„Cool“ and the City

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Lesedauer 5 Minuten

von Ines Clarissa Schuster

Aufgrund des Klimawandels werden die Temperaturen in vielen Gebieten der Welt ansteigen. Die Wissenschaft erwartet, dass vor allem die Städte Mitteleuropas von immer härteren und länger andauernden Hitzewellen gebeutelt werden.1 

Auswirkungen der Hitze auf den Menschen

In der Podcastfolge Alpenglühen vom 17. Juli 20222 erläutert Dr. Heinz Fuchsig im Gespräch mit Sofia Palzer Khomenko welche Auswirkungen die Hitze medizinisch auf den menschlichen Organismus hat: „Der Mensch fühlt sich nur in einem sehr engen Temperaturbereich wohl. Beim Fernsehen zu Hause, wenn es 21° hat – ziehen wir uns einen Pullover über. Bei 26° fühlen wir uns in der Badehose am wohlsten und bei 35° sind wir gezwungen uns regelmäßig im kalten Wasser abzukühlen. Niemand fühlt sich bei 35° noch wohl.“

Bei großer Hitze muss ein großer Teil der maximalen Herzleistung, welche überhaupt erbracht werden kann, für die Kühlung der Haut reserviert bleiben. In warmen Nächten, wenn es in unseren Wohnungen über 25°C warm ist, muss das menschliche Herz um 2/3 mehr arbeiten, um die Haut zu durchbluten. Diese mehr-Anstrengung des Herzens während der ganzen Nacht führt dazu, dass der Mensch nicht ausgeschlafen und nicht ausgeruht ist. Studien zeigen ab 25°C nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab. Unfälle nehmen ab 27°C deutlich zu. Ab 29°C nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ab.3, 4

Klimaanlagen leiten den eigenen thermischen Abfall in die Umgebung

Wenn die Außentemperaturen steigen, und selbst die Nacht keine erholsame Temperaturabsenkung bringen, steigt die individuelle Lust, sich eine Klimaanlage zu kaufen. Immer mehr Familien mit Kleinkindern oder Pensionisten können die Hitzewellen nicht ertragen. Die Industrie lockt mit Werbung für die günstige Lösung „Klimaanlage“. Sie wirkt unkompliziert und rasch umsetzbar. Ist dies aber wirklich eine gute Idee?

Dr. Fuchsig: „Die Leute in Hong Kong haben eine Lärmtoleranz, die um 20 dB höher ist als die der Österreicher. Die Ursache für diese enorm hohe Toleranz liegt daran, dass sobald dort Fenster geöffnet werden, sind 150 laufende Klimaanlagen in der direkten Umgebung zu hören.  Dementsprechend sind Menschen in Hong Kong einen Dauerschallpegel gewohnt, der weit über dem unsrigen liegt.“ Man kann sich vielleicht vorstellen, wie das klingt, wenn man direkt am Wiener Gürtel wohnt.

Klimaanlagen sind laut – wenn die Nachbarn eine haben, ist man beinahe gezwungen selbst eine zu besorgen, weil man die Fenster nicht mehr öffnen kann, ohne von dem Lärm belästigt zu werden. Außerdem führen Klimaanlagen dazu, dass die Durchschnittstemperaturen der Stadt noch weiter ansteigen.

Dr. Fuchsig: „Im Mittelalter haben wir aufgehört unseren Kot und Abfälle auf die Straße zu werfen. Damit haben wir uns viele Krankheiten und Pandemien gespart. Jetzt müssen wir aufhören unsere Abgase und unsere thermischen Abfälle auf die Straße zu kippen.“

Technologien zur Kühlung

°CELSIUS traf sich mit Stefan Lendl, einem Experten von Wien Energie, der sich mit Technologien beschäftigt, um nachhaltig sowie sozial Wohnraum zu temperieren. Er ist auch aktiver Young Energy Professional. „Wir suchen nach Wegen, um die Abwärme aus den Wohnungen entweder direkt zu nutzen — zum Beispiel Warmwasser zu generieren – oder zu Speichern – zum Beispiel im Boden, Grundwasser oder als Fernwärme zu nutzen.“

°CELSIUS: Welche Möglichkeiten zur Kühlung gibt es?

Stefan Lendl: „Am einfachsten ist es, während Zeiträumen, in denen es draußen kühler ist als drinnen, die Fenster zu öffnen. Solange es aber draußen wärmer ist als drinnen, muss man sich Alternativen überlegen.“

Die gängigsten Varianten sind Split-Klimaanlagen und „Fancoils“ oder „Umluftkühlgeräte“. Diese sind in vielen Büros im Einsatz und bestehen aus 2 wesentlichen Komponenten: 

  • einem Innengerät mit Ventilator. Der saugt die warme Luft an und leitet sie dann über einen Wärmetauscher. Dieser wird von einer kalten Flüssigkeit durchflossen und kühlt so die Luft ab. Die Flüssigkeit wird über Rohrleitungen weitertransportziert zu
  • einem Außengerät, wie z.B einer Wärmepumpe, welche die Flüssigkeit weiter erwärmt und durch einen weiteren Wärmetauscher leitet, der über einen Ventilator mit Außenluft gekühlt wird.

