CO2 einfangen und verwerten – Was ist möglich?

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Quelle: Lehner, Markus (2021): Carbon Capture and Utilization (CCU). CCCA Factsheet #32. Online zugänglich unter https://ccca.ac.at/fileadmin/00_DokumenteHauptmenue/02_Klimawissen/FactSheets/32_carbon_capture_and_utilization_20210426.pdf

Wie können wir verhindern, dass immer mehr CO2 in der Atmosphäre abgeladen wird? Einerseits, indem wir Energie nicht mehr aus fossilen Brennstoffen gewinnen, sondern aus erneuerbaren Quellen. Andererseits aber auch dadurch, dass wir verhindern, dass das CO2, das bei industriellen Prozessen entsteht, in die Atmosphäre gelangt. Gearbeitet wird an zwei Gruppen von Technologien. Bei der einen geht es darum, Kohlenstoff langfristig zu speichern: Carbon Capture and Sequestration (CCS). Bei der zweiten Gruppe geht es darum, CO2 zu nutzen, um daraus kohlenstoffhaltige Produkte zur Weiterverarbeitung zu gewinnen: Carbon Capture and Utilization (CCU). Zur zweiten Gruppe von technischen Möglichkeiten hat das Climate Change Center Austria (CCCA) kürzlich sein 32. Factsheet herausgebracht.1

Einfangen oder zurückholen?

In erster Linie geht es bei CCU darum, CO2 einzufangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Dafür kommen vor allem die Abgase aus der Zement- und Stahlproduktion in Frage. Es werden aber auch Methoden entwickelt, um CO2 direkt aus der Luft zu gewinnen (Direct Air Capture). Grundsätzlich wird sehr viel Energie benötigt, um CO2 zu gewinnen, und zwar umso mehr Energie, je geringer die Konzentration von CO2 ist. Daher ist CCU nur sinnvoll, wenn bei einem Prozess nicht mehr CO2 freigesetzt als gewonnen wird. Die gesamte CO2-Bilanz eines solchen Prozesses muss beachtet werden. Im Wesentlichen heißt das, dass der Prozess sinnvoll nur mit „sauberer“ Energie betrieben werden kann.

Für die CO2-Gewinnung aus Punktquellen (also direkt ab Schlot, sozusagen), sind Technologien schon bis zur industriellen Reife entwickelt. Herstellen könnte man im Prinzip alle Produkte, die Kohlenstoff enthalten. Interessant wäre zum Beispiel die Produktion von Harnstoff für Stickstoffdünger oder Kunstharze, oder von Polyol, dessen Endprodukt Polyurethan aus dem Baumarkt als PU-Schaum bekannt ist. Auch Methanol könnte man so gewinnen, das Ausgangsbasis für viele verschiedene chemische Produkte ist. Synthetischer Diesel und synthetisches Kerosin könnten ebenfalls erzeugt werden.

Geforscht wird auch daran, mineralische Rohstoffe durch Reaktion mit CO2 in Karbonate umzuwandeln, die dann zum Beispiel als Baustoff-Zuschläge verwendet werden könnten. Hier werden auch Möglichkeiten zur langfristigen Speicherung von Kohlenstoff untersucht.

Wie groß wäre der Nutzen von CCU?

Wie viel CO2 könnte auf diese Weise nun eingespart oder gar zurückgeholt werden? Hier gehen die Schätzungen sehr weit auseinander: Sie reichen von mehreren 100 Millionen Tonnen CO2 im Jahr bis zu 10 bis 15 Gigatonnen im Jahr 2050. Da der von Menschen verursachte CO2-Ausstoß 35 Gigatonnen (nach anderen Schätzung 40 Gigatonnen) pro Jahr beträgt, könnte das je nachdem einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten oder einen bedeutenden Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels. Grund für diese unterschiedlichen Einschätzungen ist, dass viele dieser Verfahren sich noch in der Entwicklung befinden, und dass ihre Wirtschaftlichkeit noch nicht absehbar ist. Je nach Produkt dürften sie die Kosten 50 € bis 1000 € pro Tonne genutztem CO2 nicht überschreiten, damit der Prozess gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Derzeit steht für die industrielle Anwendung der Prozesse auch nicht genügend Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Und diese Prozesse brauchen, wie schon anfangs erwähnt, sehr viel Energie. Außerdem ist für die Klimawirksamkeit entscheidend, wie lange der Kohlenstoff in den Produkten gebunden bleibt: Bei Treibstoffen wird das CO2 schon nach Tagen oder Wochen wieder freigesetzt, bei Baustoffen kann das erst nach Jahrzehnten sein.

