation“ beschlossen, und daher werden Beschlüsse bei dieser COP erwartet.
  • Verluste und Schäden: Klimabedingte Verluste und Schäden „loss and damage“, insbesondere die Schaffung eines Finanzierunginstruments, haben sich bisher sehr kontroversiell gestaltet und sind ein zentrales Anliegen der Präsidentschaft.  
  • Finanzierung: Eine Reihe von weiteren Tagungspunkten betreffen Finanzierung, einschließlich Finanzierungszusagen ab 2025 und eine Erhöhung der Gelder für Anpassungsmaßnahmen 
  • Kooperative Maßnahmen unter Art. 6 PA: Die Erarbeitung von Regeln für die Zusammenarbeit von Staaten zur Erreichung ihrer NDCs, z.B. durch Emissionshandel gestalteten sich sehr schwierig. Die wesentlichen Beschlüsse wurden in Glasgow gefasst. Einige Detailfragen betreffend Kohlenstoffmarkt und nicht marktbasierter Zusammenarbeit zwischen Vertragsstaaten sind noch zu klären.
  • Zweiter periodischer Review des langfristigen Ziels der Konvention: Hier geht es um die Frage ob auf Basis neuer Erkenntnisse, wie dem 6. IPCC Sachstandsbericht das Ziel die Erwärmung auf weniger als 2°C bzw. 1,5°C zu begrenzen noch angemessen ist. Eine diesbezügliche Entscheidung wird von dieser COP erwartet.  

Am 7.-8. Nov sind Regierungschefs eingeladen ihre Statements abzugeben, bei denen hoffentlich verschärfte nationale Pläne (NDC) zu hören sein werden und dadurch ein Momentum für den weiteren Verlauf der Konferenz geben werden. Interessant wird sein, wieweit die oft etwas allgemein formulierten und in weiter Ferne liegenden Netto-Null Ziele durch kurz- und mittelfristige Ziele und Strategien untermauert werden. 

Was tut sich am Rande 

Die jährlichen Klimakonferenzen bilden auch eine wichtige Plattform für Akteure der Zivilgesellschaft. So wurden bereits eine Reihe von Vereinbarungen und Selbstverpflichtungen z.B. von Städten und Industriezweigen getroffen deren Wirksamkeit nicht zu unterschätzen ist. Um diesen Austausch zu fördern wurde u.a. das Marrakech Partnership Programm gegründet. Auch bei dieser COP werden gemeinsam mit der Präsidentschaft „Climate Action“ Thementage organisiert. Dazu kommen eine Vielzahl von Side Events, organisiert von NGOs, wissenschaftlichen Institutionen, Vertretern von indigenen Völkern usw.   

Wie wird der Erfolg zu bewerten sein

Auch wenn von dieser Konferenz keine großen Würfe zu erwarten sind ist zu hoffen, dass sie dazu führt, dass sich alle Akteure trotz der gegenwärtigen Krisen wieder auf Klimaschutzmaßnahmen konzentrieren und eine entsprechende Balance zwischen der dringenden Emissionsreduktion, und Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen und Verluste und Schäden in den Beschlüssen erzielt wird. Denn ohne sofortige drastische Mitigation steigen die Klimarisiken an, und je weniger Mitigation und Adaptation umso mehr Loss and Damage wird es geben. 

Weiterführende Links

unfccc.int und cop27.eg

Auf diesen beiden Websites kann man offizielle Dokumente, Hinweise auf Veranstaltungen, Webcasts von Sitzungen und Events, sowie Pressemitteilungen finden.

https://enb.iisd.org/topics/climate-change

Das „Earth Negotiations Bulletin“ des International Institute for Sustainable Development (IISD) verfasst täglich Berichte über die Verhandlungen und ausgewählte Side Events und am Ende der Konferenz eine Zusammenfassung und Analyse. Auch Berichte über frühere Meetings sind dort zu finden.     

www.unep.org

Seit mehr als 10 Jahren veröffentlicht das UNO Umweltprogramm kurz vor der jährlichen Klimakonferenz den sogenannten „Emissions Gap Report“ und bringt damit ordentlich Dynamik in die Debatte.  Der Emissions Gap Report 2022 wird im Oktober erwartet. 

www.ipcc.ch

Hier findet man Berichte des Weltklimarats (IPCC). Der kürzlich erschienene 6. Sach-standsbericht ist ein wichtiger Input für eine Reihe von Tagesordnungspunkten. 