Kleine Außengeräte (z.B. für private Anwendungen) sieht man gelegentlich in der Größe eines Reisekoffers an Hausfassaden oder Dächern. Bei größeren Anlagen (z.B. für einen Supermarkt) ist von außen oft nur ein Luftwärmetauscher zu sehen, der beispielsweise aussieht, wie ein großer Tisch und sich auf dem Dach befindet. (Auf Google-Maps kann man mit der Satelliten Ansicht einfach abschätzen, wie viele solche Wärmetauscher bereits in der eigenen Stadt vorhanden sind.) 

Die großen Nachteile dieser Klimaanlagen sind:

  • Die Wärme wird aus dem Gebäude hinaus transportiert und an die Umgebung abgegeben. 
  • Die Rückkühler am Dach brauchen viel Platz, welcher besser genutzt werden könnte: PV-Anlagen, Gründach, etc.
  • Die Rückkühler sind sehr laut und belästigen die Bewohner sowie die Nachbarn.

Nachhaltige Kühlungsmöglichkeiten

Eine andere Möglichkeit, als nur die Luft der Innenräume zu kühlen, ist, die Gebäudemasse zu nutzen und bestehende Flächenheizsysteme mit kühlem Wasser zu durchfluten. Zum Beispiel kann die bestehende Fußbodenheizung im Sommer mit kühlem Wasser durchflutet werden. Dies bringt den Vorteil von wenig zusätzlichem Installationsaufwand – es gibt nur ein Heiz/Kühl-System. Die Ängste, die kalte Luft würde sich dann nur am Boden sammeln, bestätigten sich in vielen praktischen Projekten nicht. Die Bewohner der mittels Fußbodenheizung temperierten Wohnungen sind großteils sehr zufrieden und glücklich über die Möglichkeit. Man kann auch eigene Kühldecken einziehen. Neueste Studien zeigen, dass auch die Heizung über die Decke kaum Nachteile bringt. Eine weitere Möglichkeit ist, die Heiz-/Kühlleitungen in den Betonkern (also in die Wände) zu legen. 

Die große Masse der Gebäudehülle ist sehr träge. Durch Flächenheiz-/Kühlsysteme kann man die Temperaturen nur sehr langsam beeinflussen. Dafür wirkt das Gebäude auch als Speicher. Die Ergebnisse dieser Wohnraumtemperierung darf der Nutzer nicht verwechseln mit bekannten Klimaanlagen – da kann ein Nutzer nur enttäuscht werden. Die Temperierung funktioniert viel langsamer und weit nicht so stark. Innenräume können um 2-5°C gekühlt werden, je nach Orientierung, Nutzung, Außenbeschattungs-Möglichkeiten, etc.

Die großen Vorteile sind:

  1. In Flächenkühlsystemen hat das kühlende Wasser ein höheres Temperaturniveau (ca. 20°) als es für Fancoils (6°) notwendig ist. Dadurch ist ein viel geringerer Stromeinsatz notwendig und die Wärmepumpe arbeitet in einem effektiveren Bereich.
  2. Der geringe Stromeinsatz führt zu einem doppelten nutzen – Kühlung & Wärme. Anstatt dass die Umgebung noch weiter aufgeheizt wird, kann die Wärme genutzt werden.
  3. Durch die effektive und doppelte Nutzung der Wärmepumpen wird um 30% weniger CO2 emittiert als in herkömmlichen Klimaanlagen.5

Besonders nachhaltig wird diese Temperierung, wenn man die Abwärme nicht nur im selben Gebäude, sondern in einem größeren Gebiet oder Quartier verteilen kann. Dies kann durch ein Nahwärmenetz oder die Fernwärme erfolgen.

Diese Technologien sind im Einfamilienwohnbau bereits lange bekannt und gang und gäbe. Wien Energie arbeitet nun daran, diese Konzepte auch gebietsübergreifend im mehrgeschoßigen Wohnbau anzuwenden. So werden sie vom Luxus-Produkt zu sozial verträglichem Standard-Komfort.

Aktuelle Beispielprojekte

Stefan Lendl erzählt, dass die Nachfrage nach nachhaltiger Wohnraumtemperierung stetig steigt. Aktuell umgesetzte Projekte sind zum Beispiel:

  • Kirschblütenpark/Arakawastraße, im 22. Bezirk. Wien Energie erarbeitet gemeinsam mit dem innovativen Bauträger AURIS Immo Solution ein Energiekonzept zum Wärmen und Kühlen. Hier wird die Abwärme direkt ins Fernwärmenetz eingespeist.6
  • Käthe-Dorsch-Gasse, im 14. Bezirk. Hier errichtet Wien Energie zusammen mit ARWAG ein Erdsondenfeld, welches im Sommer über die Abwärme der Fußboden-Temperierung regeneriert wird. Im Winter wird die Erdwärme zum Heizen genutzt.
  • Grasbergergasse: Die Abwärme aus der Temperierung wird einerseits für die Warmwasserbereitung genutzt. Die überschüssige Abwärme wird an die Umgebung mittels Luftwärmetauscher abgegeben.

Welche Normen und Gesetze sind notwendig, um den stetigen Ausbau von klassischen Klimaanlagen zu stoppen?

