Was Wir Wollen – Künstler:innen und Wissenschaftler:innen präsentieren Theater für die Zukunft im MuTh

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Lesedauer 3 Minuten.   

Pressemeldung

Wie erzählt man die Entwicklung unseres Planeten und dessen Bewohner:innen auf der Bühne? Wie werden NASA-Daten zur Klimakrise zu Musik? Wie wird aus einer wissenschaftlichen Publikation zur demographischen Entwicklung ein Theaterstück? Eine österreichische Choreographin, eine amerikanische Dramatikerin und ein niederländischer Komponist arbeiten seit mehreren Jahren mit Wissenschaftler: innen zusammen, um verschiedene Dimensionen der ökologischen Krise auf künstlerische Weise zu beleuchten. Am 6. Oktober 2023 um 20:00 Uhr werden sie einige ihrer Stücke in einem Programm unter dem Titel „Was Wir Wollen“ im MuTh präsentieren und danach mit dem Publikum diskutieren.

Der Abend wird mit „4 Drifting Seasons“ des niederländischen Komponisten Merlijn Twaalfhoven eröffnet, dessen Komposition auf NASA-Daten zum dramatischen Temperaturanstieg von 1880 bis heute basiert. „1,5 Grad“ – das Pariser Klimaziel – ist nur eine abstrakte Zahl, stellte der Komponist fest. Also machte er sich daran, eine Partitur so zu gestalten, dass das Publikum den Temperaturanstieg hören und fühlen kann. Das Stück hatte 2017 in der New Yorker Carnegie Hall Premiere und wurde von einem Kinderchor gesungen. Die Wiener Version wird von einer Opernsängerin bestritten. Twaalfhoven ist ein preisgekrönter Komponist, der sowohl für seine Zusammenarbeit mit einigen der weltweit führenden Musikensembles wie dem Kronos Quartett und dem Niederländischen Philharmonischen Orchester als auch für seine musikalische Arbeit zum Nahost-Konflikt und zur Klimakrise bekannt ist.

„Atmen”, das multimediale Tanzstück, das Gloria Benedikt mit Wissenschaftlern der Harvard Universität und des IIASA gestaltet hat, ist eine Zeitreise von den Cyanobakterien, die vor zweieinhalb Milliarden Jahren begonnen haben, Sauerstoff zu produzieren und dadurch die Weiterentwicklung des Lebens auf dem Planeten Erde ermöglicht haben, bis in die Gegenwart, in der die Spezies Mensch sich – langsam aber konsequent – selbst die Luft zum Atmen nimmt und dann vielleicht – spät, aber doch – umlenkt. Das Stück „Atmen“ hatte 2021 beim Europäischen Forum Alpbach Premiere. Eine weiterentwickelte Fassung wurde 2022 in Paris am Institut Pasteur und 2023 am Institut de France aufgeführt. Benedikt ist Absolventin der Ballettakademie der Wiener Staatsoper und der Harvard University, wo sie Sozialwissenschaften studiert hat. Sie stand 20 Jahre lang in Europa und den USA als Tänzerin auf der Bühne, erforschte am IIASA sechs Jahre lang, wie die Zusammenarbeit von Künstler:innen und Wissenschaftler:innen die Nachhaltigkeits-transformation unterstützen kann und hat über ein Dutzend multimediale Aufführungen an Theatern, Universitäten, Festivals und Konferenzen in Europa und den USA inszeniert. Das Theaterstück „Ein Stück vom Kuchen” wurde 2019 im Rahmen des IIASA Science and Art project von der chinesisch-amerikanischen Dramatikerin Lanxing Fu und dem deutsch-österreichischen Klimawissenschaftler, Fabian Wagner, erarbeitet. „Klimawandel ist nur eines von vielen ungelösten Problemen, mit denen wir konfrontiert sind – Probleme, die so komplex sind, dass sie nicht einfach gelöst werden können. Wir versuchen immer noch zu verstehen, wie unser Lebensstil die kommenden Generationen tiefgreifend beeinflusst. Vieles von dem, was wir herausfinden, hat nicht nur eine rationale Seite – Logos –, sondern auch eine emotionale – Pathos – und passt nicht in wissenschaftliche Arbeiten. Aber das Theater kann es ausdrücken, zeigen, uns fühlen und verstehen lassen”, analysiert Fabian Wagner.

Worum geht es in dem Stück? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren an einem Ort, während sich vier Generationen einer Familie im Zeitraum von 1950 bis 2050 immer wieder um einen Tisch versammeln, um ein absurdes, überbordendes, opulentes Festmahl zu teilen. Das Stück durchquert im Schnelldurchgang ein Jahrhundert, in dem sich die Beziehung der Menschen zu den Ressourcen rasant verändert und im Gefolge auch die Vorstellungen davon, was es bedeutet, Kinder zu haben.

Nun gelangt das Theaterstück erstmals in der deutschen Fassung (mit englischen Untertiteln) zur Uraufführung. Lanxing Fu ist Co-Direktorin des wegweisenden und innovativen Superhero Clubhouse eco-theater in Brooklyn.

Ökologisches Theater, im angelsächsischen Raum als Eco-Theater bekannt, ist eine Bewegung von Künstler:innen, die danach streben, wissenschaftlich fundierte Arbeiten im Kontext unserer neuen Klimarealität auf die Bühne zu bringen und dabei das Thema mit Umweltgerechtigkeit zu behandeln. Beide Werke, „Atmen“ und „Ein Stück vom Kuchen“, versuchen Narrativen der Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken, indem sie Geschichten über Widerstandsfähigkeit, Innovation und Kooperation in den Mittelpunkt stellen.

„Oft geht es in der Diskussion, was Kunstinstitutionen zur ‚Bewältigung‘ der Klimakrise beitragen können, darum, wie man CO2 Emissionen bei Theaterproduktionen oder Reisetätigkeiten von Künstlerinnen und Künstlern reduzieren oder Opernhäuser ‚klimafitter‘ machen könnte. Aber das eigentliche Potenzial liegt im Beitrag zum kulturellen Wandel. Wir können zum Beispiel Geschichten über die Gegenwart und Zukunft erzählen und uns mit den moralischen Herausforderungen, die aufgrund der Klimakrise entstehen, auseinandersetzen. In Österreich gibt es bisher keine Institution, die es darstellenden Künstlern ermöglicht, sich mit Zukunftsthemen zu beschäftigen. Mit diesem Programm möchten wir die Möglichkeiten des Theaters als öffentlichen Raum zur Behandlung von Zukunftsthemen in einem Dialog zwischen Künstler:innen und dem Publikum aufzeigen“, sagt Gloria Benedikt, die Initiatorin des Abends.

Weitere Informationen

www.muth.at/programm/was-wir-wollen-2023-10-06/

https://iiasa.ac.at/events/oct-2023/eco-theater-what-we-want-breath-and-piece-of-cake

Kontakt:

Researcher contact

Gloria Benedikt, 

Fabian Wagner 

Press Officer

Ansa Heyl, IIASA Press Office: Tel: +43 2236 807 574, Mob: +43 676 83 807 574, 

About IIASA:

The International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) is an international scientific institute that conducts research into the critical issues of global environmental, economic, technological, and social change that we face in the twenty-first century. Our findings provide valuable options to policymakers to shape the future of our changing world. IIASA is independent and funded by prestigious research funding agencies in Africa, the Americas, Asia, and Europe.

www.iiasa.ac.at



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