Lösungen für das Wohlergehen der Allgemeinheit statt Blockade und Scheinlösungen beim Klimaschutz

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Offener Brief an den Verein oecolution und dessen finanzierende Organisationen Wirtschaftskammer Österreich und Industriellenvereinigung

Sehr geehrte Frau Mag.a Elisabeth Zehetner,

vielen Dank für die klare öffentliche Positionierung zu den Herausforderungen des globalen Klimawandels. Bedauerlicherweise scheinen Sie einer Sichtweise anzuhängen, die primär die wirtschaftlichen Erfolge einiger Einzelakteure im Fokus hat, anstatt Lösungen für das Wohlergehen der Allgemeinheit zu suchen. In Ihrer Stellungnahme zum Entwurf des Nationalen Klima- und Energieplans stellen Sie den bereits ausverhandelten Beitrag Österreichs zur Reduktion der Treibhausgase infrage und propagieren technologische Lösungen, ohne deren tatsächliches Potenzial zu nennen. Darüber hinaus bedeutet die Forderung, Österreich möge zum Ausgleich der Zielverfehlung Emissionszertifikate aus anderen Ländern ankaufen, eine Bestrafung all jener Akteure, die sich jetzt schon um echte Lösungen bemühen, und ein Abwälzen von Kosten aus der weiteren Verwendung fossiler Energieträger.

Im Artikel aus den OÖ Nachrichten vom 11.3.2024 sprechen Sie etwa von einer Erhöhung des biogenen Anteils in Treibstoffen. Mit einfacher Recherche und Rechnung sollte klar sein, dass dies zu großen Konflikten in der Flächennutzung und dem weiteren Verlust von Biodiversität führt.

Es muss auch klar sein, dass die anhaltende Blockadehaltung, die von den Verein oeculotion finanzierenden Organisationen Wirtschaftskammer Österreich und Industriellenvereinigung propagiert wird, ein Risiko für den Standort darstellt. Innovationen entstehen dort, wo die Akzeptanz wissenschaftlicher Erkenntnisse herrscht und es klare politische Zielsetzungen gibt. Durch Scheinlösungen, die unter dem Titel „Technologieoffenheit“ daherkommen sowie ein Infragestellen der Ambitionen zur Begrenzung des Klimawandels, wird das Gegenteil erreicht. Ein Verharren in veralteten Technologien und fossilen Energieträgern führt zu Rohstoffabhängigkeit und Krisenanfälligkeit.

Als vernünftige Lösungswege schlagen wir vor, einerseits den Verbrauch an Ressourcen und Primärenergie durch Effizienzsteigerungen zu reduzieren, und andererseits die fossilen Energieträger durch erneuerbare Quellen zu ersetzen. Beide Ansätze sichern die Versorgungssicherheit und bieten genug Raum für die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund heimischer Innovationen. Warum sollten Österreich und Europa hier nicht die Vorreiterrolle einnehmen?

Unterzeichnende Organisationen

  • Klima-Allianz Oberösterreich
  • Scientists4Future Oberösterreich
  • Parents For Future Oberösterreich 
  • Südwind Oberösterreich
  • Fridays For Future Rohrbach

Weiterführende Informationen



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Maßnahmen gegen die drohende Klimakatastrophe statt Kriminalisierung friedlicher Proteste

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Univ-Prof. Dr. Alois Birklbauer vom Institut für Strafrechtswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz fordert Maßnahmen gegen die drohende Klimakatastrophe statt der Kriminalisierung friedlicher Proteste.

In einem modernen Rechtsstaat darf das Strafrecht nur verwendet werden, um gravierende Verstöße gegen den gesellschaftlichen Wertekonsens zu ahnden. Strafnormen müssen nach diesem Verständnis unbedingt erforderlich sein, um ein geordnetes menschliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Die Kriminalisierung von gewaltfreiem Klimaprotest ist ein überzogenes Mittel, das dem Konsens einer modernen Gesellschaft von „Strafrecht als letztem Mittel“ widerspricht. Die Kriminalisierung führt dazu, sich die berechtigten Anliegen der Protestierenden nicht anhören zu müssen, weil sie von „Kriminellen“ geäußert werden. Wenn jene, die zu Recht Schritte zur Verhinderung der Klimakatastrophe fordern, an den Pranger gestellt werden, wird es zu keinem Umdenken kommen und die längst notwendigen Schritte werden auch weiterhin ausbleiben. Gegen friedlich Protestierende die Strafrechtskeule zu schwingen, und sei es auch aus einem Akt der Hilflosigkeit, lenkt ab von der Notwendigkeit, endlich Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele zu setzen.

In den vergangen Wochen wird zusätzlich zur Forderung von Straftatbeständen für Klimaproteste versucht, Klimaaktivist:innen als „kriminelle Vereinigung“ einzustufen. Dabei setzt die kriminelle Vereinigung einen Zusammenschluss zum Zweck voraus, Gewalttaten oder schwere Sachbeschädigungen zu begehen. Wenn der Hauptzweck einer Vereinigung darin besteht, mit friedlichem Protest wachzurütteln, fehlt es schon begrifflich an einer kriminellen Vereinigung. Dass dennoch versucht wird, den Klimaprotest mit „mafiaähnlichen Strukturen“ zu vergleichen, erscheint als weiterer Mosaikstein, um von der drohenden Klimakatastrophe abzulenken und sich die Welt schön zu reden.