Herkömmliche Klimaanlagen bedeuten den Tod jedes öffentlichen Lebens in der Großstadt. Sie führen zu einer weiteren Erwärmung der Umgebung, Verursachen einen großen Lärmpegel und CO2 Emissionen.

°CELSIUS: „Eine Möglichkeit wäre; eine Gebühr auf thermische Emissionen zu erheben. So wie niemand auf die Idee käme seinen Haushaltsmüll einfach auf die Straße zu kippen – sollte es ähnlich undenkbar sein, seinen thermischen Abfall auf die Straße zu kippen.“

Titelbild: von Gerd Altmann auf Pixabay


1https://wua-wien.at/klimaschutz-klimawandelanpassung-und-resilienz/klimawandel

2https://alpengluehen.scientists4future.org/ 

3https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/hitze-laesst-unfall-haeufigkeit-deutlich-steigen-123393727

4https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2022/06/20220627UnfaelleHitzetage.pdf

5https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200712_OTS0008/cool-von-kopf-bis-fuss

6https://presse.alpha-z.at/news-immo-solutions-und-zima-wien-feiern-bauteil-fertigstellung-am-kirschbluetenpark?id=137314&menueid=19548&l=deutsch&tab=1



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Kraftwerk Kaunertal: Energiewende muss naturverträglich sein

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Österreichischer Biodiversitätsrat (ÖBDR) verlangt Rücksicht auf Artenschutz bei Energiewende

Wien (OTS) – Österreich hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den Strombedarf nur noch aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Dieses wichtige Ziel kann und muss unter Berücksichtigung weiterer Nachhaltigkeitsziele, insbesondere dem Schutz der Biodiversität, erreicht werden. Der Österreichische Biodiversitätsrat nimmt die aktuellen Ausbaupläne des Kraftwerks Kaunertal zum Anlass und fordert, das öffentliche Interesse am Naturschutz bei Projekten miteinzubeziehen.

Die Gewässer Österreichs weisen bereits einen sehr hohen Grad an Ausbau mit Wasserkraftwerken auf. Die Errichtung und der Betrieb von Wasserkraftwerken – und das ist die Kehrseite der Medaille – führten aber auch zu irreversiblen ökologischen Schäden. Nur noch 17 % aller Fließgewässer in Österreich werden als sogenannte „freie Fließstrecken“ (ohne Regulierung, Verbauungen und Querbauwerke) geführt. Fließgewässer haben überlebenswichtige Ökosystemfunktionen. Sie erhalten Nährstoffkreisläufe und werden vom Menschen als essenzielle Landschaftselemente zur Erholung, als Einkommensquelle im Tourismus, als Quelle von Trinkwasser oder Nahrung genutzt. 

Proteste gegen das TIWAG-Projekt „Ausbau Kraftwerk Kaunertal“

Optimierungen an bestehenden Wasserkraftanlagen sind nachvollziehbar. Das Projekt „Ausbau Kraftwerk Kaunertal“ der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) geht jedoch weit über eine Optimierung hinaus. Einwände und das in der wasserwirtschaftlichen Verordnung vorgegebene „Verschlech­terungs­verbot des jeweiligen Zustandes“ wurden in der Planung und Beurteilung des konkreten Projektes nicht berücksichtigt. Der Österreichische Biodiversitätsrat spricht sich hier strikt gegen die Vernichtung eines der zwei letzten unverbauten Gletscherbachsysteme aus. Im Platzertal würden durch den Bau des geplanten Staudamms großflächige Moore vernichtet werden, welche aufgrund ihrer regionalen und ökologischen Bedeutung nicht gleichwertig kompensiert werden können. 

Zielkonflikt „Öffentliches Interesse“

In der österreichischen Rechtsordnung werden die verantwortlichen Landesregierungen zu umfassendem Umweltschutz verpflichtet, Umweltschutz wird als öffentliches Interesse geführt. Der Österreichische Biodiversitätsrat unterstützt den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energie im Sinne der Energiewende, betont jedoch gleichzeitig das öffentliche Interesse am Schutz der Artenvielfalt und Ökosysteme. Für alle Projekte der Energiegewinnung schlägt der Österreichische Biodiversitätsrat die Einbeziehung von Biodiversitätsexpert_innen in Planung und Entwicklung vor.

Meldung in der Langversion: www.donau-uni.ac.at/oebdr-energiewende

Über den Österreichischen Biodiversitätsrat

Der Österreichische Biodiversitätsrat ist die unabhängige Stimme für Biodiversität in Österreich und übernimmt dabei die Vertretung des Netzwerks Biodiversität Österreich (300 teilnehmende Personen und Organisationen). Der Rat besteht aus 27 Forscher_innen und Expert_innen der Bereiche Biodiversität, Ökologie, Landschaftsplanung, Naturschutz, ökologische Ökonomik, Agrarökonomie und Politikwissenschaften. 

Rückfragen & Kontakt:

Univ. Prof. Dr. Gabriel Singer, Österreichischer Biodiversitätsrat 
, 0664 126 6747 

Univ.-Ass. Mag. Simon Vitecek, Ph.D., Österreichischer Biodiversitätsrat 
 , 0650 270 66 78 

DI Nina Weber, M.Sc, Österreichische Biodiversitätsrätin 
, 0650 924 6162 

Mag (FH) Yvona Asbäck, MBA, Koordinationsstelle Netzwerk Biodiversität und Österreichischer Biodiversitätsrat, Universität für Weiterbildung Krems (Donau-Universität Krems) 
, 02732 893-2327

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | DUK0001

Titelbild: Ckling41 via Widkimedia Commons, CC-BY



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Attac zu Strompreisbremse: Unsozial und klimaschädlich

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Während die AK die angekündigte Strompreisbremse begrüßt, kritisiert Attac den Vorschlag als unsozial, weil er Haushaltsgrößen nicht berücksichtige. Die kolportierten 2.900 kWh seien deutlich mehr, als kleine Haushalte verbrauchen. Haushalte mit fünf Personen und mehr haben hingegen doppelt so hohe Elektrizitäts-Ausgaben wie Ein-Personen-Haushalte. Unökologisch sei der Vorschlag, weil er keine progressiven Tarife für verschwenderischen Luxusverbrauch beinhalte und für kleine Haushalten keine Anreize, Energie zu sparen. Das Attac-Modell, der „Energie-Grundanspruch“, stelle den Grundbedarf an Energie für alle sicher und verringere verschwenderischen Luxusverbrauch. Mit dem Modell wird der Preis bis zu 50 Prozent des Normverbrauchs durch Zuschüsse gestützt. Darüber hinaus wird der Verbrauch mit progressiven Tarifstufen verrechnet. Mit den progressiven Tarifen im Attac-Modell werden die Ausgaben des Energie-Grundanspruchs zum Teil refinanziert. Zusätzlich fordert auch Attac ebenso wie die AK eine Besteuerung der exzessiven Gewinne der Energiekonzerne.
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20220905_OTS0058/attac-zu-strompreisbremse-unsozial-und-klimaschaedlich



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Dekarbonisierung: Bildungscampus Seestadt Aspern ist energietechnisch weitgehend autark

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Foto: Alexander Migl via Wikimedia, CC BY-SA

Erste Erfahrungswerte nach einem Jahr Betrieb des Bildungscampus Seestadt bestätigen die Prognosen der Gebäudetechnik: Der Bildungscampus mit über 11.000 Quadratmeter Nutzfläche ist energietechnisch weitgehend autark. Erdwärme, Wärmepumpen und die Photovoltaikanlage auf den Dach decken den Energiebedarf vollständig. Auch an einem heißen Tag im August hat es im Gebäude eine Raumtemperatur von 22 Grad. Alle Decken sind bauteilaktiviert: In den Beton sind Rohre eingegossen, die je nach Bedarf Heiz- oder Kühlwasser führen. Weit vorgebaute Terassen sorgen für ausreichende Beschattung der großen Glasflächen. Die Stadt Wien setzt bei allen geplanten Bildungscampussen nur noch auf das Energiekonzept mit Bauteilaktivierung anstelle von Klimaanlagen.
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20220811_OTS0043/dekarbonisierung-der-bildungscampus-der-zukunft-bild



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US „Inflation Reduction Act“ bringt Milliarden USD für grüne Industrie und Emissionsreduktion um ca. 42 % bis 2030
von Martin Auer

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Nach langem Tauziehen hat der „Inflation Reduction Act“ der Biden-Administration am 7. August 2022 den US-Senat passiert. Entgegengestellt hatte sich dem Plan vor allem der demokratische Senator Joe Manchin, Gründer des Unternehmens Enersystems, Inc., das im Bereich Kohlebergbau und Kohleverstromung tätig ist. Da die Demokraten auf seine Stimme unbedingt angewiesen waren, konnte er eine Reihe von Verwässerungen durchsetzen. Vor allem konnte er erreichen, dass neue Bohrrechte für Öl und Gas auf der Bundesregierung unterstehenden Gebieten im Golf von Mexiko und in Alaska vergeben werden1.

Dieses Gesetz soll einerseits neue Steuereinnahmen in Höhe von 739 Mrd. USD bringen, andererseits Ausgaben in Höhe von 370 Mrd. USD für die Bekämpfung des Klimawandels und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit bewilligen. Der Rest soll der Verringerung des Budgetdefizits dienen. Eine vorläufige Analyse durch das REPEAT-Projekt (Rapid Energy Policy Evaluation and Analysis Toolkit) der Princeton-Universität2 gibt eine positive Einschätzung der Klimawirkungen, auch wenn das Gesetz hinter den Erfordernissen des Netto-Null-Plans der Biden-Administration noch weit zurückbleibt.

Laut Hauptautor Jesse Jenkins von der Princeton University würde das Gesetz die Senkung der US-Emissionen bis 2030 um ca. 42 Prozent im Vergleich zu 2005 bringen und so bis zwei Drittel der Arbeit erledigen, die zur Erreichung des Netto-Null-Zieles bis 2050 notwendig ist. Indem es die Kosten für saubere Energie weiter senken würde, würde es Bundesstaaten und Städten leichter machen, eigene Klimamaßnahmen zu setzen und so zur Schließung der Emissionslücke beizutragen3.

Der Inflation Reduction Act würde laut der Studie im Vergleich zum gegenwärtigen Pfad die jährlichen Emissionen der USA bis 2030 um eine Milliarde Tonnen reduzieren. Dadurch würde er zwei Drittel der Emissionslücke zwischen der gegenwärtigen Politik und dem Ziel der Halbierung der Emissionen bis 2030 schließen. Die USA wären damit immer noch eine halbe Milliarde Tonnen CO2e von ihrem Klimaziel entfernt, der Halbierung der Emissionen bis 2030 (im Vergleich zu 2005).

