„Weltweiter Klimastreik“ in den wichtigsten in Österreich gesprochenen Sprachen

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WELTWEITER KLIMASTREIK in den wichtigsten in Österreich gesprochenen Sprachen
(Laut Volkszählung 2001)

DeutschWeltweiter Klimastreik
SerbischСветски климатски штрајк
Türkischküresel iklim grevi
EnglischGlobal climate strike
UngarischVilágszerte éghajlati sztrájk
PolnischOgólnoświatowy strajk klimatyczny
AlbanischGreva globale e klimës
SlowenischSvetovna podnebna stavka
KroatischSvjetski klimatski štrajk
TschechischCelosvětová klimatická stávka
Arabischإضراب مناخي عالمي
RumänischGreva climatică globală
ItalienischSciopero globale per il clima
SlowakischGlobálny klimatický štrajk
Farsiاعتصاب اقلیمی جهانی
FranzösischGrève mondiale pour le climat
Romani/RomanesLa Klimako Straiko
Serbisch: Светски климатски штрајк
Türkisch: küresel iklim grevi
Englisch: Global climate strike
Ungarisch: Világszerte éghajlati sztrájk
Polnisch: Ogólnoświatowy strajk klimatyczny
Albanisch: Greva globale e klimës
Slowenisch: Svetovna podnebna stavka
Kroatisch: Svjetski klimatski štrajk
Tschechisch: Celosvětová klimatická stávka
Arabisch: إضراب مناخي عالمي
Rumänisch: Greva climatică globală
Italienisch: Sciopero globale per il clima
Slowakisch: Globálny klimatický štrajk
Farsi: اعتصاب اقلیمی جهانی
Französisch: Grève mondiale pour le climat
Romani/Romanes: La Klimako Straiko
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Wissenschaftler*innen zerpflücken das Lobautunnel-Projekt
Stellungnahme der Scientists for Future Wien, NÖ und Burgenland

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Zwölf Wissenschaftler*innen der Scientists for Future haben das Lobautunnelprojekt genau unter die Lupe genommen. Sie kommen zu dem Ergebnis: Das Projekt ist nicht mit den Klimazielen Österreichs vereinbar. Es würde mehr Verkehr hervorrufen anstatt Straßen zu entlasten, es würde klimaschädliche Emissionen vermehren, Landwirtschaft und Wasserversorgung gefährden und das ökologische Gleichgewicht des Nationalparks Lobau bedrohen.

Das Gesamtprojekt Lobau-Autobahn, Stadtstraße und S1-Spange ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht mit den Klimazielen Österreichs vereinbar. 12 Wissenschaftler*innen der Scientists for Future (S4F) Österreich haben die kritischen Argumente, die öffentlich diskutiert werden, geprüft und unterstützen die zivilgesellschaftliche Kritik in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2021. Die Expert*innen aus den Bereichen Verkehr, Stadtplanung, Hydrologie, Geologie, Ökologie sowie Energie kommen zu dem Schluss, dass das Lobau-Bauprojekt ökologisch nicht tragbar ist und es weitaus bessere Alternativen gibt, um den Verkehr zu beruhigen und Emissionen zu reduzieren.

Die unabhängigen Wissenschaftler*innen von S4F berufen sich auf den aktuellen Stand der Forschung, belegen in ihrer Stellungnahme die Kritikpunkte am Projekt Lobautunnel und zeigen Alternativen auf. Das Projekt würde – da ein zusätzliches Angebot zusätzlichen Verkehr induziert – zu mehr Autoverkehr führen, anstatt Straßen zu entlasten, und dadurch auch zu einer Zunahme klimaschädlicher CO2-Emissionen führen. Das Gebiet, das bebaut werden soll, steht unter Naturschutz. Durch den Bau des Lobautunnels und der Stadtstraße könnte der Grundwasserspiegel dieses Gebiets absinken. Dies würde nicht nur den Lebensraum geschützter Tierarten dort zerstören, sondern könnte auch das gesamte Ökosystem destabilisieren. Eine solche Beeinträchtigung würde sich auf die Wasserversorgung der umliegenden Landwirtschaft und der Wiener Bevölkerung nachteilig auswirken.

Hinsichtlich des erklärten Ziels Österreichs einer „Klimaneutralität 2040“ sollte ein anderer Weg eingeschlagen werden. Um Emissionen und den Autoverkehr insgesamt zu reduzieren, können bereits jetzt zukunftsfähige Maßnahmen ergriffen werden. Mit einem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und einer Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung können einerseits Emissionen eingespart werden und andererseits kann der Verkehr effektiver reduziert werden – auch auf anderen vielbefahrenen Straßen und ganz ohne Lobau-Autobahn. Da die Emissionen aus dem Verkehrssektor in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, ist ein weiterer Bau von Straßen nicht angemessen. Von 1990 bis 2019 ist der Anteil an den Gesamt-Treibhausgas-Emissionen Österreichs von 18% auf 30% angestiegen. In Wien beträgt dieser Anteil sogar 42%. Um ein klimaneutrales Österreich bis 2040 zu erreichen, braucht es wirkliche Alternativen zum Individualverkehr. Rein technologische Maßnahmen, wie der Umstieg auf E-Autos bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen, reichen nicht aus.

Bei der Prüfung der Fakten und Ausarbeitung der Stellungnahme wirkten mit: Barbara Laa (TU Wien), Ulrich Leth (TU Wien), Martin Kralik (Universität Wien), Fabian Schipfer (TU Wien), Manuela Winkler (BOKU Wien), Mariette Vreugdenhil (TU Wien), Martin Hasenhündl (TU Wien), Maximilian Jäger, Johannes Müller, Josef Lueger (InGEO Institut für Ingenieurgeologie), Markus Palzer-Khomenko, Nicolas Roux (BOKU Wien).

Titelfoto: Ivan Radic

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Debatten

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Unter dem Titel „Debatten“ versammeln wir Beiträge, die sich eher an die S4F-Community richten als an eine breite Öffentlichkeit. Hier geht es um grundsätzliche Fragen der Klimakommunikation, um das Setzen von Schwerpunkten und ähnliche Themen.

Scientists sind herzlich eingeladen, Beiträge einzureichen.

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Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam für die Zukunft
Ein Blogpost für das Netzwerk der S4F
von Fabian Schipfer

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Unser Budget an klimaschädlichen CO2 Emissionen, das noch ausgestoßen werden kann, bevor unsere Lebensräume irreversible Maximalschäden erleiden ist begrenzt. Die Uhr tickt, unter anderem auch auf unserer Homepage, das Verfehlen der Parisziele steht mit Weihnachten 2028 unmittelbar bevor.

Effektive Maßnahmen sind jetzt gefragt, um das Schlimmste zu verhindern, eine lebenswerte Welt für die jetzigen und zukünftigen Generationen zu ermöglichen, aber auch um gleichzeitig eine bessere Zukunft für viele zu ermöglichen, die in unserer derzeitigen Gesellschaftsform schlechter abschneiden.

Prof. Sighard Neckel erklärt in einem aktuellen Podcast wie die Individualisierung der Klimamaßnahmen,  beispielsweise über einen persönlichen ökologischen Fußabdruck, als Symbolpolitik instrumentalisiert wird, um von der dringenden Notwendigkeit einer nachhaltigen Ordnungs- und Infrastrukturpolitik abzulenken. Dabei soll die Verantwortung auf die einzelnen Konsument*innen abgewälzt werden, die bestenfalls über Konsumentenpreissteuerung umerzogen werden müssen.

Diese Entpolitisierung kommt gerade jetzt ungünstig, da Anfang der 2020er Jahre ja eigentlich ein entschiedenes Vorgehen der Politik unabdingbar wäre. Noch gravierender ist jedoch auch, dass durch die subjektive Klimaschuld und den dadurch entstehenden moralischen Druck ein Kulturkampf um die ökologisch richtige Lebensführung entfacht wird. Problematisch ist das unter anderem, da ärmere und mittelständige Milieus derzeit weniger Möglichkeiten zur Veränderung haben und noch dazu trotzdem bereits wesentlich mehr zur Emissionsreduktion beigetragen haben, als Familien reicherer Einkommensklassen, die ihre Emissionen sogar im Schnitt ausgeweitet haben.

Der marktorientierte und konsumentenfokussierte Ansatz droht daher zum sozialen und demokratiegefährdenden Sprengsatz zu werden. Er bringt soziale Milieus gegen einander auf, die zur Lösung der Krise eigentlich Bündnisse schmieden sollten um auf einem demokratischen Weg den notwendigen, gravierenden Umbau der Infrastruktur zu ermöglichen.

