Trotz Net-Zero-Versprechen: Produzenten von fossilen Brennstoffen planen weitere Steigerungen

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Lesedauer 2 Minuten.

Der Production Gap Report des UN-Umweltprogramms (UNEP) für 2023 untersucht die Produktionspläne der 19 größten Produzenten von fossilen Brennstoffen und vergleicht sie mit den Ausstiegspfaden, die für die Pariser Klimaziele erforderlich wären.

Laut den bekannten Planungen sollen bis 2030 doppelt so viele fossile Brennstoffe gefördert werden, als für das 1,5°C-Ziel tragbar wären, beziehungsweise 70 Prozent über dem Limit für das 2,0°C-Ziel. Die Diskrepanz ist am höchsten bei dem schädlichsten der Brennstoffe, nämlich Kohle: die geplante Produktion übersteigt das Limit für 1,5°C um 460 Prozent. Die geplante Ölproduktion liegt um 30 Prozent über dem Limit und die Gasproduktion um 80 Prozent. Staatliche Subventionen für Fossile erreichten 2022 einen neuen Höchststand.

Quelle: 2023 Production Gap Report

Die für die Pariser Ziele errechneten Limits beruhen freilich auf der Annahme, dass durch Carbon Capture and Storage ein gewisses Maß an CO2-Emissionen nicht in die Atmosphäre gelangen wird. Doch sind diese Technologien noch bei weitem nicht ausgereift, was bedeutet, dass der Ausstieg aus Fossilen noch schneller gehen muss, wenn die Klimaerhitzung nicht über 1,5°C hinausgehen soll.

Von den 20 untersuchten Ländern haben 17 Net-Zero-Verpflichtungen abgegeben, doch bei keinem stimmen die Planungen mit den Versprechungen überein. Brasilien, Saudi Arabien und die USA planen gewichtige Steigerungen der inländischen Ölproduktion, Qatar und Russland planen die größten Steigerungen bei der Gasproduktion. Was die Produktion von Kohle betrifft, planen Indien, Indonesien und Russland massive Steigerungen. Das würde den Effekt der von USA und China geplanten Reduzierungen verringern oder zunichte machen. Aus Südafrika waren keine Daten zu bekommen. Die einzigen Öl- und Gasproduzenten, die signifikante Reduktionen planen, sind Großbritannien und Norwegen.

Zum Teil werden die Steigerungen mit der Energieknappheit durch den Ausfall der russischen Produktion begründet, wie es zum Beispiel durch die Biden-Administration tut. Andere Länder begründen die Steigerung damit, dass sie von den Einkünften aus dem Export abhängig sind und wieder andere wollen ihre Abhängigkeit von Importen reduzieren. Selbst wenn einige Gesichtspunkte gerechtfertigt sein mögen, führen sie in der Summe zur Überproduktion.

In dieser Grafik werden Emissionen aus fossilen Brennstoffen nicht dem Land zugeordnet, wo sie verbrannt werden, sondern dem Land, wo sie erzeugt werden.
Quelle: 2023 Production Gap Report

Eine andere Studie, Navigating Peak Demand des Carbon Tracker Thinktanks warnt die fossilen Unternehmen vor Fehlinvestitionen. Die internationale Energieagentur (IEA) rechnet in ihrem neuesten Bericht damit, dass die Nachfrage nach fossilen Energien noch in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen und danach sinken wird. Das bedeutet, dass die Unternehmen möglicherweise Hunderte Milliarden von Dollars in langfristige Projekte investieren, die bald wertlos sein werden. Nicht direkt angesprochen wird in dem Bericht, dass ein Zusammenbruch dieser – oder einiger – Unternehmen infolge solcher Fehlinvestitionen eine massive Wirtschaftskrise auslösen könnte. Das ist ein weiterer Gesichtspunkt, der für einen geplanten und koordinierten Ausstieg aus Fossilen spricht.

UN-Generalsekretär António Guterres zum Production Gap Report: „Wir können die Klimakatastrophe nicht bewältigen, ohne ihre Grundursache anzugehen: die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. COP28 muss ein klares Signal senden, dass dem fossilen Zeitalter das Benzin ausgeht – dass sein Ende unausweichlich ist. Wir brauchen glaubhafte Verpflichtungen, Erneuerbare voranzutreiben, Fossile auslaufen zu lassen, Energieeffizienz zu steigern und einen gerechten Übergang zu gewährleisten.“

Titelbild: Peabody Energy, Inc. CC BY-SA



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