Die Reduktion der Emissionen soll vor allem durch beschleunigten Ausbau sauberer Elektrizität und die Förderung der Elektromobilität geschehen. Dadurch sollen jeweils 360 Millionen und 280 Millionen Tonnen CO2e eingespart werden. Das Gesetz bietet auch steuerliche Anreize für Investitionen in Energieeffizienz und CO2-Sequestriereung in der Industrie, was weitere 130 Millionen Tonnen einsparen soll. Laut Jenkins soll dadurch in den Industrien mit den höchsten Emissionen wie Stahl- und Zementproduktion und Raffinerien das Einfangen und Speichern des bei den Prozessen entstehenden CO2 praktikabel werden.

Steuernachlässe, Steuergutschriften und Subventionen sollen die Elektrifizierung und Energieeffizienz von Gebäuden fördern. Die Reduktion von Methanemissionen im Öl- und Gassektor soll durch eine Methangebühr aber auch durch Subventionen erreicht werden. Schutzmaßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft und Maßnahmen zur natürlichen Kohlenstoffspeicherung werden ebenfalls gefördert.

Durch das Gesetz sollen die Energiekosten in den USA bis 2030 um 4% sinken. Elektrische und Null-Emissions-Fahrzeuge sowie Wärmepumpen und Investitionen in Energieeffizienz sollen sowohl für Unternehmen wie für Haushalte billiger werden. Verringerter Verbrauch von Ölprodukten und Erdgas sollen die Rohölpreise um 5% und die Erdgaspreise um 10 bis 20% senken. Das Wachstum der Kapazität von Windanlagen könnte sich verdoppeln und das von Solaranlagen verfünffachen.

Die Studie veranschlagt, dass der Inflation Reduction Act im nächsten Jahrzehnt Investitionen im Wert von 3.500 Mrd USD in neue Energieinfrastruktur anstoßen wird, vor allem in Windkraft- und Solaranlagen, aber auch in die Produktion von Wasserstoff und in die Bereitstellung von Komponenten für saubere Energie wie Batterien oder die Gewinnung und Verarbeitung kritische Minerale.

Ein Paket von 60 Mrd. USD soll Klimagerechtigkeit fördern. Dazu gehören Programme zur Reduktion der Luftverschmutzung in einkommensschwachen Gebieten, Ersetzung von schmutzigen Schwerfahrzeugen wie Müllabfuhr oder Stadtbussen durch Null-Emissions-Fahrzeuge und die Verbesserung der Raumluft in Schulen in einkommensschwachen Gebieten. Ein Fonds von 27 Mrd USD soll benachteiligten Communities Zugang zu sauberer Energie bringen.

Der Report macht keine Erwähnung von möglichen Rebound-Effekten, also durch verbilligte saubere Energie verursachten höheren Verbrauch an Energie und Rohstoffen.

In der Einleitung wird betont, dass alle Ergebnisse vorläufige Schätzungen sind und durch weitere Studien aktualisiert werden können.

Gesichtet: Markus Palzer-Khomenko
Titelfoto: Bosox4duke via Wikipedia, CC BY-SA


1 https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-07-28/manchin-deal-mandates-oil-and-gas-lease-sales-in-gulf-and-alaska

2 Jenkins, J.D., Mayfield, E.N., Farbes, J., Jones, R., Patankar, N., Xu, Q., Schivley, G., “Preliminary Report: The Climate and Energy Impacts of the Inflation Reduction Act of 2022 ,” REPEAT Project, Princeton, NJ, August 2022. Online: https://repeatproject.org/docs/REPEAT_IRA_Prelminary_Report_2022-08-04.pdf

3 https://governorswindenergycoalition.org/how-the-new-climate-bill-would-reduce-emissions/



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Dürre: Alarmstufe für 15 Prozent des EU-Gebiets

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Die Europäische Dürrebeobbachtungsstelle meldet für das letzte Julidrittel für 45 Prozent des EU-Gebiets Warnstufe, das heißt ein Defizit an Bodenfeuchtigkeit, und für 15 Prozent des EU-Gebiets Alarmstufe, das bedeutet Vegetationsstress auf Grund von Mangel an Bodenfeuchtigkeit und dadurch verursachtes Vegetationsdefizit. Ursache sind geringe Niedrschläge und frühe Hitzewellen im Mai und Juni. Da Flüsse zu wenig Wasser führen, sindsowohl Wasserkraftwerke als auch die Kühlsysteme andere Kraftwerke beeinträchtigt. Ebenso beeinträchtigt sind die bisherigen und die zu erwaartenden Ernteerträge.
Die Europäische Dürrebeobachtungsstelle (European Drought Observatory – EDO) ist ein Dienst der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission.
https://edo.jrc.ec.europa.eu/edov2/php/index.php?id=1000



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Passivhaus: Vom wissenschaftlichen Experiment zum simplen Standard
von Ines Clarissa Schuster

Passivhaus Beispiele
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Die Anfänge des Passivhauses

Wolfgang Feist wollte es wirklich wissen. Den Physiker, der heute an der Universität Innsbruck lehrt, hat es persönlich interessiert: Wie weit kann man den Energieverbrauch von Gebäuden maximal minimieren? Mit wie wenig kann ein Gebäude im allerbesten Fall auskommen? Zunächst überlegte er in der Theorie und ermittelte mit Computer-Simulationen, was an Einsparungspotentialen vorhanden war. Das Ergebnis war verblüffend. Seine eigenen Erwartungen wurden übertroffen. Wenn gut gebaut wird, dann kann man den Energieverbrauch um 90% reduzieren. Wesentlich sind dafür: eine gut gedämmte und luftdichte Gebäudehülle, gut isolierende luftdichte Fenster, die Vermeidung von Wärmebrücken und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Wolfgang Feist nannte das Konzept „Passivhaus“.

Mit freundlicher Genehmigung von Rainer Pfluger

Aber war die Idee auch in der Realität umsetzbar? Die allererste Umsetzung des Passivhaus-Prinzips war ein finanzielles Wagnis. Für dieses Experiment nahm er sich ein kleines Reihenhaus vor. Eine Förderung des Landes Hessen unterstützte das Projekt.

Passivhaus für mehrgeschoßigen Hochbau

Es macht Sinn, eine neue Idee zuerst im Kleinen auszuprobieren, und nicht gleich ein mehrgeschoßiges Wohngebäude zu errichten. Allerdings erhöhte sich dadurch der Schwierigkeitsgrad. Ein Einfamilienhaus hat im Vergleich zu seinem Volumen „V“ (=Gebäudeinhalt) viel mehr Oberfläche „A“ nach außen. Dieses schlechte A/V Verhältnis bewirkt, dass über die große Oberfläche mehr Energie verloren geht. Um den gleichen Heizwärmebedarf zu erzielen, muss viel Stärker auf die Details geachtet werden: Die optimale Ausrichtung muss sehr gut durchdacht sein, es muss stärker gedämmt werden etc.

Das Wagnis des ersten Passivhauses war dann tatsächlich erfolgreicher als zuvor angenommen: Rainer Pfluger, Feists Kollege an der Uni Innsbruck: „Es wurde sehr gut gemacht, sogar extrem gut, sodass dieses Projekt als Nullheizenergiehaus klassifiziert wurde.“ Der Energiebedarf des Forschungsobjektes wurde detailliert über mehrere Jahrzehnte nachgemessen und hat die vorherigen Simulationsergebnisse bestätigt.

1996 gründete Wolfgang Feist das Passivhaus Institut in Darmstadt, das er bis heute leitet.

Trotzdem ist die Umsetzung des Passivhaus-Konzepts in größeren Objekten einfacher. Rainer Pfluger begann selbst 2002 in Kassel-Marbachshöhe mit dem ersten Passivhaus im großen Maßstab (2 Gebäudeblöcke mit insgesamt 40 Wohneinheiten). Es handelte sich um einen sozialen Wohnungsbau. Das bedeutet, es gab eine strenge Kostenobergrenze, welche nicht überschritten werden durfte. „Wir konnten zeigen, dass man mit einfachen Mitteln ökonomisch gut auskommt.“

Das erste mehrgeschossige Passivhaus Deutschlands
Copyright: ASP_Architekten

Wenn man so günstig ein Passivhaus errichten kann – wieso baut man noch anders?

Kürzlich wurde in einem Passivhaus-Wohnbau in Tirol ein besonders guter Mietpreis von nur 5 EUR/m² erzielt. „Es zeigt, besonders effizientes Bauen führt nicht zwingend zu Mehrkosten.“

Das Bauen ist generell teurer geworden. Aber wo liegen die Hauptkostentreiber? Diese liegen oft in neuen Anforderungen bezüglich Brandschutzes oder Barrierefreiheit. Natürlich gibt es auch Mehrkosten durch den Passivhausstandard: Bessere Dämmung, bessere Fenster usw. sind teurer. Die Analysen zeigen allerdings: Die Mehrkosten halten sich im Rahmen. In diversen Forschungsprojekten wurde genau untersucht, welche Mehrkosten allein durch die Energieverbrauchs-Optimierung des Gebäudes entstehen. Das Ergebnis lautet: 5-7%. „Dies ist so gering. Man wundert sich, warum es nicht verpflichtend ist, im Passivhausstandard zu bauen.“

Mit freundlicher Genehmigung von Rainer Pfluger

Wenn man die Kostenstruktur von Bau-Projekten genau ansieht, ist die Schwankungsbreite allein schon 5%. Wenn man sauber plant und am Anfang mehr Denkarbeit investiert, entstehen kaum Mehrkosten. Ein gutes, luftdicht geplantes Haus braucht kaum mehr Material als ein schlecht geplantes. Wichtig ist, dass die Anschlüsse dort geplant sind, wo sie hingehören und sauber aufeinander abgestimmt sind. Es ist wichtig, dass der Plan sauber, transparent und eindeutig ist. Dann passieren den Handwerkern weniger Fehler und die Gebäudeinfrastruktur hält Jahrzehnte.

Passivhaus-Standard fehlt im Erneuerbare-Wärme-Gesetz

Die Bundesregierung legte einen Entwurf zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) vor. Das Ziel des EWG ist, den Einsatz fossiler Brennstoffe für privaten Wärmebedarf bis spätestens 2040 komplett zu stoppen. Es werden viele Maßnahmen vorgeschlagen. Definitiv fehlt aber die Vorschrift, dass im Neubau im Passivhausstandard gebaut werden muss. Keine andere Maßnahme hat so einen großen Effekt.

Es scheint, dass das Geschäft mit dem Gas immer noch zu lukrativ ist. Es bleibt beinahe nur zu hoffen, dass die Energiekosten weiter so rasant steigen und es dadurch noch wirtschaftlicher wird, im Passivhausstandard zu errichten.

Das „Investor-Nutzer Dilemma“

Nun gibt es das „Investor-Nutzer Dilemma“: Wenn der Bauherr die Investitionen tätigt, um energieeffizienter zu bauen hat nicht er selbst, sondern der Mieter den finanziellen Vorteil, da dessen Energiekosten geringer werden. Aus diesem Grund ist der Bauherr eher motiviert, sich die Investitionen zu sparen. Eine Variante, um von den Mehrkosten selbst zu profitieren, ist die „Warmmiete“. Also die Energiekosten in den allgemeinen Miet- und Betriebskosten pauschal zu integrieren. In Deutschland wird bereits von einigen Wohnbaugesellschaften „warm“ vermietet. Im Passivhaus macht die Vermietung „warm“ besonders viel Sinn, da der Verbrauch sehr gering ist: Rainer Pfluger: „Wenn man bei 100 EUR Heizkosten pro Jahr liegt, ist die Abrechnung absurd. Man muss in jeder Wohnung eigene Zähler einzubauen. Diese müssen alle 5 Jahre erneuert werden und geeicht werden. Die Zähler-Daten müssen abgelesen oder übertragen werden. Die Abrechnung ist ein bürokratischer Aufwand. Rein ökonomisch und volkswirtschaftlich kann man die individuelle Abrechnung in Passivhäusern nicht rechtfertigen.“

Die Wohnungsbaugesellschaften haben es rechtlich nicht leicht, ihre Mehrinvestitionen geltend zu machen. Leichter fällt es, wenn sie sich die Kosten über die Warmmiete wieder hereinholen. Der Investor sorgt selbst für minimale Heizkosten und spart so direkt. Das „Investor-Nutzer Dilemma“ ist umgangen.

Kritik von Wiener Wohnen

Im Gespräch mit °CELSIUS berichtete ein Mitarbeiter von Wiener Wohnen von negativen Erfahrungen. In einem als Passivhaus ausgeführten Gemeindebau sei der tatsächliche Verbrauch der Mieter um ein Vielfaches höher als ursprünglich berechnet. Viele Mieter in diesem konkreten Gebäude sind Raucher. Sie haben die Fenster oft geöffnet und verursachen damit große Energieverluste.

Rainer Pfluger würde hier die Verantwortung nicht generell den Bewohnern in die Schuhe schieben,. Höherer Verbrauch kann ja auch an der Planung oder Ausführung begründet liegen. Auf jeden Fall sind solche Beschwerden: „Jammern auf hohem Niveau: Selbst, wenn der gemessene Verbrauch doppelt so hoch ist wie der ursprünglich angenommene, ist dieser immer noch ein Bruchteil.“ Prinzipiell gibt es in Wohnhäusern immer eine gewisse Verbrauchs-Streuung. Manche Bewohner brauchen etwas mehr, andere brauchen etwas weniger. Der Planungswert von 15 kWh pro Jahr und Quadratmeter ist ein Mittelwert über mehrere Wohneinheiten.

Das Problem liegt oft daran, dass die Dimensionierung der Heizung so ausgelegt wird, dass die Innenräume auch dann warmgehalten werden können, wenn die Fenster immer offenstehen. Das muss nicht so sein. Eine knappere Dimensionierung führt automatisch dazu, dass das Fenster wieder zugemacht wird, wenn es kühler wird.

Titelfotos: Herbert Krabal und ASP_Architects
Gesichtet: Martin Auer



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Öl- und Gasindustrie: Seit 50 Jahren täglich 2,8 Mrd. USD Reingewinn

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Die Öl- und Gasindustrie hat in den letzten 50 Jahren täglich 2,8 Milliarden Dollar Reingewinn gemacht. Das geht aus einer Analyse von Weltbank-Daten durch Prof. Aviel Verbruggen, Universität Antwerpen hervor. Laut Verbruggen, Mitautor des IPCC-Berichts über erneuerbare Energiequellen von 2011, haben die Ölkonzerne und Ölstaaten damit ein Prozent des globalen Vermögens an sich gebracht. Mark Campanale von der unabhängigen Denkfabrik Carbon Tracker, die die Studie bestätigte, wie darauf hin, dass die Öl-, Gas- und Kohlereserven, die im Boden bleiben müssen, um das 1,5°C-Ziel noch zu erreichen, für die internationalen Ölkonzerne einen entgangenen Gewinn von 100 Billionen USD und einen entsprechenden Machtverlust bedeuten würden.
https://www.theguardian.com/environment/2022/jul/21/revealed-oil-sectors-staggering-profits-last-50-years