Titelbild: Florian Pircher auf Pixabay

Gesichtet: Markus Palzer-Khomenko


[1] United Nations Framework Convention on Climate Change 



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„Cool“ and the City

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Lesedauer 5 Minuten

von Ines Clarissa Schuster

Aufgrund des Klimawandels werden die Temperaturen in vielen Gebieten der Welt ansteigen. Die Wissenschaft erwartet, dass vor allem die Städte Mitteleuropas von immer härteren und länger andauernden Hitzewellen gebeutelt werden.1 

Auswirkungen der Hitze auf den Menschen

In der Podcastfolge Alpenglühen vom 17. Juli 20222 erläutert Dr. Heinz Fuchsig im Gespräch mit Sofia Palzer Khomenko welche Auswirkungen die Hitze medizinisch auf den menschlichen Organismus hat: „Der Mensch fühlt sich nur in einem sehr engen Temperaturbereich wohl. Beim Fernsehen zu Hause, wenn es 21° hat – ziehen wir uns einen Pullover über. Bei 26° fühlen wir uns in der Badehose am wohlsten und bei 35° sind wir gezwungen uns regelmäßig im kalten Wasser abzukühlen. Niemand fühlt sich bei 35° noch wohl.“

Bei großer Hitze muss ein großer Teil der maximalen Herzleistung, welche überhaupt erbracht werden kann, für die Kühlung der Haut reserviert bleiben. In warmen Nächten, wenn es in unseren Wohnungen über 25°C warm ist, muss das menschliche Herz um 2/3 mehr arbeiten, um die Haut zu durchbluten. Diese mehr-Anstrengung des Herzens während der ganzen Nacht führt dazu, dass der Mensch nicht ausgeschlafen und nicht ausgeruht ist. Studien zeigen ab 25°C nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab. Unfälle nehmen ab 27°C deutlich zu. Ab 29°C nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ab.3, 4

Klimaanlagen leiten den eigenen thermischen Abfall in die Umgebung

Wenn die Außentemperaturen steigen, und selbst die Nacht keine erholsame Temperaturabsenkung bringen, steigt die individuelle Lust, sich eine Klimaanlage zu kaufen. Immer mehr Familien mit Kleinkindern oder Pensionisten können die Hitzewellen nicht ertragen. Die Industrie lockt mit Werbung für die günstige Lösung „Klimaanlage“. Sie wirkt unkompliziert und rasch umsetzbar. Ist dies aber wirklich eine gute Idee?

Dr. Fuchsig: „Die Leute in Hong Kong haben eine Lärmtoleranz, die um 20 dB höher ist als die der Österreicher. Die Ursache für diese enorm hohe Toleranz liegt daran, dass sobald dort Fenster geöffnet werden, sind 150 laufende Klimaanlagen in der direkten Umgebung zu hören.  Dementsprechend sind Menschen in Hong Kong einen Dauerschallpegel gewohnt, der weit über dem unsrigen liegt.“ Man kann sich vielleicht vorstellen, wie das klingt, wenn man direkt am Wiener Gürtel wohnt.

Klimaanlagen sind laut – wenn die Nachbarn eine haben, ist man beinahe gezwungen selbst eine zu besorgen, weil man die Fenster nicht mehr öffnen kann, ohne von dem Lärm belästigt zu werden. Außerdem führen Klimaanlagen dazu, dass die Durchschnittstemperaturen der Stadt noch weiter ansteigen.

Dr. Fuchsig: „Im Mittelalter haben wir aufgehört unseren Kot und Abfälle auf die Straße zu werfen. Damit haben wir uns viele Krankheiten und Pandemien gespart. Jetzt müssen wir aufhören unsere Abgase und unsere thermischen Abfälle auf die Straße zu kippen.“

Technologien zur Kühlung

°CELSIUS traf sich mit Stefan Lendl, einem Experten von Wien Energie, der sich mit Technologien beschäftigt, um nachhaltig sowie sozial Wohnraum zu temperieren. Er ist auch aktiver Young Energy Professional. „Wir suchen nach Wegen, um die Abwärme aus den Wohnungen entweder direkt zu nutzen — zum Beispiel Warmwasser zu generieren – oder zu Speichern – zum Beispiel im Boden, Grundwasser oder als Fernwärme zu nutzen.“

°CELSIUS: Welche Möglichkeiten zur Kühlung gibt es?

Stefan Lendl: „Am einfachsten ist es, während Zeiträumen, in denen es draußen kühler ist als drinnen, die Fenster zu öffnen. Solange es aber draußen wärmer ist als drinnen, muss man sich Alternativen überlegen.“

Die gängigsten Varianten sind Split-Klimaanlagen und „Fancoils“ oder „Umluftkühlgeräte“. Diese sind in vielen Büros im Einsatz und bestehen aus 2 wesentlichen Komponenten: 

  • einem Innengerät mit Ventilator. Der saugt die warme Luft an und leitet sie dann über einen Wärmetauscher. Dieser wird von einer kalten Flüssigkeit durchflossen und kühlt so die Luft ab. Die Flüssigkeit wird über Rohrleitungen weitertransportziert zu
  • einem Außengerät, wie z.B einer Wärmepumpe, welche die Flüssigkeit weiter erwärmt und durch einen weiteren Wärmetauscher leitet, der über einen Ventilator mit Außenluft gekühlt wird.