Die Alternative ist, dass wir unseren gesellschaftlichen Reichtum für eine sozialökologische Gesellschaftsreform nutzen, in der die Lasten gerecht verteilt werden, Lebenschancen für die Verlierer der Transformation geschaffen werden und Obergrenzen für klimaschädliche Emissionen eingeführt werden. Nachhaltigkeit wird dabei als Gemeingut definiert, Infrastruktur wird so organisiert, dass ihre Funktionen ökologisch verträglich gestaltet werden und ihre Nutzung prinzipiell allen Bürger*innen offenstehen. 

Eine (CO2 Budget-) mengengesteuerte Ordnungspolitik treibt durch gezielte Infrastrukturmaßnahmen, aber auch mit allgemeinen Verboten die Innovation bei den Produzent*innen und Umorientierung bei den Konsument*innen an. Klare Rahmenbedingungen schaffen Planungssicherheit für die Industrien, während barrierefreies, ökologisches Verhalten belohnt und zum Standard wird, statt sittenstreng thematisiert und den Marktdynamiken überlassen oder durch autoritative Eingriffe auf individueller Ebene eingeschränkt zu werden.

Wo bereits möglich und leistbar, sind ökologisch verträglichere Lebensstile, sowie eine respektive Wissensvermittlung klarerweise empfehlenswert. Für einen demokratiefördernden Klimaaktivismus, und demnach auch für die Kommunikationsstrategie der S4F AT, besteht die Herausforderung jedoch darin, den Bürger*innen unter anderem Informationen zur Emissionsintensivität unseres Konsums zu vermitteln, Schuldzuweisungen dabei aber zu vermeiden, sondern die Öffentlichkeit zusammenzubringen, um gemeinsam, klimafreundliche und gerechte Infrastrukturen und Rahmenbedingungen einzufordern.

Verweise:

Gesichtet: Martha Stangl

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E-Scooter – Top oder Flop in der Klimakrise?
von Markus Palzer-Khomenko

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Die Klimakrise ist in aller Munde. Viel wird diskutiert und gestritten. Aber in einem Punkt sind sich fast alle einig. Das Auto mit Verbrennungsmotor muss bald ausgedient haben. Die großen Auto-Konzerne überbieten sich derzeit mit Ankündigungen, bis wann der Ausstieg aus Benzin und Diesel vollzogen sein soll. Aber was dann? Wie kommen wir von A nach B? Geht es nach den großen Konzernen, ersetzen wir die Verbrenner 1:1 durch E-Autos. Die sind zwar energieeffizienter, wiegen aber mehr als ihre verbrennungsgetriebenen Pendants und verbrauchen in der Herstellung viel Energie und Ressourcen. Es wird auch noch lange nicht genügend erneuerbare Energie zur Verfügung stehen, um dieselbe Zahl von E-Autos zu betreiben, wie jetzt Benziner und Diesel unterwegs sind.

Doch in der Stadt mit kurzen Wegen und hoher Bevölkerungsdichte gibt es Alternativen. Man kann die gute bestehende Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs nutzen, aber die Warterei auf den nächsten Bus ist manchmal mühsam. Man kann zu Fuß gehen, was nach heutigen Maßstäben aber zu langsam ist. Man kann mit dem Rad fahren, aber oft fehlen vernünftige Radwege und man kommt eventuell verschwitzt am Ziel an. Wie gut dass es da noch den E-Scooter gibt! Ob gekauft oder geliehen, man kommt schnell ohne Schwitzen und direkt von A nach B und kann die großen Blechkisten links liegen lassen.

Aber gerade dieser E-Scooter kommt immer öfter in die Kritik. Die einen ärgern sich, dass die Leih-E-Scooter überall herumliegen, die anderen sagen, der E-Scooter sei umweltschädlich. Manche einer behauptet sogar, der E-Scooter würde dem Klima schaden. Was stimmt denn nun? Ist der E-Scooter ein Klimaheld oder ein neues Umweltproblem?

Die Antwort lautet: Kommt drauf an, wie man ihn verwendest. In der Folge wollen wir in 5 Szenarien erklären, wann der E-Scooter für’s Klima top und wann eher flop ist:

Szenario 1: Klimasünder E-Scooter

Dein altes Auto ist kaputt und du überlegst nicht lange. Du gehst zum Händler und kaufst ein neues (vielleicht ein E-Auto für die Umwelt). Damit die Umwelt noch mehr davon hat, kaufst du auch noch einen E-Scooter für kurze Wege. Voll elektrisch mobil schützt du ab nun das Weltklima. – Leider nein! Im Grunde hast du von allen Möglichkeiten die schlechteste gewählt. Zu den Unmengen an Energie und Rohstoffen, die dein (E-)Auto bei der Herstellung verschlungen hat, kommen noch die Energie und Rohstoffe für die Herstellung des E-Scooters dazu. Macht nichts, weil du ja dafür voll-elektrisch und CO2-neutral unterwegs bist? – Wieder falsch. Mit deinem E-Scooter ersetzt du ja nur Strecken, die du früher zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt hast. Was früher mit Muskelkraft erledigt wurde, kommt nun aus der Steckdose und belastet unnötig das Stromnetz. Besser du sparst dir den E-Scooter und bleibst beim Rad.

Szenario 2: Der tägliche Kampf um die Klimabilanz

Du kaufst dir dein (E-)Auto und deinen E-Scooter. Aber um das Klima zu schonen, lässt du das Auto öfter mal stehen und fährst stattdessen mit dem Scooter. Auch hier musste man Auto und Scooter herstellen, was viele Ressourcen gekostet hat. Aber du sparst zumindest jedesmal Energie, wenn du den wenigen Kilogramm schweren Scooter statt dem bis zu 1,5 Tonnen schweren (E-)Auto auf dem Weg zur Arbeit nimmst. Wenn du das oft genug machst, wird irgendwann die Energie-Ersparnis die Produktionskosten des E-Scooters aufwiegen und dann ist die Klimabilanz positiv. Aber Vorsicht: Wenn du den E-Scooter auch statt Rad oder zu Fuß gehen verwendest, verschiebt das die Klimabilanz wieder in Negative.

Szenario 3: Sharing is Caring

Du kaufst dir ein (E-)Auto, aber nicht den Scooter. Stattdessen leihst du dir den Scooter manchmal aus. Das ist gut, denn nun musste nicht extra ein kompletter Scooter nur für dich hergestellt werden. Das spart Ressourcen. Aber ansonsten wirds jetzt kompliziert. Verwendest du den Scooter statt dem (E-)Auto oder statt Rad/Fußwegen? Wie lange lebt der Sharing-E-Scooter. Konnte er genug Autofahrten ersetzen um Fuß/Radstrecken und die Herstellung zu kompensieren? Knifflige Fragen, die wir dir leider nicht beantworten können. Aber: Jede Strecke, die du mit einem Sharing-E-Scooter statt mit deinem Auto fährst, schützt das Klima!

Szenario 4: E-Scooter – der Klimaheld

Vielleicht probierst du es auch mit Szenario 4. Damit schützt du nicht nur das Klima sondern auch dein Budget. Das geht so: Du kaufst den E-Scooter STATT dem (E-)Auto. Das haut so richtig in die Klimabilanz. Du hast nämlich gerade die Energie und die Ressourcen für die Herstellung eines kompletten (E-)Autos eingespart. Und ganz nebenbei hast du sämtliche Auto-Fahrten durch was anderes ersetzt (du hast ja jetzt kein Auto 🙂 ). Da kannst du lange faul mit dem E-Scooter zum Supermarkt fahren. Deine Klimabilanz wird da nicht mehr so schnell negativ.

Szenario 5: Für die Fanatischen unter euch

Wer noch eins draufsetzen will, kann sich ja auch noch den E-Scooter sparen. Spart noch mehr Ressourcen. Man kann sich den E-Scooter ja auch nur leihen oder zum militanten Radfahrer werden und mit den Autos um die Fahrbahn kämpfen.

Es ist also nicht ganz einfach. Es kommt drauf an, wie man den E-Scooter einsetzt. Bevor du dir einen E-Scooter zulegst, überleg dir gut, wie du ihn verwenden wirst und ob das wirklich dem Klima hilft. Denn der beste Schutz für das Klima sind die Dinge, gar nicht erst produziert werden.

Gesichtet: Barbara Laa

Titelfoto: Wikimedia Commons

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Initiative Montleart

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Die Initiative versteht sich als „Ein kleiner von vielen notwendigen Schritten, um den Klimawandel zu bekämpfen!“

Die Initiative strebt an: Im Rahmen der geplanten Umgestaltung der Montleartstraße eine Umwidmung zu einer Fußgängerzone (Durchfahrt Radverkehr erlaubt) des Teiles der Montleartstraße im 14. Bezirk ab der Garageneinfahrt von 1B bis Steinbruchstraße sowie der Steinbruchstraße im Bereich vor der Schule Gymnasium Wien West. Der Bereich zwischen der Busgarage und der Garageneinfahrt von 1B soll fußgängerfreundlich und mit einer Allee gestaltet werden und als Sackgasse geführt werden.

Link zur Initiative und zur Petition: https://initiative-montleart.at/

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Klimanotstand: 14.000 Wissenschaftler*innen weltweit warnen vor unermesslichem Leid
Es ist weiterhin möglich, sich dem Appell anzuschließen

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Am 28. Juli haben fast 14.000 Wissenschaftler*innen aus über 150 Ländern – darunter auch Österreich – gemeinsam mit den Autor*innen Ripple, Wolf et al. die Welt erneut vor dem Klimanotstand gewarnt. Sie haben damit die dringende Warnung von 2019 wiederholt, der sich damals mehr als 11.000 Wissenschaftler*innen anschlossen. Seither haben weitere 2.800 den Artikel als Mitautor*innen unterschrieben. Dies ist keine gewöhnliche Unterschriftensammlung: Alle Unterzeichneten sind nachweislich einer Universität oder einem wissenschaftlichen Institut verbunden. Wissenschaftler*innen aller Disziplinen, die sich der Warnung anschließen wollen, können das hier tun: https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/.

​Übersetzung der Kurzfassung

(https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/):

​Alliance of World Scientists​
Warnung der Wissenschaftler*innen der Welt vor einem Klimanotfall

William J. Ripple, Christopher Wolf, Thomas M. Newsome, Phoebe Barnard, William R. Moomaw und 13,925 Wissenschaftler*innen aus 158 Ländern

Wir Wissenschaftler*innen haben die moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophalen Bedrohung eindeutig zu warnen. In diesem Artikel präsentieren wir graphisch eine Reihe von Vitalparametern des Klimawandels während der letzten 40 Jahre. Die Ergebnisse zeigen, dass die Treibhausgasemissionen immer noch steigen, mit immer schädlicheren Auswirkungen. Mit wenigen Ausnahmen haben wir es verfehlt, dieses Problem in Angriff zu nehmen. Die Klimakrise ist da und sie beschleunigt sich stärker als viele Wissenschaftler*innen erwartet haben. Sie ist einschneidender als vorhergesehen, sie bedroht die natürlichen Ökosysteme und das Schicksal der Menschheit. Wir schlagen sechs entscheidende, zusammenhängende Maßnahmen vor, die die Regierungen und die Menschheit durchführen können, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verringern: Sie betreffen: 1) Energie, 2) kurzlebige Schadstoffe, 3) Natur, 4) Nahrung, 5) Wirtschaft und 6) Bevölkerung. Milderung des Klimawandels und Anpassung erfordern Transformationen in der Weise des Regierens, des Managements, der Ernährung und der Befriedigung des materiellen und des Energiebedarfs. Es ermutigt uns, dass in jüngster Zeit die Besorgnis und Betroffenheit weltweit wächst. Regierungen erklären den Klimanotstand. Der Papst hat eine Enzyklika zum Klimawandel erlassen. Schüler*innen streiken. Gerichtsverfahren wegen Ökozids laufen. Bürger*innenbewegungen fordern Wandel. Als Wissenschaftler*innen finden wir es dringend notwendig, diese Vitalparameter breit zu nutzen und gehen davon aus, dass die graphischen Indikatoren es den Entscheidungsträger*innen und der Öffentlichkeit erleichtern, das Ausmaß dieser Krise zu verstehen, Fortschritte zu messen und neue Prioritäten zu setzen, um den Klimawandel einzudämmen. Die gute Nachricht ist, dass diese Transformation, die soziale und ökologische Gerechtigkeit einschließt, auf lange Sicht größeres menschliches Wohlbefinden als business as usual verspricht. Wir glauben daran, dass die Aussichten am besten sind, wenn Entscheidungsträger*innen und die Menschheit prompt auf unsere Warnung und unsere Erklärung des Klimanotstands reagieren und handeln, um das Leben auf dem Planeten Erde, unserer einzigen Heimat, zu erhalten.

Unter dieser Adresse können Wissenschaftler*innen den Artikel, der den untenstehenden Maßnahmenkatalog enthält, unterzeichnen: https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/

​Übersetzung des Maßnahmenkatalogs

https://academic.oup.com/bioscience/article/70/1/8/5610806
BioScience, Volume 70, Issue 1, January 2020, Pages 8–12,
https://doi.org/10.1093/biosci/biz088

Foto: Pixabay

​Energie

Die Welt muss rasch massive Energieeffizienz- und Energiesparpraktiken verwirklichen und fossile Brennstoffe mit kohlenstoffarmen Erneuerbaren und anderen sauberen Energiequellen ersetzen, wenn das für Menschen und Umwelt sicher ist. Wir sollten die verbleibenden Vorräte an fossilen Brennstoffen im Boden lassen und sorgfältig Möglichkeiten effektiver negativer Emssionen verfolgen, wie CO2-Extraktion an der Quelle und aus der Luft und vor allem durch die Förderung natürlicher Systeme (siehe Abschnitt „Natur“). Wohlhabendere Länder müssen ärmere Nationen dabei unterstützen, die Transformation weg von fossilen Brennstoffen durchzuführen. Wir müssen Subventionen für fossile Brennstoffe abschaffen und effektive und faire Maßnahmen ergreifen um den CO2-Preis laufend zu erhöhen und deren Nutzung einzuschränken.

Kurzlebige Schadstoffe

Wir müssen schleunigst die Emissionen von kurzlebigen Schadstoffen verringern, einschließlich Methan, schwarzen Kohlenstoff (Ruß), und Fluorkohlenwasserstoffen (HFCs). Das könnte Klima-Rückkopplungen verlangsamen und potenziell die kurzfristige Erwärmung während der nächsten Jahrzehnte um 50 Prozent reduzieren, was Millionen Menschenleben retten könnte und die durch Luftverschmutzung reduzierten Ernteerträge wieder erhöhen.

​Natur

Wir müssen die Ökosysteme der Erde schützen bzw. wiederherstellen. Phytoplankton, Korallenriffe, Wälder, Savannen, Grasland, Feuchtgebiete, Moore, Humus, Mangroven und Seegras tragen massiv zur Bindung von atmosphärischem CO2 bei. Meeres- und Festlandpflanzen, Tiere und Mikroorganismen spielen eine wesentliche Rolle im Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf und in der Kohlenstoffspeicherung. Wir müssen rasch die Verluste an Lebensräumen und Artenvielfalt eindämmen und die verbleibenden primären und intakten Wälder schützen, besonders die mit hoher Kohlenstoffspeicherung und andere Wälder mit der Kapazität rasch Kohlenstoff aufzunehmen (proforestation) und in gigantischem Ausmaß wiederaufforsten und neu aufforsten. Obwohl das verfügbare Land dafür stellenweise eine Begrenzung darstellt, könnte ein Drittel der Emissions-Reduktionen, die bis 2030 zur Erreichung der Pariser Klimaziele (weniger als 2°C) erforderlich sind durch diese natürlichen Klimalösungen erreicht werden.

​Nahrung

Hauptsächlich pflanzliche Ernährung und die Reduzierung des weltweiten Konsums von Tierprodukten, besonders von Wiederkäuern, kann die menschliche Gesundheit fördern und die Treibhausgasemissionen deutlich senken (einschließlich Methan im Abschnitt „Kurzlebige Schadstoffe“). Weiters würde das Ackerland für den Anbau von dringend benötigter pflanzlicher Nahrung freimachen, und Weideland für natürliche Klimalösungen nutzbar machen (siehe Abschnitt „Natur“). Landwirtschaftliche Praktiken wie minimales Pflügen, die den Kohlenstoffgehalt des Bodens erhöhen sind von entscheidender Bedeutung. Und wir müssen die enorme Lebensmittelverschwendung auf der Welt reduzieren.

​Wirtschaft

Die übermäßige Entnahme von Materialien und die Überausbeutung von Ökosystemen, angetrieben durch Wirtschaftswachstum, muss schnellstmöglich eingeschränkt werden, um die dauernde Erhaltung der Biosphäre zu gewährleisten. Wir brauchen eine kohlenstofffreie Wirtschaft, die von der Abhängigkeit der Menschen von der Biosphäre ausgeht und Regeln, die ökonomische Entscheidung im Hinblick darauf lenken. Wir müssen uns abwenden vom Ziel des zunehmenden Bruttoinlandsprodukts und der Anhäufung von Überfluss hin zur Erhaltung der Ökosysteme und der Verbesserung menschlichen Wohlbefindens, indem grundlegenden Bedürfnissen Vorrang gegeben wird und Ungleichheit reduziert wird.

​Bevölkerung

Die Weltbevölkerung, die immer noch um ca. 80 Millionen Menschen pro Jahr oder über 200.000 pro Tag wächst, muss auf sozial verträgliche Weise stabilisiert und idealerweise nach und nach verringert werden. Es gibt bewährte und effektive Maßnahmen, die Menschenrechte stärken und gleichzeitig die Fruchtbarkeit senken und damit die Auswirkungen von Bevölkerungswachstum auf die Treibhausgasemissionen und den Artenverlust verringern. Diese Maßnahmen und Regulierungen machen Dienste zur Familienplanung für alle Menschen zugänglich, beseitigen Zugangsbarrieren, beinhalten Primär- und Sekundärbildung als globale Norm, besonders für Mädchen und junge Frauen, und zielen auf volle Gleichberechtigung der Geschlechter.

Übersetzung: Martin Auer
Gesichtet: Anika Bausch
Titelfoto: Wikimedia Commons

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Steinzeit oder Lebensqualität? Wie lebt es sich in einem klimaneutralen Österreich im Jahr 2050?

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Den Vorwurf, dass Umweltschutz das Land in die Steinzeit zurückbefördern würde, hörten wir schon bei der Auseinandersetzung um das Atomkraftwerk Zwentendorf in den 1970er Jahren. Das Atomkraftwerk ist heute ein Museum und die Steinzeit ist nicht hereingebrochen. Wir hörten ihn wieder bei der Auseinandersetzung um die Zerstörung der Hainburger Au durch einen Kraftwerksbau. Inzwischen gibt es statt eines Kraftwerks den Nationalpark Donauauen und die Steinzeit ist nicht hereingebrochen.

Heute stellt sich die Frage, in welche Welt uns der Klimaschutz führen wird. Führende österreichische Klimawissenschaftler*innen und über 70 Expert*innen aus allen Disziplinen haben einen Plan1 ausgearbeitet, wie Österreich bis 2050 klimaneutral werden kann. In einem zusammenfassenden Kapitel beschreiben sie, wie das Leben in diesem Land 2050 ausschauen könnte. Auf diese Vision stützt sich – teils auch wörtlich – unser Beitrag. Das ist möglich, da die Quelle dankenswerter Weise unter die Creative-Commons-Lizenz BY 4.0 gestellt wurde.

Dazu ist zu sagen, dass die Vision zwar von Österreichs Anteil an der globalen Verantwortung für das Klima ausgeht, aber nichts über das Leben in anderen Teilen der Welt sagt. Zweitens schreiben die Wissenschaftler*innen keinen bestimmten Weg zu diesem Ziel vor. Sie stellen stattdessen mögliche Transformationspfade zur Diskussion: Durch Regulierungen und marktwirtschaftliche Anreize von oben, oder durch gesellschaftliche Erneuerung von unten, durch technologische oder sozio-ökonomische Innovation.

Der Earth-Overshoot-Day oder Welterschöpfungstag – der Tag, an dem die Menschheit alle Ressourcen verbraucht hat, die der Planet in einem Jahr zur Verfügung stellen kann – fällt heuer auf den 29. Juli. Genau aus diesem Anlass wollen wir ein positives Bild einer möglichen Zukunft innerhalb der planetaren Grenzen zur Diskussion stellen.

Die Vision: Österreich im Einklang mit den Pariser Klimazielen

Das Leben hat sich in Österreich in vielfacher Weise verändert und ändert sich noch weiter, denn die bereits umgesetzten und die eingeleiteten Maßnahmen ziehen weitere Veränderungen nach sich. Es hat sich gezeigt, dass Vieles viel leichter ging als erwartet, nachdem der Anfang gemacht war. Manches hat auch mehr Probleme gemacht.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz machen unabhängiger

Erneuerbare, vielfach dezentral genutzte Energiequellen liefern saubere, leistbare Energie und machen das Land wie auch Regionen unabhängiger von Energieimporten. Durch einen Fokus auf hocheffiziente Energiedienstleistungen wurde gleichzeitig die Energieeffizienz gesteigert und der Energiebedarf deutlich gesenkt.

Energieeffizienz lohnt sich, weil Primärenergie teurer geworden ist. Ab einem bestimmten Mindestbedarf wird die einzelne Kilowattstunde umso teurer, je mehr man verbraucht. Das gilt für Haushalte, Handel, Industrie und Gewerbe. Raumplanung, Mobilitätsplanung und die Planung der Energieversorgung erfolgen gemeinsam. Dabei geht man von den Bedürfnissen der Menschen aus. Aus der gewünschten Funktion (z.B. schnell und bequem von zu Hause zur Arbeit zu kommen, oder mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgt zu werden, aber auch für die Erfordernisse der Produktion) leitet sich die Gesamtplanung ab. Daraus ergibt sich die die benötigte Menge an Energie, der passende Energieträger und die Form der Bereitstellung. Sektorkopplung zwischen Elektritizät, Wärmeversorgung, Verkehr und Industrie sorgt dafür, dass überschüssige Energie aus einem Sektor in einen anderen Sektor, wo Bedarf besteht, umgeleitet wird.

Das Stromnetz ist dezentral, multidirektional und intelligent. Lebensqualität orientiert sich nicht an Konsum und Profit.

Das Stromnetz hat sich von einem zentralistischen, unidirektionalen zu einem dezentralen, multidirektionalen und intelligenten Stromnetz gewandelt. Strom wird also nicht nur in großen Kraftwerken erzeugt und zentral verteilt, sondern an vielen Stellen auch von Privaten, Gemeinden usw. und kann auch ins Netz eingespeist werden. Gleichzeitig wurde die Verfügbarkeit gesichert und der Schutz vor Cyberkriminalität verbessert. Die Veränderungen waren bereits tiefgreifend und sie gehen noch immer weiter. Es werden stets neue, nachhaltigere Technologien entwickelt. Gleichzeitig werden Lebensstile nachhaltiger und brauchen weniger Energie: Gute Lebensqualität geht vor Profit und Konsum. Die Auswirkungen mancher Änderungen in anderen Sektoren werden erst langsam im Energiesektor spürbar.

Einerseits ist der Strombedarf gestiegen, weil wirtschaftliche Aktivitäten elektrifiziert wurden. Andererseits kam es zu Bedarfssenkungen, z. B. durch bessere Wärmedämmung von Gebäuden, effiziente Mobilität und die klimaschutzorientierte Raumplanung. Viele haben die Ursachen der Klimakrise verstanden und den Wert der Genügsamkeit für das eigene Wohlbefinden wiederentdeckt. Weniger ist oft mehr, und es genügt oft weniger, als man haben könnte.

Man muss kein Auto besitzen, um weiterzukommen.

Neue Raumplanungs- und Mobilitätskonzepte sowie neue Steuermodelle haben den Verkehr verändert: Der Individualverkehr ist zugunsten der aktiven Mobilität (Gehen, Fahrradfahren) zurückgegangen. Der öffentliche Verkehr wurde ausgebaut und auch im ländlichen Raum hat innovative Logistik neue Möglichkeiten eröffnet. Moderne Kommunikationsmöglichkeiten und Konzepte wie Sammeltaxis, Ride & Carsharing und Gemeindefahrzeuge ermöglichen Mobilität ohne eigenes Auto. Die meisten Menschen besitzen keine PKWs mehr, sondern nutzen sie nur noch. Das entlastet die Nutzer*innen nicht nur finanziell, sondern nimmt ihnen auch Verantwortung ab.

Für die Bevölkerung bringt die Veränderung gesundheitliche Verbesserungen durch mehr Bewegung, bessere Luftqualität, weniger Lärm und Stress und mehr Zeit für Beziehungen und bewusstes Leben. Mehr Platz in den Städten ermöglicht mehr Grün zur Dämpfung der Hitze. Der zusätzliche Begegnungsraum macht die Städte sicherer.

Durch lokale Produktion gibt es weniger Güterverkehr.

Der österreichische und europäische Güterverkehr ist zurückgegangen, weil die Wirtschaft sich stärker regional ausrichtet, und die Transporte wurden auf die Schiene verlagert. Der Umbau zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, die Rücknahmepflicht der Händler und die lokalere Produktion auf Basis von 3D-Druckverfahren haben den internationalen Güteraustausch reduziert.

Für Containerschiffe und Flugfracht gelten strenge Umweltbestimmungen. Ihre Antriebsenergie kommt weitgehend aus erneuerbaren Energieträgern (z. B. Windkraftunterstützung auf See und „Power-to-X“-Treibstoffe, die mit täglichen Überschussmengen von Solarstrom erzeugt werden). Der Lkw-Transport in den Städten läuft elektrisch. Die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen für diese Umstrukturierungen wurden rechtzeitig beschlossen, geplant und installiert, sodass keine Verzögerungen durch fehlende Infrastruktur entstanden sind.

In der Kreislaufwirtschaft halten Gebrauchsgüter länger und können repariert werden.

Gebrauchsgüter sind im Sinn des konsequenten Umbaus zur Kreislaufwirtschaft langlebiger und reparierbar geworden. Die Erzeuger nehmen die Produkte am Ende der Lebenszeit zurück und führen die Komponenten einer Wiederverwertung zu, die die Ressourcen effizient ausnützt. Wichtig ist, dass die Produkte von Anfang an so designt werden, das sie am Ende ihrer Lebenszeit leicht in ihre Bestandteile zerlegt und wiederverwertet werden können. Zugleich werden viele Produkte, nicht nur die legendäre Bohrmaschine, nur noch ausgeliehen – man muss nicht besitzen, was man selten braucht. Das bedeutet einerseits Rückgang der materiellen Produktion und damit Ressourcenschonung, andererseits aber mehr Qualitätsarbeit. Die Qualität und Zahl der Arbeitsplätze hat sogar zugenommen.

Da man weniger Güter kaufen muss, kann man sich auch höhere Preise leisten. Werbemaßnahmen orientieren sich am aktuellen Wissensstand und an der sozialen und ökologischen Herausforderung. Sie dienen nicht dem Mehr-Konsum, sondern einem nachhaltigen Konsum.

Forschung für Nachhaltigkeit wird gezielt gefördert.

Die notwendigen Innovationen für die industriellen Prozesse werden durch zielgerichtete Forschungsförderung beschleunigt. Neue Möglichkeiten der Materialproduktion werden dabei ebenfalls im Auge behalten (z. B. biobasierte Polymere, emissionsärmere Produktion, Kreislaufwirtschaftsinnovationen wie De-Polymerisierung zur effizienten Rohstoffrückgewinnung).

Die Digitalisierung ermöglicht geringeren Ressourcenverbrauch.

Die dynamischen technologischen Entwicklungen, die unter dem Namen Digitalisierung oder „Industrie 4.0“ zusammengefasst werden, wie automatisierte Fahrzeuge, Drohnen- und Blockchain-Technologie, wurden durch gesetzliche Regelungen auf Anwendungen orientiert, die das Einhalten der Klimaschutzziele und der ökologischen Grenzen erleichtern, ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch zu erzwingen.

Neue Perspektiven für Arbeitnehmer*innen werden geschaffen.

Ein zentraler Erfolgsfaktor dafür ist die inzwischen tiefgreifend verankerte, stark regional ausgerichtete Kreislaufwirtschaft, bei der die Potenziale der Digitalisierung nutzbringend eingesetzt werden. Für einige Unternehmen ist in einer klimaemissionsfreien Wirtschaft kein Platz. Deren Arbeitnehmer*innen werden durch politische Begleitmaßnahmen aufgefangen. Ihnen werden durch Re-, Neu- und Umqualifizierungsmaßnahmen neue Perspektiven geboten. Die Transformation wird sozial gerecht („Just Transition“) gestaltet. Generell wird viel mehr Arbeit in Bereichen wie Gesundheit und Pflege, Bildung, Kultur und Sport, aber auch in der Landwirtschaft benötigt.

Anpassung und Widerstandsfähigkeit gegen Extremwetterereignisse werden gefördert.

Die kritische Infrastruktur ist mittlerweile recht gut geschützt gegen Extremwetterereignisse. Diese liegen zwar auch bei einer globalen Erwärmung um 1,5 °C noch deutlich über den aus früheren Zeiten bekannten Ausmaßen, aber man muss nicht mehr fürchten, dass sie von Jahr zu Jahr intensiver werden und länger andauern. Das Klima stabilisiert sich. Bei den notwendigen Umbau- und Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen wurde auch auf Herausforderungen in verschiedenen Dimensionen geachtet – wie etwa die gute Anbindung an öffentlichen Verkehr, die Wiederverwendbarkeit von Strukturen, die Rezyklierbarkeit von Komponenten und Gebäuden oder die Einplanung von schattigen Rastplätzen.

Dennoch: Absoluten Schutz vor Unvorhergesehenem gibt es nicht. Die Menschen haben gelernt, sich auf Krisensituationen besser vorzubereiten und mit diesen besser umzugehen. Eine Mindestvorratshaltung ist in Haushalten und in Gemeinden zur Selbstverständlichkeit geworden, ebenso wie regelmäßige Notfallübungen. Die Erkenntnis, dass Resilienz (Widerstands- und Anpassungsfähigkeit) wichtig ist und nicht alles der Forderung nach maximaler Effizienz unterzuordnen ist, hat sich durchgesetzt.

Es gibt mehr Flächen für Bio-Landwirtschaft durch weniger Fleischproduktion.

Biologische Landwirtschaft ist extensiv und braucht größere Flächen. Infolge des geringeren Fleischkonsums wurden dafür die Flächen verfügbar, die zuvor zur Futtermittelproduktion für Rinder, Schweine, Hühner etc. genutzt wurden. Zugleich wurde die rasante Verbauung landwirtschaftlicher Flächen radikal eingeschränkt. Wo immer möglich wird sogar rückgebaut, um die Bodenversiegelungsauswüchse der Vergangenheit wiedergutzumachen. Boden bezieht seinen Wert nun auch durch seine Funktion als Kohlenstoff- und Wasserspeicher.

Ein wesentlicher Beitrag zur Senkung der landwirtschaftlichen Emissionen war die Ernährungsumstellung hin zu saisonaler, biologischer und primär regionaler Nahrung mit deutlich mehr pflanzlichen Produkten und rund 50 % weniger Fleisch. Dazu kam auch eine deutliche Senkung der Lebensmittelabfälle. Düngemittelproduktion und Landnutzungsänderungen konnten zurückgefahren werden. Der geringere Viehbestand senkte den Futtermittelbedarf sowie die Ausgasungen der Wiederkäuer. Die umgestellte Ernährung entspricht viel besser den Vorgaben der WHO bzw. der Mediziner für eine gesunde Ernährung. Da außerdem weniger Rückstände von Pestiziden, Hormonen und Antibiotika in den Körper gelangen, tut sie auch der Gesundheit der Bürger*innen gut .

Der Boden wird als Kohlenstoff- und Wasserspeicher geschützt.

Die 5 bis 10 Prozent verbliebenen Treibhausgasemissionen (im Vergleich zu 2005) werden durch naturverträgliche Kohlenstoffspeicherung in Boden und Biomasse ausgeglichen. Land- und Forstwirtschaft konnten den Aufbau von Humus und Holzbiomasse als Kompensation sicherstellen. Die regenerative, biologische und humusfördernde Landwirtschaft hat die Aufnahmefähigkeit des Bodens auch für das Wasser erhöht, sodass Dürreperioden und Starkniederschläge, die mit dem Klimawandel einhergehen, besser abgepuffert werden können. Die Landwirte haben trotz Klimawandel einigermaßen verlässliche Ernten. Auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe finden wieder ein gutes Auskommen, da der Bedarf an land- und forstwirtschaftlichen Produkten ausgeweitet wurde und neuen Formen solidarischer Landwirtschaft und direkter Vermarktung sich immer mehr durchgesetzt haben. In der Bioökonomie haben Kreislauforientierung und Nachhaltigkeit einen festen Platz gewonnen. Es haben sich aufgrund der Kreislaufwirtschaft und innovativer kaskadischer Nutzungen Wege gefunden, die stoffliche Nutzung der Biomasse voranzutreiben, ohne die Kohlenstoffsenken zu reduzieren. Kaskadische Nutzung bedeutet, einen Rohstoff möglichst oft zu nutzen, bevor er zur Energiegewinnung gebraucht wird, z.B. Holz zu Möbeln zu verarbeiten, die alten Möbel umzubauen, schließlich Spanlatten daraus zu machen und erst möglichst spät zur Energiegewinnung zu verbrennen. Die vermehrte Holznutzung in langlebigen Infrastrukturen trägt sogar zur Stabilisierung der Kohlenstoffspeicherung bei. In vielen Bereichen sind auch 2050 noch dynamische Neu- und Weiterentwicklungen im Gange – wesentliche Innovationen sind noch zu erwarten. Diese Innovationen könnten auch für die Energiegewinnung gekoppelt mit aktiver Kohlenstoffspeicherung bedeutsam sein. Dennoch kann die energetische Nutzung von Biomasse – aus Gründen der Knappheit landwirtschaftlicher Nutzflächen und des Schutzes der Biodiversität – nicht das primäre Ziel sein.

Die Gesundheit verbessert sich.

Die Kosten für das Gesundheitssystem, Krankenstände und krankheitsbedingte Frühpensionierungen sind gesunken und sinken weiter, denn die Mobilitäts- und die Ernährungsumstellungen haben das Leben nicht nur weniger riskant, sondern auch gesünder gemacht. Es wurde auch deutlich Druck aus dem Berufsleben genommen.

Das Kapital hat sich aus fossilen Energieträgern zurückgezogen.

Ein wesentlicher Motor für die Transformation war der zunächst langsame, dann aber sich stark beschleunigende Abzug von Kapital aus fossilen Energieträgern (Divestment) und die Investition in erneuerbare Energien und zukunftsfähige, sozial-ökologische Innovationen. Die Investitionen haben sich in deutlich höherem Maße in die Realwirtschaft verlagert, was nicht nur technologische Innovationen in beachtlichem Ausmaß ermöglicht hat und weiter ermöglicht, sondern auch die Stabilität des Finanzmarktes wesentlich erhöht.

Das Bildungssystem fördert Neugier und Kreativität und das Denken in Zusammenhängen.

Das Bildungssystem wurde grundlegend reformiert. Wichtige Erkenntnisse der Hirnforschung, der Psychologie und der Pädagogik der letzten Jahrzehnte fanden Eingang in die Praxis. Die Neugier, Motivation, Individualität und Kreativität der Kinder, Jugendlichen und Studierenden wird stark gefördert. Zudem werden ihre Fähigkeiten interdisziplinäre Brücken zu bauen, in Zusammenhängen zu denken, Lösungen für komplexe Probleme zu finden und das Leben zu gestalten, statt sich lediglich vom Leben formen zu lassen, gezielt gefördert. Das ermöglicht ihnen, von Ressourcen-Ausnutzer*innen zu Potenzial-Entfalter*innen zu werden. Bei der Wissensvermittlung wandert der Schwerpunkt vom Verfügungs- und Handlungswissen hin zu umfassendem, ganzheitlichem und wertbezogenem Orientierungswissen und systemischen, projektbezogenen, kreativen Herangehensweisen.

Die Forschung entwickelt menschengerechte Lösungen.

Eine Zeit lang ist es – angesichts der lebensbedrohenden Entwicklungen der Klima- und Umweltkrise – in der Forschung fast ausschließlich darum gegangen, wissenschaftliche Fragen zu beantworten, die für die Gesellschaft hoch relevant sind. Alle Universitäten und Forschungseinrichtungen haben sich stark daran ausgerichtet. Das alles war unter anderem möglich, weil auch der Staat sich wieder in stärkerem Maße für die Forschung zuständig fühlte. Er förderte gesellschaftlich-transformative Ziele in der Wissenschaft und schränkte wirtschaftliche Einzelinteressen im Forschungsbetrieb ein. Die Wissenschaft hat sich verstärkt auf gesellschaftliche Zukunftsfragen ausgerichtet und bearbeitet inzwischen wieder ein breites, offenes inter- und transdisziplinäres Forschungsspektrum. In der Forschung wird kooperativ und interdisziplinär gearbeitet, von den Naturwissenschaften bis hin zu den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Geisteswissenschaften, Theologie und Kunst. Betroffene werden wo immer sinnvoll von Anbeginn einbezogen (transdisziplinäre Forschung). Allein technologieorientierte Lösungen sind kaum mehr von Interesse. Wesentlich ist es, menschengerechte Lösungen zu finden. Der Status in der wissenschaftlichen Welt hängt nicht mehr primär von Publikationen ab, sondern wesentlich davon, wie die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft im Hinblick auf die Nachhaltigkeitswirkung („sustainability impact“) der Forschung wahrgenommen wird. Auf Unabhängigkeit der Forschung und Transparenz in der Forschungsfinanzierung wird großer Wert gelegt. Die Forschung ist so zu einem wahren Motor für die Nachhaltigkeit der Gesellschaft geworden.

Die Schere zwischen Arm und Reich verringert sich.

Alle Maßnahmen im Zuge der Transformation der Gesellschaft wurden jeweils sorgfältig auf ihre sozialen Auswirkungen geprüft und haben dazu beigetragen, dass die Schere zwischen Arm und Reich langsam zuging. Dazu hat eine wirtschaftlich, sozial- und umweltgerechte Steuerreform beigetragen. Sie war eine der ersten und wirksamsten Maßnahmen, die den Menschen mit niedrigen Einkommen einen wesentlichen Teil der Steuereinnahmen auf fossile Brennstoffe als Klimabonus auszahlte und ihnen zeigte, dass zwar die Klimakrise bedrohlich war, nicht aber die Klimaschutzmaßnahmen.

Als diese Steuereinnahmen infolge des geringeren Einsatzes fossiler Brennstoffe zurückgingen, verschafften bereits andere Maßnahmen, wie z. B. verbesserter öffentlicher Verkehr und Ride & Carsharing, den Haushalten wesentliche Entlastungen bei ihren Kosten. Erleichtert wurden staatliche Investitionen, weil die gleichmäßigere Vermögens- und Einkommensverteilung auch zum Sinken der Kosten für den Sicherheitsapparat, das Sozialsystem und das Gesundheitswesen führte. Bildung und Forschung beanspruchen jetzt einen höheren Anteil des staatlichen Budgets, aber diese Mittel sind gut eingesetzt. Geldflüsse aus dem reformierten Finanzsystem und Einsparungen, die sich in anderen Bereichen ergeben haben, entlasten sogar den Staatshaushalt.

Die Bevölkerung nimmt aktiv Teil an den Entscheidungen.

Die Maßnahmen wurden in Teilhabeprozessen unter Einbeziehung der Bevölkerung erarbeitet. Dies hat dazu geführt, dass Interessens- und Zielkonflikte offen ausgetragen werden konnten und gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde. Lokalen Besonderheiten und Wünschen, insbesondere hinsichtlich Reihenfolge und Geschwindigkeit der Änderungen, wurde soweit möglich nachgekommen. Das hat sich günstig auf das Demokratieverständnis ausgewirkt und Bürger*innen übernehmen wieder deutlich mehr Verantwortung im gesellschaftlichen Prozess.

Neben der in Österreich schon lange hochstehenden Gesinnungsethik hat sich durch diese Teilhabeprozesse auch eine Verantwortungsethik eingestellt – man weiß nicht nur, was richtig wäre, sondern man tut es auch. Die Politik ist sachorientierter und vorausschauender geworden. Sie darf vorübergehende Verschlechterungen zugunsten klar argumentierter und allgemein verständlicher langfristiger Verbesserungen riskieren, ohne schon bei den nächsten Wahlen abgestraft zu werden.

Wir verbrauchen weniger, doch die Lebensqualität steigt.

Der Konsum-Lebensstandard, gemessen an der Zahl der Autos, Fernsehschirme, Fernreisen etc. ist zwar materiell gesunken, aber die Lebensqualität ist klar gestiegen; die Österreicher*innen sind deutlich zufriedener. Der Transformationsprozess ist nicht abgeschlossen, aber die Bevölkerung nimmt ihn an: Es herrscht Aufbruchsstimmung. In den Bürger*innenräten sind viele Ideen aufgekommen, die zum Teil noch nicht umgesetzt sind, aber viel Potenzial zu weiteren Verbesserungen haben, die weit über die Klimakrise hinausgehen – es wird spannend sein, zu beobachten, wo das noch hinführt.

Und rückblickend auf das Erreichen der Klimaneutralität Mitte 2045 und auf die um 2050 nahezu vollständig erreichte Befreiung von den fossilen Emissionen heißt es zu guter Letzt bei der Jahrhundertfeier auf dem Heldenplatz in Wien am 15. Mai 2055: Österreich ist klimaemissionsfrei!

Fotos: Pixabay
Bearbeitet: M.A. und A.B.


1 Kirchengast, G., Kromp-Kolb, H., Steininger, K., Stagl, S., Kirchner, M., Ambach, Ch., Grohs, J., Gutsohn, A., Peisker, J., Strunk, B. (2019): Referenzplan als Grundlage für einen wissenschaftlich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich (Ref-NEKP) — Gesamtband, November 2019, 204 S., CCCA Wien-Graz. – Verlag der ÖAW, Wien, Österreich. Online unter: https://ccca.ac.at/refnekp – Creative Commons by 4.0 licence https://creativecommons.org/licenses/by/4.0

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Extremwetter und Klimawandel – Wie hängt das zusammen?
von René Sedmik

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Der kälteste Frühling seit 30 Jahren in Österreich, nie dagewesene Hitze in Kanada, ein Tornado der Stärke 4 an der tschechischen Grenze, und über hundert Tote bei einem Hochwasser in Deutschland.

Viele Menschen meinen, das hätte es schon immer gegeben. Andere sehen die Wetterereignisse als Auswirkung des Klimawandels.

Wir geben eine wissenschaftlich begründete Antwort auf die Frage, ob und wie diese Ereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen.

Kurze Antwort für Ungeduldige:

Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme, Starkregen oder Dürre gab es immer. Sie sind die Folge des lokalen Zusammenspiels vieler Faktoren und – wie der Name schon sagt – Extreme des Wetters. Der Klimawandel bewirkt über unterschiedliche Mechanismen, dass solche Extreme deutlich häufiger und intensiver werden. Die wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf und regnet mehr wieder ab. Manche Gebiete werden dadurch trockener, andere feuchter. Die höhere Temperatur und größere Temperaturunterschiede verändern auch Windströmungen, die heiße Luft aus den Tropen in Richtung Pole und kalte Polarluft in Richtung Äquator bringen, so dass Hitze- und Kältewellen entstehen. In den nächsten Jahrzehnten ist auch in Österreich mit einer kontinuierlich steigenden Zahl von Wetterkatastrophen und den entsprechenden Folgen zu rechnen.

Ausführliche Antwort

Erderwärmung und Jetstream

Auf der Nordhalbkugel ist der polare Jetstream von wesentlicher Bedeutung für das Wetter. Es handelt sich dabei um ein Windband, das sich zwischen dem 40. und 60. Breitengrad in großer Höhe rund um den Globus von West nach Ost bewegt. Der Jetstream entsteht durch den Druckunterschied zwischen dem Nordpol und den Tropen, welcher eine Nord-Süd Strömung bewirkt, die wiederum durch die Corioliskraft1 in östliche Richtung abgelenkt wird. Hindernisse wie etwa die Rocky Mountains oder der Himalaya lenken den Strom ab. Es kommt zu wellenförmigen Verformungen des Jetstreams – sogenannte Rossby-Wellen. Eine nordwärtige Welle zieht warme Luft aus dem Süden mit – ein Hoch entsteht. Eine südwärtige Welle transportiert umgekehrt kalte polare Luft und Tiefdruckgebiete in unsere Breiten. Somit beeinflussen die Rossby-Wellen unser Wetter.

„Der Jetstream (hier als Band eingezeichnet) trennt kalte (blaue) Luftmassen um die Pole von warmen Luftmassen (rötlich) in äquatorialen Gebieten. Bisher normale Rossby Wellen (a) werden durch die Verlangsamung des Jetstreams größer (b) und können sogar abgeschlossene „Tropfen“ bilden (c).
Quelle: Wikimedia Commons

Durch den Klimawandel, welcher die Pole deutlich stärker erwärmt als gemäßigte Breiten, schwächt sich der Druckgradient2 zwischen Pol und Tropen ab und der Jetstream wird schwächer. Umfangreiche Studien haben gezeigt, dass diese Abschwächung dazu führt, dass Rossby Wellen deutlich stärker mäandern und länger am selben Ort bleiben. Für unser Wetter bedeutet das, dass Hochs und Hitze länger bleiben, wodurch sich die Hitze lokal verstärken kann wie in den USA und Kanada im Juni 2021 – eine Hitzewelle entsteht. Umgekehrt kann über längere Zeit kalte polare Luft zu uns transportiert werden – ein kalter Frühling wie 2021 in Mitteleuropa ist die Folge.

 Am Beispiel der Hitzewelle im Juni 2021 in Kanada sieht man, wie eine Rossbywelle einen „Warmlufttropfen“ einschließt und somit warme Luftmassen lokal festhält. Der Tropfen kann sich immer weiter erwärmen – eine Hitzewelle entsteht. (Grafik: Martin Auer, nach BBC)

Unwetter und Regen

Neben Hitzewellen treten derzeit auch starke Unwetter auf. Regenfälle mit 100 l/m² und Tag sind in den Tropen keine Seltenheit, stellen in Mitteleuropa aber eher die Ausnahme dar. Der Grund ist, dass wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann als kalte3. Wenn dieses Wasser dann bei einem Gewitter wieder als Regen fällt, kommen große Regenmengen zusammen. Kommen nun vermehrt warme Luftmassen vor, können in diesen auch stärkere Gewitter und Schauer entstehen – wie im Westen Deutschlands am 14. Juli oder in Salzburg am 17. Juli. Ein weiterer Effekt ist, dass durch mehr Wärme stärkere Winde in Gewittern erzeugt werden. Eispartikel zirkulieren durch diese Winde zwischen den unteren Regenzonen und großen Höhen, wobei bei jeder Runde eine Eisschicht hinzukommt. Sind die Winde nun stärker, können Eispartikel länger wachsen bevor sie als Hagel fallen. Werden die Winde in einer Gewitterzelle sehr groß, können auch starke Scherkräfte entstehen, welche die Zelle rotieren lassen – eine sogenannte Superzelle entsteht. Hier kommen zu den vertikalen Konvektionswinden in der Gewitterwolke auch horizontale Strömungen. Stimmt die lokale horizontale Windrichtung nicht mit der umgebenden Windrichtung überein kommt es zu Verwirbelungen und Tornados können entstehen. Während kleine Tornados überall auf der Welt entstehen, sind stärkere Tornados in Mitteleuropa eher die Ausnahme. Mit zunehmender Gewitterstärke und Häufigkeit steigt aber auch die Gefahr für starke Tornados, so wie jener an der tschechisch-österreichischen Grenze am 24. Juni 2001, der die zweitstärkste Kategorie F4 auf der Fujita Skala erreichte.

Der Klimawandel selbst verursacht diese Extremwetterereignisse nicht direkt. Jedoch bewirkt er dass statistisch gesehen häufiger die notwendigen Bedingungen entstehen, die Extremwetter möglich machen und auch stärker werden lassen.

Hier noch ein kleiner Literaturüberblick für jene, die gerne mehr wissen möchten:

Hitzewellen

Das Auftreten von Hitzewellen wurde sowohl empirisch als auch prädiktiv ausführlich untersucht. Hier sind besonders Städte betroffen, da durch die stark konzentrierte Bodenversiegelung und geringe Biomasse natürliche Kühleffekte fehlen. Beton und Asphalt heizen sich in der Sonne stark auf und halten die Wärme auch in den Nachtstunden länger. Im Vergleich zum Zeitraum 1981–2010 werden 2050 in Wien kurze Hitzewellen wahrscheinlich mehr als drei Mal so oft auftreten (die Wahrscheinlichkeit steigt von 12% auf 40%) und starke Hitzewellen mit deutlicher Übersterblichkeit viereinhalb Mal so oft (die Wahrscheinlichkeit steigt von 3,5% auf 16%).4. Für den Zeitraum 2070–2100 steigen diese Wahrscheinlichkeiten nochmals stark an: kurze Hitzewellen 85%, starke Hitzewellen 70%.

Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen in Prozent. Die Grafik zeigt für alle europäischen Städte an, wie wahrscheinlich es ist, dass im Zeitraum 2050 bis 2100 die Höchsttemperaturen des Zeitraums 1950 bis 2000 übertroffen werden. Diese Wahrscheinlichkeiten gelten für den Fall, dass global keine nennenswerten Anstrengungen unternommen werden, um den Klimawandel einzudämmen, das sogenannte RCP 8,5 Szenario. Da es auch für dieses Szenario eine Schwankungsbreite gibt, zeigt diese Grafik ein Ergebnis an, das in der Mitte zwischen dem günstigsten und dem ungünstigsten liegt.
Quelle: Guerreiro et al. (2018) https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aaaad3

Für Innsbruck, Graz und Wien ist unter der Annahme, dass keine Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels unternommen werden, eine Zunahme von 25%, 25% und 23% in der jährlichen Anzahl der Hitzetage sowie ein Anstieg von rund 9°C (alle Städte) in der dabei maximal erreichten Temperatur ab 2050 vorhergesagt.5 Auch die jüngsten Hitzewellen wurden quantitativ erforscht. Man fand, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzewelle wie jene in Kanada 2021 mit fast 50°C im Vergleich zu zur Zeit um 1900 150 Mal wahrscheinlicher gemacht hat7. Während es sich ohne menschgemachten Klimawandel um ein Ereignis handelt, das einmal alle 1000 Jahre stattfinden würde, muss man bei 2°C globaler Erwärmung alle 5-10 Jahre mit einer derartigen Hitzewelle rechnen.

Starkregen, Unwetter und Überflutungen

Auch die Zunahme von Starkregenereignissen ist statistisch signifikant. Global zeigen Studien8 einen Anstieg von 31% in der Häufigkeit von Starkregen in nördlichen gemäßigten Breiten zwischen 1980 und 2010. Dieser wird lokal auch mit einem Anstieg von rund 100% in der Wahrscheilichkeit für Flutereignisse in größeren Flüssen in Verbindung gebracht9. Klimamodelle erfassen lokale Starkregenereignisse erst in kürzerer Zeit10, zeigen aber generell, dass die Intensität von Stürmen und Schauern sogar stärker als die Wasseraufnahmefähigkeit mit der Temperatur – und damit mit fortschreitendem Klimawandel – steigt. Damit einher geht auch eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit für Flutereignisse.

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Extremwetterereignissen wurde intensiv erforscht. Einen vollständigen wissenschaftlichen Überblick gibt es hier:  https://assets.climatecentral.org/pdfs/WWA_NRC_Attribution_Report_March2016.pdf


1 Die Coriosliskraft entsteht durch die Drehung der Erde um ihre Achse. Sie ist am Äquator am stärksten und nimmt gegen die Pole zu ab.

2 Gradient: Gefälle

3 Die Wasseraufnahmekapazität von Luft steigt pro Grad Celsius um 6.5%: Ali et al. Geophys. Res. Lett. 48, e2020GL090317, doi:10.1029/2020GL090317 .

4 Smid et al Urban Climate 27, 388 (2019), doi: 10.1016/j.uclim.2018.12.010

5 Guerreiro et al. Env. Res. Lett. 13, 034009 (2018), doi: 10.1088/1748-9326/aaaad3

7 Philip et al, Scientific Report. (2021), https://www.worldweatherattribution.org/wp-content/uploads/NW-US-extreme-heat-2021-scientific-report-WWA.pdf

8 Lehmann et al. Climatic Change 132, 501 (2015), doi: 10.1007/s10584-015-1434-y

9 Philip et al. J. Hydrometeorol. 19, 1881 (2018), doi: 10.1175/JHM-D-18-0074.1

10 Fowler et al. Phil.Trans.R.Soc.A 379, 20190541, doi: 10.1098/rsta.2019.0541

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Das Ende der Menschheit verschieben
Erfahrungen mit dem En-ROADS-Weltklima-Simulator
von Klaus Jäger

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Den En-ROADS-Weltklima-Simulator habe ich vor kurzem auf einem Seminar kennengelernt. Mit diesem Simulator kann die Wirksamkeit von verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen bestimmt werden. Als erstes habe ich gleich meine Lieblingsmeinung getestet: Wenn die regenerativen Energien stark gefördert werden, dann kann die Erderhitzung locker unter 2 Grad Celsius gehalten werden.

Ich war maßlos enttäuscht, als fast kein Effekt zu sehen war! Das hat mein Interesse geweckt.

Sie können das selbst überprüfen. Der En-ROADS-Simulator (Energy Rapid Overview and Decision Support) ist frei verfügbar.

Das Fenster öffnet sich und Sie sehen im oberen Teil zwei Diagramme. Das linke Diagramm zeigt die gesamte globale Energie aus jeder Quelle, die zur Deckung des globalen Energiebedarfs bis 2100 erforderlich ist. Im rechten Diagramm sind die Treibhaus-Nettoemissionen pro Jahr bis 2100 dargestellt. Die Zahl rechts oben (3,6 °C) ist der Temperaturanstieg bis 2100. Diesen Anstieg der globalen Temperatur könnten wir erwarten, wenn die Menschheit mehr oder weniger so weitermacht wie bisher.

Im unteren Teil des Fensters finden Sie 18 Schieberegler. Damit können Sie die verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen simulieren. In meinem Fall stellte ich den Schieberegler „Erneuerbare Energien ganz nach rechts.

Der Temperaturanstieg reduzierte sich aber nur um 0,1 Grad von 3,6 auf 3,5 Grad. So wenig! Ich war echt verblüfft.

Ich habe also weiter versucht, die Pariser Klimaziele zu erreichen, also die Temperaturerhöhung weit unter 2 Grad zu bringen. Dazu habe ich den Kohlenstoffpreis sehr hoch angesetzt. Ich bewegte den Schieberegler bei “CO2-Preis” ganz nach rechts.

Die Erwärmung im Jahr 2100 wurde jetzt von +3,5°C auf +2,6°C reduziert. Das war zwar ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung, aber der Temperaturanstieg war immer noch viel zu hoch. Diese Erwärmung könnte zum Beispiel den Untergang des Amazonas-Regenwaldes verursachen.

Die Verteuerung der Energie könnte auch zu sozialen Problemen führen. In der Grafik für „Energiekosten“ kann der Preisanstieg überprüft werden. Der Energiepreis würde sich am Anfang verdoppeln. Das zusätzlich eingenommene Geld könnte wieder an die Bürger verteilt werden oder zur Förderung kohlenstofffreier Technologien genutzt werden.

Ich habe mir jetzt angesehen, welche Gase noch zur Erderwärmung beitragen. In der Grafik „Treibhausgas-Netto-Emissionen nach Gas“ stellte ich fest, dass Methan einen großen Beitrag leistet (blaue Fläche)

Meine Idee war jetzt, die Methanemissionen radikal zu senken. In der Beschreibung der Maßnahme konnte ich lesen, dass ein großer Anteil der Methanemissionen aus der Landwirtschaft stammt. Die Landwirtschaft würde sich in diesem Fall radikal ändern.

Ich bewegte also den Schieberegler bei “Methan & andere” ganz nach links und sah, dass die Erwärmung auf 2,2°C reduziert wird. Leider hatte ich mein Ziel immer noch nicht erreicht.

Ich probierte nun weitere Maßnahmen aus, indem ich die entsprechenden Schieberegler betätigte. Dabei stellte ich fest, dass eine weitere Reduzierung des Temperaturanstieges schwierig zu verwirklichen war. Nur durch die Kombination von verschiedenen Maßnahmen konnte ich am Ende mein Ziel erreichen, die Temperaturerhöhung auf deutlich unter 2 Grad zu senken.

Was mich überraschte, war, dass zum Beispiel der Ausbau der Kernkraft oder die Aufforstung als Einzelmaßnahmen relativ wenig bringen. Auch die E-Mobilität alleine kann den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhundert nicht maßgeblich beeinflussen. Nur die Kombination von verschiedenen Maßnahmen führt am Ende zum Erfolg. Es gibt leider keinen Königsweg im Klimaschutz.

En-ROADS ist ein idealer Ausgangspunkt für Gespräche über den Klimaschutz. Wir könnten zu Beispiel über eine klimagerechte Zukunft reden, die ein gutes Leben für uns alle ermöglichen würde. Wie wollen wir uns ernähren, wie uns fortbewegen? Wie wollen wir als Gemeinschaft in Deutschland und auch als Weltgemeinschaft leben?

En-ROADS ist auch sehr gut geeignet für den Unterricht. Die Wirksamkeiten der verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen werden gut veranschaulicht und diverse Rebound-Effekte (Abprall-Effekte) sind gut zu erkennen.

Allgemeine Informationen zu En-ROADS:

Der En-ROADS-Simulator wurde von dem US-Think Tank Climate Interactive zusammen mit der UML Climate Change Initiative, der Sloan Management School des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Softwarefirma Ventana entwickelt. Der Simulator wird laufend aktualisiert. Das Simulationsmodell wurde bereits bei den verschiedensten Zielgruppen eingesetzt, von Regierungsvertretern über Führungskräfte aus der Wirtschaft bis hin zu Schülern und Studenten.

Weitere Informationen:

Wenn Sie an einem kostenlosen Webinar zur Einführung in den Simulatior interessiert sind, können Sie sich unter der Mailadresse anmelden.

Interaktive Rollenspiele: Den Klimawandel in die Klasse holen

Welche Lösungen sind wirklich wirksam im Kampf gegen den Klimawandel?

Interview mit Florian Kapmeier, Professor für Strategie an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen, der seit vielen Jahren mit Climate Interactive zusammenarbeitet.

Die Links wurden am 03-07-2021 abgerufen.

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