Es ist also noch nicht wirklich abzuschätzen, welche Bedeutung CCU bei der Eindämmung des Klimawandels wirklich haben kann. Doch in einigen Bereichen ist es dringend nötig, die Technologie voranzutreiben: Bei der Zementproduktion fallen fast 8 Prozent aller CO2-Emissionen an. Dieses CO2 muss möglichst schnell eingefangen werden. Grünes Kerosin aus einem CCU-Prozess wäre ebenfalls eine Möglichkeit, die Emissionen im Luftverkehr relativ schnell zu reduzieren.

Das Factsheet ist online frei zugänglich.

Gesichtet: A: B.

Titelbild: Richard Hurd: Exxon oil refinery near Chicago (edited). CC BY-SA 2.0


1 In einem weiteren Sinn könnte man unter CCU zum Beispiel auch Aufforstung und die Nutzung des Holzes als Baustoff oder Rohstoff für Treibstoff oder chemische Produkte verstehen. Das Factsheet bezieht sich aber auf CCU im engeren Sinn.

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Scientists for Future Niederösterreich:
Ostumfahrung Wr. Neustadt schadet den Bemühungen, die Pariser Klimaziele einzuhalten

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Stellungnahme von S4F-Niederösterreich zum Offenen Brief von FFF, BFF, WWF, VCÖ und “Vernunft statt Ost-Umfahrung”

Die Organisationen Fridays for Future, Build for Future, World Wide Fund For Nature, Verkehrsclub Österreich und Vernunft statt Ostumfahrung haben am 1. Juni einen offenen Brief an Bundeskanzler Kurz, Bundesministerinnen Gewessler und Köstinger und Landeshauptfrau Mikl-Leitner veröffentlicht, in dem sie sich gegen den Bau der Ostumfahrung Wiener Neustadt aussprechen. Scientists for Future Niederösterreich geben dazu die folgende Stellungnahme ab:

Die Scientists for Future in Niederösterreich halten fest, dass die inhaltlichen Aussagen des „Offenen Briefs“ zur Ost-Umfahrung bei Wiener-Neustadt vom 01. Juni 2021 nach wissenschaftlichem Ermessen korrekt sind. Wiener Neustadt ist die Stadt in Österreich, die bereits jetzt gemessen an der Bevölkerungsdichte den höchsten Flächenverbrauch aufweist. Trotzdem sollen durch den Bau der Umfahrung Ost weitere Grünflächen versiegelt werden. Die Umgehungsstraße würde die Attraktivität des Autos weiter erhöhen. Da Autos auf absehbare Zeit nicht klimaneutral sein werden, schadet das Projekt unseren Bemühungen, die Pariser Klimaziele einzuhalten.

Scientist for Future Niederösterreich stellen außerdem fest, dass Infrastrukturprojekte im Hinblick auf die Klimaziele die Nachfrage nach Mobilität aktiv lenken sollten, anstatt die Nachfrage passiv zu bedienen. Zusätzliche Angebote für Auto-Mobilität erzeugen zusätzliche Nachfrage nach Auto-Mobilität im Stile einer selbsterfüllenden Prophezeiung (Rebound-Effekt). Für das Erreichen der Klimaziele ist es aus wissenschaftlicher Sicht zwingend erforderlich, bevorzugt umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur-Projekte voranzutreiben.