Kleine Außengeräte (z.B. für private Anwendungen) sieht man gelegentlich in der Größe eines Reisekoffers an Hausfassaden oder Dächern. Bei größeren Anlagen (z.B. für einen Supermarkt) ist von außen oft nur ein Luftwärmetauscher zu sehen, der beispielsweise aussieht, wie ein großer Tisch und sich auf dem Dach befindet. (Auf Google-Maps kann man mit der Satelliten Ansicht einfach abschätzen, wie viele solche Wärmetauscher bereits in der eigenen Stadt vorhanden sind.) 

Die großen Nachteile dieser Klimaanlagen sind:

  • Die Wärme wird aus dem Gebäude hinaus transportiert und an die Umgebung abgegeben. 
  • Die Rückkühler am Dach brauchen viel Platz, welcher besser genutzt werden könnte: PV-Anlagen, Gründach, etc.
  • Die Rückkühler sind sehr laut und belästigen die Bewohner sowie die Nachbarn.

Nachhaltige Kühlungsmöglichkeiten

Eine andere Möglichkeit, als nur die Luft der Innenräume zu kühlen, ist, die Gebäudemasse zu nutzen und bestehende Flächenheizsysteme mit kühlem Wasser zu durchfluten. Zum Beispiel kann die bestehende Fußbodenheizung im Sommer mit kühlem Wasser durchflutet werden. Dies bringt den Vorteil von wenig zusätzlichem Installationsaufwand – es gibt nur ein Heiz/Kühl-System. Die Ängste, die kalte Luft würde sich dann nur am Boden sammeln, bestätigten sich in vielen praktischen Projekten nicht. Die Bewohner der mittels Fußbodenheizung temperierten Wohnungen sind großteils sehr zufrieden und glücklich über die Möglichkeit. Man kann auch eigene Kühldecken einziehen. Neueste Studien zeigen, dass auch die Heizung über die Decke kaum Nachteile bringt. Eine weitere Möglichkeit ist, die Heiz-/Kühlleitungen in den Betonkern (also in die Wände) zu legen. 

Die große Masse der Gebäudehülle ist sehr träge. Durch Flächenheiz-/Kühlsysteme kann man die Temperaturen nur sehr langsam beeinflussen. Dafür wirkt das Gebäude auch als Speicher. Die Ergebnisse dieser Wohnraumtemperierung darf der Nutzer nicht verwechseln mit bekannten Klimaanlagen – da kann ein Nutzer nur enttäuscht werden. Die Temperierung funktioniert viel langsamer und weit nicht so stark. Innenräume können um 2-5°C gekühlt werden, je nach Orientierung, Nutzung, Außenbeschattungs-Möglichkeiten, etc.

Die großen Vorteile sind:

  1. In Flächenkühlsystemen hat das kühlende Wasser ein höheres Temperaturniveau (ca. 20°) als es für Fancoils (6°) notwendig ist. Dadurch ist ein viel geringerer Stromeinsatz notwendig und die Wärmepumpe arbeitet in einem effektiveren Bereich.
  2. Der geringe Stromeinsatz führt zu einem doppelten nutzen – Kühlung & Wärme. Anstatt dass die Umgebung noch weiter aufgeheizt wird, kann die Wärme genutzt werden.
  3. Durch die effektive und doppelte Nutzung der Wärmepumpen wird um 30% weniger CO2 emittiert als in herkömmlichen Klimaanlagen.5

Besonders nachhaltig wird diese Temperierung, wenn man die Abwärme nicht nur im selben Gebäude, sondern in einem größeren Gebiet oder Quartier verteilen kann. Dies kann durch ein Nahwärmenetz oder die Fernwärme erfolgen.

Diese Technologien sind im Einfamilienwohnbau bereits lange bekannt und gang und gäbe. Wien Energie arbeitet nun daran, diese Konzepte auch gebietsübergreifend im mehrgeschoßigen Wohnbau anzuwenden. So werden sie vom Luxus-Produkt zu sozial verträglichem Standard-Komfort.

Aktuelle Beispielprojekte

Stefan Lendl erzählt, dass die Nachfrage nach nachhaltiger Wohnraumtemperierung stetig steigt. Aktuell umgesetzte Projekte sind zum Beispiel:

  • Kirschblütenpark/Arakawastraße, im 22. Bezirk. Wien Energie erarbeitet gemeinsam mit dem innovativen Bauträger AURIS Immo Solution ein Energiekonzept zum Wärmen und Kühlen. Hier wird die Abwärme direkt ins Fernwärmenetz eingespeist.6
  • Käthe-Dorsch-Gasse, im 14. Bezirk. Hier errichtet Wien Energie zusammen mit ARWAG ein Erdsondenfeld, welches im Sommer über die Abwärme der Fußboden-Temperierung regeneriert wird. Im Winter wird die Erdwärme zum Heizen genutzt.
  • Grasbergergasse: Die Abwärme aus der Temperierung wird einerseits für die Warmwasserbereitung genutzt. Die überschüssige Abwärme wird an die Umgebung mittels Luftwärmetauscher abgegeben.

