Wer wir sind und was Sie tun können

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Zu den Beiträgen scrollen

Wer wir sind

Wir sind Wissenschaftler*innen aller Disziplinen, die die Anliegen von Fridays for Future unterstützen. Im März 2019 haben sich über 26.800 Wissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum, davon über 1.500 aus Österreich), zu S4F zusammengeschlossen.

weiterlesen

Mitmachen

Sie möchten Informationen erhalten oder selbst bei S4F mitwirken ? Tragen Sie in unserer Kontaktliste ein, wie sie uns unterstützen wollen.

weiterlesen

Spenden

Wir arbeiten ehrenamtlich, doch es gibt auch Unkosten. Unser Spendenkonto:

Förderverein der Scientists4Future
IBAN: AT23 3412 9000 0024 1224
BIC: RZOOAT2L129
Bank: Umweltcenter Gunskirchen

 

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Kreislaufwirtschaft – echt jetzt?
Vortrag von Matthias Neitsch

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
"Kreislaufwirtschaft – echt jetzt?" von Matthias Neitsch | Lectures 4 Future OÖ

Matthias Neitsch ist radikaler Kreislaufwirtschafts-Aktivist im Kontext von Sozialwirtschaft und Zivilgesellschaft und postuliert die radikale Reduktion globaler Stoffströme bei gleichzeitigem gutem Leben für alle in einer solidarischen „Maintenance Economy“. Als Geschäftsführer von RepaNet ist er einer der treibenden Kräfte für Re-Use in Österreich und als Präsident des europäischen Dachverbandes RREUSE bringt er sich auch auf EU-Ebene aktiv in den Diskurs ein. Diesen Online-Vortrag hielt er am 11. Oktober 2021 im Rahmen von Lectures for Future Oberösterreich.

Kreislaufwirtschaft / Circular Economy ist das neue Schlagwort in der Umweltpolitik, kaum ein relevantes Strategiepapier oder Policy-Statement auf EU- oder nationaler Ebene kommt mehr ohne diesen Begriff aus, so auch das österreichische Regierungsprogramm. Doch was von wem darunter verstanden wird, könnte unterschiedlicher nicht sein. Sowohl radikale Wachstums- und Konsumkritiker*innen als auch neoliberale Konzernlobbyist*innen reklamieren die Deutungshoheit für sich und framen damit ihre sehr konträren Ansätze. Meist wird Kreislaufwirtschaft als progressive Abfallwirtschaft (miss-)verstanden, es geht jedoch um weit mehr: Produktpolitik, Rohstoffpolitik, Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Gesellschaftspolitik, Infrastrukturpolitik und vieles mehr. Und ja – natürlich auch ein bisschen um Umweltpolitik und Abfallwirtschaft.

Links:
www.repanet.at
rreuse.org
www.sachspenden.at
www.baukarussell.at
www.reparaturführer.at
Circularity Gap Report

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Klimakonferenz in Glasgow
Was ist die „COP 26“ und warum ist sie so wichtig?
von Martin Auer

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Seit fast drei Jahrzehnten bringt die UNO die allermeisten Länder der Welt zu Gipfelgesprächen über den Klimawandel zusammen. In dieser Zeit ist der Klimawandel von einem Randthema zum wichtigsten globalen Problem geworden. Wir sprechen nicht mehr von Klimawandel sondern von der Klimakatastrophe. Dass das Verbrennen von fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas) zu einer Klimaveränderung führen würde, wurde bereits ab 1965 Jahren durch Modellrechnungen vorhergesagt und die Vorhersagen von damals stimmen mit der seither beobachteten Entwicklung überein. Darum gibt es heute keinen Zweifel mehr daran, dass diese Modelle stimmig sind und der Klimawandel, den wir erleben, menschengemacht ist. Auch die Folgen – Anstieg des Meeresspiegels, mehr Hitzewellen, mehr extreme Regenfälle – wurden schon früh vorhergesagt.

COP bedeutet: „Conference of the Parties“, auf Deutsch: „Konferenz der Vertragsstaaten“. Und der Vertrag, der gemeint ist, das „Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ (Englisch: “United Nations Framework Convention on Climate Change”, UNFCCC). Dieser Vertrag wurde 1992 bei der Konferenz in Rio de Janeiro von 154 Staaten unterschrieben. Inzwischen sind es 197 Vertragspartner. Der bisher wichtigste Meilenstein war die COP 21 in Paris 2015. Ihr Ergebnis war das Pariser Abkommen. Es ist ein völkerrechtlicher Vertrag, den 195 Vertragsparteien schlossen. Darin wurde das Ziel festgelegt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen und möglichst1,5°C anzustreben. Das Pariser Abkommen legte für die Vertragsstaaten keine Ziele zur Verringerung der Emissionen fest. Die Staaten verpflichteten sich, selbst Pläne zu entwickeln und vorzulegen, die sogenannten „Nationally Determinded Contributions“ (NDCs), auf Deutsch: National festgelegte Beiträge. Diese sollten alle fünf Jahre aktualisiert und verbessert werden und die höchstmöglichen Anstrengungen des Landes wiedergeben. Die EU zum Beispiel hat sich in ihrem aktualisierten NDC vom Dezember 2020 verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Der Zeitpunkt für die Vorlage dieser neuen Pläne war die COP 26. Diese sollte schon voriges Jahr stattfinden, musste aber wegen der Covid-19-Pandemie verschoben werden. Sie findet heuer von 31. Oktober bis 12. November unter der Präsidentschaft von Großbritannien in Glasgow statt.

Pariser Klimagipfel
Foto: UNFCCC Creative Commons

Die bisher vorgelegten Pläne reichen nicht aus

Warum ist diese Konferenz so wichtig? Die Antwort ist so einfach wie beunruhigend: Die bisher vorgelegten Pläne (NDCs) reichen bei weitem nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erreichen!

Mit 30. Juli 2021 hatten die Vertragsstaaten zum Abkommen von Paris verschärfte nationale Verpflichtungen (Nationally Determined Contributions – NDC) vorzulegen. Das Klimasekretariat der UN hat diese Informationen in einem Synthesebericht1 zusammengefasst: Für einen mit dem 1.5°C Ziel kompatiblen Emissionspfad müssten laut IPCC die Emissionen im Jahr 2030 um 45% unter dem Niveau von 2010 liegen, für das 2°C Ziel um 25%. Die nunmehr vorliegenden NDCs verfehlen diese Ziele gravierend, denn sie führen in diesem Zeitraum nicht zu einer Abnahme, sondern zu einem Anstieg der Emissionen um 16,3%. Diese Entwicklung führt aber zu einer durchschnittlichen Erderhitzung von ca. 2,7°C. Für kontinentale Gebiete wie Österreich bedeutet das 5°C oder mehr, denn über den Ozeanen erwärmt sich die Atmosphäre nicht so stark wie über großen Landmassen. Die Menschheit muss ihren Treibhausgas-Ausstoß jedes Jahr um 7,6 Prozent senken, um das 1,5°-Ziel noch zu erreichen (UNEP 2019).

Die Temperatur auf der Erde hängt von der Menge des CO2 ab, das sich in der Atmosphäre befindet. Sobald sich diese Menge nicht mehr erhöht, wird sich auch die Temperatur – nach einer gewissen Zeit – nicht mehr erhöhen. Darum ist es so wichtig, dass wir ab Mitte des Jahrhunderts kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre abladen. Doch bei welcher Temperatur sich das Klima dann stabilisiert – ob bei 1,5°C, 1,6°C oder 1,7°C – das hängt davon ab, wie viel wir bis dahin noch emittieren. Für das 1,5°C-Ziel dürfen es ab jetzt nicht mehr als 328 Mrd. Tonnen sein. Doch beim gegenwärtigen Stand der Emissionen – 42 Mrd. Tonnen pro Jahr – wäre dieses CO2-Budget in 7 Jahren und 9 Monaten verbraucht. Da es nicht vorstellbar ist, sieben Jahre lang so weiter zu machen wie bis jetzt, und dann plötzlich aufzuhören, müssen die Emissionen kontinuierlich jedes Jahr gesenkt werden, und je stärker, desto besser. Jede eingesparte Tonne zählt, jedes Jahr zählt, jedes Zehntelgrad zählt!

