Neues Factsheet:
Klimafreundliche Matura- und Sprachreisen

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Maturareisen und Sprachreisen werden oft schon zu Anfang des Schuljahrs geplant. Deshalb haben S4F dieses Factsheet zu klimafreundlichem Reisen ausgearbeitet. Es soll Schüler*innen und Eltern dabei unterstützen, das Thema „klimafreundliches Reisen“ in der Klasse, in der Schüler*innenvertretung oder im Elternverein auf den Tisch zu bringen. Also einfach herunterladen – ausdrucken oder per Email weiterschicken – und übers Klima reden!

Die Maturareise ist an vielen Schulen Österreichs eine schöne Tradition. Nach dem Stress der Prüfungen macht man gemeinsam Urlaub, um den Abschluss zu feiern und die Schulzeit mit einem gemeinsamen Erlebnis zu beenden.
Eine solche Maturareise wird oft schon lange vor der Matura geplant und dabei sind angehende Maturanten und MaturantInnen mit Fragen konfrontiert wie: „Wohin soll‘s gehen?“, „Wie kommen wir hin?“ und: „Wo werden wir wohnen?“.
Die folgenden Fakten mit einem Fokus auf umweltfreundlichen Tourismus sollen bei der Planung dieser Reise unterstützen. 

Anreise

Treibhausgasemissionen Beispiele:

Wien-Dubrovnik (Kroatien) hin und zurück:
Flugzeug: ca. 290 kg pro Person
Bus: ca. 54 kg pro Person

Wien-London hin und zurück:
Flugzeug: ca. 500 kg pro Person
Bahn: ca. 104 kg pro Person

Unterkunft

Je mehr Service Hotels bieten (z.B. Wellness), desto mehr Energie wird vom Hotel verbraucht. Auch je heißer der Ort des Urlaubs ist, desto mehr Energie wird im Hotel zur Kühlung verbraucht.
Verpflegung
Bei Buffet-Angebote in Restaurants und Hotels fällt viel Abfall an. Die Wahl von vegetarischen und veganen Speisen erlaubt hohe Emissionsreduktion.

Tipps zur Planung

Je näher das Reiseziel, um so weniger Emissionen fallen an, das ist klar. Und mit Bus oder Bahn ist man bald da.
Eine Sprachreise allerdings führt notgedrungen ins Ausland. Doch auch entferntere Ziele kann man mit der Bahn schnell erreichen: Die schnellste Zugverbindung von Wien nach Paris etwa beträgt nur 10 Stunden und 17 Minuten2. Die schnellste Zugverbindung von Wien nach London beträgt 14 Stunden und 4 Minuten2.
Unterkünfte wie private Appartements erlauben persönliche Flexibilität in der Versorgung, führen dadurch auch zu einer Reduktion von Restaurantbesuchen und erlauben es die gängigen Frühstückbuffets in Hotels zu meiden.
Unterkünfte mit Zertifikaten wie z.B. Green Globe (https://www.greenglobe.com/), EarthCheck (https://earthcheck.org/) versichern ressourcenschonende und umweltfreundliche Versorgung.
Klimaschonend ist auch eine Verpflegung mit vegetarischen und regionalen Produkten.


Wichtig sind …
… sicheres Reisen und Feiern.
… gemeinsam als Klasse den Abschluss zu feiern. 
… Zusammenhalt, denn Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen!  

Details

Anreise

Die Wahl des Verkehrsmittels für die Anreise zu einem gewählten Reiseziel bestimmt maßgebend die Treibhausgasemissionsbilanz über den gesamten Urlaub: Flugzeugreisen verursach die meisten Treibhausgasemissionen. Rund das 5-fache weniger wird bei einer Fahrt mit einem PkW über die selbige Distanz emittiert und am wenigsten bei der An- und Rückreise durch Bus oder Bahn. 

Unterkunft

Hotels gehören in vielen Ländern zu den energieintensivsten Gebäuden im Gebäudesektor. Je mehr Serviceleistungen ein Hotel zu bieten hat, z.B. im Bereich Wellness, desto höher ist der Energieverbrauch. Eine Studie in Österreich hat gezeigt, dass der Strombedarf bei 5-Sterne-Betrieben am höchsten ist. Ein weiterer entscheidender Faktor im Energieverbrauch ist auch die Klimatisierung. Nachgewiesenermaßen braucht ist der Stromverbrauch von Hotels in heißeren Urlaubsorten höher. 