Welche Normen und Gesetze sind notwendig, um den stetigen Ausbau von klassischen Klimaanlagen zu stoppen?

Herkömmliche Klimaanlagen bedeuten den Tod jedes öffentlichen Lebens in der Großstadt. Sie führen zu einer weiteren Erwärmung der Umgebung, Verursachen einen großen Lärmpegel und CO2 Emissionen.

°CELSIUS: „Eine Möglichkeit wäre; eine Gebühr auf thermische Emissionen zu erheben. So wie niemand auf die Idee käme seinen Haushaltsmüll einfach auf die Straße zu kippen – sollte es ähnlich undenkbar sein, seinen thermischen Abfall auf die Straße zu kippen.“

Titelbild: von Gerd Altmann auf Pixabay


1https://wua-wien.at/klimaschutz-klimawandelanpassung-und-resilienz/klimawandel

2https://alpengluehen.scientists4future.org/ 

3https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/hitze-laesst-unfall-haeufigkeit-deutlich-steigen-123393727

4https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2022/06/20220627UnfaelleHitzetage.pdf

5https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200712_OTS0008/cool-von-kopf-bis-fuss

6https://presse.alpha-z.at/news-immo-solutions-und-zima-wien-feiern-bauteil-fertigstellung-am-kirschbluetenpark?id=137314&menueid=19548&l=deutsch&tab=1



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Weniger Fleisch und tierische Produkte: Es ist nicht nur eine Frage der Nachfrage

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Lesedauer 4 Minuten

Dass Konsument:innen weniger Fleisch verbrauchen sollen, ist richtig. Doch muss die Fleischabsatzmenge auf allen Stufen der Lieferkette gerecht und demokratisch reduziert werden.

An den Umweltauswirkungen von Fleisch und Tierprodukten sind nicht nur die Konsument*innen Schuld. Das stellt ein Forschungsteam unter Leitung der Universität für Bodenkultur Wien in einer soeben erschienen Studie fest. Dass die Produktion und der Konsum in westlichen Ländern wie Österreich derart hoch sind, ist die Folge von politischen und ökonomischen Entscheidungen, die alle Stufen der Lieferkette von Futtermitteln, Fleisch und Tierprodukten beeinflussen.

Nutztiere leisten wichtige Dienste für die Menschen. Aber in vielen Ländern gibt es eine zahlenmäßig zu hohe und zu intensive Nutztierhaltung, was dramatische Folgen für Ökosysteme hat und zum Verlust der Biodiversität, zu Entwaldung und zu Boden- oder Wasserverschmutzung führt.

Es ist nicht nur die Lust auf Fleisch

„Ich höre oft, dass das übermäßige Wachstum der Viehzucht in den vergangenen Jahrzehnten daran liege, dass Konsument*innen wohlhabender geworden seien, was deren Lust auf Fleisch und tierische Produkte wie Milch und Eier ankurbelte. Dies ist aber eine zu starke Vereinfachung der Prozesse, die das Wachstum und die Intensivierung der Nutztierhaltung antreiben“, so Nicolas Roux vom Institut für Soziale Ökologie (SEC) der BOKU, der die Studie geleitet hat.

Seit dem 2. Weltkrieg zielte die Politik in den Industrieländern darauf ab, die Industrialisierung der Viehzucht voranzutreiben und die Produktion zu steigern. Das erste Ziel der gemeinsamen Agrarpolitik der EU ist beispielsweise die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft, einschließlich der Tierproduktion. Außerdem zahlen OECD-Staaten jährlich insgesamt 52 Milliarden Dollar an Subventionen, um die Produktion von Futtermitteln und tierischen Produkten zu unterstützen. In Süpdamerika kurbelten seit den 1980er-Jahren  Deregulierung und die groß angelegte Übernahme der Gentechnik durch große Agrarunternehmen die Produktion und den Export von Sojabohnen als Futtermittel an.

Liberalisierung des Handels erhöhte die Verfügbarkeit von Futtermitteln und tiereischen Produkten und machte sie billiger. Dadurch wurde sie zu einem wichtigen Motor der Ernährungsumstellungen. Schließlich trugen Marketingkampagnen der Viehwirtschaft und der Regierungen dazu bei, diese erhöhte Produktion für die Konsument:innen attraktiv zu machen. Eine von Greenpeace geleitete Studie ergab beispielsweise, dass die EU zwischen 2016 und 2020 252,4 Millionen Euro ausgegeben hat, um den Absatz europäischer Fleisch- und Milchprodukte zu fördern. Die Zunahme der Viehwirtschaft und die damit verbundenen Umweltbelastungen lassen sich daher nicht nur auf die Entscheidungen der Endkonsument:innen zurückführen. Jahrzehntelang wurden auf allen Stufen der Versorgungskette, wie Futterproduktion, Viehzucht, Handel und Einzelhandel Anstrengungen unternommen, den Absatz von Tierprodukten zu steigern.

Druck auf Ökosysteme

Roux und seinen Kolleg*innen analysieren den Druck auf Ökosysteme, der auf verschiedenen Stufen der globalen Lieferkette von Futtermitteln und Nutztieren entsteht. Ein Ergebnis der Studie ist, dass der Druck der globalen Landwirtschaft auf Ökosysteme und Biodiversität zu rund zwei Dritteln auf Viehhaltung zurückzuführen ist. Besonders in vielen westlichen Ländern wie Österreich übersteigt die Produktion und der Konsum von Fleisch und tierischen Produkten die Nachhaltigkeits- und Gesundheitsempfehlungen. In Österreich ist der Druck auf Ökosysteme durch Konsum von Fleisch, Milchprodukten und Eiern zu 60 % hausgemacht. Der Rest ist den Importen von Futter und Tierprodukten zuzuschreiben – besonders Sojabohnen aus Südamerika, die österreichischen Schweinen verfüttert werden – sowie Importen von Rindfleisch, Milchprodukten und Schweinefleisch aus Nachbarländern wie Deutschland und Ungarn. Umgekehrt dient die Hälfte des viehbezogenen Drucks auf Ökosysteme, der in Österreich ausgeübt wird, den Exporten von Futter und Tierprodukten.

Tierische Produkte, selbst mit den bestmöglichen Verfahren hergestellt, erzeugen bei gleichen Nährwerten immer noch höhere ökologische Auswirkungen als pflanzliche Lebensmittel. Die Einhaltung ehrgeiziger Klima- und Biodiversitätsziele erfordert daher die Reduzierung der Viehbestände und der Absatzmenge in überproduzierenden und überkonsumierenden Ländern.

Alle Ebenen der Lieferkette notwendig

„Lokale und effizientere Lieferketten allein reichen nicht. Wir brauchen Genügsamkeit, also weniger tierische Produkte. Oft wird argumentiert, dass Produzenten effizienter sein müssen und Konsument*innen weniger konsumieren sollen. Diese Argumentation macht keinen Sinn! Konsument*innen beeinflussen auch die Effizienz, etwa indem sie Bio-Produkte kaufen und Produzent*innen haben auch einen großen Einfluss auf die Menge an Tierprodukten, besonders wenn sie durch politische und wirtschaftliche Antreiber forciert werden. Letztendlich müsste allen klar sein, dass der Absatz durch beides, also Nachfrage und Angebot, bestimmt wird; oder besser gesagt: durch Entscheidungen, die alle Ebenen der Lieferkette betreffen“, erklärt Roux.

Ernährungsgewohnheiten der Konsument:innen wären zwar auch wichtig, dennoch sei es fraglich, ob freiwillige oder angestoßene verbrauchergesteuerte Veränderungen schnell genug wirken können, um den Klima- und Biodiversitätskrisen entgegenzuwirken. Die Erzählung, die auf die Verbraucher:innen abzielt, wird aber oft bevorzugt, weil sie nicht auf bestimmte Wirtschaftsakteur:innen abzielt. Diese Erzählung geht davon aus, dass eine verringerte Nachfrage der Konsument:innen zu einem härteren Wettbewerb unter den Produzent:innen führt, wodurch weniger wettbewerbsfähige Produzent:innen aus dem Markt verdrängt werden und daher die gesamte produzierte Menge geringer wird. Diese Verdrängung würde allerdings  kleinere oder weniger industrialisierter Landwirt:innen betreffen, was die Frage der Gerechtigkeit stellt. Das Thema der gerechten Reduzierung ist für Österreich besonders wichtig, um Landwirt:innen mit beschränkten Alternativen nicht zu schädigen, beispielsweise in Bergregionen in denen Viehhaltung manchmal kaum durch anderes Einkommen ersetzbar ist.

Die Entscheidung zu weniger Fleischkonsum ist dennoch wichtig

„Dies soll auf keinen Fall Konsument:innen davon abhalten, ihren Konsum an Fleisch und Tierprodukten zu reduzieren. Es sollte nur nicht die volle Verantwortung auf die Schultern der Konsument*innen abgeladen werden. Landwirt:innen, Schlachthäuser, Ernährungskonzerne und Supermärkte brauchen auch Regulierung, Anreize und Unterstützung, um auf pflanzliche Produkte umzustellen“, betont Roux.

Diese Idee hat sich auch schüchtern in politischen Vorschlägen gezeigt. Nachdem niederländische Aktivist:innen ihre Regierung verklagt hatten, weil sie ihre Klimaziele nicht erreicht hatte, waren die Niederlande unseres Wissens das erste Land, das einen politischen Vorschlag zur Reduzierung der ökologischen Auswirkungen des Viehsektors durch eine Kürzung der Viehproduktion um 30 % vorlegte. Aus diesen Vorläuferbeispiel könne man lernen, sagt Roux. Wichtig wäre zum Beispiel, dass die Regierung jene Landwirt:innen unterstützt die zu pflanzlicher Landwirtschaft zwar wechseln wollen, aber in intensive Systeme mit vielen Tieren und Schulden eingesperrt sind.

„Wir können den Wandel zu pflanzlicher Ernährung fair gestalten: lasst uns aufhören, das Ziel der Reduzierung der Produktion hinter einer Verbrauchererzählung zu verschleiern; erkennen wir an, dass die Umstellung für Landwirt:innen schwierig sein wird! Dadurch werden Diskussionen darüber eingeleitet, in denen demokratisch entschieden wird wie die Landwirt:innen beim Übergang unterstützt werden können, bevor der Markt allein bestimmt, wer überlebt und wer nicht,“ so Roux.

Titelbild: Ramona auf Pixabay

Link zur Studie:

Roux, Nicolas, Lisa Kaufmann, Manan Bhan, Julia Le Noe, Sarah Matej, Perrine Laroche, Thomas Kastner, Alberte Bondeau, Helmut Haberl, and Karlheinz Erb.

Embodied HANPP of Feed and Animal Products: Tracing Pressure on Ecosystems along Trilateral Livestock Supply Chains 1986-2013′. Science of The Total Environment, 24 August 2022, 158198.
https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.158198.



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Ein konkreter Vorschlag zur Erfassung militärischer Emissionen

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Lesedauer 4 Minuten

Von Martin Auer

Militärs gehören zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Bis zu fünf Prozent, in Kriegsjahren sechs Prozent aller Emissionen weltweit gehen auf ihre Rechnung.  Doch Militärs können ihre Emissionen nicht reduzieren, wenn sie sie nicht messen. Da ihnen lange Zeit keine Reduktionsziele vorgegeben waren, hinkt ihre Fähigkeit, den Überblick über ihre Emissionen zu wahren, hinter anderen Sektoren hinterher. Das Forschungsinstitut Conflict and Environment Observatory (CEOBS) hat daher ein Rahmenkonzept[1] für die Meldung von militärischen Emissionen im Rahmen der UNFCCC[2] ausgearbeitet. Das CEOBS arbeitet mit Harvard Law School, King’s College London, den Universitäten von Edinburgh und Leeds und verschiedenen NGOs zusammen. Es wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, das Bewusstsein für die Umweltfolgen von Konflikten und militärischen Aktivitäten und für die humanitären Folgen, die sich daraus ergeben, zu fördern.

Die wichtigsten Inhalte:

  • Militärs sind Treibhausgas-intensiv und haben eine bedeutende Rolle für die Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen. 
  • Sicherheitsbedenken sollten nicht als Vorwand gebraucht werden, um das Militär von Berichtsverpflichtungen auszunehmen.
  • Militärs müssen sich bei der Nachverfolgung ihrer Emissionen mit ihren ausgedehnten Lieferketten auseinandersetzen.
  • Militärische Emissionen sollten nicht nur nach den drei Kategorien (Scopes) gemeldet werden, die für andere Organisationen gelten[3]. Scope 3+ soll Emissionen umfassen, die bei Kriegshandlungen anfallen.

Von den 20 Staaten mit den höchsten Militärausgaben entsprechen nur die Berichte Deutschlands den Mindestanforderungen der UNFCCC. Die NATO hat zwar angekündigt, ihre militärischen Emissionen senken zu wollen, hat aber bisher keine Angaben über die Methodik gemacht. Weltweit gibt es einige Daten für den Kraftstoffverbrauch der Militärs, begrenzte Daten für ihren Energieverbrauch, sehr begrenzte Daten über die Emissionen aus Lieferketten und keine Daten über die Emissionen aus Kriegshandlungen. 

Über die Qualität der Berichterstattung der 20 Länder mit den höchsten Militärausgaben gibt die folgende Tabelle Auskunft:

LandMilitärausgaben 2020 in Mrd. USDMilitärausgaben in Prozent des BruttoinlandsproduktsGesamte 2021 im Rahmen des UNFCCC gemeldete Treibhausgasemissionen unter Kategorie 1A5, die auch militärischen Brennstoffverbrauch einschließt, in Millionen Tonnen CO2eKommentar zu den im Rahmen des UNFCC militärischen Daten
USA778,23,717,2Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht klar aufgeschlüsselt
China252,31,7108,0Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht als militärisch ausgewiesen
Indien72,92,8UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet
Russische Föderation61,74,227,9Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Vereinigtes Königreich59,22,21,7Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Saudi Arabien57,58,2UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Deutschland52,81,40,9Angemessen – Daten werden gemeldet
Frankreich52,72,01,6Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Japan49,11,0UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Südkorea45,72,83,1Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht als militärisch ausgewiesen
Italien28,91,50,5Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Australien27,52,10,8Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Kanada22,81,40,3Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Israel21,75,4UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Braslilien19,71,4UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Türkei17,72,5UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Spanien17,41,40,5Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Iran15,88,3UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Polen13,02,2UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Niederlande12,61,40,2Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Tabelle 1: Beurteilung der THG-Erfassung der 20 Länder mit den höchsten Militärausgaben

Vermeiden, Reduzieren, Ersetzen, Kompensieren

Die Hierarchie des Treibhausgasmanagements für Unternehmen und andere Organisationen gilt auch für Militärs: Zuoberst steht: Vermeiden, Treibhausgase gar nicht erst verursachen. An zweiter Stelle: Reduzieren, zum Beispiel durch verbesserte Energieeffizienz. Drittens: Energiequellen durch weniger CO2-intensive ersetzen. Erst, wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommt Kompensieren in Frage.

Messung und Management der militärischen Emissionen müssen alle Aktivitäten des Militärs und auch die Emissionen aus der Lieferkette umfassen. Berichte müssen relevant, umfassend, konsistent, genau und transparent sein. Es braucht weltweit einheitliche Standards, um Emissionen und die Anstrengungen der einzelnen Länder zu deren Senkung vergleichbar zu machen. Transparenz ist besonders wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Transparenz ermöglicht es auch, Erfahrungen auszutauschen. Die Notwendigkeit zur Geheimhaltung sollte nur in Ausnahmefällen geltend gemacht werden. In solchen Fällen könnten Daten durch externe Dritte geprüft werden. 

Das vom CEOBS ausgearbeitete Rahmenkonzept soll alle Aspekte militärischer Aktivitäten und Beschaffungsmaßnahmen umfassen:

  • Betrieb von Militärbasen und anderen Immobilien
  • Landnutzung auf militäreigenem Grund, einschließlich Trainings- und Übungsgelände
  • Projekte wie Konstruktion, Forschung und Entwicklung
  • Beschaffung und Lieferketten
  • Nutzung der militärischen Güter, einschließlich Flugzeugen, Landfahrzeugen, Schiffen und Raumfahrzeugen
  • Entsorgung
  • Aktivitäten zur Friedenssicherung und humanitäre Einsätze
  • Auswirkungen von Kriegshandlungen wie Feuer, Zerstörungen durch Waffeneinsatz, Beschädigung und Zerstörung von Infrastruktur, Bodenzerstörung, Entwaldung, Beseitigung von Schutt und Abfällen und schließlich Wiederaufbau
  • Aktivitäten von zivilen Hilfseinrichtungen, wie Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Flüchtlingsbetreuung, die durch die Kriegshandlungen notwendig werden.

Es existieren bereits einige Richtlinien für die Messung und Bezifferung von Treibhausgasemissionen, zum Beispiel das Greenhouse Gas Protocol[4] oder die Science Based Targets Initaive[5]. Doch Militärs unterscheiden sich von Unternehmen und anderen Organisationen durch die vielfachen indirekten Emissionen die aus Kriegshandlungen resultieren. Diese werden im Rahmenkonzept als Scope 3+ bezeichnet. Sie sind noch wenig erforscht. Militärs haben auch ausgedehnte und komplexe Lieferketten. Die Emissionen aus Lieferketten für Infrastruktur betragen geschätzt das Vierfache der direkten Emissionen aus Treibstoff und Energie, und die Emissionen aus dem Fertigungssektor das 7,7-fache der direkten Emissionen. 

Abbildung 1: Die von militaryemissions.org vorgeschlagene Kategorisierung militärischer Treibhausgas-Emissionen. Anmerkung: Mit englisch „theatre“ ist der Kriegsschauplatz gemeint.

Welche Emissionen will die NATO senken?

Beim NATO-Gipfel in Madrid erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass die NATO ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent senken und bis 2050 Netto-Null erreichen wolle[6]. Dabei blieb laut CEOBS aber unklar, ob damit nur die Emissionen von NATO-Einrichtungen oder die Emissionen aller Mitgliedsstaaten gemeint waren. 2021 hatte die NATO angekündigt, eine Methodologie zur Berechnung ihrer Emissionen zu entwickeln, da klar wurde, dass sie keine Verpflichtungen zu Reduktionen abgeben konnte, weil sie einfach nicht wusste, was ihre Emissionen oder die ihrer Mitglieder überhaupt waren. Doch macht die NATO ihr Berechnungssystem nicht öffentlich. Daher ist es für Forscher:innen, Entscheidungsträger:innen oder die Zivilgesellschaft nicht möglich, eventuelle Erfolgsmeldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. CEOBS fordert daher, dass die Standards für die Meldung von militärischen Emissionen durch die UNFCCC und das IPCC festgelegt werden sollen. 

Dass die Pläne der NATO, ihre Emissionen zu reduzieren, nichts mit Abrüstung zu tun haben, geht aus Stoltenbergs Aussage beim Madrider Gipfeltreffen hervor: „Ich bin überzeugt, dass in Zukunft die fortgeschrittensten Militärfahrzeuge und die widerstandsfähigsten Armeen solche sein werden, die nicht von fossilen Brennstoffen abhängig sind.“[7]

Aufruf an die NATO, Emissionen überprüfbar zu erfassen

Jedenfalls ist es dringend notwendig, dass militärische Emissionen bei den internationalen Klimaverhandlungen endlich auf den Tisch kommen. Bis zur der COP 28 im November 2023 soll die erste im Pariser Abkommen beschlossene globale Bestandsaufnahme[8] der Erfolge bei Klimawandelminderung und Klimawandelanpassung finalisiert werden. Ohne die Daten der Militärs wird diese Bestandsaufnahme nicht vollständig sein. Das CEOBS und eine Reihe von nationalen und internationalen Organisationen haben unter dem Titel NATO Emissions: Count Them, Cut Them[9] einen Aufruf an die NATO erlassen, ihre Methoden zur Erfassung der Treibhausgasemissionen öffentlich zu machen, sodass sie von unabhängigen Expert:innen überprüft werden können, und an die NATO-Mitgliedsstaaten gerichtet, sich zur Reduktion von militärischen Emissionen im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel zu verpflichten und diese nachvollziehbar und vergleichbar zu erfassen. Die NATO-Mitgliedsstaaten sind zusammen für mehr als die Hälfte der globalen Militärausgaben verantwortlich. Organisationen können den Aufruf hier unterzeichnen. Der Aufruf soll noch vor der COP 27 im November 2022 der NATO und ihren Mitgliedsstaaten übergeben werden. 

Titelbild: von Pexels auf Pixabay

Gesichtet: Verena Winiwarter


[1] https://ceobs.org/report-a-framework-for-military-greenhouse-gas-emissions-reporting/

[2] Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen

[3] Scope 1: direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen. Scope 2: indirekte Emissionen aus der Erzeugung von gekauftem Strom, Dampf, Wärme und Kühlung. Scope 3: alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen.

[4] https://ghgprotocol.org/

[5] https://sciencebasedtargets.org/

[6] https://ceobs.org/nato-wont-say-how-it-will-count-its-carbon-emissions/

[7] https://globalnews.ca/news/8952628/nato-emissions-cut-stoltenberg-madrid-summit/

[8] https://unfccc.int/topics/global-stocktake/global-stocktake

[9] https://ceobs.org/joint-call-nato-commit-to-credible-climate-action/



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Scientists4Future beim SDG Family Day

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Lesedauer < 1 Minute

Am 25. September fand im Wiener Donaupark der von den Initiativen „Rebels of Change“ und „sustainLabel“ organisierte SDG Family Day statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Sustainable Development Goals, also die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, in familiengerechter Art und Weise bekannter und erlebbar zu machen.

Dabei waren gemeinsam mit verschiedenen Jugend- und Umweltbewegungen auch die Scientists4Future mit einem Stand vertreten. Hier gab es gleich in mehreren Stationen die Möglichkeit für Kinder und Eltern, sich über unsere Umwelt informieren. Unsere Scientists erklärten die Bedeutung von Kohlendioxid und sowohl seinen natürlichen Kreislauf, als auch die von Menschen verursachte Freisetzung und zeigten in einem Experiment vor, wie bei natürlichen Prozessen CO2 entsteht. Außerdem konnten in einem Mikroskop Gesteinsproben untersucht werden, es wurde über die verschiedenen Lebewesen in unserem Boden informiert und  die Wichtigkeit von Tierwohl in der Nutztierhaltung ebenso wie deren Rolle für den Klimawandel thematisiert.

Trotz des herbstlichen Wetters war das Event gut besucht, neben den Info-Ständen gab es auch viele Gelegenheiten für die Kinder, sich zu bewegen, wie in Tanzworkshops, am Klettern oder im Fair Play Streetkick Court. Außerdem sorgte ein umfangreiches Bühnenprogramm für Unterhaltung.

Was sind die Sustainable Development Goals?

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 verschiedene Ziele, die 2015 von den Vereinten Nationen beschlossen wurden. Zu jedem Ziel gibt es mehrere Unterpunkte und konkrete Handlungen, die von einzelnen Staaten durchgeführt werden können. Jedes Mitgliedsland der UNO hat sich verpflichtet, die Ziele mitzutragen und einen Beitrag zu ihrem Erreichen zu leisten. 

Die 17 Ziele lauten:

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichstellung
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltige/r Konsum und Produktion
  13. Handeln für den Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaft zur Erreichung der Ziele

Quelle: https://sustainlabel.org/sdg/; https://sdgs.un.org/goals#goals

Titelbild: S4F



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