Warum 1,5°C so wichtig und 2°C zu viel sind

Heute ist es auf der Welt schon um 1,1°C bis 1,2°C heißer als vor der Erfindung der Dampfmaschine. In Österreich bedeutet das schon jetzt eine Erwärmung um ca. 2°C. Wir haben in diesem Sommer die Auswirkungen hautnah zu spüren bekommen: Hitzewellen, Stürme, Waldbrände, Überschwemmungen. Mit jedem Zehntelgrad werden solche Ereignisse häufiger und schwerer.

Wenn die gegenwärtige Klimapolitik fortgesetzt wird, dann werden laut IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis) Kinder, die heute geboren werden, 7 Mal öfter verheerende Hitzewellen erleben als ihre Großeltern. Sie werden 2,6 Mal so viele Dürren, 2,8 Mal so viele Flussüberschwemmungen, 3 Mal so viele Ernteausfälle und doppelt so viele Wald- und Buschbrände erleben wie Menschen, die vor 60 Jahren geboren wurden2.

Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C3 zeigt auf, welche Unterschiede zwischen einer Erwärmung um 1,5°C und um 2°C bestehen:

  • Bei 1,5°C Erwärmung werden 14 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einmal in 5 Jahren extreme Hitzewellen erleben, bei 2°C mehr als doppelt so viele, nämlich 37 Prozent. Zur Orientierung: Die Hitzewelle von 2003 hat in Europa 70.000 Menschenleben gefordert.
  • In mittleren Breiten werden die heißesten Tage bei 1,5°C durchschnittlicher Erwärmung um 3°C heißer sein, bei 2°C aber um 4°C.
  • Bei 2°C Erwärmung werden doppelt so viele Menschen unter Wasserknappheit leiden wie bei 1,5°C Erwärmung.
  • Gleichzeitig wird die Zahl und die Schwere von Starkregen-Ereignissen zunehmen und mehr Gebiete werden davon betroffen sein.
  • Auch bei nur 1,5°C Erwärmung werden 6 Prozent aller Insekten, 8 Prozent aller Pflanzen und 4 Prozent aller Wirbeltiere die Hälfte ihres Lebensraums verlieren. Doch bei 2°C werden es18 Prozent aller Insekten sein – also drei Mal so viele – 16 Prozent aller Pflanzen und 8 Prozent aller Wirbeltiere. Allein der Verlust von Bestäuber-Insekten hätte katastrophale Wirkungen.
  • Selbst bei einer Erwärmung um 1,5°C wird der jährliche Ertrag der Meeresfischerei um 1,5 Millionen Tonnen abnehmen, doch bei Erwärmung um 2°C um 3 Millionen Tonnen. 99 Prozent aller tropischen Korallen würden verloren gehen, und damit die artenreichsten Meeresökosysteme. Milliarden von Menschen sind von Fischerei für ihre Ernährung abhängig.
  • Je höher die Erwärmung, um so größer werden die Rückgänge beim Ertrag von Mais, Weizen und Reis sein. Auch Nutztiere werden bei steigenden Temperaturen durch schlechtere Futtermittelqualität, durch die Ausbreitung von Krankheiten und durch Wassermangel beeinträchtigt.
  • Wenn die Erwärmung auf 1,5°C begrenzt werden kann, wird das verhindern, dass 1,5 bis 2,5 Millionen km²Permafrostböden auftauen. Diese dauernd gefrorenen Böden enthalten Kohlenstoff in Form von CO2 und Methan, die beim Auftauen freigesetzt würden, und zwar viel mehr, als die gesamte Erdatmosphäre derzeit enthält. Beim Auftauen von Permafrostböden besteht also die Gefahr, dass ein selbstverstärkender Prozess beginnt, der durch menschliches Eingreifen nicht mehr aufgehalten werden kann.
  • Der interaktive Atlas, der Teil des 6. IPCC-Berichts ist, gibt Auskunft über die Temperaturentwicklung in West- und Mitteleuropa: Bei einer mittleren Erwärmung von 1,5°C müssen wir im Jahr mit 8,5 Tagen mit extremer Hitze über 35°C rechnen, bei 2°C Erwärmung mit 11 Tagen und bei 3°C Erwärmung mit 16 Tagen.

Kipppunkte

Dass die Durchschnittstemperatur der Erde sich stabilisiert, sobald wir kein zusätzliches CO2 emittieren, stimmt leider nur bedingt. Denn ab einer gewissen Temperaturerhöhung könnten natürliche Prozesse ausgelöst werden, die wir nicht mehr kontrollieren können. Und wo genau diese Grenze ist, wissen wir nicht.

In einer um 3°C wärmeren Welt drohen sogenannte Kipppunkte mit unberechenbaren Folgen. Wie wahrscheinlich sie sind, lässt sich (derzeit) nicht berechnen. Doch die Folgen wären so dramatisch, dass man sie nicht außer acht lassen darf, selbst wenn sie unwahrscheinlich scheinen. Das arktische, antarktische und Grönlandeis sowie die Gletscher strahlen eine großen Teil der Sonnenenergie zurück in den Weltraum. Je mehr Eis verloren geht, um so geringer wird die Rückstrahlwirkung, um so stärker wird die Erwärmung und umso schneller geht das Eis verloren. Vor allem das westantarktische Eis und das Grönlandeis sind gefährdet. Die Arktis wird auf jeden Fall im Sommer bald eisfrei sein.

Abholzung und Erwärmung machen den Amazonas-Regenwald instabil. Teile der Baumbestände sind den neuen Klimabedingungen nicht gewachsen und sterben ab. Durch die Abholzung freigelegte Flächen geben weniger Wasser in die Atmosphäre ab. Dadurch kommt es zu einem selbstverstärkenden Prozess der Austrocknung. Brände und verrottendes Holz setzen CO2 frei und verstärken so die Erderwärmung. Wird mehr CO2 freigesetzt als durch Pflanzenwachstum aufgenommen wird, verwandelt sich der Amazonaswald von einem Kohlenstoffspeicher in eine CO2-Quelle.

Gefahren durch Feuer und Schädlinge drohen den Nadelwäldern im hohen Norden (Boreale Wälder), besonders, weil die Erwärmung der Arktis doppelt so schnell vor sich geht wie die durchschnittliche Erwärmung. Auch diese Wälder könnten zur CO2-Quelle werden und die Erhitzung weiter verstärken.

Auftauender Permafrost und sterbende Wälder könnten mehr CO2 freisetzen, als unser verbleibendes CO2-Budget für 1,5°C beträgt. Die größte Gefahr besteht darin, dass, wenn ein Kipp-Punkt überschritten wird, dann weitere Kipp-Punkte ausgelöst werden4.

Foto: FelixMittermeier auf Pixabay

Netto-null bis zur Mitte des Jahrhunderts

Das erste Ziel, das die britischen Präsidentschaft auf ihrer Webseite nennt, lautet: Die Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts auf netto null senken, damit das 1,5-Grad Ziel in Reichweite bleibt.

Netto null bedeutet, dass CO2-Emissionen, die dann noch freigesetzt werden, ausgeglichen werden durch Maßnahmen, oft auch als Senken bezeichnet, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen, so dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre nicht mehr ansteigt. Dabei hofft man auf naturbasierte Lösungen wie zum Beispiel Aufforstung oder die Wiederherstellung von Mooren, Seegraswiesen und Mangrovenwäldern, aber auch auf technische Lösungen. Wie erfolgreich solche Lösungen sein können, ist aber ungewiss, besonders bei technischen Lösungen ist fraglich, wie schnell sie entwickelt und in großem Maßstab umgesetzt werden können. Außerdem ist fraglich ob bei hohen Emissionen die Kapazitäten der Senken ausreichen.

Zur Erreichung des Netto-null-Zieles nennt die britische COP-Präsidentschaft: Die Beschleunigung des Kohleausstiegs, die Beschränkung der Entwaldung, den beschleunigten Umstieg auf Elektrofahrzeuge und Investitionen in erneuerbare Energien.

Anpassung zum Schutz von Mensch und Natur

Hier geht es einerseits um Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Ökosystemen, andererseits um direkte Schutzmaßnahmen und Warnsysteme sowie eine widerstandsfähige Landwirtschaft und Infrastruktur.

Finanzierung

Im Pariser Abkommen haben sich die Industriestaaten verpflichtet, für die sich entwickelnden Länder jährlich 100 Milliarden Dollar für die Finanzierung von Maßnahmen zur Verringerungen ihrer Emissionen und für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Und zwar sollte diese Summe schon 2020 erreicht werden und ab da jährlich erhöht werden. Laut OECD5 wurden 2019 knapp 80 Mrd. $ „mobilisiert“, gegenüber 78 Mrd. $ im Jahr davor und 71 Mrd. $ 2017.

Doch was bedeutet dieses „mobilisiert“? Oxfam international6 hat in einer Untersuchung festgestellt, dass der Großteil dieser Gelder, nämlich 80 Prozent, Kredite sind und keine Direkthilfe. Durch Zinsen und Rückzahlungen verringert sich der Wert der tatsächlichen Unterstützung. Außerdem sind in diesen Zahlen laut Oxfam auch Gelder enthalten, die nur zum Teil dem Klimaschutz und der Anpassung und zum Teil anderen Entwicklungmaßnahmen gewidment sind. Insgesamt verringert sich der Wert der tatsächlich geleisteten Unterstützung so auf ein Drittel! Vanessa Nakate aus Uganda forderte in ihrer Eröffnungsrede auf dem Jugendgipfel in Mailand die 100 Milliarden ein, und zwar nicht als Kredite, die die Schuldenlast der ärmsten Länder nur noch drückender machen, sondern als nicht rückzahlbare Zuschüsse.

Vanessa Nakate auf dem Jugendgipfle in Mailand
Foto: Democracy Now

Zusammenarbeit

Bei der COP26 soll das Pariser Regelwerk (Rulebook) finalisiert werden und die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft gestärkt werden. Das Pariser Regelwerk legt fest, wie die Ziele des Pariser Abkommens konkret umgesetzt werden sollen. Dabei geht es um Vereinheitlichung und Transparenz der Berichterstattung, Vereinheitlichung der Zeitpläne für die NDCs, gemeinsame Beurteilungsmaßstäbe für Fortschritte beim Erreichen der Klimaziele. Bei der COP26 sollen vor allem Details zum internationalen Emissionshandel abgestimmt werden. Dafür soll es ein gemeinsames und verlässliches Abrechnungsverfahren geben.

Die österreichische Delegation

Zur Eröffnung sind die Regierungschefs eingeladen. Wer das am 1. November für Österreich sein wird, steht derzeit (10.10.2021) wohl nicht fest. Geleitet wird die österreichische Delegation vom Klimaministerium, entweder wird die Ministerin selber oder eine von ihr betraute Person die Delegation anführen. Vertreter*innen anderer Ministerien, der Sozialpartner und auch von NGOs werden ebenfalls der Delegation angehören. Sowohl die EU als Ganzes als auch die einzelnen Mitgliedsstaaten sind Vertragspartner des Pariser Abkommens. Das Verhandlungsmandat wird von Beamten der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission ausgearbeitet und vom EU-Umweltministerrat beschlossen. Auch die österreichischen Verhandler*innen sprechen also immer im Namen der EU.

Der Standpunkt der EU

Der Rat der Europäischen Union hat am 5. Oktober den Standpunkt der EU für den Klimagipfel festgelegt. Darin wird betont, „dass es von höchster Dringlichkeit ist, die globale Reaktion auf die Klimakrise zu verstärken, und dass auf der ganzen Welt für eine gerechte und faire Klimawende gesorgt werden muss“.

Andrej Vizjak, slowenischer Minister für Umwelt und Raumordnung, hat erklärt: „Mit dem aktuellen Kurs wird es nicht gelingen, die Erderwärmung auf unter 1,5 ºC zu begrenzen. Es sind viele weitere gemeinsame Anstrengungen erforderlich, damit die Temperatur unseres Planeten innerhalb sicherer Grenzen bleibt. Auf der Konferenz wird die EU alle Vertragsparteien des Übereinkommens von Paris auffordern, ehrgeizige nationale Emissionsreduktionsziele vorzulegen, und die Industrieländer wird sie dazu aufrufen, mehr internationale Finanzmittel für den Klimaschutz bereitzustellen.“

In dem Beschluss wird darauf hingewiesen, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten die weltweit größten Geldgeber für den Klimaschutz sind, und es wird bekräftigt, dass sie weiterhin entschlossen sind, die Mobilisierung internationaler Finanzmittel für den Klimaschutz zu verstärken. Die anderen Industrieländer werden aufgefordert, ihre Beiträge aufzustocken und damit zum kollektiven Ziel der Industrieländer beizutragen, gemeinsam bis 2020 und durchgehend bis 2025 jährlich 100 Mrd. USD zu mobilisieren.

Weiters will sich die EU dafür einsetzen, dass die national festgelegten Beiträge sich einheitlich auf einen Zeitraum von fünf Jahren beziehen sollen, und dass einheitliche Regeln festgelegt werden, die einen internationalen Emissionshandel ermöglichen und die mehrfache Verrechnung von Emissionsreduktionen ausschließen.

Globaler Bürger*innenrat

Ein globaler Bürger*innenrat – Global Assembly – wird den Weltklimagipfel begleiten und beraten. 100 Menschen werden ausgelost, die repräsentativ für die Weltbevölkerung sprechen werden. Sie werden in den zwei Wochen, während die COP26 tagt, online über die Frage beraten: Wie kann die Menschheit die Klimakrise und die ökologische Krise fair und wirksam bekämpfen?“.

Die Auslosung erfolgt nach Kriterien, die beitragen sollen, den Rat entsprechend der Weltbevölkerung zusammenzusetzen: 70 Menschen werden aus Asien sein, 17 aus Afrika. Die Hälfte werden Frauen sein und 70 werden aus jenen Schichten sein, die weniger al 10 Dollar am Tag verdienen.

Ein Team von internationalen Wissenschaftler*innen und anderen Expert*innen wird ihnen die Details der Klimakrise erklären und mögliche Lösungen präsentieren. Ihr wichtigsten Botschaften werden dann auf dem Klimagipfel präsentiert und ein voller Bericht wird im März veröffentlicht. Die Global Assembly ruft dazu auf, lokale Bürger*innenräte – Community Assemblies – zu organisieren, in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft. Die Berichte von Community Assemblies, die bis zum 1. Jänner 2022 eintreffen, sollen in den Abschlussbericht der Global Assembly einfließen.

Programm der COP26

Neben den eigentlichen Verhandlungen, die Beschlüsse der COP in Untergruppen vorbereiten, finden eine Reihe von zum Teil hochrangigen Events zu Klimaaktivitäten statt.

Link zum Verhandlungsprogramm

Link zum Programm der Präsidentschaft

Links zu allen COP26 Kanälen auf Social Media

Gesichtet: Renate Christ


1 United Nations (2021): Nationally determined contributions under the Paris Agreement Synthesis report by the secretariat. Online: https://unfccc.int/sites/default/files/resource/cma2021_08_adv_1.pdf

2 Thiery W., Lange, S., Rogelj, J., Schleussner, C., Gudmundsson, L., Seneviratne, S.I., Andrijevic, M., Frieler, K., et al. (2021). Intergenerational inequities in exposure to climate extremes. Science DOI: 10.1126/science.abi7339

3 IPCC, 2018: Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. In: 1,5 °C globale Erwärmung. Ein IPCCSonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Anstreng ungen zur Beseitigung von Armut. [V. Masson-Delmotte, P. Zhai, H. O. Pörtner, D. Roberts, J. Skea, P. R. Shukla, A. Pirani, W. Moufouma-Okia, C. Péan, R. Pidcock, S. Connors, J. B. R. Matthews, Y. Chen, X. Zhou, M. I. Gomis, E. Lonnoy, T. Maycock, M. Tignor, T. Waterfield (Hrsg.)]. World Meteorological Organization, Genf, Schweiz. Deutsche Übersetzung auf Basis der Version vom 14.11.2018. Deutsche IPCCKoordinierungsstelle, ProClim/SCNAT, Österreichisches Umweltbundesamt, Bonn/Bern/Wien, November 2018.