Wir brauchen ein Umdenken und endlich effektive Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele. Denn die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen wird die Klimakatastrophe nicht abwenden können.


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Ziviler Ungehorsam in der Klimakatastrophe – moralische Pflicht oder arrogante Selbstanmaßung?

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Bei dieser Veranstaltung im Kepler Salon gibt Mirko Javurek von Scientists for Future OÖ einen Überblick über die Klimakatastrophe: Wo stehen wir, was erwartet uns? Sind die von manchen als „apokalyptisch“ bezeichneten Visionen der Klimaprotestbewegung Schwarzmalerei oder wissenschaftlich fundiert?

Professor Rosenberger schildert als Moraltheologe seine Überlegungen zur Legitimität von Protesten im Bereich des zivilen Ungehorsam.

Louise, Aktivistin bei der „Letzten Generation“, erklärt aus ihrer Sicht, warum sie diese Art des Protests gewählt hat, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

Videoaufzeichnung der Vorträge und der Diskussion:


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Website des Veranstalters: https://www.suedwind.at/oberoesterreich/termine-archiv/detail/ziviler-ungehorsam-in-der-klimakatastrophe-moralische-pflicht-oder-arrogante-selbstanmassung/



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Die Zukunft der Energieversorgung: dezentral und erneuerbar

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„Die Energiewende braucht nicht nur motivierte und gut ausgebildete Menschen, denen eine nachhaltige Gesellschaft am Herzen liegt, sondern auch entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen sowie den Rückhalt politischer Akteure.“ (Dr.techn. Erwin Reichel, promovierter Mechatroniker, koordiniert und initiiert Projekte der Wasserstoff Vorzeigeregion WIVA P&G (wiva.at) und ist ehrenamtlich bei der Klima-Allianz OÖ tätig.))

Für eine gesicherte Energieversorgung wird es zukünftig einen klugen Mix aus emissionsfreien Energieträgern und Speicherlösungen geben müssen. Versuche, wie dezentrale Energieversorgungssysteme in OÖ gestaltet werden können, befinden sich zum Teil in Umsetzung und müssen massiv ausgebaut werden.

Wie versorgen wir uns in Zukunft mit Energie? Den nötigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern stellt mittlerweile niemand ernsthaft mehr in Frage. Laut Klima-Allianz OÖ benötigt es in den nächsten sieben Jahren jährliche Einsparungen von mindestens sieben Prozent der Treibhausgasemissionen in Oberösterreich (im Vergleich zum Jahr 2005) um die erforderlichen Klimaziele zu erreichen. Die einzig saubere Lösung ist der Übergang zu 100% erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft und Biomasse, die in regional zur Verfügung stehen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: die Energie wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird, und es entstehen keine Treibhausgasemissionen.


Transformationsszenario zum Ausstieg aus fossiler Energie in Oberösterreich bis 2040

Eine Herausforderung besteht dabei in der unterbrechungsfreien Versorgung. Die Sonne scheint und der Wind weht nicht immer. Intelligente elektrische Verbraucher könnten einen Teil der Energie in Akkus selbst speichern, um kürzere Unterbrechungen zu überbrücken. Für hauseigene PV-Anlagen werden Heimspeicher immer beliebter und erlauben einen hohen Grad an Selbstversorgung. Auch E-Autos können ihre Batterie als Puffer zur Verfügung stellen. Im Stromnetz kommen auch immer mehr Großspeicher zum Einsatz. Allerdings sind diese in der Kapazität immer begrenzt.

Wasserstoff als saisonale Speicherlösung

Um die saisonalen Schwankungen auszugleichen, sind andere Speicherlösungen gefragt. Eine Versuchsanlage ist vor kurzem in Gampern im Bezirk Vöcklabruck in Betrieb genommen worden. Dort wird Strom aus Sonnenenergie verwendet, um Wasser mit einer Elektrolyseanlage zu spalten. Der Wasserstoff wird, wie in großen Gasspeichern, in tiefliegendes poröses Gestein gepumpt. Dieser kann in den Wintermonaten wieder zurückgeholt werden und in Strom umgewandelt werden, am besten unter Nutzung der dabei entstehenden Abwärme.