Der offene Brief im Wortlaut:

01.06.2021

Betreff: „Offener Brief“ an die Politik zu Klima- und Bodenschutz sowie Ernährungssicherheit

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Gewessler,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger,
sehr geehrte Frau Landeshauptfrau Mikl-Leitner,

Österreich verbraucht rund 13 Hektar Boden pro Tag und liegt bei den Straßenkilometern pro Kopf im europäischen Spitzenfeld. Dennoch werden derzeit im ganzen Land neue große Straßenprojekte geplant und genehmigt. Diese Projekte widersprechen allen Klimazielen und versiegeln wertvolle Böden, wodurch mittel- und langfristig die Ernährungssicherheit bedroht wird. Nicht zuletzt zerstört die Verbauung wertvolle Erholungsräume für die Bevölkerung. Und wir als heutige Erwachsenen-Generation haben die große Verantwortung unseren Kindern eine intakte Umwelt zu übergeben.

Ein besonders negatives Beispiel für ein solches Straßenbauprojekt ist die geplante „Ostumfahrung“ in Wiener Neustadt. Wiener Neustadt hat den höchsten Flächenverbrauch pro Kopf in Österreich, trotzdem soll für das Straßenprojekt fruchtbares Ackerland versiegelt und eine Natura-2000-Au zerschnitten werden. 20 Hektar werden für die Trasse zubetoniert, auf 60 Hektar sollen zusätzliche Gewerbeflächen entstehen. Es ist somit die seit Jahren klimaschädlichste Weichenstellung im südlichen Niederösterreich.

In der Verkehrswissenschaft ist vielfach bestätigt, dass zusätzliche Straßen zu zusätzlichem Verkehr führen. Selbst nach den Prognosen des Bauherrn (Land NÖ) wird dieses Projekt der Stadt, die aufgrund von Fehlern in der Raumplanung unter Quell- und Zielverkehr leidet, keine Entlastung bringen. Auf fast allen Abschnitten wird es sogar mehr Verkehr geben – und das trotz der prognostizierten knapp 15.000 Fahrzeuge pro Tag auf der „Ostumfahrung“. Klima- und naturverträgliche verkehrstechnische Alternativen hat die Politik nicht geprüft.

Durch die sich verschärfende Klimakrise und die adaptierten Klimaziele haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Deshalb ist die Bundesregierung gefordert, alte Straßenbauprojekte, die vor vielen Jahren geplant wurden, vor dem Hintergrund der neuen Klimaziele und unter Einbeziehung der öffentlichen Interessen Naturschutz, Gesundheit und regionale Ernährungssicherheit zu stoppen und neu zu bewerten. Das Umweltrecht muss mit konkreten Maßnahmen verbessert werden, damit es der akuten Klima- und Biodiversitätskrise gerecht wird.

Parallel dazu braucht es einen “Bodenschutz-Vertrag” gegen den ausufernden Flächenfraß. Das Land Niederösterreich hat es in der Hand, die klima- und gesundheitsschädliche „Ostumfahrung“ zu stoppen. Die bessere, weil nachhaltige und zukunftsorientierte Lösung, ist unter Einbeziehung unabhängiger Fachleute ein zeitgemäßes Mobilitätskonzept für Wiener Neustadt und das Umland zu entwickeln – enkelfit, weil klima- und naturverträglich.

WWF, VCÖ, BFF, FFF, Vernunft statt Ostumfahrung

Bild: Übersichtsplan des Landes Niederösterreich

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Scientists for Future bei der Fahrraddemo gegen die Lobauautobahn

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Mehr als 1.500 Menschen sind am 3. Juni einem Aufruf von „Fridays For Future“ gefolgt und haben auf Fahrrädern gegen den geplanten Bau des Lobautunnels protestiert. Auch die RG Ost der Scientists for Future war mit dabei.

Es ist erwiesen, dass eine Erhöhung der Verkehrskapazitäten zu mehr Verkehrsaufkommen führt, was die Klima-Ziele gefährdet. Aus wissenschaftlicher Sicht ist daher die Kritik an Verkehrs-Projekten wie dem Lobau-Tunnel gerechtfertigt, weshalb sich S4F-Wien mit den Protest-Bewegungen solidarisieren und ihre Unterstützung aussprechen. Argumente und Kritik sind valide und müssen ernst genommen werden.

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Der stille Frühling: Warum das Artensterben ein Problem ist, das wir umgehend angehen sollten

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Zusammenfassung des Vortrags „Silent Spring – Biodiversität in der Krise“ von Franz Essl

Im Alltag fällt es zwar nicht unbedingt immer auf, aber wir befinden uns in einer Krise, die die Vielfalt der Arten bedroht – weltweit und in Österreich. Silent Spring – der stille Frühling – zeichnet ein Bild der Auswirkungen eines Artensterbens, das Realität werden kann. Franz Essl geht in seinem Vortrag „Silent Spring – Biodiversität in der Krise“ auf Ursprünge und Auswirkungen des Artensterbens ein, das uns Menschen nicht nur betrifft, sondern das wir auch in der Hand haben.

"Silent Spring" von Franz Essl | Online-Vortragsreihe Uni Wien

Rückblick: Das vom Menschen verursachte Massensterben

Die Anfänge des durch den modernen Menschen verursachte Massensterbens werden rückblickend bereits in der Besiedlung der einzelnen Kontinente deutlich. Mehr als 50 % der ausgerotteten Großsäuger zu dieser Zeit sind dem Menschen zuzuschreiben. Der noch relativ junge Übergang zur Landwirtschaft und das folgende exponentielle Wachstum von Weltbevölkerung und Ressourcen intensivierten das Artensterben weiter. Heute leben wir im „Anthropozän“: Das Zeitalter, in dem der Mensch die Biosphäre dominiert. Dies drückt sich auch in der Population bestimmter Arten aus: Etwa 95 % der heute lebenden großen Säugetiere sind Nutztiere des Menschen. Die Populationen anderer großer Säugetiere hingegen stellen Franz Essl zufolge „Inseln in einer von Menschen geprägten Welt“ dar.

Die Wirtschaft als übergeordnetes System: Ein unrealistisches Weltbild der industrialisierten Welt

Die Dominanz des Menschen in der Biosphäre entspricht dem Weltbild, das in der industrialisierten Welt vorherrscht: Die Natur wird hierbei als ein System gesehen, das vom wirtschaftlichen System für den Menschen nutzbar gemacht wurde, z.B. in Form von Landwirtschaft, Abbau von Rohstoffen, Sport oder Urlaub. In dieser Ansicht existiert Natur eingebettet in das wirtschaftliche System. Dass diese Ansicht nicht der Realität entsprechen kann, zeigt sich bereits in der Abhängigkeit des Menschen von einem intakten Ökosystem. Dieses liefert Nahrung und Lebensraum. In einem realistischen Weltbild ist das wirtschaftliche System also vielmehr eingebettet in das System der Gesellschaft, das wiederum eingebettet ist in das Ökosystem der Erde. Ein funktionierendes, stabiles Ökosystem und Artenvielfalt wirken daher wie ein sicheres Fundament für einen lebenswerten Planeten. Raubbau daran kann deshalb nicht endlos betrieben werden. Dies zeigt sich auch im Aussterben von Arten.

Schlechtere Zustände trotz zunehmendem Problembewusstsein

In einigen Punkten gerät der Planet bereits an seine Grenzen, u. a. in der Unverletzlichkeit der Artenvielfalt. Der globale Trend zeigt zwar, dass sich ein stärkeres Bewusstsein für Artenschutz bildet: Es werden mehr Schutzmaßnahmen getroffen. Die Zustände verschlechtern sich aber trotzdem. Die klimatischen Bedingungen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Je mehr sich die Erde erwärmt, desto mehr Arten sind bedroht: Selbst für das Erreichen des Klimaziels von 1,5° C Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wird ein Artensterben von 6 % der Insekten, 8 % der Pflanzen und 4 % der Wirbeltiere prognostiziert. Dies erscheint jedoch sehr gering im Vergleich mit der Prognose bei einer Erderwärmung von 3,2° C: In diesem Fall würden 49 % der Insekten, 44 % der Pflanzen und 26 % der Wirbeltiere aussterben. 

Dringender Handlungsbedarf: Das Artensterben in Österreich

Ein für Österreich besonders anschauliches Beispiel für die Auswirkung des Klimawandels auf die Artenvielfalt sind die Fichtenwälder: Bereits jetzt werden diese durch den Borkenkäfer geschädigt. Diese Tiere fühlen sich bei warmem, trockenem Klima besonders wohl, während Fichten Wärme und Trockenheit weniger gut vertragen. Bei zunehmender Erderwärmung breitet sich der Borkenkäfer weiter aus, während sich die Anzahl der Gebiete, in denen Fichten überleben können, stetig verringert. Auch die Population von Brutvögeln, wie dem Rebhuhn oder der Feldlerche, geht zurück. Dies ist wiederum auf das Sterben von Insektenarten zurückzuführen, die den Vögeln als Nahrungsquellen dienen. Im internationalen Vergleich ist das Artensterben in Österreich sogar gravierender als im Durchschnitt: Jede dritte Art steht hierzulande auf der roten Liste und gilt damit als vom Aussterben bedroht.

Wo ansetzen? Klima- und Umweltschutz als wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Ziel

Franz Essl schließt seinen Vortrag mit den großen Stellschrauben, die bewegt werden müssen, um eine Trendwende herbeizuführen. Er plädiert für den Stopp des Biodiversitätsverlustes bis 2030 als politisches Ziel. In Österreich wird eine Landwirtschaft benötigt, die ihre Prioritäten in ihrer Klima- und Naturfreundlichkeit sieht, da immerhin 25 % der CO2 Emissionen aus der Landnutzung kommen. Auch weniger Flächenversiegelung ist eine Maßnahme. Hierfür sind politische Instrumente notwendig, die solches Wirtschaften fördern. Die aktuellen Maßnahmen sind dafür nicht ausreichend.

Doch auch als Einzelperson ist man Teil des Systems, das sich verändern muss. Also kann auch im Kleinen etwas bewirkt werden, z. B. mit politischem Engagement, Umweltaktivismus oder den täglichen Konsumentscheidungen. Denn ähnlich wie die Veränderung der Umwelt und das Aussterben von Arten bestehen Systemänderungen aus vielen kleinen Einzelveränderungen.

Der komplette Vortrag von Franz Essl mit vielen weiteren Details, Zahlen und einem Diskussionsteil ist unter https://www.youtube.com/watch?v=aV467tQaFHU abrufbar.
Gesichtet: M. A.

Titelbild: G. Brändle, Wikimedia, CC BY 3.0

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Können synthetische Brennstoffe die Ölheizung retten? Leider nein!
Stellungnahme der S4F zum Brief der Wirtschaftskammer OÖ an die Bürgermeister*innen

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Im Februar hat die Wirtschaftskammer Oberösterreich ein Schreiben an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Oberösterreich geschickt, in dem sie Verbote von Verbrennungsmotoren und Ölheizungen als „standortfeindlich, bürgerfern und sozial ungerecht“ bezeichnete. Man könne doch fossile Brennstoffe durch synthetische ersetzen und so die bestehenden Infrastrukturen weiter benutzen.

Scientists for Future Österreich hat sich die Argumente der WKOÖ sehr genau angesehen und eine wissenschaftlich begründete Stellungnahme dazu ausgearbeitet, die wir allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern zukommen ließen.

Synthetische Kraftstoffe sind keine Universal-Lösung in der Klimakrise. Am Verbot von Ölheizungen und Verbrennungsmotoren führt kein Weg vorbei. Nach einer eingehenden Prüfung kommen Scientists for Future zu dem Schluss, dass das Versprechen, synthetisch hergestellte Kraftstoffe könnten Ölheizungen und den klassischen “Benziner” oder “Diesel” retten, nicht eingelöst werden kann. Vor allem nicht in den nächsten 10 Jahren, die entscheidend für die Erreichung der Pariser Klimaziele sind. Zwar können synthetische Treibstoffe CO2-neutral erzeugt und eingesetzt werden, allerdings ergeben sich bei der Herstellung und Anwendung erhebliche Energieverluste. Bis 2030 kann in Österreich nicht genügend Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt werden, um synthetischen Kraftstoff in den benötigten Mengen herzustellen. Vor allem im Verkehr ist der Wirkungsgrad (Anteil der tatsächlich nutzbar gemachten Energie) bei Verbrennungskraftmotoren viel geringer als bei elektrischen Antrieben: ein typischer Batterie-elektrischer PKW verbraucht auf 100 km ca. 15 bis 20 kWh, ein Verbrenner 55 bis 60 kWh.

Auch synthetische Kraftstoffe verursachen im Betrieb Schadstoffe und Feinstaub — wenn auch weniger als fossile Kraftstoffe, sie sind teuer und aufwendig in der Herstellung, und man wird sie zu 100 % in Anwendungen brauchen, für die es keine elektrischen Alternativen gibt, wie zum Beispiel in der chemischen Industrie oder für Schwerlastmaschinen.

Viel effektiver ist die thermische Sanierung von Gebäuden und die Nutzung von Fernwärme, Wärmepumpen und Abwärme. Durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, von Radstrecken und Sharing-Konzepten können wir den Bedarf an energieeffizienten E-Autos deutlich reduzieren ohne auf unsere gewohnte Mobilität verzichten zu müssen.

Nachdem die gute wissenschaftliche Praxis Objektivität, Transparenz und Überprüfbarkeit fordert, haben wir der Stellungnahme einen wissenschaftlichen Begleitbrief angefügt, der die Vor- und Nachteile synthetischer Brennstoffe genau erläutert und alle Quellen für unsere Argumente anführt.


Titelfoto: Wikimedia Commons, Autor: Maschinenjunge, CC BY-SA 2.5

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Klimazustandsbericht 2020: wieder ein heißestes Jahr

Unschlagseite und Highlights
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2020 war eines der drei heißesten Jahre der Messgeschichte, sagt der Bericht „State of the Global Climate 2020“ der World Meteorological Organisation der UNO. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag bereits 1,2°C über dem vorindustriellen Niveau. 1

  • Die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase – Kohlendioxid, Methan und Lachgas – ist weiter gestiegen, obwohl die Emissionen bedingt durch Covid-19 zeitweilig gesunken sind.
  • 2020 war eines der drei heißesten Jahre der Messgeschichte. Die letzten sechs Jahre waren insgesamt die heißesten der Messgeschichte. In Werchojansk (Russland) wurden am 20. Juni 38,0°C gemessen – die höchste jemals gemessene Temperatur nördlich des Polarkreises.
  • Der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich. Die in den Ozeanen gespeicherte Wärme nimmt ebenso zu wie die Übersäuerung. Das verringert die Fähigkeit der Ozeane, den Klimawandel zu mildern.
  • Die jährliche Mindestausdehnung des arktischen Meereises war die zweitniedrigste jemals gemessene. Der Rückzug des Meereises in der Laptev-See 2 war der früheste seit Beginn der Satellitenbeobachtung.
  • Der Eisverlust der Antarktis beschleunigte sich um 2005. Derzeit verliert die Antarktis jedes Jahr ungefähr 175 bis 225 Gigatonnen Eis.
  • Die Hurrikan-Saison im Nordatlantik war außergewöhnlich aktiv. Hurrikane, extreme Hitzewellen, massive Dürren und Waldbrände führten zu wirtschaftlichen Verlusten von zig Milliarden Dollar und forderten viele Todesopfer.
  • In der ersten Hälfte des Jahres wurden 9,8 Millionen Menschen zeitweise oder auf Dauer durch Wetterkatastrophen vertrieben.
  • Die durch Wettereinflüsse verursachten Probleme in der Landwirtschaft wurden durch Covid-19 noch verschärft, so dass die Ernährungsunsicherheit weiter gestiegen ist.

1 Schwankungsbreite: plus minus 0,1°C

2 Ein Randmeer des Nordpolar-Meers

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Interview mit Prof. Franz Essl zum österreichischen Earth Overshoot Day

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"Franz Essl zum österreichischen Earth Overshoot Day 2021" von Martin Auer | S4F-Interview

Es gibt inzwischen mehr menschengemachte Dinge auf der Erde als Pflanzen und Tiere. Was macht das mit dem Planeten? Mehr als 90 Prozent aller großen Säugetiere sind Menschen und ihre Nutztiere, und nur ein verschwindender Teil sind noch Wildtiere. Wohin führt uns das? Wir sprechen mit dem Biodiversitätsforscher Franz Essl über die weltweite Übernutzung von Atmosphäre, Land und Wasser. Außerdem geht es um die Schwierigkeiten, den Wohlstand zu bewahren und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch zu senken. Wir fragen, ob wir Arbeit und Arbeitszeit nicht neu gestalten sollten und wie wir die Landnutzung regeln sollen, damit wir weiter fruchtbare Böden und eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt haben. Wir sprechen auch darüber, ob es in der Landwirtschaft nur darum gehen kann, möglichst billige Nahrungsmittel herzustellen, und wie ein sozialer Ausgleich aussehen könnte, wenn nachhaltige Produktion auch entsprechend bezahlt wird.

Anlässlich des österreichischen Earth Overshoot Day am 07.04.2021 macht Martin Auer ein Interview mit Assoz.Prof. Mag. Dr. Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien.

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Interview mit Prof. Reinhard Steurer zum österreichischen Earth Overshoot Day

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"Reinhard Steurer zum österreichischen Earth Overshoot Day 2021" von Martin Auer | S4F-Interview

Der 7. April ist für Österreich der Welt-Erschöpfungstag. Wenn die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchen würde wie Österreich, hätte sie an diesem Tag alles verbraucht, was der Planet in einem Jahr wiederherstellen kann. Der Politologe Prof. Steurer erklärt, wie es möglich ist, mehr Ressourcen zu verbrauchen, als eigentlich da sind. Und warum Österreich hier besonders schlecht dasteht. Und ob Wohlstand nur von der Wirtschaftsleistung abhängt. Er zeigt drei Strategien auf, durch die der Ressourcenverbrauch von der Wirtschaftsleistung entkoppelt werden könnte, und liefert eine überraschende Begründung dafür, warum wir von allen Seiten dazu aufgefordert werden, unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck zu berechnen. Und schließlich erklärt er, warum die meisten Menschen finanziell profitieren würden, wenn das Ausstoßen von einer Tonne CO2 100 Euro kosten würde.

Anlässlich des österreichischen Earth Overshoot Day am 07.04.2021 macht Martin Auer ein Interview mit Assoz.Prof. Mag. Dr. Reinhard Steurer vom Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik der Universität für Bodenkultur Wien.

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Klimastreik: 1068 Klimaaktionen in 68 Ländern, 5000 auf der Wiener Ringstraße

S4F mit großem Banner vor der Hauptuni Wien
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Laut Fridays for Future Österreich haben sich 5000 Menschen an der 3 km langen Menschenkette um die Wiener Ringstraße beteiligt. Rund um den Globus haben 1068 Aktionen in 68 Ländern stattgefunden. Auch wenn die Zahlen nicht an die Aktionen des bisher größten weltweiten Klimastreiks vom September 2019 heranreichen, so war es global doch der größte Streik seit Beginn der Coronakrise.

Foto: Christian Zauner. Scientists for Future vor der Hauptuni Wien

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