Verpflegung

Mit dem Reisen geht auch die Nutzung von Gastronomieangeboten einher. Die Bereitstellung der Gerichte selbst ist mit vielen Umweltschäden und Klimaeinflüssen wie dem Einsatz von Pestiziden, Einsatz genetisch modifizierten Organismen,  Verwendung großer Wassermengen, Lebensmittel- und Verpackungsabfällen sowie mit Emissionen von Treibhausgasen durch großen Energieverbrauch und Transport verbunden. In der Produktionskette von Lebensmitteln fällt sehr viel Abfall an. In der Gastronomie kommt es bei Buffets wegen des übergroßen Angebots zu weiterer Verschwendunjg. Pro Jahr werden innerhalb der EU 11 Mio. Tonnen Lebensmittel nur in der Gastronomie verschwendet. 26% der globalen Treibhausgasemissionen sind auf den Gastronomiesektor zurückzuführen, 61% der damit verbunden Produktionskette auf die Landwirtschaft.  Als Einzelne*r kann man Emissionen reduzieren: durch Konsum vegetarischer und veganer Speisen, was vor allem zu weniger Oberflächen- und Wasserverbrauch und produktionsverursachten Treibhausgasen führt; durch den Konsum regional hergestellter Lebensmittel, die weitaus weniger transportbezogene Emissionen verursachen; und durch den Konsum biologischer Lebensmittel.

Weitere Informationen und Details

können im Buch Tourismus und Klimawandel von Pröbstl-Haider, U., Lund-Durlacher, D., Olefs, M., & Prettenthaler, F. (2021) Springer Nature nachgelesen werden.

Podcast „Future on Air“ der FFF zum Thema

Titelbild: Lewis Smith, Flickr

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Wissenschaftler*innen zerpflücken das Lobautunnel-Projekt
Stellungnahme der Scientists for Future Wien, NÖ und Burgenland

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Zwölf Wissenschaftler*innen der Scientists for Future haben das Lobautunnelprojekt genau unter die Lupe genommen. Sie kommen zu dem Ergebnis: Das Projekt ist nicht mit den Klimazielen Österreichs vereinbar. Es würde mehr Verkehr hervorrufen anstatt Straßen zu entlasten, es würde klimaschädliche Emissionen vermehren, Landwirtschaft und Wasserversorgung gefährden und das ökologische Gleichgewicht des Nationalparks Lobau bedrohen.

Das Gesamtprojekt Lobau-Autobahn, Stadtstraße und S1-Spange ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht mit den Klimazielen Österreichs vereinbar. 12 Wissenschaftler*innen der Scientists for Future (S4F) Österreich haben die kritischen Argumente, die öffentlich diskutiert werden, geprüft und unterstützen die zivilgesellschaftliche Kritik in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2021. Die Expert*innen aus den Bereichen Verkehr, Stadtplanung, Hydrologie, Geologie, Ökologie sowie Energie kommen zu dem Schluss, dass das Lobau-Bauprojekt ökologisch nicht tragbar ist und es weitaus bessere Alternativen gibt, um den Verkehr zu beruhigen und Emissionen zu reduzieren.

Die unabhängigen Wissenschaftler*innen von S4F berufen sich auf den aktuellen Stand der Forschung, belegen in ihrer Stellungnahme die Kritikpunkte am Projekt Lobautunnel und zeigen Alternativen auf. Das Projekt würde – da ein zusätzliches Angebot zusätzlichen Verkehr induziert – zu mehr Autoverkehr führen, anstatt Straßen zu entlasten, und dadurch auch zu einer Zunahme klimaschädlicher CO2-Emissionen führen. Das Gebiet, das bebaut werden soll, steht unter Naturschutz. Durch den Bau des Lobautunnels und der Stadtstraße könnte der Grundwasserspiegel dieses Gebiets absinken. Dies würde nicht nur den Lebensraum geschützter Tierarten dort zerstören, sondern könnte auch das gesamte Ökosystem destabilisieren. Eine solche Beeinträchtigung würde sich auf die Wasserversorgung der umliegenden Landwirtschaft und der Wiener Bevölkerung nachteilig auswirken.

