Debatten

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Unter dem Titel „Debatten“ versammeln wir Beiträge, die sich eher an die S4F-Community richten als an eine breite Öffentlichkeit. Hier geht es um grundsätzliche Fragen der Klimakommunikation, um das Setzen von Schwerpunkten und ähnliche Themen.

Scientists sind herzlich eingeladen, Beiträge einzureichen.

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Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam für die Zukunft
Ein Blogpost für das Netzwerk der S4F
von Fabian Schipfer

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Unser Budget an klimaschädlichen CO2 Emissionen, das noch ausgestoßen werden kann, bevor unsere Lebensräume irreversible Maximalschäden erleiden ist begrenzt. Die Uhr tickt, unter anderem auch auf unserer Homepage, das Verfehlen der Parisziele steht mit Weihnachten 2028 unmittelbar bevor.

Effektive Maßnahmen sind jetzt gefragt, um das Schlimmste zu verhindern, eine lebenswerte Welt für die jetzigen und zukünftigen Generationen zu ermöglichen, aber auch um gleichzeitig eine bessere Zukunft für viele zu ermöglichen, die in unserer derzeitigen Gesellschaftsform schlechter abschneiden.

Prof. Sighard Neckel erklärt in einem aktuellen Podcast wie die Individualisierung der Klimamaßnahmen,  beispielsweise über einen persönlichen ökologischen Fußabdruck, als Symbolpolitik instrumentalisiert wird, um von der dringenden Notwendigkeit einer nachhaltigen Ordnungs- und Infrastrukturpolitik abzulenken. Dabei soll die Verantwortung auf die einzelnen Konsument*innen abgewälzt werden, die bestenfalls über Konsumentenpreissteuerung umerzogen werden müssen.

Diese Entpolitisierung kommt gerade jetzt ungünstig, da Anfang der 2020er Jahre ja eigentlich ein entschiedenes Vorgehen der Politik unabdingbar wäre. Noch gravierender ist jedoch auch, dass durch die subjektive Klimaschuld und den dadurch entstehenden moralischen Druck ein Kulturkampf um die ökologisch richtige Lebensführung entfacht wird. Problematisch ist das unter anderem, da ärmere und mittelständige Milieus derzeit weniger Möglichkeiten zur Veränderung haben und noch dazu trotzdem bereits wesentlich mehr zur Emissionsreduktion beigetragen haben, als Familien reicherer Einkommensklassen, die ihre Emissionen sogar im Schnitt ausgeweitet haben.

Der marktorientierte und konsumentenfokussierte Ansatz droht daher zum sozialen und demokratiegefährdenden Sprengsatz zu werden. Er bringt soziale Milieus gegen einander auf, die zur Lösung der Krise eigentlich Bündnisse schmieden sollten um auf einem demokratischen Weg den notwendigen, gravierenden Umbau der Infrastruktur zu ermöglichen.

Die Alternative ist, dass wir unseren gesellschaftlichen Reichtum für eine sozialökologische Gesellschaftsreform nutzen, in der die Lasten gerecht verteilt werden, Lebenschancen für die Verlierer der Transformation geschaffen werden und Obergrenzen für klimaschädliche Emissionen eingeführt werden. Nachhaltigkeit wird dabei als Gemeingut definiert, Infrastruktur wird so organisiert, dass ihre Funktionen ökologisch verträglich gestaltet werden und ihre Nutzung prinzipiell allen Bürger*innen offenstehen. 

Eine (CO2 Budget-) mengengesteuerte Ordnungspolitik treibt durch gezielte Infrastrukturmaßnahmen, aber auch mit allgemeinen Verboten die Innovation bei den Produzent*innen und Umorientierung bei den Konsument*innen an. Klare Rahmenbedingungen schaffen Planungssicherheit für die Industrien, während barrierefreies, ökologisches Verhalten belohnt und zum Standard wird, statt sittenstreng thematisiert und den Marktdynamiken überlassen oder durch autoritative Eingriffe auf individueller Ebene eingeschränkt zu werden.

Wo bereits möglich und leistbar, sind ökologisch verträglichere Lebensstile, sowie eine respektive Wissensvermittlung klarerweise empfehlenswert. Für einen demokratiefördernden Klimaaktivismus, und demnach auch für die Kommunikationsstrategie der S4F AT, besteht die Herausforderung jedoch darin, den Bürger*innen unter anderem Informationen zur Emissionsintensivität unseres Konsums zu vermitteln, Schuldzuweisungen dabei aber zu vermeiden, sondern die Öffentlichkeit zusammenzubringen, um gemeinsam, klimafreundliche und gerechte Infrastrukturen und Rahmenbedingungen einzufordern.

Verweise:

Gesichtet: Martha Stangl

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E-Scooter – Top oder Flop in der Klimakrise?
von Markus Palzer-Khomenko

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Die Klimakrise ist in aller Munde. Viel wird diskutiert und gestritten. Aber in einem Punkt sind sich fast alle einig. Das Auto mit Verbrennungsmotor muss bald ausgedient haben. Die großen Auto-Konzerne überbieten sich derzeit mit Ankündigungen, bis wann der Ausstieg aus Benzin und Diesel vollzogen sein soll. Aber was dann? Wie kommen wir von A nach B? Geht es nach den großen Konzernen, ersetzen wir die Verbrenner 1:1 durch E-Autos. Die sind zwar energieeffizienter, wiegen aber mehr als ihre verbrennungsgetriebenen Pendants und verbrauchen in der Herstellung viel Energie und Ressourcen. Es wird auch noch lange nicht genügend erneuerbare Energie zur Verfügung stehen, um dieselbe Zahl von E-Autos zu betreiben, wie jetzt Benziner und Diesel unterwegs sind.

Doch in der Stadt mit kurzen Wegen und hoher Bevölkerungsdichte gibt es Alternativen. Man kann die gute bestehende Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs nutzen, aber die Warterei auf den nächsten Bus ist manchmal mühsam. Man kann zu Fuß gehen, was nach heutigen Maßstäben aber zu langsam ist. Man kann mit dem Rad fahren, aber oft fehlen vernünftige Radwege und man kommt eventuell verschwitzt am Ziel an. Wie gut dass es da noch den E-Scooter gibt! Ob gekauft oder geliehen, man kommt schnell ohne Schwitzen und direkt von A nach B und kann die großen Blechkisten links liegen lassen.

Aber gerade dieser E-Scooter kommt immer öfter in die Kritik. Die einen ärgern sich, dass die Leih-E-Scooter überall herumliegen, die anderen sagen, der E-Scooter sei umweltschädlich. Manche einer behauptet sogar, der E-Scooter würde dem Klima schaden. Was stimmt denn nun? Ist der E-Scooter ein Klimaheld oder ein neues Umweltproblem?

Die Antwort lautet: Kommt drauf an, wie man ihn verwendest. In der Folge wollen wir in 5 Szenarien erklären, wann der E-Scooter für’s Klima top und wann eher flop ist:

Szenario 1: Klimasünder E-Scooter

Dein altes Auto ist kaputt und du überlegst nicht lange. Du gehst zum Händler und kaufst ein neues (vielleicht ein E-Auto für die Umwelt). Damit die Umwelt noch mehr davon hat, kaufst du auch noch einen E-Scooter für kurze Wege. Voll elektrisch mobil schützt du ab nun das Weltklima. – Leider nein! Im Grunde hast du von allen Möglichkeiten die schlechteste gewählt. Zu den Unmengen an Energie und Rohstoffen, die dein (E-)Auto bei der Herstellung verschlungen hat, kommen noch die Energie und Rohstoffe für die Herstellung des E-Scooters dazu. Macht nichts, weil du ja dafür voll-elektrisch und CO2-neutral unterwegs bist? – Wieder falsch. Mit deinem E-Scooter ersetzt du ja nur Strecken, die du früher zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt hast. Was früher mit Muskelkraft erledigt wurde, kommt nun aus der Steckdose und belastet unnötig das Stromnetz. Besser du sparst dir den E-Scooter und bleibst beim Rad.

Szenario 2: Der tägliche Kampf um die Klimabilanz

Du kaufst dir dein (E-)Auto und deinen E-Scooter. Aber um das Klima zu schonen, lässt du das Auto öfter mal stehen und fährst stattdessen mit dem Scooter. Auch hier musste man Auto und Scooter herstellen, was viele Ressourcen gekostet hat. Aber du sparst zumindest jedesmal Energie, wenn du den wenigen Kilogramm schweren Scooter statt dem bis zu 1,5 Tonnen schweren (E-)Auto auf dem Weg zur Arbeit nimmst. Wenn du das oft genug machst, wird irgendwann die Energie-Ersparnis die Produktionskosten des E-Scooters aufwiegen und dann ist die Klimabilanz positiv. Aber Vorsicht: Wenn du den E-Scooter auch statt Rad oder zu Fuß gehen verwendest, verschiebt das die Klimabilanz wieder in Negative.

Szenario 3: Sharing is Caring

Du kaufst dir ein (E-)Auto, aber nicht den Scooter. Stattdessen leihst du dir den Scooter manchmal aus. Das ist gut, denn nun musste nicht extra ein kompletter Scooter nur für dich hergestellt werden. Das spart Ressourcen. Aber ansonsten wirds jetzt kompliziert. Verwendest du den Scooter statt dem (E-)Auto oder statt Rad/Fußwegen? Wie lange lebt der Sharing-E-Scooter. Konnte er genug Autofahrten ersetzen um Fuß/Radstrecken und die Herstellung zu kompensieren? Knifflige Fragen, die wir dir leider nicht beantworten können. Aber: Jede Strecke, die du mit einem Sharing-E-Scooter statt mit deinem Auto fährst, schützt das Klima!

Szenario 4: E-Scooter – der Klimaheld

Vielleicht probierst du es auch mit Szenario 4. Damit schützt du nicht nur das Klima sondern auch dein Budget. Das geht so: Du kaufst den E-Scooter STATT dem (E-)Auto. Das haut so richtig in die Klimabilanz. Du hast nämlich gerade die Energie und die Ressourcen für die Herstellung eines kompletten (E-)Autos eingespart. Und ganz nebenbei hast du sämtliche Auto-Fahrten durch was anderes ersetzt (du hast ja jetzt kein Auto 🙂 ). Da kannst du lange faul mit dem E-Scooter zum Supermarkt fahren. Deine Klimabilanz wird da nicht mehr so schnell negativ.

Szenario 5: Für die Fanatischen unter euch

Wer noch eins draufsetzen will, kann sich ja auch noch den E-Scooter sparen. Spart noch mehr Ressourcen. Man kann sich den E-Scooter ja auch nur leihen oder zum militanten Radfahrer werden und mit den Autos um die Fahrbahn kämpfen.

Es ist also nicht ganz einfach. Es kommt drauf an, wie man den E-Scooter einsetzt. Bevor du dir einen E-Scooter zulegst, überleg dir gut, wie du ihn verwenden wirst und ob das wirklich dem Klima hilft. Denn der beste Schutz für das Klima sind die Dinge, gar nicht erst produziert werden.

Gesichtet: Barbara Laa

Titelfoto: Wikimedia Commons

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Initiative Montleart

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Die Initiative versteht sich als „Ein kleiner von vielen notwendigen Schritten, um den Klimawandel zu bekämpfen!“

Die Initiative strebt an: Im Rahmen der geplanten Umgestaltung der Montleartstraße eine Umwidmung zu einer Fußgängerzone (Durchfahrt Radverkehr erlaubt) des Teiles der Montleartstraße im 14. Bezirk ab der Garageneinfahrt von 1B bis Steinbruchstraße sowie der Steinbruchstraße im Bereich vor der Schule Gymnasium Wien West. Der Bereich zwischen der Busgarage und der Garageneinfahrt von 1B soll fußgängerfreundlich und mit einer Allee gestaltet werden und als Sackgasse geführt werden.

Link zur Initiative und zur Petition: https://initiative-montleart.at/

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Klimanotstand: 14.000 Wissenschaftler*innen weltweit warnen vor unermesslichem Leid
Es ist weiterhin möglich, sich dem Appell anzuschließen

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Am 28. Juli haben fast 14.000 Wissenschaftler*innen aus über 150 Ländern – darunter auch Österreich – gemeinsam mit den Autor*innen Ripple, Wolf et al. die Welt erneut vor dem Klimanotstand gewarnt. Sie haben damit die dringende Warnung von 2019 wiederholt, der sich damals mehr als 11.000 Wissenschaftler*innen anschlossen. Seither haben weitere 2.800 den Artikel als Mitautor*innen unterschrieben. Dies ist keine gewöhnliche Unterschriftensammlung: Alle Unterzeichneten sind nachweislich einer Universität oder einem wissenschaftlichen Institut verbunden. Wissenschaftler*innen aller Disziplinen, die sich der Warnung anschließen wollen, können das hier tun: https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/.

​Übersetzung der Kurzfassung

(https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/):

​Alliance of World Scientists​
Warnung der Wissenschaftler*innen der Welt vor einem Klimanotfall

William J. Ripple, Christopher Wolf, Thomas M. Newsome, Phoebe Barnard, William R. Moomaw und 13,925 Wissenschaftler*innen aus 158 Ländern

Wir Wissenschaftler*innen haben die moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophalen Bedrohung eindeutig zu warnen. In diesem Artikel präsentieren wir graphisch eine Reihe von Vitalparametern des Klimawandels während der letzten 40 Jahre. Die Ergebnisse zeigen, dass die Treibhausgasemissionen immer noch steigen, mit immer schädlicheren Auswirkungen. Mit wenigen Ausnahmen haben wir es verfehlt, dieses Problem in Angriff zu nehmen. Die Klimakrise ist da und sie beschleunigt sich stärker als viele Wissenschaftler*innen erwartet haben. Sie ist einschneidender als vorhergesehen, sie bedroht die natürlichen Ökosysteme und das Schicksal der Menschheit. Wir schlagen sechs entscheidende, zusammenhängende Maßnahmen vor, die die Regierungen und die Menschheit durchführen können, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verringern: Sie betreffen: 1) Energie, 2) kurzlebige Schadstoffe, 3) Natur, 4) Nahrung, 5) Wirtschaft und 6) Bevölkerung. Milderung des Klimawandels und Anpassung erfordern Transformationen in der Weise des Regierens, des Managements, der Ernährung und der Befriedigung des materiellen und des Energiebedarfs. Es ermutigt uns, dass in jüngster Zeit die Besorgnis und Betroffenheit weltweit wächst. Regierungen erklären den Klimanotstand. Der Papst hat eine Enzyklika zum Klimawandel erlassen. Schüler*innen streiken. Gerichtsverfahren wegen Ökozids laufen. Bürger*innenbewegungen fordern Wandel. Als Wissenschaftler*innen finden wir es dringend notwendig, diese Vitalparameter breit zu nutzen und gehen davon aus, dass die graphischen Indikatoren es den Entscheidungsträger*innen und der Öffentlichkeit erleichtern, das Ausmaß dieser Krise zu verstehen, Fortschritte zu messen und neue Prioritäten zu setzen, um den Klimawandel einzudämmen. Die gute Nachricht ist, dass diese Transformation, die soziale und ökologische Gerechtigkeit einschließt, auf lange Sicht größeres menschliches Wohlbefinden als business as usual verspricht. Wir glauben daran, dass die Aussichten am besten sind, wenn Entscheidungsträger*innen und die Menschheit prompt auf unsere Warnung und unsere Erklärung des Klimanotstands reagieren und handeln, um das Leben auf dem Planeten Erde, unserer einzigen Heimat, zu erhalten.

Unter dieser Adresse können Wissenschaftler*innen den Artikel, der den untenstehenden Maßnahmenkatalog enthält, unterzeichnen: https://scientistswarning.forestry.oregonstate.edu/

​Übersetzung des Maßnahmenkatalogs

https://academic.oup.com/bioscience/article/70/1/8/5610806
BioScience, Volume 70, Issue 1, January 2020, Pages 8–12,
https://doi.org/10.1093/biosci/biz088

Foto: Pixabay

​Energie

Die Welt muss rasch massive Energieeffizienz- und Energiesparpraktiken verwirklichen und fossile Brennstoffe mit kohlenstoffarmen Erneuerbaren und anderen sauberen Energiequellen ersetzen, wenn das für Menschen und Umwelt sicher ist. Wir sollten die verbleibenden Vorräte an fossilen Brennstoffen im Boden lassen und sorgfältig Möglichkeiten effektiver negativer Emssionen verfolgen, wie CO2-Extraktion an der Quelle und aus der Luft und vor allem durch die Förderung natürlicher Systeme (siehe Abschnitt „Natur“). Wohlhabendere Länder müssen ärmere Nationen dabei unterstützen, die Transformation weg von fossilen Brennstoffen durchzuführen. Wir müssen Subventionen für fossile Brennstoffe abschaffen und effektive und faire Maßnahmen ergreifen um den CO2-Preis laufend zu erhöhen und deren Nutzung einzuschränken.

Kurzlebige Schadstoffe

Wir müssen schleunigst die Emissionen von kurzlebigen Schadstoffen verringern, einschließlich Methan, schwarzen Kohlenstoff (Ruß), und Fluorkohlenwasserstoffen (HFCs). Das könnte Klima-Rückkopplungen verlangsamen und potenziell die kurzfristige Erwärmung während der nächsten Jahrzehnte um 50 Prozent reduzieren, was Millionen Menschenleben retten könnte und die durch Luftverschmutzung reduzierten Ernteerträge wieder erhöhen.

​Natur

Wir müssen die Ökosysteme der Erde schützen bzw. wiederherstellen. Phytoplankton, Korallenriffe, Wälder, Savannen, Grasland, Feuchtgebiete, Moore, Humus, Mangroven und Seegras tragen massiv zur Bindung von atmosphärischem CO2 bei. Meeres- und Festlandpflanzen, Tiere und Mikroorganismen spielen eine wesentliche Rolle im Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf und in der Kohlenstoffspeicherung. Wir müssen rasch die Verluste an Lebensräumen und Artenvielfalt eindämmen und die verbleibenden primären und intakten Wälder schützen, besonders die mit hoher Kohlenstoffspeicherung und andere Wälder mit der Kapazität rasch Kohlenstoff aufzunehmen (proforestation) und in gigantischem Ausmaß wiederaufforsten und neu aufforsten. Obwohl das verfügbare Land dafür stellenweise eine Begrenzung darstellt, könnte ein Drittel der Emissions-Reduktionen, die bis 2030 zur Erreichung der Pariser Klimaziele (weniger als 2°C) erforderlich sind durch diese natürlichen Klimalösungen erreicht werden.

​Nahrung

Hauptsächlich pflanzliche Ernährung und die Reduzierung des weltweiten Konsums von Tierprodukten, besonders von Wiederkäuern, kann die menschliche Gesundheit fördern und die Treibhausgasemissionen deutlich senken (einschließlich Methan im Abschnitt „Kurzlebige Schadstoffe“). Weiters würde das Ackerland für den Anbau von dringend benötigter pflanzlicher Nahrung freimachen, und Weideland für natürliche Klimalösungen nutzbar machen (siehe Abschnitt „Natur“). Landwirtschaftliche Praktiken wie minimales Pflügen, die den Kohlenstoffgehalt des Bodens erhöhen sind von entscheidender Bedeutung. Und wir müssen die enorme Lebensmittelverschwendung auf der Welt reduzieren.

​Wirtschaft

Die übermäßige Entnahme von Materialien und die Überausbeutung von Ökosystemen, angetrieben durch Wirtschaftswachstum, muss schnellstmöglich eingeschränkt werden, um die dauernde Erhaltung der Biosphäre zu gewährleisten. Wir brauchen eine kohlenstofffreie Wirtschaft, die von der Abhängigkeit der Menschen von der Biosphäre ausgeht und Regeln, die ökonomische Entscheidung im Hinblick darauf lenken. Wir müssen uns abwenden vom Ziel des zunehmenden Bruttoinlandsprodukts und der Anhäufung von Überfluss hin zur Erhaltung der Ökosysteme und der Verbesserung menschlichen Wohlbefindens, indem grundlegenden Bedürfnissen Vorrang gegeben wird und Ungleichheit reduziert wird.

​Bevölkerung

Die Weltbevölkerung, die immer noch um ca. 80 Millionen Menschen pro Jahr oder über 200.000 pro Tag wächst, muss auf sozial verträgliche Weise stabilisiert und idealerweise nach und nach verringert werden. Es gibt bewährte und effektive Maßnahmen, die Menschenrechte stärken und gleichzeitig die Fruchtbarkeit senken und damit die Auswirkungen von Bevölkerungswachstum auf die Treibhausgasemissionen und den Artenverlust verringern. Diese Maßnahmen und Regulierungen machen Dienste zur Familienplanung für alle Menschen zugänglich, beseitigen Zugangsbarrieren, beinhalten Primär- und Sekundärbildung als globale Norm, besonders für Mädchen und junge Frauen, und zielen auf volle Gleichberechtigung der Geschlechter.

Übersetzung: Martin Auer
Gesichtet: Anika Bausch
Titelfoto: Wikimedia Commons

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