Reallabor soll dezentrale Energiesysteme testen

Zusätzlich zu saisonalen Speicherlösungen sind neuartige, kleinere Energiesysteme in Verbrauchernähe nötig, wie sie im Rahmen eines Reallabors für 100% Erneuerbare Energien im Raum südlich der Traun von 19 Gemeinden gemeinschaftlich erprobt werden sollen (Projekt eingereicht). „Viele dort ansässige landwirtschaftliche Betriebe setzen jetzt schon auf große PV-Anlagen, und würden gerne noch größere in Betrieb nehmen. Allerdings hinkt der Ausbau Stromnetzes hinterher“ berichtet Dr. Erwin Reichel von WIVA P&G. Eine Lösung besteht in sogenannten Microgrids, also kleinen, eigenständigen Netzen, die dank moderner Leistungselektronik die Integration von Batteriespeichern, Elektrolyseanlagen oder Verbrauchern wie E-Ladestationen ermöglichen. Besonders naheliegend wäre der Betrieb eines solchen lokal abgegrenzten Stromnetzes entlang von Autobahnen, da hier in Zukunft großer Bedarf an elektrischer Energie für das Laden von E-Fahrzeugen entstehen wird und gleichzeitig die Flächen für Photovoltaik vorhanden sind. Wasserstoff nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, da dieser einerseits als effizienter Energiespeicher mit hoher Kapazität, andererseits direkt für LKWs, Busse und schwere Nutzfahrzeuge als Energieträger eingesetzt werden kann.

In Zukunft wird es also nicht eine Konkurrenz der emissionsfreien Energieträger geben, sondern sinnvolle Synergien – den jeweiligen lokalen Anforderungen entsprechend.


Landschaft im Gebiet des geplanten Reallabors 100% Erneuerbare Energien nahe der Westautobahn

Weiterführende Informationen:

Wasserstoff Vorzeigeregion WIVA P&G: www.wiva.at

Klima-Allianz Oberösterreich: klimaallianz-ooe.at

Projekt Underground Sun-Storage 2030: www.uss-2030.at

Klima- und Energiefonds: www.klimafonds.gv.at



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Energiestrategie 2040 der Klimaallianz Oberösterreich

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Erwin K. Reichel, Scientists4Future Regionalgruppe OÖ

Wenn die in der oberösterreichischen Klima- und Energiestrategie [1] festgehaltenen Ziele einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 48% bis 2030 ernstgenommen werden, dann sind, neben Energiesparmaßnahmen von mindestens 10% auch entsprechende Ausbaupläne für erneuerbare Energien vorzulegen. Hier wird ein quantitatives Szenario präsentiert, das die Energiewende bis 2040 abbildet. Ausgegangen wird von den Daten aus dem letzten veröffentlichten Energiebericht OÖ [2].

Wird vorwiegend auf Photovoltaik (PV) gesetzt, sind für diese Ziele etwa 13000 Hektar an Fläche und 1200 neue Windkraftanlagen bis 2030 notwendig. Das entspricht einem Investitionspaket von ca. 30 Milliarden Euro. Dagegen können die von Landeshaupthauptmann Stelzer [3] angekündigten 135 Millionen Euro nur als Anschubfinanzierung verstanden werden. Viel wichtiger wäre es von Landesseite aber, die strikten Richtlinien für Windkraft und PV-Freiflächen umgehend anzupassen, um es privaten Geldgebern wie ambitionierten Landwirtschaftsbetrieben zu ermöglichen, nachhaltig zu investieren.

Eine gesicherte und saubere Energieversorgung ist nicht nur für den Erhalt der Lebensqualität notwendig, sondern besonders für die Sicherung des Industriestandortes. Wünschenswert wäre eine klare Aufforderung der Unternehmen an die Landesregierung, hier für eine entsprechende Planungssicherheit zu sorgen. Der zukünftige Bedarf ist der energieintensiven Industrie bestens bekannt. Obwohl ein Teil davon durch den Import nachhaltiger Energieträger wie grünem Wasserstoff abgedeckt werden kann, ist die daraus entstehende Abhängigkeit nachteilig für die inländische Wertschöpfung und die Resilienz gegenüber globalen Krisen. Ein zunehmender Import von Strom aus nicht nachhaltiger Erzeugung wie Atomkraft ist aus denselben Gründen strikt abzulehnen. Dass eine Versorgung der Industrie mit 100% Erneuerbaren möglich ist, wurde bereits 2019 vom Austrian Institute of Technolog (AIT) publiziert [4].

Betrachtet wird der Verbrauch aller Energieträger (Bruttoinlandsverbrauch) – die Umwandlung zu Strom hat einen Anteil von etwa 21% [2]. Im hier gezeigten Transitionsszenario wird von einer praktisch vollständigen Ausphasung (<5%) fossiler Energieträger bis 2040 ausgegangen. Zusätzlich wird die Annahme getroffen, dass durch Effizienzgewinne synergetisch integrierter Energiesysteme eine Einsparung von mindestens 15% erreicht wird.

Die Aufteilung unter den erneuerbaren Energieformen ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Es wäre etwa nachhaltiger, die Raumwärme noch stärker mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen als mit Biomasseheizungen zu decken. Allerdings stellt sich die Frage, wie im Winter der ohnehin schon steigende Bedarf an Strom zur Verfügung gestellt werden kann.

Hier wird ein Szenario skizziert, bei dem sich der Zubau zwischen PV und Wind im Verhältnis 70:30 aufteilt, siehe Abbildung 1. Dies ist dadurch motiviert, dass der Ausbau der Windkraft in Oberösterreich teils mit sehr irrationalen politischen Argumenten blockiert wird, wohingegen PV grundsätzlich positiv gesehen wird. Allerdings ist anzumerken, dass dadurch das saisonale Erzeugungsprofil stärker vom Verbrauchsprofil abweicht, was sich ungünstig auf den Speicherbedarf auswirkt. Derzeit steht als Speichertechnologie primär die unterirdische Einlagerung von elektrolytisch erzeugtem Wasserstoff zur Verfügung, die allerding auch erst erprobt wird, [5]. Saisonale Wärmespeicher können ebenfalls einen nennenswerten Beitrag leisten.