4 Lenton, T., Rockström, J., Gaffney, O., Rahmstorf, S., Richardson, K., Steffen, W., & Schellnhuber, H. (2019). Climate tipping points – too risky to bet against. Nature (London), 575(7784), 592-595. Online: https://www.nature.com/articles/d41586-019-03595-0

5 OECD 2021: Climate Finance Provided and Mobilised by Developed Countries: Aggregate Trends Updated with 2019 Data. Online: https://www.oecd.org/env/climate-finance-provided-and-mobilised-by-developed-countries-aggregate-trends-updated-with-2019-data-03590fb7-en.htm

6 Oxfam 2020: True value of climate finance is just a third of that reported by developed countries. Online: https://www.oxfam.org/en/press-releases/true-value-climate-finance-just-third-reported-developed-countries

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Nicht nur Pillen: Gesundheit braucht Klimaschutz
von Michael Krassnitzer

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen setzen sich für unsere Gesundheit ein, nicht nur, indem sie uns Pillen und Therapien verschreiben, sondern auch, indem sie für Maßnahmen zum Klimaschutz kämpfen. Der folgende Artikel ist ursprünglich in doktor in wien – Mitteilungen der Ärztekammer für Wien Nr. 10 2021 erschienen. Wir geben ihn mit Erlaubnis des Autors wieder.

Der Klimawandel ist die größte gesundheitliche Bedrohung

„Die Erde hat Fieber. Und dieses Fieber steigt“. Das waren die Worte des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, als er im Jahr 2007 gemeinsam mit dem UNO-Klimarat den Friedensnobelpreis erhielt. Auch wenn es noch immer Menschen gibt, die ihn leugnen: der Klimawandel ist Realität. Seit dem Jahr 1900 hat sich die globale Mitteltemperatur um zirka ein Grad Celsius erhöht. In den tiefer gelegenen Regionen Österreichs betrug die Temperaturzunahme laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sogar 1,8 Grad. Die Wissenschaft ist sich einig, dass ein Großteil dieser Erwärmung nicht auf natürliche Ursachen wie Variationen der solaren Einstrahlung oder Vulkanaktivität zurückgeht, sondern in erster Linie auf die stark gestiegenen menschengemachten Emissionen von Treibhausgasen, allen voran Kohlenstoffdioxid (CO2 ) und Methan. Man spricht daher von einem anthropogenen Treibhauseffekt.

Direkte Folgen

Der globale Temperaturanstieg hat natürlich auch massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung – in Österreich ebenso wie weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht es klipp und klar aus: „Der Klimawandel ist die größte gesundheitliche Bedrohung, der die Menschheit derzeit gegenübersteht.“

Zu den direkten Folgen des Klimawandels gehört ein massiver Anstieg von Hitze-assoziierten gesundheitlichen Problemen. So ist die hitzebedingte Sterblichkeit bei Menschen über 65 in den letzten 20 Jahren weltweit um mehr als fünfzig Prozent gestiegen. Die höheren Temperaturen infolge des Klimawandels haben auch zu einem Anstieg bei einer Reihe von Erkrankungen geführt: Verlust der Nierenfunktion infolge von Dehydrierung, bösartige dermatologische Erkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen. Auch haben Morbidität1 und Mortalität2 bei kardiovaskulären3 und pulmonalen4 Erkrankungen infolge des Klimawandels zugenommen, wie die Herausgeber namhafter medizinischer Fachzeitschriften aktuell in einem offenen Brief schreiben, in dem sie Regierungen weltweit auffordern, dringendst Maßnahmen gegen die globale Erwärmung zu treffen.

Hitze kann auch den Kreislauf kurzfristig überlasten. Besonders gefährdet sind dabei vulnerable5 Gruppen wie Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen, Schwangere oder Kinder. „Aber auch bei jungen und gesunden Menschen kann der Kreislauf kollabieren, wenn man zu großer Hitze zu lange ausgesetzt ist“, weiß die Fachärztin für Augenheilkunde Sabine Schriefl vom Wiener Ableger von „Health for Future“, einem Aktionsnetzwerk von Ärzten und Ärztinnen, Pflegekräften, Therapeuten und Therapeutinnen sowie Angehörigen anderer Gesundheitsberufe.

Zunahme extremer Ereignisse

Die Erhöhung der globalen Temperatur führt auch zu einem Anstieg der Extremwetterereignisse. In unseren Breiten führen solche Ereignisse zu Überflutungen oder Murenabgängen, die mit körperlichen Schäden und auch Todesfällen verbunden sind. Bei der jüngsten Hochwasserkatastrophe Mitte Juli starben nach derzeitigem Stand alleine in Deutschland mehr als 180 Menschen. In anderen Weltgegenden können zusätzlich Dürreperioden zu Ernteausfällen und in der Folge zu Hungersnöten führen.

Indirekte gesundheitliche Auswirkungen und Risiken entstehen durch nachteilig veränderte Umweltbedingungen. Eine anhaltende Temperaturerhöhung bedeutet de facto auch eine Verschiebung von Klimazonen – und damit gelangen Krankheiten in unsere Breiten, die bislang nur in südlicheren Weltgegenden verbreitet waren. So wurden in Österreich seit 2009 mindestens 49 im Inland erworbene Fälle von West-Nil-Fieber bestätigt. Auch werden in Österreich immer mehr einst exotische Krankheitsüberträger heimisch, etwa die Japanische Buschmücke, die laut der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) schon in vielen Teilen Österreichs zu finden ist, aber auch die Asiatische Tigermücke und die Koreanische Buschmücke. Auch die Anopheles-Mücke, die Überträgerin von Malaria, ist mittlerweile in Österreich heimisch geworden. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Krankheitserreger zu uns kommt“, warnt der Kardiologe Thomas Quinton von „Health for Future“. Gefahr geht aber nicht nur von eingeschleppten Erregern aus: Auch heimische Vektoren6 wie die Zecken, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FS-ME) oder Borreliose übertragen können, sind aufgrund der milderen Winter länger aktiv, in größerer Zahl sowie auch in Höhen bis zu 1500 Meter anzutreffen.

Anstieg von Allergien

Die Klimaerwärmung führt auch zu einem Anstieg bei den Allergien. Untersuchungen haben ergeben, dass Ragweed – eine hochallergene, schon vor einiger Zeit aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze – bei erhöhtem CO2-Gehalt in der Luft eine höhere Menge an Pollen produziert. Auch die Ozonbelastung steigt infolge des Klimawandels, denn hohe Lufttemperaturen und starke Sonneneinstrahlung begünstigen die Entstehung von bodennahem Ozon, das die Atemwege reizen und Husten, Atembeschwerden sowie Kopfschmerzen hervorrufen kann.

Schließlich können auch klimatische Veränderungen auf der anderen Seite der Erdkugel massive Auswirkungen in unseren Breiten zeitigen. Das kann zum Beispiel die Lebensmittelversorgung betreffen: So warnten kürzlich Italiens Pastahersteller vor möglichen Engpässen, weil extreme Hitze und Dürre die Weizenernte in Kanada auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren abstürzen haben lassen. Wenn klimatische Veränderungen die Lebensbedingungen in einem Land massiv beeinträchtigen, so entstehen Flüchtlingsbewegungen. „Umweltmigration führt zu einer Völkerwanderung mit ungewissem Ausgang für alle Betroffenen“, mahnt Piero Lercher, Leiter des Referats für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien. Laut Prognosen der Weltbank könnte es bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben, wenn die Politik nicht entschiedener gegen den Klimawandel vorgeht.

Einfluss auf die Psyche

Der Klimawandel beeinträchtigt nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit. Studien zeigen, dass Naturkatastrophen mit deutlich erhöhten Prävalenzen7 von Akuten Belastungsstörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Somatisierungsstörungen, Substanzmissbrauch und weiteren psychischen Erkrankungen verbunden sind. Als chronische Folgen von Klimaveränderungen können Aggressivität, psychische Krisen, Verlust von Sicherheits-/Stabilitätsgefühlen, Verlust des Gefühls von Autonomie und Kontrolle sowie Identitätskrisen auftreten. „Kinder und Jugendliche sind eine besondere Risikogruppe“, betont Sarah Rehaiem vom Aktionsnetzwerk „Psychologists for Future“. Kinder und Jugendliche sind nämlich nicht nur körperlich gefährdeter (schwierigere Temperaturregulation, schnellere Dehydrierung), sondern auch psychisch gefährdeter: Bei ihnen sind psychische Folgeerkrankungen häufiger und schwerwiegender, außerdem besteht durch die Abhängigkeit von Bezugspersonen eine zusätzliche Traumatisierungsgefahr.

Auch Pflege betroffen

Auch bei der Pflege werden sich die Folgen der globalen Erwärmung bemerkbar machen, wie die diplomierte Pflegefachkraft Petra Quinton erläutert: Diese veränderten Bedingungen erfordern entsprechende Anpassungen bei Hygienemaßnahmen. Lagerhaltung und Lieferketten müssen kürzer werden. Pflegebedürftige, bei denen das Risiko einer Dehydrierung besteht, müssen engmaschiger überwacht werden. Das gilt nicht nur für die stationäre, sondern auch für die mobile Pflege. „Bald wird es zu wenig sein, nur zweimal täglich bei einem alten Menschen vorbeizuschauen“, ist Quinton überzeugt. Die Pflegerin weist auch darauf hin, dass der Klimawandel Änderungen bei der Ausbildung und einen großen Bedarf nach Fortbildung mit sich bringen wird.

4,8 Grad mehr im Jahr 2100

Alle von doktorinwien Befragten sind sich einig: Um den Klimawandel aufzuhalten, besteht sofortiger Handlungsbedarf. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben sich zwar vor sechs Jahren fast alle Staaten der Welt darauf geeinigt, langfristig die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen globalen Durchschnittstemperatur zu begrenzen – doch die in der Folge von den einzelnen Staaten zugesagten Klimaschutzmaßnahmen reichen laut diverser „Emissions Gap Reports” bei weitem nicht aus, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad zu reduzieren. Dass weltweit weiterhin viel zu viel CO freigesetzt wird, erfüllt die engagierten Medizinerinnen und Mediziner mit Enttäuschung und Wut. Werden keine Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen, so ist laut einer Studie mit einer Erwärmung der durchschnittlichen Lufttemperatur um bis zu 4,8 Grad im Jahr 2100 zu rechnen. „Als Ärztin kann ich das einfach nicht verstehen“, schüttelt Schriefl den Kopf: „Das ist, wie wenn man bei einem Patienten Diabetes im Frühstadium feststellt und dann sechs Jahre lang nichts unternimmt.“

In dem bereits zitierten offenen Brief nehmen sich die Herausgeber medizinischer Fachzeitschriften kein Blatt vor den Mund: „Die größte Bedrohung für die globale öffentliche Gesundheit ist das anhaltende Versagen der Weltpolitik, den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius zu halten und die Natur wiederherzustellen.“

Nötige Schritte in Österreich

Welche konkreten Maßnahmen in Österreich getroffen werden müssen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, ist in einem Dokument mit dem sperrigen Titel „Referenzplan als Grundlage für einen wissenschaftlich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich“ (Ref-NEKP) festgehalten. Diese über 200 Seiten umfassende Schrift wurde von Wissenschaftern und Wissenschafterinnen des Österreichischen Klimaforschungsnetzwerks Climate Change Centre Austria (CCCA), der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität für Bodenkultur Wien, der Universität Graz und der Wirtschaftsuniversität Wien ausgearbeitet. Demnach müsste Österreich bis 2045 seine Emissionen um mindestens 90 bis 95 Prozent verringern, um die erforderliche Klimaneutralität zu erreichen. Davon freilich sind wir weit entfernt: Laut einem Rechnungshofbericht vom April dieses Jahres würde Österreich auf Basis der bisher verbindlich umgesetzten Maßnahmen die Klimaziele deutlich verfehlen. Zu den im Ref-NEKP genannten Maßnahmen zählen unter anderem:

  • eine sozial-ökologische beziehungsweise ökosoziale Steuerreform, die auf Kostenwahrheit hinsichtlich CO – Preis, Abbau fossiler Subventionen und Anreizen für klimafreundliche Innovationen basiert,
  • der vollständige Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energiequellen.
  • Umbau der Wirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft, in der die Lebensdauer materieller Güter erhöht und die Abfallmengen minimiert werden,
  • eine klimaschutzorientierte Energieund Mobilitäts-Raumplanung, die kurze Wege schafft und den Energieund Mobilitätsbedarf strukturell verringert,
  • der Ausbau erneuerbarer Energien,
  • Kohlenstoffspeicherung in Österreichs Böden und Holzbiomasse durch Einschränkung der Bodenversiegelung und mittels Energiewaldwirtschaft und -holznutzung,
  • Sektor- und ebenenübergreifende Ausrichtung aller Entscheidungen, Verordnungen und Gesetze am Pariser Klimaziel.

„Die Maßnahmen sind multifaktoriell und betreffen nahezu alle Lebensbereiche“, resümiert Piero Lercher: „Fazit ist, dass gewaltige Umdenkprozesse und Investitionen notwendig sein werden.“

Frage der Gerechtigkeit

Jeder und jede kann im Prinzip auch individuell seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu gehören etwa fleischarme und pflanzenreiche Ernährung, Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad, Energiesparen, Reduktion der Fernreisen – Stichwort: Reduktion des ökologischen Fußabdrucks. Doch dieser Denkansatz hat einen Haken: „Ich will niemandem abraten, seinen eigenen Lebensstil zu verändern. Aber man merkt sehr schnell, dass man als Einzelperson einen viel geringeren Spielraum besitzt, als man sich wünscht“, bedauert Sabine Schriefl. „Man darf die Verantwortung bei diesem Thema nicht auf den Einzelnen abwälzen“, unterstreicht Thomas Quinton: „Einzelmaßnahmen sind immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vielmehr braucht es die entsprechenden Rahmenbedingungen, um Klimaschutz tatsächlich leben zu können.“ Derzeit werde man dafür bestraft, wenn man versuche, CO -neutral zu agieren: „Das ist teurer, zeitaufwändiger und mühsamer. Geringverdienende können sich das nicht leisten und tragen auch weniger zum CO2-Ausstoß bei. Mit dem Klimaschutz ist also auch die Gerechtigkeitsfrage verbunden.“ Sarah Rehaiem hält den Verweis auf individuelle Klimaschutzmaßnahmen überhaupt für ein „Ablenkungsmanöver“: „Mir ist es wichtig, ganz klar zu sagen, dass es nicht an der oder dem Einzelnen liegt, sich der Klimakrise entgegenzusetzen. Was wir brauchen, sind klare Maßnahmen seitens der Politik und ein Umdenken in der Wirtschaft.“ „Die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks von Einzelpersonen wird niemals ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen“, resümiert Schriefl: „Wir von ,Health For Future‘ sehen es daher als notwendig und sinnvoll an, den öffentlichen Druck auf die politisch Verantwortlichen zu erhöhen, sodass endlich wirksame Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen gesetzt werden.“

Verantwortung für die Zukunft

Viele Aktivisten und Aktivistinnen berichten von einem persönlichen „Aha-Erlebnis“, das ihnen die Wichtigkeit des Klimaschutzes vor Augen geführt hat. Nicht so Schriefl: „Ich bin am Land groß geworden und bin damit aufgewachsen, dass es selbstverständlich ist, auf die eigene Lebensgrundlage gut aufzupassen.“ Auch die Geburt ihrer Kinder hat das ihre zum Bewusstsein für den Klimawandel beigetragen: „Kinder verändern die persönliche Zeitrechnung. Man bedenkt nicht nur die eigene Lebensspanne, sondern auch die der Kinder.“

„Menschen sterben, verlieren ihr Zuhause, ihre gesamte Existenz. Das betrifft insbesondere den globalen Süden und häufig die Ärmsten der Armen – eben jene, die am wenigsten Verantwortung an dieser Krise tragen. Ich finde das nicht fair und ich möchte nicht tatenlos zusehen“, begründet Rehaiem ihr Engagement für den Klimaschutz. Die Psychologin macht sich auch Gedanken über ihre persönliche Zukunft: „Mein Partner und ich überlegen, keine eigenen Kinder zu bekommen, weil wir sie nicht in eine Welt setzen wollen, die kurz vor dem Kollaps steht. Und wir sind nicht die Einzigen in unserem Bekanntenkreis.“

Das Ehepaar Quinton will nicht in die Situation früherer Generationen geraten: „Wir möchten von unseren Kindern und Enkelkindern nicht gefragt werden: Wie konntet ihr nur tatenlos zusehen?“ Wenn nicht alles Menschenmögliche gegen den Klimawandel unternommen werde, weisen alle Daten auf die Zerstörung der Zukunft künftiger Generationen hin.

Auch Ärztekammerfunktionär Lercher ist sich als Familienvater seiner Verantwortung für künftige Generationen bewusst: „Ich bin am Land in den Bergen aufgewachsen und habe leider auch miterleben müssen, wie schöne Landschaften durch Profitgier und rücksichtslose Bebauung letztendlich unwiederbringlich zerstört wurden. Für mich sind das Zirpen der Grillen, das Rauschen eines Baches oder der Gesang eines Vogels angenehmere Geräusche als das Klingeln einer Geldkasse, auch genieße ich den Anblick einer blühenden Blumenwiese, eines romantischen Bergsees, oder eines Sonnenaufgangs mehr als die Entwicklungskurve eines Aktienkurses.“

Bild von suju-foto auf Pixabay

Gesichtet: Martin Auer
Titelfoto: Tom Poe


1Häufigkeit von Erkrankungen

2Sterblichkeit

3Herz-Kreislauferkrankungen

4Lungenerkrankungen

5Vulnerabel: verwundbar

6Krankheitsüberträger

7Ein Maß für Krankheitshäufigkeit

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

„Lobauer Erklärung“: Wissenschaftler*innen und Klimaschützer*innen gemeinsam gegen verfehlte Verkehrspolitik

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

In einer von den Umwelt- und Klimaorganisationen VIRUS, System Change not Climate Change und Fridays For Future veranstalteten Pressekonferenz präsentierten ein generationenübergreifend zusammengesetztes Podium aus umweltbezogenen Wissenschaften und Vertreter*innen der Klima- und Umweltbewegung die „Lobauer Erklärung“ als Manifest für Verantwortungsvolle Klima- und Umweltpolitik und gegen die Lobau-Autobahn stellvertretend für ein System „fossiler Großprojekte“.

Scientists for Future haben im August eine Stellungnahme veröffentlicht, aufgrund derer auch wir bestätigen können, dass die Forderungen der Erklärung wissenschaftlich begründbar sind.

„LOBAUER ERKLÄRUNG“

MANIFEST GEGEN DIE LOBAU-AUTOBAHN UND FÜR VERANTWORTUNGSVOLLE KLIMA- UND UMWELTPOLITIK

  1. Österreich versagt seit drei Jahrzehnten systematisch bei der Erfüllung der Klimaziele und treibt damit die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen voran. Es ist immer noch nicht gelungen, auch nur eine geringfügige Senkung der Treibhausgasemissionen unter das extrem hohe Ausgangsniveau von 1990 zu etablieren. Seither wurden, bezogen auf das ohnehin unzureichende Kyoto-Ziel (1995), über 280 Millionen Tonnen zu viel ausgestoßen. Um das 1,5-Grad-Limit von Paris (2015) einzuhalten und globale Klimagerechtigkeit zu gewährleisten, braucht es statt klimapolitischen Rückschritten eine massive Emissionsreduktion!
  2. Hauptverantwortlich für Österreichs Klimaversagen ist der Verkehr. Noch immer passiert hier viel zu wenig, es werden sogar Weichen in die falsche Richtung gestellt: Umweltschädliches Verhalten wird gefördert und mit neuen Autobahnen soll der klimaschädliche Autoverkehr für weitere Jahrzehnte in Beton gegossen werden.
  3. Die Lobau-Autobahn (S1 Schwechat Süßenbrunnsamt Lobautunnel) ist das größte, teuerste und umweltschädlichste Autobahnbauvorhaben Österreichs. Dies gilt umso mehr, wenn die Satellitenprojekte „S8 Marchfeldschnellstraße“, „S1 Spange Seestadt“ und die Stadtautobahn „Stadtstraße Aspern“ hinzugezählt werden.
  4. Die Lobau-Autobahn – stellvertretend für den gesamten fortgesetzten Autobahnneubau – ist ebenso wie Hainburg und Zwentendorf ein Symbol dafür, wie es mit einer verfehlten Umweltpolitik nicht mehr weitergehen kann.
  5. Die Lobau-Autobahn bringt keine Verkehrsentlastung! Diese findet nur in politischen Sonntagsreden statt. Die ASFINAG-Verkehrsuntersuchungen zeigen eindeutig, dass die Autobahn stattdessen zu mehr Gesamtverkehr auch auf dem bestehenden Straßennetz führen würde.
  6. Die Lobau-Autobahn ist ein Musterbeispiel fehlgeleiteter und schädlicher Raumentwicklung. Sie befeuert die Zersiedelung und führt in Folge zu direkter und indirekter Versiegelung wertvoller Bodenflächen und gefährdet die Artenvielfalt.
  7. Die Lobau-Autobahn ist sozial ungerecht.
    Statt günstige öffentliche Mobilität für alle bereitzustellen, wird schädlicher Autoverkehr für wenige gefördert. An den Folgen von Lärm und Verschmutzung leiden vor allem finanziell Benachteiligte, während Auto- und Baukonzerne Profite einstreifen. Die Lösung für das Verkehrsproblem ist ein flächendeckendes Angebot an attraktiven öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr Wege für Rad- und Fußverkehr sowie Verkehrsvermeidung.
  8. Die Lobau-Autobahn ist ein klimapolitischer Kipppunkt. Wir stehen vor der Mammutaufgabe, unsere Emissionen drastisch zu reduzieren, um die politisch vereinbarte und wissenschaftlich notwendige 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten. Im kompletten Widerspruch dazu würde mit der geplanten Lobau-Autobahn für weitere Jahrzehnte zusätzlicher Verkehr erzeugt und somit der Weg Richtung Klimakatastrophe festzementiert werden.
  9. Nicht nur das Klima, auch die Umwelt wäre massiv von der Lobau-Autobahn betroffen: Die Lobau ist der westlichste Teil der eindrucksvollen Donauauen, einem einzigartigen Naturraum mit höchster Artenvielfalt. Sie sind Nationalpark und Europaschutzgebiet und dennoch nicht ausreichend vor menschlichen Eingriffen geschützt.
  10. Die Lobau lebt von ihrem Grundwasser. Im geologisch heiklen „Schwechater Tief“ soll der Lobautunnel als Hindernis in wasserführenden Schichten vorangetrieben werden. Dies betrifft sowohl oberflächennahes Grundwasser als auch Tiefengrundwasser. Weiters soll für große Baugruben Wasser abgepumpt werden. Das bedroht sowohl die Trinkwasserversorgung als auch das hochsensible Auenökosystem, das bereits heute unter Wasserknappheit leidet.
  11. Mit dieser „LobauerErklärung“ wenden wir uns insbesondere an die politischen Verantwortlichen: Österreich und der Großraum Wien stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Ohne eine Verkehrswende werden sämtliche Klimaziele verfehlt und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen angeheizt. Die Zeit für fossile Megaprojekte wie die Lobau-Autobahn und ihre Satelliten ist abgelaufen.
  12. Die Absage des Projekts ist notwendiger Beginn dafür, dass Österreich seinen gerechten Beitrag für einen Planeten erbringt, auf dem eine lebenswerte Zukunft für alle möglich ist!

Hermann Knoflacher, Helga Kromp-Kolb, Barbara Laa, Bernd Lötsch, Clara Pories, Wolfgang Rehm, Lucia Steinwender, Peter Weish

Titelfoto: Ivan Radic, Flickr

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Wegener Center: Wir müssen jedes Jahr 4,5 Mio t CO2 einsparen, um bis 2040 Klimaneutral zu werden

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Ob Klimaschutzmaßnahmen wie die kürzlich präsentierte Ökosoziale Steuerreform uns auf dem Weg zur Klimaneutralität weiterbringen, lässt sich an einer ganz klaren Messlatte ablesen. Um bis 2040 klimaneutral zu werden darf Österreich ab jetzt nicht mehr als 700 Millionen Tonnen CO2eq1: in die Atmosphäre gelangen lassen. Das errechnete das Wegener Center für Klima und globalen Wandel der Universität Graz2. Daraus folgt, dass bis 2030 jedes Jahr 4,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden müssen. Derzeit emittiert Österreich jährlich ca. 80 Millionen Tonnen, die 4,5 Millionen Tonnen wären also 5,6 Prozent davon. Ein CO2 -Preis ist eine der möglichen Maßnahmen, um diese Reduktion zu erreichen. Doch der Weg kann nicht sein, verschiedene Maßnahmen zu setzen und dann zu sehen, auf welche Summe sie sich wohl addieren. Der Weg kann nur sein, von einem strikten Reduktionspfad auszugehen und festzustellen, welche Maßnahmen nötig sind, um die Reduktion von 4,5 Millionen Tonnen jährlich zu erreichen.

Die blaue Linie in der obigen Grafik des Wegener Centers zeigt den Verlauf der Treibhausgas-Emissionen seit 1990. Man sieht, dass der Rückgang durch die Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 nur vorübergehend war. Im Jahr 2021 – das lässt sich jetzt schon sagen – liegen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 2019. Der weitere Verlauf der blauen Linie zeigt, wie sich die Emissionen bis 2050 entwickeln müssen, um „netto null“ zu erreichen. Die grüne Linie zeigt den Verlauf der Emissionen abzüglich der Einsparungen, die sich durch Veränderungen in der Landnutzung ergeben3. Diese Linie erreicht 2050 den Nullpunkt unter der Voraussetzung, dass der Emissionsreduktionspfad eingehalten wird. Die rote Linie zeigt das theoretisch jedes Jahr noch zur Verfügung stehende CO2-Budget.


1: CO2eq = CO2-Äquivalente. Die Treibhausgase wie Methan, Lachgas, Stickoxide und andere werden nach ihrer Wirkung in CO2 umgerechnet.

2: Kirchengast, G., Steininger K.:Treibhausgasbudget für Österreich auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040

3: LULUCF = „Land use, land use change and forestry“

Grafik: Kirchengast, Steininger, Schleicher – Wegener Center 2021

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Neues Factsheet:
Klimafreundliche Matura- und Sprachreisen

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Maturareisen und Sprachreisen werden oft schon zu Anfang des Schuljahrs geplant. Deshalb haben S4F dieses Factsheet zu klimafreundlichem Reisen ausgearbeitet. Es soll Schüler*innen und Eltern dabei unterstützen, das Thema „klimafreundliches Reisen“ in der Klasse, in der Schüler*innenvertretung oder im Elternverein auf den Tisch zu bringen. Also einfach herunterladen – ausdrucken oder per Email weiterschicken – und übers Klima reden!

Die Maturareise ist an vielen Schulen Österreichs eine schöne Tradition. Nach dem Stress der Prüfungen macht man gemeinsam Urlaub, um den Abschluss zu feiern und die Schulzeit mit einem gemeinsamen Erlebnis zu beenden.
Eine solche Maturareise wird oft schon lange vor der Matura geplant und dabei sind angehende Maturanten und MaturantInnen mit Fragen konfrontiert wie: „Wohin soll‘s gehen?“, „Wie kommen wir hin?“ und: „Wo werden wir wohnen?“.
Die folgenden Fakten mit einem Fokus auf umweltfreundlichen Tourismus sollen bei der Planung dieser Reise unterstützen. 

Anreise

Treibhausgasemissionen Beispiele:

Wien-Dubrovnik (Kroatien) hin und zurück:
Flugzeug: ca. 290 kg pro Person
Bus: ca. 54 kg pro Person

Wien-London hin und zurück:
Flugzeug: ca. 500 kg pro Person
Bahn: ca. 104 kg pro Person

Unterkunft

Je mehr Service Hotels bieten (z.B. Wellness), desto mehr Energie wird vom Hotel verbraucht. Auch je heißer der Ort des Urlaubs ist, desto mehr Energie wird im Hotel zur Kühlung verbraucht.
Verpflegung
Bei Buffet-Angebote in Restaurants und Hotels fällt viel Abfall an. Die Wahl von vegetarischen und veganen Speisen erlaubt hohe Emissionsreduktion.

Tipps zur Planung

Je näher das Reiseziel, um so weniger Emissionen fallen an, das ist klar. Und mit Bus oder Bahn ist man bald da.
Eine Sprachreise allerdings führt notgedrungen ins Ausland. Doch auch entferntere Ziele kann man mit der Bahn schnell erreichen: Die schnellste Zugverbindung von Wien nach Paris etwa beträgt nur 10 Stunden und 17 Minuten2. Die schnellste Zugverbindung von Wien nach London beträgt 14 Stunden und 4 Minuten2.
Unterkünfte wie private Appartements erlauben persönliche Flexibilität in der Versorgung, führen dadurch auch zu einer Reduktion von Restaurantbesuchen und erlauben es die gängigen Frühstückbuffets in Hotels zu meiden.
Unterkünfte mit Zertifikaten wie z.B. Green Globe (https://www.greenglobe.com/), EarthCheck (https://earthcheck.org/) versichern ressourcenschonende und umweltfreundliche Versorgung.
Klimaschonend ist auch eine Verpflegung mit vegetarischen und regionalen Produkten.


Wichtig sind …
… sicheres Reisen und Feiern.
… gemeinsam als Klasse den Abschluss zu feiern. 
… Zusammenhalt, denn Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen!  

Details

Anreise

Die Wahl des Verkehrsmittels für die Anreise zu einem gewählten Reiseziel bestimmt maßgebend die Treibhausgasemissionsbilanz über den gesamten Urlaub: Flugzeugreisen verursach die meisten Treibhausgasemissionen. Rund das 5-fache weniger wird bei einer Fahrt mit einem PkW über die selbige Distanz emittiert und am wenigsten bei der An- und Rückreise durch Bus oder Bahn. 

Unterkunft

Hotels gehören in vielen Ländern zu den energieintensivsten Gebäuden im Gebäudesektor. Je mehr Serviceleistungen ein Hotel zu bieten hat, z.B. im Bereich Wellness, desto höher ist der Energieverbrauch. Eine Studie in Österreich hat gezeigt, dass der Strombedarf bei 5-Sterne-Betrieben am höchsten ist. Ein weiterer entscheidender Faktor im Energieverbrauch ist auch die Klimatisierung. Nachgewiesenermaßen braucht ist der Stromverbrauch von Hotels in heißeren Urlaubsorten höher. 

Verpflegung

Mit dem Reisen geht auch die Nutzung von Gastronomieangeboten einher. Die Bereitstellung der Gerichte selbst ist mit vielen Umweltschäden und Klimaeinflüssen wie dem Einsatz von Pestiziden, Einsatz genetisch modifizierten Organismen,  Verwendung großer Wassermengen, Lebensmittel- und Verpackungsabfällen sowie mit Emissionen von Treibhausgasen durch großen Energieverbrauch und Transport verbunden. In der Produktionskette von Lebensmitteln fällt sehr viel Abfall an. In der Gastronomie kommt es bei Buffets wegen des übergroßen Angebots zu weiterer Verschwendunjg. Pro Jahr werden innerhalb der EU 11 Mio. Tonnen Lebensmittel nur in der Gastronomie verschwendet. 26% der globalen Treibhausgasemissionen sind auf den Gastronomiesektor zurückzuführen, 61% der damit verbunden Produktionskette auf die Landwirtschaft.  Als Einzelne*r kann man Emissionen reduzieren: durch Konsum vegetarischer und veganer Speisen, was vor allem zu weniger Oberflächen- und Wasserverbrauch und produktionsverursachten Treibhausgasen führt; durch den Konsum regional hergestellter Lebensmittel, die weitaus weniger transportbezogene Emissionen verursachen; und durch den Konsum biologischer Lebensmittel.

Weitere Informationen und Details

können im Buch Tourismus und Klimawandel von Pröbstl-Haider, U., Lund-Durlacher, D., Olefs, M., & Prettenthaler, F. (2021) Springer Nature nachgelesen werden.

Podcast „Future on Air“ der FFF zum Thema

Titelbild: Lewis Smith, Flickr

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Südwind: Klimaschutz ist Menschenschutz – 4-Punkte-Plan für Klimagerechtigkeit

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Im Rahmen der europaweiten Initiative Climate Of Change fordert die Menschenrechtsorganisation Südwind einen politischen Klimagerechtigkeits-Pakt. Demnach braucht es zusätzlich zur konsequenten Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele auch ein wirtschaftspolitisches Umdenken. Südwind fordert von der Politik auf nationaler sowie europäischer Ebene einen Wirtschaftswandel, hin zu einem Modell, in dem nicht immer neue Wachstumsziele, sondern das menschliche Wohlbefinden sowie die soziale
und ökologische Gerechtigkeit sowie eine solidarische Migrationspolitik und die Mitsprache der Jugend als Hauptbetroffene der Klimakrise im Mittelpunkt stehen.
Eine neue Petition fordert einen konkreten 4 Punkte Plan für Klimagerechtigkeit und kann ab sofort unterschrieben werden auf: www.suedwind.at/klimagerechtigkeit-jetzt

An die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Kommission. Die Klimakrise ist auch eine soziale Krise. Besonders stark betroffen sind ausgerechnet Menschen in armen Ländern, die kaum zur Klimakrise beitragen. Um sowohl die Klimakrise als auch die globale Ungleichheit zu bekämpfen, fordert Südwind gemeinsam mit 16 Organisationen in ganz Europa die Umsetzung eines konkreten 4-Punkte Plans für Klimagerechtigkeit:

1.Eingrenzung der globalen Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius. Um eine Klimakatastrophe zu verhindern, müssen die EU und Österreich bis 2040 Klimaneutralität erreichen, zehn Jahre vor dem aktuellen Ziel 2050.

2.Wandel zu einer sozial und ökologisch gerechten Wirtschaft im Interesse von Mensch und Natur anstatt im Interesse von Großkonzernen. Ein strenger wirtschaftspolitischer Rahmen auf nationaler sowie EU-Ebene muss verbindliche Regeln für Unternehmen definieren. Dazu zählen ein umfassendes Lieferkettengesetz sowie eine konsequente ökosoziale Förder- und Steuerpolitik.

3.Die EU und Österreich müssen ein internationales Schutzsystem für Menschen schaffen, die aufgrund der Klimakrise ihr Zuhause verlieren. Eine solidarische und menschenrechtsbasierte Migrationspolitik braucht gezielte Unterstützung in Herkunfts- und Transitländern sowie einen internationalen Schutzmechanismus für Menschen, die von klimabedingter Migration betroffen sind.

4.Junge Menschen müssen als Hauptbetroffene in klimapolitische Entscheidungen einbezogen werden. Dazu müssen Jugendräte mit dem Status von Sozialpartner*innen auf EU-Ebene sowie in den Mitgliedsstaaten ins Leben gerufen und verbindlich eingebunden werden. Die UN Youth Advisory Group on Climate Change (UN-Jugendklimarat) kann dafür Vorbild sein.

Petition unterzeichnen: www.suedwind.at/klimagerechtigkeit-jetzt

. #ClimateOfChange .

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Die Emissionen steigen, anstatt zu sinken!
Klimaschutzgesetz, ökosoziale Steuerreform sind notwendig, um die österreichischen Klimaziele zu erreichen
Pressekonferenz „Wissenschaft und Klimabewegung“ der S4F am 24.9.2021

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Am Podium: Univ. Prof. Dr. Verena Winiwarter – Universität für Bodenkultur – Zentrum für Umweltgeschichte, Univ. Prof. Dr. Harald Rieder – Universität für Bodenkultur – Institut für Meteorologie und Klimatologie, Univ. Prof. Dr. Gottfried Kirchengast – Universität Graz – Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Dr. Renate Christ – langjährige Leiterin des Sekretariats des Weltklimarats (IPCC), Dr. Daniel Huppmann – International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) – Mitautor des IPCC Sonderberichts 1,5°C. Und Lara Leik, Vernetzungsbeauftragte der Uni Salzburg für Scientists for Future.
Moderation: Martin Auer

Prof. Kirchengast legte die neuesten Berechnungen des Wegener-Centers vor, wonach die Emissionen Österreichs 2021 wieder über das Vor-Corona-Niveau gestiegen sind. Das dringend notwendige Klimaschutzgesetz wird politisch nur hin- und hergeschoben: „Hier ist die ganze Regierung gefordert, dieses Klimakabinett zu bilden“. Fossile Ressourcen in der Mobilität und in der Industrieproduktion werden immer noch gefördert. „Hier möchte ich wirklich ganz harte Kritik üben“, sagte Kirchengast: „Da kann man nicht die Konsumentinnen und Konsumenten um bessere Lebensstile ersuchen. Für diese Rahmensetzungen ist einfach unsere Regierung in die Verantwortung zu nehmen.“

Professorin Verena Winiwarter von der Universität für Bodenkultur zeigte auf, dass die ökologische und soziale Steuerreform dringend notwendig ist, und zwar mit einem Preis von nicht unter 100 Euro pro Tonne CO2 ab dem Jahr 2022. Das sei das Mindeste, was man sich von einem Klimaschutzgesetz erwarten könne. Eine größere Veränderung „geht nicht nur über Lebensstiländerungen“, sagte Winiwarter.
Es ist inzwischen unzweifelhaft, dass der Klimawandel menschengemacht ist, erklärte Winiwarter: „Der Zweifel ist keine wissenschaftlich haltbare Position mehr.“ Sogar die Tiefsee heizt sich auf.

Dr. Daniel Huppmann vom vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) erklärte, dass die Termeperaturerhöhung in Österreich auf Grund unserer geographischen Lage doppelt so hoch ausfällt wie im globalen Durchschnitt. Wenn wir auf eine globale Temperaturerhöhung von 2,7 Grad zusteuern, kann das für Österreich eine Erhöhung von 5 Grad oder mehr bedeuten.

Denn bisher sind wir vom Pariser Ziel der Begrenzung auf 1,5 Grad noch weit entfernt. Dr. Renate Christ, langjährige Leiterin des Sekretariats des IPCC, berichtete: Selbst wenn die Staaten ihren eigenen Verpflichtungen aus Klimaabkommen zum Senken des CO2-Ausstoßes nachkommen, landen wir eher bei einem Plus von knapp unter oder über drei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts.

Ist es die Aufgabe der Wissenschaft, auf die Straße zu gehen? Daniel Huppmann erklärte dazu: Es ist nicht Aufgabe oder Selbstverständnis der Wissenschaft, explizite Handlungsempfehlungen an Politik und Gesellschaft zu geben. Es ist aber sehr wohl die Aufgabe der Wissenschaft, alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, Abwägungen zu quantifizieren, und die möglichen Auswirkungen verschiedener Maßnahmen (oder des bewussten Unterlassens von Maßnahmen) zu untersuchen. Die Wissenschaft kann und muss aufzeigen, dass die konkreten Maßnahmen der Regierung mit den selbstgesteckten Zielen der Klimaneutralität bis 2040 nicht übereinstimmen.

Lara Leik, Vernetzungsbeauftragte der Universität Salzburg für S4F, machte deutlich: Die Wissenschaft hat die Pflicht, voranzugehen.

Die gesamten Presseunterlagen sind hier.

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Pressegespräch: Wo stehen wir in Sachen Klima und was kann getan werden? SCIENTISTS FOR FUTURE bringen am Tag des weltweiten Klimastreiks fünf führende Expert*innen aufs Podium.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Live ab 09:30 Uhr: https://www.facebook.com/events/1300400337047255/

Am Tag des diesjährigen weltweiten Klimastreiks am 24. September 2021 möchten wir der Presse Gelegenheit geben, mit führenden Expert*innen auf dem Gebiet des Klimaschutzes ein Gespräch zu führen:

  • Univ. Prof. Dr. Verena Winiwarter – Universität für Bodenkultur – Zentrum für Umweltgeschichte
  • Univ. Prof. Dr. Harald Rieder – Universität für Bodenkultur – Institut für Meteorologie und Klimatologie
  • Univ. Prof. Dr. Gottfried Kirchengast – Universität Graz – Wegener Center für Klima und Globalen Wandel
  • Dr. Renate Christ – langjährige Leiterin des Sekretariats des Weltklimarats (IPCC) 
  • Dr. Daniel Huppmann – International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) – Mitautor des IPCC Sonderberichts 1,5°C.

Weiterlesen

FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Pressegespräch: Wo stehen wir in Sachen Klima und was kann getan werden?
SCIENTISTS FOR FUTURE bringen am Tag des weltweiten Klimastreiks fünf führende Expert*innen aufs Podium.

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

Am Tag des diesjährigen weltweiten Klimastreiks am 24. September 2021 möchten wir der Presse Gelegenheit geben, mit führenden Expert*innen auf dem Gebiet des Klimaschutzes ein Gespräch zu führen:

  • Univ. Prof. Dr. Verena Winiwarter – Universität für Bodenkultur – Zentrum für Umweltgeschichte
  • Univ. Prof. Dr. Harald Rieder – Universität für Bodenkultur – Institut für Meteorologie und Klimatologie
  • Univ. Prof. Dr. Gottfried Kirchengast – Universität Graz – Wegener Center für Klima und Globalen Wandel
  • Dr. Renate Christ – langjährige Leiterin des Sekretariats des Weltklimarats (IPCC) 
  • Dr. Daniel Huppmann – International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) – Mitautor des IPCC Sonderberichts 1,5°C.
„Pressegespräch: Wo stehen wir in Sachen Klima und was kann getan werden?
SCIENTISTS FOR FUTURE bringen am Tag des weltweiten Klimastreiks fünf führende Expert*innen aufs Podium.
weiterlesen
FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram