23.09.2022: Weltweiter Klimastreik – Küresel iklim grevi – Глобални климатски штрајк – Globalni klimatski štrajk – Глобальний кліматичний страйк – Глобальная климатическая забастовка

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Geh mit uns auf die Straße! Teuerungswellen greifen um sich und unsere Strom- und Heizungsrechnungen steigen. Viele Menschen können sich das Leben kaum noch leisten, während klimaschädliche Unternehmen von der Krise enorm profitieren und uns die Regierung im Stich lässt. Gleichzeitig werden Waldbrände, Hitzewellen, Überschwemmungen und Trockenheit immer extremer. Die Klimakrise zerstört bereits heute Existenzen. So zahlen wir den Preis für die unzureichende Klimapolitik der letzten Jahrzehnte. Wir können uns die Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas, die Kriege und die Klimakrise befeuert, nicht mehr leisten! Komm mit uns am 23.9. auf die Straße, denn wir brauchen jetzt leistbare Energien für alle! Für eine soziale Bewältigung der Klima- und Energiekrise.

Küresel iklim grevi – 23.09.2022

Bizimle sokağa çık! Zam dalgaları yayılıyor; elektrik ve ısınma faturalarımız artıyor. İklime zarar veren şirketler krizden büyük fayda sağlarken ve hükümet bizi yolda bırakırken, pek çok insan geçimini sağlayamıyor. Aynı zamanda orman yangınları, sıcak hava dalgaları,  seller ve kuraklık giderek fazlalaşıyor. İklim krizi zaten geçim kaynaklarını yok ediyor.
Son yılların yetersiz iklim politikasının bedelini bu şekilde ödüyoruz. Savaşları ve iklim  krizini körükleyen kömür, petrol ve gaz bağımlılığını artık karşılayamayız! 23 Eylül’de bizimle sokaklara gel, çünkü artık herkes için uygun fiyatlı enerjiye ihtiyacımız var!  İklim ve enerji krizinin sosyal yönetimi için.

Глобални климатски штрајк – 23.09.2022.

Изађите са нама на улице! Талас поскупљења се шири и расту нам рачуни за струју и грејање. Многи људи тешко могу себи да приуште основне животне потребе, док компаније које штете клими имају огромне користи од кризе, а и влада нас оставља на цедилу. Истовремено, шумски пожари, топлотни таласи, поплаве и суше постају све екстремнији. Климатска криза већ свакодневно уништава средства за живот. Овако плаћамо цену неадекватне климатске политике протеклих деценија. Не можемо више да приуштимо да зависимо од угља, нафте и гаса, који такође финансирају ратове и климатску кризу! Пођите са нама 23. септембра. на улице, јер нам је сада потребна приступачна енергија за све за све људе! ујединимо се За социјално управљање климатском и енергетском кризом!

Globalni klimatski štrajk – 23.09.2022.

Izađite sa nama na ulice! Val poskupljenja se širi i naši računi za struju i grijanje rastu. Mnogi ljudi teško mogu sebi priuštiti osnovno za život, dok kompanije koje štete klimi imaju ogromne koristi od krize, a i vlada nas ostavlja na cjedilu. Istovremeno, šumski požari, toplotni valovi, poplave i suše postaju sve ekstremniji. Klimatska kriza već svaki dan uništava sredstva za život. Ovako plaćamo cijenu neadekvatne klimatske politike proteklih decenija. Ne možemo si više priuštiti ovisnost o uglju, nafti i plinu koji također finansiraju ratove i klimatsku krizu! Pođite sa nama 23.9. na ulice, jer nam je sada potrebna pristupačna energija za sve ljude! Ujedinimo se za socijalno upravljanje klimatskom i energetskom krizom!

Глобальний кліматичний страйк – 23.09.2022

Виходь на вулиці разом з нами! Хвилі інфляції поширюються, а наші рахунки за електроенергію та опалення зростають. Багато людей ледве можуть дозволити собі жити, тоді як компанії, що завдають шкоди клімату, отримують величезну користь від кризи, а уряд підводить нас. У той же час лісові пожежі, хвилі спеки, повені та посухи стають все більш екстремальними . Кліматична криза вже знищує для існування.Ось так ми платимо ціну за неадекватну кліматичну політику останніх десятиліть.Ми більше не можемо дозволити собі залежність від вугілля, нафти та газу, які підживлюють війни та кліматичну кризу! Приходьте з нами на вулиці 23.09.на вулиці , тому що нам зараз потрібна доступна енергія для всіх! Для соціального управління кліматичною та енергетичною кризою.

Глобальная климатическая забастовка – 23.09.2022

Выходите на улицы вместе с нами! Волны инфляции распространяются, и наши счета за электроэнергию и отопление растут. Многие  люди едва могут позволить себе жить, в то время как компании, наносящие ущерб климату, получают огромную выгоду от кризиса, а правительство нас подводит. В то же время лесные пожары, аномальная жара, наводнения и засухи становятся все более экстремальными . Климатический кризис уже разрушает средства к существованию .Так мы расплачиваемся за неадекватную климатическую политику последних десятилетий. Мы больше не можем позволить себе зависимость от угля, нефти и газа, которая подпитывает войны и климатический кризис! Приходите к нам 23.09.на улицах, потому что сейчас нам нужна доступная энергия для всех! За социальное управление климатом и энергетическим кризисом.

Danke an Manfred, Yüksel, Edna und Natalie für die Übersetzungen!



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Grönlandeisschmelze: Anstieg des Meeresspiegels um 27 cm ist unvermeidlich geworden

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Ein Anstieg des Meeresspiegels um mindestens 27 Zentimeter, verursacht durch den Klimawandel, ist nun unvermeidlich geworden. Bedingt wird dieser Anstieg durch das Abschmelzen des Grönlandeises. Zu diesem Schluss kommt eine soeben im Fachblatt Nature Climate Change veröffentlichte Studie, geleitet von Prof. Jason Box von der Geologischen Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland. Anders als bisherige Modellierungen beruht diese Studie auf Satellitenmessungen des Eisverlusts von 2000 bis 2019. Die Forscher:innen vermuten, dass ein Großteil dieses Anstiegs noch im 21. Jahrhundert geschehen kann. Sollte aber Eisschmelze im Ausmaß des Jahres 2012 zur Normalität werden, würde der Anstieg 78 cm betragen. 600 Millionen Menschen in Küstenregionen sind von diesem Anstieg des Meeresspiegel bedroht. Der Unterschied zwischen unvermeidlichen 27 cm und möglichen 78 cm bedeutet einen gewaltigen Unterschied für Millionen von Menschen, und zeigt, dass ein Eindämmen des Klimawandels um so dringender wird, um die schlimmsten Folgen zu verhüten, dass die internationale Gemeinschaft aber auch ebenso dringend Mittel für die Anpassung bereitstellen muss.
https://www.nature.com/articles/s41558-022-01441-2
https://www.theguardian.com/environment/2022/aug/29/major-sea-level-rise-caused-by-melting-of-greenland-ice-cap-is-now-inevitable-27cm-climate



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Saubere Umwelt ist nun ein Menschenrecht

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In New York ist eine historische Entscheidung gefallen, ein Meilenstein im Umwelt- und Klimaschutz. Die Vereinten Nationen haben den Zugang zu einer gesunden, sauberen und nachhaltigen Umwelt zu einem grundlegenden Menschenrecht erklärt.
Die Resolution wurde von einer Gruppe von Ländern unter der Führung von Costa Rica eingebracht. Nahezu alle Mitglieder der Vereinten Nationen haben zugestimmt. 161 Staaten waren für die Resolution, 8 Enthaltungen (u.a. Russland, China und Iran) und keine Gegenstimme. Einen rechtsverbindlichen Charakter hat die Resolution nicht. Umweltaktivisten hoffen, dass es nun leichter sein könnte, Regierungen und Unternehmen für Umweltschäden zur Rechenschaft zu ziehen.
https://news.un.org/en/story/2022/07/1123482



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Je 10.000 Euro Heeresbudget werden 1,3 Tonnen CO2e ausgestoßen
von Martin Auer

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Laut Schätzungen des Conflict and Environment Observatory betragen die militärischen Emissionen der EU jährlich (Stand 2019) 24,83 Millionen Tonnen CO2e1. Die Militärausgaben der EU betrugen 2019 186 Mrd. EUR, das sind 1,4% der gesamten EU-Wirtschaftsleistung (BIP)2.

10.000 EUR an Militärausgaben in Europa erzeugen also 1,3 Tonnen CO2e.

Wenn Österreich seine Militärausgaben, wie Bundeskanzler Nehammer es im März gefordert hat3 auf 1% des BIP steigern will, also von 2,7 auf 4,4 Mrd. EUR, bedeutet das eine Erhöhung der militärischen Emissionen um 226.100 Tonnen. Das wäre eine Erhöhung der gesamten österreichischen Emissionen (2021: 78,4 Mio. t CO2e4) um immerhin 0,3 %. Es bedeutet aber auch, dass diese 1,7 Mrd. EUR für andere Zwecke wie das Bildungs-, das Gesundheitssystem oder die Pensionen fehlen.

Doch es geht nicht nur um die österreichischen Militäremissionen. Ein neutrales Land wie Österreich könnte sich dem weltweiten Trend zur Aufrüstung entgegenstemmen und ein Beispiel geben. Das kann es vor allem als Mitglied der Europäischen Union. Wenn die EU-Länder, wie es NATO-Generalsekretär Stoltenberg fordert5, ihre Militärausgaben von derzeit 1,4% des BIP auf 2% des BIP steigern, also um nahezu die Hälfte, dann kann man eine Steigerung der militärischen Emissionen um 10,6 Mio. Tonnen CO2e erwarten.

Stuart Parkinson von Scientists for Global Responsibility schätzt den Anteil der Militärs an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf 5%, in Jahren mit großen Kriegen auf 6%6. Das allein zeigt, wie wichtig weltweite Abrüstung für ein nachhaltiges Leben auf der Erde ist. Denn abgesehen von den Emissionen, die das Klima schädigen, verbrauchen Militärs große Mengen an menschlichen und materiellen Ressourcen, die für konstruktive Zwecke fehlen, und im Kriegsfall verursachen sie ganz unmittelbar Tod, Zerstörung und Vergiftung der Umwelt. Und es steht zu befürchten, dass der gegenwärtige Trend zur Aufrüstung die Bemühungen um ein Sinken der weltweiten Emissionen schwer beeinträchtigen wird.

Titelbild: Bundesheer, vie Flickr, CC BY-NC-SA


1 https://ceobs.org/the-eu-military-sectors-carbon-footprint/

2 https://eda.europa.eu/news-and-events/news/2021/01/28/european-defence-spending-hit-new-high-in-2019

3 https://www.derstandard.at/story/2000133851911/nehammer-will-verteidigungsausgaben-auf-ein-prozent-des-bip-steigern

4 https://wegccloud.uni-graz.at/s/65GyKoKtq3zeRea

5 https://www.euronews.com/my-europe/2022/07/20/how-european-countries-stand-on-2-of-gdp-defence-spending

6 https://www.sgr.org.uk/resources/carbon-boot-print-military-0



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Kalifornien: Keine neuen Verbrenner ab 2035

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In Kalifornien dürfen ab 2035 keine PKWs, SUVs und Pickups mit Verbrennermotor verkauft werden. Das hat die kalifornische Luftreinhaltungsbehörde beschlossen. Schon 2026 müssen 35 Prozent der im Handel angebotenen Autos elektisch oder mit Wasserstoff fahren, 2028 schon 51 Prozent, 2030 68 Prozent und 100 Prozent 2035. Auch sollen alle neuen LKWs bis 2045 emissionsfrei unterwegs sein. Verkehr verursacht derzeit 50 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Kalifornien (USA 29 Prozent), davon entfallen etwas unter zwei Drittel auf Personenfahrzeuge. Kaliforniens 39 Millionen Einwohner:innen stellen 10 Prozent des US-Automarkts, die Regelung wird den gesamten Markt beeinflussen. Es wird erwartet, dass einige weitere Bundesstaaten dem kalifornischen Beispiel folgen werden.
https://edition.cnn.com/2022/08/25/us/california-ban-new-gas-cars-vote/index.html



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Hitzewellen im Mittelmeer immer häufiger: 30,7°C vor der Küste Korsikas

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Vor der Küste Korsikas wurden heuer Wassertemperaturen von 30,7°C gemessen. In den letzten Jahren war das Mittelmeer immer wieder Hitzewellen ausgesetzt. Sie kommen jetzt ungefähr doppelt so oft vor wie in den 80er Jahren. Zwischen 0 und 25 Metern Wassertiefe finden sich die reichsten Ökosysteme, doch gerade diese werden am stärksten erwärmt. Es wird geschätzt, dass marine Hitzewellen für einen Verlust von 80 bis 80 Prozent der Korallen im Mittelmeer verantwortlich sind. Korallen sind wichtige Brutplätze und Nahrungsquellen für Fische und andere Meerestiere. Die Erwärmung führt auch zur Vermehrung von Krankheitserregern und zum Eindringen von wärmeliebenden Arten, die die ursprünglich heimischen verdrängen. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass die Biodiversität im Mittelmeer stark zurückgehen wird.
https://theconversation.com/the-mediterranean-has-experienced-record-sea-temperatures-this-summer-this-could-devastate-marine-life-188995



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Indien hat seine Klimaziele nachgebessert

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Indiens Treibhausgasemissionen sollen in den nächsten sieben Jahren auf 45 Prozent des Standes von 2005 sinken. Das ist eine Verbesserung gegenüber den 2016 bekanntgegebenen Zielen um 10 Prozent. Bis 2030 soll auch die Hälfte des Elektrizitätsbedarfs durch Erneuerbare gedeckt werden. Auch das ist eine Verbesserung um 10 % gegenüber dem letzten Ziel. Laut der indischen Regierung hat das Land das Ziel von 40 Prozent Erneuerbaren im Dezember 2021 erreicht. Nach dem Pariser Abkommen sollen die Staaten alle fünf Jahre ihre national festglegten Klimaziele (NDCs) nachbessern. Indien hatte seine neuen Ziele schon bei der COP26 angekündigt, doch erst jetzt formell verabschiedet.
https://www.reuters.com/world/india/india-approves-new-emissions-targets-tackle-climate-change-2022-08-04/



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Klimafolgen eines Atomkriegs würden den Hungertod für zwei bis fünf Milliarden Menschen bedeuten von Martin Auer

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Wie würden sich die Klimafolgen eines nuklearen Kriegs auf die globale Ernährung auswirken? Dieser Frage ist ein Forscherteam um Lili Xia und Alan Robock von der Rutgers University nachgegangen. Die Studie wurde soeben in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlicht.1
Der Rauch und Ruß von brennenden Städten würde buchstäblich den Himmel verdunkeln, zu einer massiven Abkühlung des Klimas führen und die Nahrungsmittelproduktion extrem beeinträchtigen. Die Modellrechnungen ergeben, dass bei einem „begrenzten“ Krieg (etwa zwischen Indien und Pakistan) bis zu zwei Milliarden Menschen an den Folgen von Nahrungsmittelknappheit sterben könnten, bei einem „großen“ Krieg zwischen den USA und Russland bis zu fünf Milliarden.

(Siehe auch unseren Beitrag zu früheren Studien)

Die Forscher:innen verwendeten Klima-, Pflanzenwachstums- und Fischereimodelle, um zu berechnen, wie viele Kalorien den Menschen in den einzelnen Ländern im zweiten Jahr nach dem Krieg zur Verfügung stehen würden. Dabei wurden verschiedene Szenarien untersucht. Ein „begrenzter“ Atomkrieg etwa zwischen Indien und Pakistan könnte zwischen 5 und 47 Tg (1 Teragramm = 1 Megatonne) Ruß in die Stratosphäre einbringen. Das hätten ein Absinken der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5°C bis 8°C im zweiten Jahr nach dem Krieg zur Folge. Allerdings, so betonen die Autor:innen, könnte es schwierig sein, einen atomaren Krieg zu begrenzen, sobald er einmal begonnen hat. Ein Krieg zwischen den USA und ihren Verbündeten und Russland – die zusammen über mehr als 90 Prozent des nuklearen Arsenals verfügen – könnte 150 Tg Ruß verursachen und einen Temperaturrückgang um 14,8°C. Während der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren waren die Temperaturen um ca. 5°C niedriger als heute. Die Klimaeffekte eines solchen Krieges würden nur langsam zurückgehen und bis zu zehn Jahre anhalten. Die Abkühlung würde auch die Niederschläge in Regionen mit Sommermonsun reduzieren.

Tabelle 1: Atombomben auf urbane Zentren, Sprengkraft, direkte Todesopfer durch Bombenexplosion und Anzahl der von Hungertod bedrohten Menschen in den untersuchten Szenarien

Ruß (Tg)Anzahl der WaffenSprengkraft pro Waffe (kt)Direkte TodesopferMenschen ohne Nahrung im 2. Jahr
51001527.000.000255.000.000
162501552.000.000926.000.000
272505097.000.0001.426.000.000
37250100127.000.0002.081.000.000
47500100164.000.0002.512.000.000
1504.400100360.000.0005.341.000.000
1504.400100360.000.000a5.081.000.000
Der Fall mit einer Verseuchung durch 5 Tg Ruß entspricht einem angenommenen Krieg zwischen Indien und Pakistan im Jahr 2008, bei dem jede Seite 50 Bomben ihres damals verfügbaren Arsenals in der Stärke einer Hiroshima-Bombe einsetzt.
Die Fälle von 16 bis 47 Tg entsprechen einem angenommenen Krieg zwischen Indien und Pakistan mit der atomaren Bewaffnung, über die sie 2025 verfügen könnten.
Der Fall mit 150 Tg Verseuchung entspricht einem angenommenen Krieg mit Angriffen auf Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien, die USA, Russland und China.
Die Zahlen in der letzten Spalte sagen aus, wie viele Menschen verhungern würden, wenn der Rest der Bevölkerung mit dem Minimum von 1911 kcal pro Person versorgt würde. Die Annahme geht davon aus, dass der internationale Handel zusammengebrochen ist.
a) Die Zahl in der letzten Zeile/letzten Spalte ergibt sich, wenn 50 % der Futtermittelproduktion auf menschliche Nahrung umgestellt werden.

Jüngste Beobachtungen bei katastrophalen Waldbränden in Kanada und Australien haben gezeigt, wie Rußpartikel von der Sonne aufgeheizt in die Stratosphäre aufsteigen und sich über den gesamten Globus verteilen und monatelang verweilen. Die Simulationen sagen denselben Prozess nach einem Atomkrieg voraus, nur mit entsprechend größeren Mengen an Ruß.

Die lokale radioaktive Verseuchung von Boden und Wasser in der Umgebung der Bombenexplosionen ist aus der Studie ausgeschlossen, die Schätzungen sind daher jedenfalls sehr konservativ und die tatsächlichen Opferzahlen lägen jedenfalls darüber. Die plötzliche, massive Abkühlung des Klimas und der verminderte Lichteinfall für Photosynthese („nuklearer Winter“) würde bei Nahrungspflanzen zu verspäteter Reife und zusätzlichem Kältestress führen. In mittleren und hohen Breitengraden würde die landwirtschaftliche Produktivität stärker leiden als in subtropischen und tropischen Gebieten. Bei einer Verschmutzung der Stratosphäre mit 27 Tg Ruß würden in mittleren und hohen Breiten der nördlichen Hemisphäre die Ernten um mehr als 50 % zurückgehen, die Fischereierträge um 20 bis 30 %. Für die Atomwaffen besitzenden Länder China, Russland, USA, Nordkorea und Großbritannien würde das Kalorienangebot um 30 bis 86 % zurückgehen, in den südlicheren Nuklearstaaten Pakistan, Indien und Israel um 10 %. Insgesamt würde beim unwahrscheinlichen Szenario eines begrenzt bleibenden nuklearen Kriegs schon durch die Klimafolgen ein Viertel der Menschheit verhungern, bei einem größeren Krieg, dem wahrscheinlicheren Szenario, würden innerhalb von zwei Jahren über 60% der Menschen verhungern.

Die Studie bezieht sich, wie betont werden muss, nur auf die indirekten Wirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion durch die Rußentwicklung eines Atomkriegs. Kriegführende Staaten hätten freilich noch mit anderen Problemen zu kämpfen, nämlich mit zerstörter Infrastruktur, radioaktiver Verseuchung und Unterbrechung von Lieferketten.

Tabelle2: Veränderung der Verfügbarkeit von Nahrungskalorien in den atomwaffenbesitzenden Ländern

Länder5 g16 Tg27 Tg37 Tg47 Tg150 Tg150 Tg + 50 % Lv150 Tg + 0 % Lv
Mit Viehzucht
China−14,1−47,4−64,0−77,7−83,5−99,5−99,5−99,4
Frankreich1,6−13,0−17,2−26,0−29,4−98,3−97,9−97,6
Indien−4,6−4,7−2,0−9,4−21,6−66,8−64,1−61,4
Israel25,4−5,0−1,9−4,53,8−63,3−55,2−46,9
Nordkorea−18,1−88,7−90,7−98,3−99,2−99,9−99,9−99,9
Pakistan−0,915,918,5−13,8−19,9−85,3−84,1−82,8
Russland1,3−62,3−83,1−89,6−90,9−99,0−98,9−98,7
Vereinigtes Königreich1,2−29,7−40,5−56,9−72,2−89,0−87,1−85,2
USA−11,2−45,8−62,0−75,7−86,3−98,8−98,5−98,3
Global8,223,833,442,149,281,378,876,5
Reduzierte Viehzucht (50% der Futterpflanzen für menschliche Ernährung, 50% als Futter)
China−2,1−40,6−59,8−75,2−81,5−99,6−99,5−99,5
Frankreich58,833,228,216,310,8−99,0−98,8−98,6
Indien−1,4−0,22,7−4,7−17,8−65,0−62,1−59,2
Israel16,70,3−1,1−3,8−8,1−75,5−70,0−64,5
Nordkorea−13,3−88,7−90,9−98,8−99,5−99,9−99,9−99,9
Pakistan−1,420,821,6−11,9−16,0−83,6−82,2−80,8
Russland25,3−56,1−80,6−88,0−88,7−99,0−98,9−98,7
Vereinigtes Königreich30,7−12,5−27,0−50,7−72,1−94,4−93,4−92,5
USA70,8−0,5−32,7−60,4−78,9−99,1−98,9−98,7
Global13,55,717,428,136,777,174,071,2
Keine Viehzucht (50% der Futterpflanzen für menschliche Ernährung)
China−11,4−46,6−64,0−77,9−83,5−99,7−99,6−99,5
Frankreich45,220,516,66,61,4−99,8−99,7−99,7
Indien−5,4−3,1−0,2−7,0−20,0−65,8−63,0−60,1
Israel−24,7−26,7−30,6−32,4−44,3−91,5−89,5−87,7
Nordkorea−16,0−89,6−91,8−99,4−99,8−99,9−99,9−99,9
Pakistan−12,112,711,8−19,4−21,2−83,7−82,4−81,0
Russland16,4−60,7−82,6−89,0−89,2−99,0−98,9−98,8
Vereinigtes Königreich15,9−24,2−37,3−59,7−79,7−99,8−99,8−99,8
USA60,3−8,1−38,6−65,1−81,8−99,5−99,4−99,3
Global5,9−12,1−22,9−32,9−40,8−79,0−76,3−73,7
China umfasst hier Festlandchina, Hongkong und Macao.
Lv = Lebensmittelverschwendung in Haushalten

Die Folgen für die Ernährung hängen allerdings nicht nur von der verursachten Klimaveränderung ab. Die Modellrechnungen kombinieren verschiedene Annahmen über die Zahl an eingesetzten Waffen und den dadurch verursachten Ruß mit weiteren Faktoren: Gibt es weiterhin internationalen Handel, sodass ein lokaler Nahrungsmangel ausgeglichen werden kann? Wird die Produktion von Futtermitteln ganz oder teilweise durch die Produktion von Nahrungsmitteln für Menschen ersetzt? Gelingt es, Lebensmittelverschwendung ganz oder teilweise zu vermeiden?

Im „günstigsten“ Fall einer Verseuchung mit 5 Tg Ruß würden die Ernten global um 7 % zurückgehen. In diesem Fall müsste die Bevölkerung der meisten Länder zwar mit weniger Kalorien auskommen, hätte aber genug, um ihre Arbeitskraft aufrecht zu erhalten. Bei stärkerer Verseuchung würden die meisten Ländern in mittleren oder hohen Breiten an Hunger leiden, wenn sie weiter Futtermittel für Tiere anbauen. Wenn die Futtermittelproduktion halbiert wird, könnten einige Länder in mittleren Breiten ihrer Bevölkerung noch genug Kalorien zur Verfügung stellen. Doch sind dies Durchschnittswerte, und die Frage de Verteilung hängt von der sozialen Struktur eines Landes und der vorhandenen Infrastruktur ab.

Bei einer „mittleren“ Verseuchung mit 47 Tg Ruß könnten genug Nahrungsmittelkalorien für die Weltbevölkerung nur gewährleistet werden, wenn die Futtermittelproduktion zu 100 % auf Nahrungsmittelproduktion umgestellt würde, es keinerlei Lebensmittelverschwendung gäbe und die vorhandenen Lebensmittel gerecht auf die Weltbevölkerung verteilt würden. Ohne internationalen Ausgleich könnten nur weniger als 60 % der Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden. Im schlimmsten untersuchten Fall, einer Verseuchung der Stratosphäre mit 150 Tg Ruß würde die weltweite Nahrungsmittelproduktion um 90 % zurückgehen und es würden in den meisten Ländern im Jahr zwei nach dem Krieg nur 25 % der Bevölkerung überleben.

Besonders starke Ernterückgänge werden für wichtige Nahrungsmittelexporteure wie Russland und die USA vorhergesagt. Diese Länder könnten mit Exportbeschränkungen reagieren, was katastrophale Folgen für importabhängige Länder zum Beispiel in Afrika und dem nahen Osten hätte.

Im Jahr 2020 litten je nach Schätzung zwischen 720 und 811 Millionen Menschen an Unterernährung, obwohl global mehr als genug Nahrungsmittel produziert wurden. Das macht es wahrscheinlich, dass auch im Fall einer atomaren Katastrophe weder innerhalb noch zwischen den Ländern eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel stattfinden würde. Die Ungleichheiten ergeben sich aus klimatischen und wirtschaftlichen Unterschieden. So hätte Großbritannien einen stärkeren Ernterückgang als etwa Indien. Frankreich, derzeit Exporteur von Lebensmitteln, würde wegen der Unterbrechung des internationalen Handels in den niedrigeren Szenarien einen Nahrungsmittelüberschuss haben. Australien würde von einem kühleren Klima profitieren, das sich besser für den Weizenanbau eignen würde.

Abbildung 1: Nahrungszufuhr in kcal pro Person pro Tag im Jahr 2 nach einer Verseuchung durch Ruß infolge eines Atomkriegs

Die Karte links zeigt die Ernährungssituation im Jahr 2010.
Die linke Spalte zeigt den Fall mit fortgesetzter Viehfütterung, die mittlere Spalte den Fall mit 50 % der Futterpflanzen für menschliche Ernährung und 50 % für Viehfutter, die rechte zeigt den Fall ohne Viehzucht mit 50 % der Futterpflanzen für menschlichen Konsum.
Alle Karten gehen von der Annahme aus, dass kein internationaler Handel stattfindet aber die Nahrungsmittel innerhalb eines Landes gleichmäßig verteilt werden.
In grün markierten Regionen können die Menschen genug Nahrung bekommen, um ihre physischen Tätigkeiten wie gewohnt fortzusetzen. In gelb markierten Regionen würden die Menschen Gewicht verlieren und könnten nur sitzende Tätigkeiten durchführen. Rot bedeutet, dass die Kalorienaufnahme geringer als der Grundumsatz ist, was nach der Erschöpfung der Fettvorräte und der entbehrlichen Muskelmasse zum Tod führt.
150 Tg, 50 % Verschwendung heißt, dass 50 % der sonst im Haushalt verschwendeten Lebensmittel für die Ernährung zur Verfügung stehen, 150 Tg, 0 % Verschwendung bedeutet, dass die gesamten sonst verschwendeten Lebensmittel für die Ernährung zur Verfügung stehen.
Grafik aus : Global food insecurity and famine from reduced crop, marine fishery and livestock production due to climate disruption from nuclear war soot injection, CC BY SA, Übersetzung M. A.

Alternativen in der Nahrungsproduktion wie kälteresistentere Sorten, Pilze, Seetang, Proteine aus Einzellern oder Insekten und dergleichen wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Es wäre eine überwältigende Herausforderung, die Umstellung auf solche Nahrungsquellen rechtzeitig zu bewerkstelligen. Die Studie bezieht sich auch nur auf Nahrungskalorien. Menschen brauchen aber auch Proteine und Mikronährstoffe. Vieles bleibt also für weitere Studien offen.

Abschließend betonen die Autor:innen noch einmal, dass die Folgen eines Atomkriegs – auch eines begrenzten – für die globale Nahrungsmittelsicherheit katastrophal wäre. Zwei bis fünf Milliarden Menschen könnten abseits des Kriegsschauplatzes sterben. Diese Ergebnisse sind weitere Belege dafür, dass ein atomarer Krieg nicht gewonnen werden kann und nie geführt werden darf.

Titelbild: 5ofnovember via deviantart
Gesichtet: Verena Winiwarter


1 Xia, L., Robock, A., Scherrer, K. et al. Global food insecurity and famine from reduced crop, marine fishery and livestock production due to climate disruption from nuclear war soot injection. Nat Food (2022). https://doi.org/10.1038/s43016-022-00573-0



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Chile: Schutz von Klima und Biodiversität soll in die Verfassung

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Schutz des Klimas und der Biodiversität soll in der neuen Verfassung Chiles verankert werden, über die am 4. September abgestimmt wird. Der Staat, so heißt es im Entwurf, habe die Pflicht, die Klima- und Biodiversitätskrise zu bekämpfen und die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen. Die Verfassung anerkennt, dass der Mensch Teil der Natur ist und die Sorge für die Natur Bedingung für das Überleben der Menschheit ist. Das Dokument besagt auch, dass die Natur ihre eigenen Rechte hat und geschützt werden muss, auch wenn kein direkter Schaden für Menschen droht.
Weitere wichtige Punkte betreffen Gender, Erziehung, Gesundheitsdienste und soziale Sicherheit, das Recht auf Arbeit, Kollektivverträge, Streikrecht, ein Steuersystem, das soziale Ungleichheit mindern soll und die Auflage an die Zentralbank, nicht nur für finanzielle Stabilität zu sorgen, sondern für Arbeitsplatzsicherheit und Umweltschutz.
In einem offenen Brief unterstützen Ökonom:innen und Sozialwissenschaftler:innen von Weltrang den Entwurf.
https://www.nature.com/articles/d41586-022-02069-0



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Militärische Emissionen – eine unbekannte Größe
The Military Emissions Gap
von Martin Auer

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Lesedauer 4 Minuten

Die Militärs der Welt setzen bedeutende Mengen an Treibhausgasen frei1. Doch niemand weiß genau, wie viel. Das ist problematisch, weil für die Bekämpfung des Klimawandels belastbare Zahlen und Fakten notwendig sind. Eine Untersuchung des Conflict and Environment Observatory2 in Zusammenarbeit mit den Universitäten Lancaster und Durham in Großbritannien3 stellt fest, dass die in den Klimaverträgen von Kyoto und Paris festgelegten Berichtspflichten absolut ungenügend sind4. Militärische Emissionen wurden aus dem Kyoto-Protokoll von 1997 auf Drängen der USA ausdrücklich ausgenommen. Erst seit dem Übereinkommen von Paris 2015 müssen militärische Emissionen zwar in die Berichte der Länder an die UNO aufgenommen werden, aber es ist den Staaten überlassen, ob sie diese – freiwillig – getrennt ausweisen. Kompliziert wird die Lage noch dadurch, dass das UNFCCC5 verschiedenen Staaten je nach ökonomischem Entwicklungsgrad unterschiedliche Berichtspflichten auferlegt. Die 43 im Anhang I (Annex I) als „entwickelt“ eingestuften Staaten (darunter auch die EU-Staaten und die EU selbst) sind verpflichtet, jährlich ihre nationalen Emissionen zu melden. Weniger „entwickelte“ (Non-Annex I) Staaten müssen nur alle vier Jahre berichten. Darunter fallen auch etliche Länder mit hohen Militärausgaben wie China, Indien, Saudi Arabien und Israel.

In der Studie wurden die Meldungen militärischer Treibhausgas-Emissionen im Rahmen der UNFCCC für 2021 untersucht. Nach den Richtlinien des IPCC soll die militärische Nutzung von Brennstoffen unter der Kategorie 1.A.5 gemeldet werden. Diese Kategorie umfasst alle Emissionen aus Brennstoffen, die nicht an anderer Stelle spezifiziert sind. Dabei sind unter 1.A.5.a Emissionen stationärer Quellen und unter 1.A.5.b Emissionen mobiler Quellen zu berichten, unterteilt noch in Flugverkehr (1.A.5.b.i), Schiffsverkehr (1.A.5.b.ii) und „Andere“ (1.A.5.b.iii). Die Treibhausgas-Emissionen sollten so differenziert wie möglich angegeben werden, doch ist es erlaubt, sie zusammenzufassen, um militärische Informationen zu schützen.

Insgesamt sind laut Studie die UNFCCC-Berichte meistens unvollständig, bleiben generell unklar und sind nicht miteinander vergleichbar, weil einheitliche Standards fehlen.

Von den 41 untersuchten Annex-I-Staaten (Liechtenstein und Island haben kaum Militärausgaben und wurden deshalb nicht mit einbezogen), werden die Berichte von 31 als signifikant zu niedrig eingestuft, die übrigen 10 können nicht beurteilt werden. Die Zugänglichkeit der Daten wird bei fünf Staaten als angemessen („fair“) bezeichnet: Deutschland, Norwegen, Ungarn, Luxemburg und Zypern. Bei den übrigen Ländern wird sie als schlecht („poor“) oder sehr schlecht („very poor“ eingestuft6.

Österreich hat keine stationären Emissionen gemeldet und 52.000 Tonnen CO2e an mobilen Emissionen. Das wird als „very significant under-reporting“ eingestuft. Die Zugänglichkeit der zugrundeliegenden Daten wurde als „schlecht“ beurteilt, da keine differenzierten Daten gemeldet wurden.

Deutschland hat 411.000 Tonnen CO2e an stationären und 512.000 Tonnen CO2e an mobilen Emissionen gemeldet. Das wird ebenfalls als „very significant underreporting“ qualifiziert.

Oft werden als Hauptverursacher militärischer Emissionen die Energienutzung in militärischen Objekten und der Treibstoffverbrauch beim Betrieb von Flugzeugen, Schiffen und Landfahrzeugen gesehen. Doch eine Untersuchung von Streitkräften der EU-Staaten und Großbritanniens zeigt, dass die Beschaffung von militärischer Ausrüstungund und andere Lieferketten für den größten Teil der Emissionen verantwortlich sind. Für die EU-Länder werden die indirekten Emissionen auf mehr als das Doppelte der direkten Emissionen geschätzt, für Großbritannien auf das 2,6fache7. Emissionen entstehen bei der Gewinnung der Rohmaterialien, bei der Produktion der Waffen, beim Gebrauch durch das Militär und schließlich bei der Entsorgung. Und Militärs verwenden nicht nur Waffen, sondern ein breites Sortiment an anderen Produkten. Darüber hinaus sind die Auswirkungen von militärischen Konflikten noch viel zu wenig erforscht. Militärische Auseinandersetzungen können die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse massiv verändern, direkte Umweltschäden verursachen sowie Umweltschutzmaßnahmen verzögern oder verhindern, und sie können dazu führen, dass Länder die Nutzung umweltschädlicher Technologien verlängern. Der Wiederaufbau von zerstörten Städten kann Millionen Tonnen von Emissionen erzeugen, angefangen vom Abtransport der Trümmer bis zur Herstellung des Betons für neue Gebäude. Auch führen Konflikte oft zu einem rapiden Anstieg der Entwaldung, weil der Bevölkerung andere Energiequellen fehlen, also einem Verlust an CO2-Senken.

Die Autoren der Studie betonen, dass es nicht möglich ist, die Pariser Klimaziele zu erreichen, wenn die Militärs so weitermachen wie bisher. Sogar die NATO hat anerkannt, dass sie ihre Emissionen senken muss. Daher sollten militärische Emissionen bei der COP27 im November zur Sprache kommen. Als erster Schritt sollten Annex-I-Länder verpflichtet werden, ihre militärischen Emissionen zu melden. Die Daten sollten transparent, zugänglich, voll differenziert und unabhängig verifizierbar sein. Nicht-Annex-I-Länder mit hohen Militärausgaben sollten freiwillig jährlich ihre militärischen Emissionen melden.

Treibhausgasemissionen werden von dem am meisten benutzten internationalen Berechnungstool, dem Greenhouse Gas (GHG)-Protocol8, in drei Kategorien oder „Scopes“ unterteilt. Die militärischen Berichte sollten sich ebenfalls danach richten: Scope 1 wären dann die Emissionen aus den direkt vom Militär kontrollierten Quellen, Scope 2 wären die indirekten Emissionen aus der vom Militär angekauften Elektrizität, Heizung und Kühlung, Scope 3 würde alle anderen indirekten Emissionen umfassen wie durch Lieferketten oder durch militärische Operationen im Zuge von Konflikten verursachte. Um gleiche Verhältnisse für alle zu schaffen, sollte der IPCC die Kriterien für die Meldung von militärischen Emissionen aktualisieren.

Regierungen sollten sich, so lautet die Empfehlung der Studie, ausdrücklich zur Reduktion von militärischen Emissionen verpflichten. Um glaubwürdig zu sein, müssen solche Verpflichtungen dem Militär klare Ziele setzen, die mit dem 1,5°C-Ziel in Einklang stehen; sie müssen Berichtsmechanismen festlegen, die robust, vergleichbar, transparent und unabhängig bestätigt sind; dem Militär sollten klare Ziele zum Energiesparen, zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen und für Umstieg auf erneuerbare Energien gesetzt werden; ebenso sollten auch der Rüstungsindustrie Reduktionsziele vorgeschrieben werden. Das sollten echte Reduktionsziele sein und nicht Nettoziele, die auf Kompensation beruhen. Die vorgesehenen Maßnahmen sollten öffentlich gemacht und jährlich über die Ergebnisse berichtet werden. Schließlich sollte die Frage angegangen werden, wie eine Reduzierung der Militärausgaben und der militärischen Einsätze sowie eine generell andere Sicherheitspolitik zur Verminderung von Emissionen beitragen können. Um um die geforderten Klima- und Umweltschutzmaßnahmen auch vollständig umzusetzen, müssen auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Datenquelle: Stockholm International Peace Research Institute
Grafik: Visual Capitalist

Gesichtet: Petra Seibert
Titelfoto: 2014 People’s Climate March NYC, Stephen Melkisethian via flickr, CC BY-NC-SA


1 Vergleiche auch unseren Beitrag hier.

2 https://ceobs.org/

3 Dr. Benjamin Neimark, Senior Lecturer für Humangeographie und politische Ökologie an der Universität Lancaster, UK. Dr. Oliver Belcher, Associate Professor in the School of Government and International Affairs an der Universität von Durham, UK.

4 https://militaryemissions.org/

5 United Nations Framework Convention on Climate Change

6 Tabelle: https://docs.google.com/spreadsheets/d/12_1dkpjLqJYj5WFckIBUb3HCKD7v6a05SdYJ5GJr2Q4/edit#gid=1105995094

7 https://ceobs.org/the-militarys-contribution-to-climate-change/

8 https://ghgprotocol.org/



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