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Japan wird keine neuen Kohlekraftwerke in Bangladesh und Indonesien finanzieren

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Asiens zweitgrößte Volkswirtschaft wird keine staatlich verbürgten Yen-Kredite für diese Projekte geben. Fast alle Kohlekraftwerke, die in den letzten zehn Jahren in Süd- und Südostasien gebaut wurden, wurden hauptsächlich mit Kapital aus Japan, Korea und China finanziert. Die Regierung von Bangladesh hat 2021 Pläne für den Bau von 10 neuen Kohlekraftwerken aufgegeben.
https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-06-23/japan-to-end-financing-to-key-coal-projects-under-climate-pledge



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Erneuerbare-Wärme-Gesetz: Konkreter Plan zum Ausstieg aus fossilem Gas bis 2040 fehlt
von Martin Auer

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Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG), das die Bundesregierung nun in Begutachtung geschickt hat, bildet einen wichtigen Baustein für die Verpflichtungen Österreichs, die in Paris beschlossenen Klimaschutz-Ziele zu erreichen. Scientists for Future haben daher den Gesetzestext sorgfältig geprüft und ihre Einschätzung bei einer Pressekonferenz am 12. 7. dargelegt.

Der vorgelegte Entwurf enthält viele Lichtblicke und stimmt zuversichtlich, dass sich im Bereich der Raumwärme bald deutlich mehr bewegen könnte. Einige Punkte müssen dennoch kritisch beleuchtet werden. Das betrifft insbesondere die Regelungen für Gas-Heizungen. Hier fehlt vor allem ein detaillierter Pfad, wie der angestrebten Ausstieg aus fossilem Gas bis 2040 zu erreichen ist. Und mit dem Verweis auf erneuerbares Gas wird eine trügerische Hintertür geboten, die uns in ein Lock-in-Szenario führen könnte.

Dazu die Juristin Leonore Theuer: Aus klimarechtlicher Sicht ist der Entwurf zum EWG zu begrüßen, jedoch handelt es sich zum Teil um eine lex imperfecta, also ein unvollständiges Gesetz, weil Strafbestimmungen derzeit fehlen. Zudem ist der Gasausstieg bis 2040 weitgehend nicht geregelt. Denn das EWG sieht nur vor, dass die Bundesregierung dem Nationalrat „rechtzeitig“ eine Regierungsvorlage vorlegen soll, um die stufenweise Stilllegung von Anlagen bis 2040 zu erreichen, die mit gasförmigen fossilen Brennstoffen betrieben werden. Das legt die Befürchtung nahe, dass eine Regelung des Ausstiegs aus Erdgas verschleppt werden könnte. Das in den Erläuterungen zum Entwurf erwähnte Fördervolumen erscheint nach einer britischen Studie als deutlich zu gering. Weiter kritisiert Theuer, dass der Entwurf nicht berücksichtigt, dass Gas auch zum Kochen verwendet wird.

Weshalb Synthetische Brennstoffe (auch E-Fuels) in der Raumwärme keine sinnvolle Option sind, zeigt der Physiker René Sedmik eindrucksvoll: Synthetische Brennstoffe bieten einen Weg der Dekarbonisierung in Einsatzgebieten, in denen eine Elektrifizierung schwierig oder zu teuer wäre, wie Schwerlastmaschinen oder Flugverkehr. Durch die schlechte Energieeffizienz sowie hohe Kosten bei der Herstellung und die geringen Mengen, welche sich bis 2040 realistisch produzieren lassen, müssen synthetische Treibstoffe aber auf diese Einsatzgebiete beschränkt werden und sind keinesfalls eine Option für die Wärmegewinnung oder den Straßenverkehr.

Fabian Schipfer von der Energy Economics Group der TU Wien: Energieffizienz und eine deutliche Reduktion unserer Ressourcenintensität müssen an allererster Stelle stehen. Energie aus Biomasse kann sinnvoll genutzt werden, wenn wir zum Beispiel Biogas effektiv einsetzen und gleichzeitig freie Methanemissionen vermeiden. Doch müssen wir gerade auch beim Einsatz von Bioenergie auf Nachhaltigkeit achten, das heißt, Wald, Felder und Gewässer klug in unsere Aktivitäten einbinden. Unser heutiges Maß an Ressourcenverschwendung ist mit einer klugen Biostrategie nicht vereinbar.

Der Physiker Alois Mair, Gründungsmitglied der Energiegenossenschaft Starkenburg in Hessen betont, dass Wärmepumpen eine Energieeffizienz von 200 bis 500 Prozent haben, aber richtig genutzt werden müssen. Er kritisiert, dass stromfressende Kühlgeräte im Supermarkt als Massenprodukt zu haben sind, aber Wärmepumpen genehmigungspflichtig sind. Innovative Systeme können nur entwickelt werden, wenn das Gesetz mit verlässlichen Zielvorgaben der Industrie Planungssicherheit bietet. Diese Planungssicherheit kann ein EWG ermöglichen. So profitiert auch die Wirtschaft von Innovationen. Österreich kann nach Ansicht von Mair mit einem ausgereiften EWG als Innovationsbeschleuniger zu einem Silicon-Valley der Wärmewende werden.


Gesichtet: Markus Palzer-Khomenko
Titelfoto: Jeremy Bezanger via Unsplash



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