Abbildung 1: Transitionsszenario für die Energieversorgung Oberösterreichs (70:30 Aufteilung von Windkraft und Photovoltaik), mit dem Ziel der Klimaneutralität 2040

Ein auf erneuerbarer Energie basierendes Energiesystem muss aufgrund der volatilen Erzeugung bei PV und Windkraft entsprechende Speicherkapazitäten aufweisen. Die Detailplanung von Speichern im Stromsystem ist komplex, da hier die zeitlichen und örtlichen Schwankungen und die Verbrauchsmuster aufeinander abgestimmt werden müssen, um eine Stabilität zu garantieren. Zum Speichern muss Strom in andere Energieformen umgewandelt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Netz eingespeist werden. Spontane Lastschwankungen werden derzeit mit rotierenden Massen ausgeglichen. Elektrochemische Speicher wie Batterien oder Redox-Flow-Speicher können Engpässe in der Erzeugung über Stunden ausgleichen. Spitzen im täglichen Verbrauch werden derzeit durch Pumpspeicherkraftwerke kompensiert. Saisonal wird Energie derzeit in unterirdischen Gasspeichern eingelagert. In Zukunft können diese mit Wasserstoff, Biomethan oder aus CO2 mithilfe von Methanisierung hergestelltem grünen Gas befüllt werden. Die Umwandlungsverluste nehmen in dieser Aufzählung der Reihe nach zu, jedoch auch die Speicherkapazität. Diese Verluste sollten möglichst in die Wärmeversorgung integriert werden. Eine Optimierung des gekoppelten Gesamtsystems garantiert eine höchstmögliche Effizienz.

In Abbildung 2 ist einerseits ein generischer Verlauf der saisonalen Schwankungen in der Erzeugung gemeinsam mit dem Verbrauchsprofil und dem Speicherstand für zwei Fälle dargestellt. Im obigen Szenario mit einem hohen PV-Anteil ist ein Speicherbedarf von etwa 10 TWh notwendig. Dieser würde sich in einem Szenario mit mehr Windkraft etwa halbieren.

Abbildung 2: Saisonaler Speicherbedarf in erneuerbaren Szenarien: Links in einem vorwiegend auf PV basierenden Energiesystem, rechts mit mehr Windkraft – wo sich der saisonale Speicherbedarf etwa halbiert.

Der hier dargestellt Vorschlag beruht auf dem Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 und einer möglichst hohen Autarkie im oberösterreichischen Energiesystem. Der Import von erneuerbaren Energieträgern wie Wasserstoff ist nicht dargestellt. Dieser kann berücksichtigt werden, indem dieser andernorts aus PV und Windkraft hergestellt wird und über die derzeit für Erdgas genutzten PipelineInfrastruktur nach Österreich gelangt. Nennenswerte Kapazitäten dafür gibt es allerdings noch nicht, so dass diese Möglichkeit mit erheblichen Risiken verbunden ist. Eine langfristig realistische Größenordnung ist der Import von ca. 150000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr für den Verbrauch in der oberösterreichischen Industrie. Das würde etwa ein Drittel des Bedarfs bei gleichbleibender Produktion von Stahl und Düngemittel decken.

Literaturverzeichnis

[1] Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft, Abteilung Umweltschutz, „DIE Oberösterreichische Klima- und Energiestrategie,“ 2022. [Online]. Available: https://www.landoberoesterreich.gv.at/287726.htm.

[2] O. Energiebericht, „Energiesparverband,“ 2021. [Online]. Available: https://www.energiesparverband.at/fileadmin/esv/Broschueren/weitere-downloads/2021- Energiebericht.pdf.

[3] Landeskorrespondenz, „Presseaussendung vom 28.4.2023,“ 2023. [Online]. Available: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/295722.htm.

[4] AIT Center for Energy, „IndustRiES – Energieinfrastruktur für 100% Erneuerbare Energie in der Industrie,“ 2019. [Online]. Available: https://www.klimafonds.gv.at/wpcontent/uploads/sites/16/Studie_IndustRiES-2019_RZ.pdf.

[5] WIVA P&G, „Underground Sun Storage 2030,“ 2021. [Online]. Available: https://www.wiva.at/project/uss2030/.

[6] Umweltbundesamt, „GHG Projections and Assessment of Policies and Measures in Austria,“ 2019. [Online]. Available: https://www.umweltbundesamt.at/studienreports/publikationsdetail?pub_id=2318

Anhang: Jährliche Ausbauziele

Im dargestellten Szenario müssen bis 2030 mindestens 11 GW PV zusätzliche Leistung in Oberösterreich installiert werden, bis 2040 etwa 23 GW. An Windkraft ist in diesem Szenario ein Ausbau bis 2030 von 3 GW notwendig, das entspricht 600 Windturbinen mit jeweils 5 MW Leistung. Bis 2040 sollen insgesamt etwa 5 GW Leistung, also insgesamt 1000 Windturbinen errichtet werden. Ein vorgeschlagener Pfad für diese Ausbauziele ist in Tabelle 1 angeführt.

Jahr PV-Zubau / MW Windkraft-Zubau / MW
2023703151
2024888191
20251100237
20261330286
20271561336
20281770381
20291931416
20302019434
20312019434
20321931416
20331770381
20341561336
20351330286
20361100237
2037888191
2038703151
2039548118
Tabelle 1: Jährliche Ausbauziele für PV und Windkraft in Oberösterreich


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Was der Klimawandel mit unserer Gesundheit zu tun hat – und wie man auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels reagieren sollte

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Dr. Isolde Reichel, Sportwissenschafterin mit Schwerpunkt Prävention, Bewegungspraxis Wels

Der Körper ist anpassungsfähig, aber Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Unterschied und das innerhalb weniger Tage bedeuten enormen Stress. Chronischer Stress führt zu erhöhter Cortisolausschüttung und damit zur Verschlechterung der Immunreaktionen. Er gilt als Auslöser für Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Schlaflosigkeit und hat außerdem negative Auswirkungen auf die Gehirntätigkeit. Wie aber kann man sich gegen Wetterextreme wappnen und die eigene Gesundheit schützen?

Ein wichtiger Schritt ist es, die eigene körperliche Fitness zu stärken und damit das Immunsystem zu verbessern. Dazu braucht es regelmäßige moderate Bewegung, mindestens 10 min mit erhöhter Atemfrequenz, aber nicht zu hohem Puls, wie z.B. den Weg in die Arbeit, auf die Universität oder ins Kaffeehaus mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen – wichtig ist täglich! Das nützt nicht nur die Feinstaubbelastung gering zu halten – in Linz sollten es unter 10 µg/m³ im Vergleich zu durchschnittlich 14 (10. März 2023) sein – sondern es macht auch deutlich fitter.

Aber auch die Schadstoffbelastung durch kontaminierte Lebensmittel mit z.B. Antibiotika, die in der konventionellen Massentierhaltung eingesetzt werden, schaden unserer Resilienz gegenüber Stress. Herbizide wie Glyphosat, das weltweit dafür verwendet wird, Getreide ausreifen zu lassen und in Österreich trotz gesetzlichem Verbot immer noch eingesetzt wird, schaden dem Immunsystem.  Früchte verlieren durch lange Lieferwege deutlich an Vitamin C.  Im Fall von Bisphenol A – ursprünglich entwickelt um als Östrogenersatz zu fungieren – wird nach wie vor zur Beschichtung von Getränke- und Konservendosen, in manchem recycelten Plastik, aber auch im Polykarbonat (z.B. Trinkflaschenverschluss) eingesetzt. Die Aufnahme führt zu Unfruchtbarkeit, wie Studien 2021 zeigten. 2020 wurde zumindest der Einsatz in Thermopapieren wie Kassenzettel verboten. Unverpackte, frische, regionale Lebensmittel aus biologischer und nicht-industrieller Landwirtschaft schützen also nicht nur unser Klima, sondern dienen vor allem der Gesundheit.  Natürlich, Veränderungen im Lebensstil – hin zu mehr Bewegung und besseren Lebensmitteln – brauchen Zeit. 39 % der Österreicher und -innen sind laut Umfragedaten von 2022 nicht bereit, ihren Lebensstil aufgrund des Klimawandels zu ändern. Doch dieses selbstschädigende Verhalten schadet am Schluss allen. Studien zu Verhaltensänderungen zeigen, dass sich nach 6 Wochen das neue Verhalten etabliert hat und man mit einem verbesserten Lebensgefühl rechnen kann, gelassener, gesünder und vielleicht ein bisschen glücklicher.



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Zukunft von Mobilität in Städten

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Nikolaus Doppelhammer, JKU-Absolvent, forscht an Materialchemie, derzeit Postdoc an der KU Leuven

Die Nibelungenbrücke in Linz ist insgesamt 30 Meter breit. Auf großzügigen sechs Fahrspuren werden 16 Meter, also mehr als die Hälfte dieser Breite, dem Autoverkehr eingeräumt. Die Straßenbahnschienen beanspruchen 6 Meter,  die Fußgängerwege in etwa 5 Meter. Nur etwa 2 Meter, also gerade einmal 6,6 Prozent der Gesamtbreite, entfallen auf die beiden  schmalen Radwege. Diese sind jedoch nur spärlich durch einen weißen Streifen von den Fußgängern und einer Gehsteigkante von dem Auto- und LKW-Verkehr “getrennt”, was vor allem bei Glatteis im Winter – und hier spreche ich aus eigener Erfahrung – ein hohes Unfallrisiko birgt.

Beispiele dieser Art findet man nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern in ganz Oberösterreich. Sie stellen plakativ zur Schau, wie gering der Stellenwert von klimafreundlicher Mobilität selbst im Jahr 2023 noch immer ist. Radikale, nachhaltige Veränderungen wären angesagt, denn der Verkehrssektor ist für rund ein Drittel des österreichweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich und um 53 Prozent höher als der EU-Schnitt. Somit weist dieser Sektor eines der größten Potenziale zur Einsparung von klimaschädlichen Emissionen auf.

Dass drastische Veränderungen im städtischen Verkehrswesen durch mutige und visionäre politische Maßnahmen auch umgesetzt werden können, haben Städte wie Paris oder Barcelona eindrucksvoll gezeigt. In wenigen Jahren wurden dort beispielsweise der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut, viele neue Radwege errichtet und ganze Stadtteile verkehrsberuhigt und/oder auto-(parkplatz)frei gemacht. Durch die zahlreichen positiven Nebeneffekte dieser Maßnahmen wie ruhigere und kindergerechte Stadtviertel, verbesserte Luftqualität und mehr nutzbarer öffentlicher Raum, wurden diese Maßnahmen auch von einer breiten Öffentlichkeit wohlwollend akzeptiert. Paris will in Zukunft sogar noch ambitioniertere Ziele verfolgen: Ab 2024 sollen Dieselfahrzeuge nicht mehr in der Stadt verkehren dürfen. Ein Aus von allen privaten Verbrenner-Fahrzeugen ist für 2030 geplant. Im selben Jahr will die Stadt gänzlich CO2 neutral werden, zehn Jahre früher als Österreich. Diese Art von Politik wäre auch hierzulande angebracht, wenn man ernsthaft vorhat, beim größten Problem unserer Zeit tatsächlich anzupacken.

Online Artikel in den OÖN



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Beim Verkehr nehmen die Emissionen zu, statt ab – Interview mit der Bezirksrundschau

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Bei den jüngsten Klimaprotesten der „Letzten Generation“ in Linz stellten sich auch die Scientists for Future hinter die Aktivistinnen und Aktivisten. BezirksrundschauRedakteurin Silvia Gschwandtner hat mit einem Mitglied – dem Linzer Forscher Mirko Javurek – über seine Beweggründe, Sorgen und Vorschläge gesprochen.

zum Online-Artikel der Bezirksrundschau

LINZ. Seit 2019 haben sich unter der internationalen Bewegung Scientists for Future rund 30.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum angeschlossen. Einer von ihnen ist Mirko Javurek (50). An der JKU forscht der Mechatroniker im Bereich Strömungs- und Wärmeprozesse. Seit ihrer Gründung ist er in der oberösterreichischen Regionalgruppe aktiv. Wir haben ihn zum Interview gebeten.

Warum engagieren sie sich bei „Scientists for Future“?
Mirko Javurek:  Ziel von „Scientists for Future“ ist es, die Klimaproteste und deren Forderungen als wissenschaftlich begründet zu unterstützen, und auch die Klimakatastrophe und die Klimaschutzmaßnahmen der Politik und Öffentlichkeit gegenüber verständlich zu machen. Ich bin in der oberösterreichischen Regionalgruppe von Anfang an aktiv, weil ich mir große Sorgen über drastischen Folgen der Klimakrise mache. Ich sehe es als wesentliche Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen, dass wir jetzt rasch handeln und alles tun, um den nächsten Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Wie wirkt sich der Klimawandel jetzt schon auf Linz aus?
Der Hitzesommer 2018 hat gezeigt, dass Oberösterreich im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders stark von Hitze und Trockenheit betroffen war. Die Donaukraftwerke hatten durch den niedrigen Wasserstand eine deutlich reduzierten Stromerzeugung. Noch konnten diese Engpässe durch den Einsatz nicht nachhaltiger Stromerzeugung aufgefangen werden, aber wenn sich die Klimakatastrophe weiter verstärkt, wird das bald nicht mehr möglich sein. Die Flüsse erwärmen sich auch stärker, wodurch die Industrie mit der Kühlung Probleme bekommt.

Generell sind Städte wie Linz besonders stark betroffen: Die aktuell erreichte durchschnittliche globale Erderwärmung von 1,2 °C bedeutet in Städten bis zu 5 °C höhere Temperaturen, Tendenz leider stark steigend. Immer mehr Haushalte installieren Klimageräte, um die Hitze im Sommer besser ertragen zu können. Dass es im Winter kaum noch Schnee in Linz gibt, wird viele nicht stören, aber es bedeutet auch, dass viele Schigebiete in OÖ, wie zum Beispiel Kirchschlag bei Linz aufgegeben werden müssen, und der Dachsteingletscher schon stark geschrumpft ist, und bald verschwunden sein wird. Momentan sind die Auswirkungen in Linz also schon spürbar, aber wenn wir so lange warten, bis wir deutlich darunter leiden, ist es zu spät, um noch etwas dagegen tun zu können. Infos zu den Auswirkungen des Klimawandels in Linz gibt es im Klimaerlebnisraum.

Was fordern Sie von der Politik – im Speziellen der Stadtpolitik?
Ich sehe es positiv, dass an einer umfassenden Klimaschutz-Strategie gearbeitet wird. Allerdings verlieren wir gerade wertvolle Zeit, wenn wir noch ein Jahr auf die Ergebnisse warten, obwohl jetzt schon viel getan werden könnte. Und dann ist für mich noch nicht klar, ob für die Umsetzung der Strategie auch die entsprechend nötigen Budgets und politischen Entscheidungen getroffen werden. Ich sehe den dringendsten Handlungsbedarf beim Verkehr: Da nehmen die Emissionen weiterhin zu statt ab und machen Einsparungen in anderen Bereichen zunichte. Daher wäre es in Linz dringend nötig, den Autoverkehr zu reduzieren. Laut einer JKU-Studie [1] könnten mehr als die Hälfte der Autofahrten jetzt schon eingespart werden, wenn der rote Teppich für den öffentlichen Verkehr, das Rad fahren und zu Fuß gehen ausgelegt würde, statt so wie bisher hauptsächlich für den Autoverkehr.

Ein Bau- beziehungsweise Planungsstopp von sämtlichen Straßenbauprojekten wie der Westring-Bahnhofsautobahn und der Ostumfahrung wären ein Anfang. In Paris dürfen ab 2024 keine Diesel-Fahrzeuge und ab 2030 keine Verbrenner-Fahrzeuge mehr fahren. Für den Ausbau des Radverkehrs braucht es ein ähnliches Budget wie in Graz, wo jeweils 10 Millionen Euro in 10 Jahren ausgegeben werden, statt wie in Linz derzeit 0,5 Millionen Euro – damit erreichen wir nie einen attraktiven, flächendeckenden Ausbau des Radverkehrs. Auch Projekte für den öffentlichen Verkehr wie die S-Bahnen ins Mühlviertel müssen entschlossen und rasch angegangen werden. Alle Stadtteile brauchen eine dicht getaktete Anbindung, auch am Abend und am Wochenende. Durchgehende Busspuren müssen eingerichtet werden, sodass Busse nie mehr im Stau stehen. Auch für Fußgängerinnen und Fußgänger muss mehr Platz geschaffen werden. Ein autofreier Hauptplatz sollte beispielsweise schon längst umgesetzt sein. 

Was kann jeder selbst tun, um seine persönliche CO₂-Bilanz zu verbessern?
Die größten Hebel liegen auch hier im Bereich der Mobilität: Fliegen und Autofahren haben den größten schädlichen Einfluss auf die persönliche CO₂-Bilanz. Bei der Ernährung bringen pflanzliche Biolebensmittel anstelle von Fleisch, Fisch und Milchprodukten am meisten. Beim Wohnen ist es die Energie fürs Heizen, die idealerweise durch gute Wärmedämmung möglichst reduziert und mit erneuerbarer Energie bereitgestellt wird, zum Beispiel durch eine Wärmepumpe mit Ökostrom oder eine Holzpelletsheizung anstelle von Gas oder Öl.
Mehr dazu in der Aufzeichnung meines VHS-Vortrags: HIER

Viele kritisieren die Klimaproteste als „zu radikal“ – Stichwort Klima-Kleber. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Es ist traurig, dass es diese Art des Protests braucht, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Zehntausende Menschen sind im Rahmen der Klimastreiks auf die Straße gegangen und haben nicht ansatzweise die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie die aktuellen „radikaleren“ Proteste. In der Geschichte gab es schon öfter ähnliche Situationen, wie zum Beispiel im Kampf gegen die Rassendiskriminierung, wo mit angemeldeten Demonstrationen, Petitionen und Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern nichts erreicht wurde. Martin Luther King wurde damals auch stark kritisiert, heute ist er bekannt für seinen Einsatz, der zum Erfolg geführt hat. Teilweise wird sogar von „Klimaterroristen“ gesprochen. Rechtswissenschaftler Professor Alois Birklbauer von der JKU meint dazu: „Wir brauchen eine Abrüstung der Worte. Die Bezeichnung „Klimaterroristen“ für Aktivistinnen und Aktivisten ist völlig unangebracht. Wenn man beachtet, wie stark durch unterlassene Maßnahmen das Klima geschädigt wird, wäre es passender zu sagen, dass die größeren Terroristen in der Regierung sitzen.“ 

Wo können sich Interessierte seriös und leicht verständlich über den Klimawandel informieren?
Der Klimawandel ist für mich das komplizierteste globale Problem, mit dem sich die Menschheit je auseinandersetzen musste. Dementsprechend schwierig ist es, den Klimawandel einfach verständlich zu erklären. Nachdem die für den österreichischen Klimarat zufällig aus der Bevölkerung ausgewählten Menschen eine mehrtägige Intensivausbildung mit Klimaexpertinnen und -experten absolviert hatten, stellten viele von ihnen fest, dass sie für ihre erarbeiteten Vorschläge keine Volksabstimmungen empfehlen können. Ohne die Ausbildung hätten sie selbst die falschen Entscheidungen getroffen. Das zeigt, wie hoch der Informationsbedarf in der Bevölkerung noch ist. Ich möchte das aktuelle Buch „Earth for all“ des Club of Rome empfehlen, von dem es eine kostenlose Zusammenfassung gibt es HIER. Es schildert anschaulich anhand des Schicksals von vier verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Erdregionen, wie wir durch eine bewusste Veränderung ein besseres Leben für alle erreichen können, oder aber auch, was auf uns zukommt, wenn wir zu spät handeln und zu wenig tun. Fakten in Form von Diagrammen und Texte sind beispielsweise HIER zusammengestellt. Dann ist da noch der 6. IPCC Bericht als seriöse, aber leider nicht unbedingt leicht verständliche Informationsquelle, von dem es HIER auch deutsche Übersetzungen gibt. Kernaussage: Es ist nach wie vor möglich, die globale Erwärmung zu begrenzen. Dafür sind allerdings eine sofortige globale Trendwende sowie tiefgreifende Treibhausgas-Minderungen in allen Weltregionen und allen Sektoren nötig.

AM 19. April 2023 um 18 Uhr lädt die „Letzte Generation“ zum Krisengespräch im Seminarraum 2 des KHG-Studentenheims in der Mengerstraße 23 statt. Dort wird Mirko Javurek versuchen, die Klimakrise anschaulich zu erklären. 

Referenzen

[1] Höfler, Malinsky, Priewasser: Verkehrsverlagerung durch Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl – Systemische, verkehrsplanerische und verhaltenswissenschaftliche Ansätze am Beispiel des oö. Zentralraums, Universitätsverlag Trauner, 2000



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Scientists For Future unterstützen Klimaprotest in Linz

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Linz, 21. März 2023, 7.45 Uhr. Den zweiten Tag in Folge sind die Menschen der Letzten Generation auf der Straße, um in der eskalierenden Klimakrise erste Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung einzufordern: Tempo 100 auf der Autobahn, und ein Verbot neuer Öl- und Gasbohrungen. Sie brachten den Verkehr auf der Waldeggstraße und der Wiener Straße friedlich zum Stillstand, unterstützt von solidarischen Wissenschaftler:innen, Parents For Future und der Radlobby.

„Scientists For Future unterstützen Klimaprotest in Linz“ weiterlesen

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Die drei Säulen der Nachhaltigkeit: warum erneuerbare Energien fossile nicht 1:1 ersetzen können

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Mirko Javurek, Forscher im Bereich Strömungs- und Wärmeprozesse an der Johannes Kepler Universität Linz

Die Treibhausgasemissionen stammen großteils aus Kohlenstoffdioxid (CO2), das bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle entsteht. Für die Einhaltung der Klimaziele ist es erforderlich, diese fossilen Energiequellen bis 2040 zur Gänze durch erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse zu ersetzen. Dazu braucht es einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energiequellen. Das ist nur zu schaffen, wenn gleichzeitig der Energiebedarf gesenkt wird.

Am Beispiel einer Beleuchtung: Lampen nur dann einschalten, wenn sie wirklich benötigt werden (Reduktion durch Suffizienz), für die Beleuchtung effiziente Leuchtmittel wie LED-Lampen verwenden (Reduktion durch Effizienz), versorgt mit Ökostrom (erneuerbare Energie). Bei Autofahrten bedeutet Suffizienz, sie auf das Nötigste zu reduzieren durch Ausbau und Nutzung von Alternativen (öffentlicher Verkehr, Radfahren, zu Fuß gehen). Eine möglichst effiziente Nutzung wird durch gemeinsame Fahrten und eine energiesparende Fahrweise erzielt. Die erneuerbare Energie in Form von Ökostrom lädt die E-Fahrzeuge. Ähnlich auch beim Heizen: so wenig warm, so wenig Räume und so wenig Zeit wie möglich (Suffizienz), mit guter Wärmedämmung von Wänden, Fenstern und Türen, Stoß- statt Dauerlüftung (Effizienz), und eine Heizung mit Wärmepumpe aus Ökostrom oder mit Biomasse aus nachhaltiger Produktion (Pellets, Holz).

Nur wenn jeweils alle drei Säulen (Suffizienz, Effizienz und erneuerbar) berücksichtigt werden, ist ein vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energien auch machbar. Um mehr Effizienz zu erreichen und erneuerbare Energien zu nutzen, ist es oft mit einmaligen Entscheidungen getan (z.B. Wechsel des Stromanbieters, Wärmedämmung verbessern, Gas- durch Pelletsheizung ersetzen, Anschaffung eines E-Autos). Mehr Suffizienz bedeutet jedoch in vielen Fällen, dass wir unser Verhalten anpassen müssen. Oft reicht es, Gewohnheiten zu hinterfragen und achtsamer, vorausschauender zu handeln.

Mit einer positiven persönlichen Grundeinstellung gelingt es, in einem “weniger” auch mehr Lebensqualität zu sehen. Von der Politik braucht es jedenfalls die Entschlossenheit, alle drei Säulen zu berücksichtigen, und die generellen Rahmenbedingungen dafür zu setzen: mit bloßen Aufrufen zu freiwilligen Verhaltensänderungen (Beispiel: Tempo 100 auf Autobahnen) und Belohnungen (Beispiel: Förderungen für bessere Wärmedämmung) ist es nicht getan. Die Aufgabe für die Politik ist es vielmehr, Klimaschutz gesetzlich zu verankern, und der Bevölkerung zu erklären, warum es das braucht.

Videoaufzeichnung des VHS-Vortrags „Zukunftsfähig leben im Alltag“



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