Hinsichtlich des erklärten Ziels Österreichs einer „Klimaneutralität 2040“ sollte ein anderer Weg eingeschlagen werden. Um Emissionen und den Autoverkehr insgesamt zu reduzieren, können bereits jetzt zukunftsfähige Maßnahmen ergriffen werden. Mit einem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und einer Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung können einerseits Emissionen eingespart werden und andererseits kann der Verkehr effektiver reduziert werden – auch auf anderen vielbefahrenen Straßen und ganz ohne Lobau-Autobahn. Da die Emissionen aus dem Verkehrssektor in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, ist ein weiterer Bau von Straßen nicht angemessen. Von 1990 bis 2019 ist der Anteil an den Gesamt-Treibhausgas-Emissionen Österreichs von 18% auf 30% angestiegen. In Wien beträgt dieser Anteil sogar 42%. Um ein klimaneutrales Österreich bis 2040 zu erreichen, braucht es wirkliche Alternativen zum Individualverkehr. Rein technologische Maßnahmen, wie der Umstieg auf E-Autos bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen, reichen nicht aus.

Bei der Prüfung der Fakten und Ausarbeitung der Stellungnahme wirkten mit: Barbara Laa (TU Wien), Ulrich Leth (TU Wien), Martin Kralik (Universität Wien), Fabian Schipfer (TU Wien), Manuela Winkler (BOKU Wien), Mariette Vreugdenhil (TU Wien), Martin Hasenhündl (TU Wien), Maximilian Jäger, Johannes Müller, Josef Lueger (InGEO Institut für Ingenieurgeologie), Markus Palzer-Khomenko, Nicolas Roux (BOKU Wien).

Titelfoto: Ivan Radic

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Verbaute Zukunft? – Positionspapier zum Bodenverbrauch Kärntens

Bodenverbrauch in Kärnten, Blick auf Villach
FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Kärnten hat einen enormen Bodenverbrauch – nämlich den mit Abstand größten Pro-Kopf-Bodenverbrauch in Österreich. Er ist doppelt so groß wie der österreichische Durchschnitt und Kärnten alleine verbraucht mehr an Böden als nach Zielwerten in ganz Österreich verbraucht werden dürfte. Doch warum ist das ein Problem? 

Die S4F Regionalgruppe Kärnten hat sich kürzlich näher mit dem Thema beschäftigt und ein Positionspapier entwickelt. Die Autorinnen gehen hier auf den aktuellen Stand des Bodenverbrauchs in Kärnten ein, erklären Probleme und weisen auf einen Handlungsbedarf und Lösungsansätze hin. Das komplette Positionspapier mit Hintergründen, Zahlen und weiteren Infos gibt es hier zum Download:

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Warum ist der hohe Bodenverbrauch in Kärnten ein Problem?

Boden ist knapp und bildet eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen: Er liefert Nahrung, bildet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, schützt vor Naturgefahren wie Hochwasser, wirkt kühlend auf die Umgebung und speichert CO2. Diese Funktionen gehen uns verloren, wenn der Boden verbaut wird. Er ist kaum wiederherstellbar, sobald er einmal schwer beeinträchtigt wurde. Doch gerade hinsichtlich der fortschreitenden Klimakrise brauchen wir diese Funktionen.

Das macht die Zahlen umso alarmierender: In den letzten zehn Jahren sind täglich durchschnittlich 2,2 Hektar verbaut worden, also mehr als 2 Fußballfelder. Laut Überschlagsrechnung wären bei gleichbleibendem Verbauungstempo in spätestens 170 Jahren alle Anbauflächen in Kärnten zugebaut.

Die Wurzeln des Problems sind an mehreren Stellen zu finden: In Kärnten gibt es z. B. kein Bodenschutzgesetz und keine spezifische Ansprechstelle für solche Belange. Grund dafür sind Einzelinteressen von Gemeinden, Nutzungskonflikte, ein starkes Eigentumsrecht, Böden als beliebte Anlageform (Betongold) und fehlende politische Maßnahmen.

Was muss passieren und was kann ich tun?

Die effektivste Maßnahme sind die Einführung von Grenzwerten gegen den Bodenverbrauch, die Nachnutzung bereits bebauter Flächen und klimafitte Ortschaften. 

Doch auch jede*r Einzelne kann dazu beitragen, dass Flächen effektiver genutzt werden. Wenn der Fleischkonsum beispielsweise reduziert wird, kann viel Fläche eingespart werden, die aktuell für die Viehwirtschaft benötigt wird. Rund um das Eigenheim können Möglichkeiten wie Photovoltaik, mehr Grün und weniger versiegelte Flächen genutzt werden. Im Alltag können durch das Umsteigen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad Flächen eingespart werden, die aktuell von Autos beschlagnahmt werden. Und zu guter Letzt kann sich jeder politisch engagieren bzw. auf Politiker*innen einwirken, um solche Entwicklungen voranzutreiben.

Hier kannst du erfahren wie du dich bei Scientist4Future einbringen kannst.

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram