Klimaschutz und Artenschutz brauchen einander
Erster gemeinsamer Bericht von IPCC und IPBES

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Quelle: IPBES: Launch of IPBES-IPCC Co-Sponsored Workshop Report on Biodiversity and Climate Change

Am 10. Juni 2021 veröffentlichten die zwei großen zwischenstaatlichen Gremien für Klimaschutz und Artenschutz einen gemeinsamen Bericht, nämlich das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) und IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services). Es handelt sich um die erste Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen der beiden Gremien.

Im Dezember 2020 kamen 50 weltweit führende Expert*innen für Klima und Biodiversität zu einem Workshop zusammen, um einen großen Mangel zu beheben: Bisher wurden Maßnahmen für Klimaschutz und Schutz der Biodiversität großteils unabhängig voneinander geplant und durchgeführt. Doch beide Aufgaben im Zusammenhang anzugehen ergibt Synergien, die helfen können, sowohl den Klimawandel als auch den Artenverlust einzudämmen.

Prof. Hans-Otto Pörtner, Co-Vorsitzender des wissenschaftlichen Steuerungskomitees, erklärte, dass der menschengemachte Klimawandel zunehmend die Natur und ihre Leistungen für die Menschen bedroht. Je wärmer die Welt wird, umso weniger Nahrung, Trinkwasser und andere wichtige Beiträge könne die Natur uns geben. Andererseits würden Veränderungen der Biodiversität das Klima beeinflussen, nämlich durch ihren Einfluss auf die Stickstoff-, Kohlenstoff- und Wasserkreisläufe. Einen Ausgleich zwischen Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität zu schaffen, würde einen grundlegenden Wandel unserer persönlichen und kollektiven Werte erfordern: Weg von einer Auffassung von wirtschaftlichem Fortschritt, die sich nur am Wachstum des Bruttinlandsprodukts misst, hin zu einer Auffassung von Fortschritt, die auf einem Ausgleich zwischen menschlicher Entwicklung und vielfältigen Werten der Natur beruht, für eine gute Lebensqualität ohne die biophyischen und sozialen Schranken zu übrschreiten.

Maßnahmen, die einander ergänzen

Kelp-Wald. NOAA’s National Ocean ServiceCC BY

Die Autor*innen warnen, dass enggefasste Maßnahmen zum Klimaschutz direkt und indirekt die Natur schädigen können, und umgekehrt, doch dass es viele Maßnahmen gibt, die sich auf beiden Gebieten positiv auswirken:

  • Verlust und Verfall von kohlenstoffreichen und artenreichen Ökosystemen an Land und im Meer stoppen. Dazu gehören Wälder, Feuchtgebiete, Moore, Grasland und Savannen; küstennahe Ökosysteme wie Mangroven, Salzmarschen, Kelpalgen-Wälder und Seegraswiesen; und auch Kohlenstoffspeicher in der Tiefsee und n den Polen. Allein durch das Beenden von Entwaldung und Walddegradation könnten 0,4 bis 5,8 Gigatonnen CO2-Äquivalent jährlich eingespart werden (das wäre bis zu einem Zehntel des derzeitigen Ausstoßes).
  • Wiederherstellung von kohlenstoffreichen und artenreichen Ökosystemen. Die Autor*innen betonen, dass dies eine der billigsten naturbasierten Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels sei. Es würde Lebensraum für Pflanzen und Tiere schaffen und sich günstig auf Regulierung von Überflutungen, Küstenschutz, Wasserqualität auswirken, Bodenerosion verringern und das Überleben von Bestäubern sichern. Auch könnten so Jobs und Einkommen für indigene und lokale Bevölkerungen geschaffen werden.
  • Nachhaltige landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Maßnahmen fördern. Dazu gehört, wieder mehr unterschiedliche Nutzpflanzen und Baumarten anzubauen. Durch verbesserte Bodenkonservierung und verringerten Düngereinsatz können jährlich 3 bis 6 Gigatonnen CO2-Äquivalent jährlich eingespart werden.
  • Naturschutzgebiete ausweiten. Derzeit stehen 15 Prozent der Landflächen und 7,5 Prozent der Ozeane unter Schutz. Dieser Schutz soll auf 30 bis 50 Prozent aller Land- und Meeresflächen ausgedehnt werden.
  • Subventionen für schädliche Aktivitäten beenden, also alles, was Entwaldung, Überdüngung, Überfischung und so weiter fördert. Das würde sowohl helfen, den Klimawandel zu mildern, als auch die unvermeidliche Anpassung an den Klimawandel erleichtern. Dazu gehört weiter auch die Änderung individuellen Konsumverhaltens, die Verminderung von Verschwendung und Abfall, und eine Hinwendung zu einer stärker pflanzlichen Ernährung.

Einseitige Maßnahmen, die schaden

„Monokultur“von NatuerlichGut auf Pixabay 

Einige Maßnahmen, die zu eng auf Eindämmung des Klimawandels und Anpassung fokussieren, schaden nach Meinung der Wissenschaftler*innen der Biodiversität und den Diensten, die die Natur den Menschen bietet:

  • Großflächiger Anbau von Bioenergie-Monokulturen. Solche Nutzpflanzen schaden dem Ökosystem, wenn sie große Flächen beherrschen. Im kleinen Maßstab angewandt kann der Anbau von Bioenergiepflanzen Vorteile für Klimaschutz und Artenerhalt bieten.
  • Bäume anpflanzen in Ökosystemen, die historisch keine Wälder waren und Aufforstung mit Monokulturen, insbesondere exotischen Arten. Das kann zwar zur Milderung des Klimawandels beitragen, ist aber schädlich für die Artenvielfalt, Nahrungsmittelproduktion, hat auch keine erkennbaren Vorteile für die Anpassung an den Klimawandel und kann lokale Bevölkerungen vom Land verdrängen.
  • Bewässerungskapazitäten erhöhen. Dies wird oft als Antwort auf die Bedrohungen durch Dürre gesehen, doch kann es zu Konflikten um Wasser und Dammbauten führen und zu dauernder Schädigung des Bodens durch Versalzung.
  • Alle Maßnahmen, die zu eng auf die Eindämmung des Klimawandels fokussieren, sollen im Hinblick auf ihren Gesamtnutzen und mögliche Risiken evaluiert werden. Zum Beispiel kann der Einsatz erneuerbarer Energien dazu führen, dass anderswo der Bergbau große Landflächen zerstört. Auch manche technische Maßnahmen wie Dammbauten oder Flutschutzmauern können sich negativ auswirken, indem sie die Wanderrouten mancher Spezies unterbrechen oder Lebensräume zerschneiden. Solche negative Wirkungen lassen sich minimieren durch die Entwicklung alternativer Batterien, die Produktion langlebiger Produkte, effiziente Recycling-Systeme für mineralische Ressourcen und Bergbaumethoden, die Nachhaltigkeit in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft berücksichtigen.

Die Natur kann nicht alles tun

Die Autor*innen betonen, dass die Natur uns effektive Möglichkeiten bietet, den Klimawandel einzudämmen, doch dass diese nur dann wirksam werden können, wenn sie auf einer ambitionierten Verringerung aller von Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen fußen.

„Land und Meer tun schon sehr viel – sie nehmen 50 Prozent des von Menschen verursachten CO2 auf – aber die Natur kann nicht alles tun“, sagte Ana María Hernández Salgar, Vorsitzende des IPBES.

Gesichtet: F. F.

Titelfoto: Gerhard Mauracher: Enger Moor, Salzburg. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA

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CO2 einfangen und verwerten – Was ist möglich?

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Quelle: Lehner, Markus (2021): Carbon Capture and Utilization (CCU). CCCA Factsheet #32. Online zugänglich unter https://ccca.ac.at/fileadmin/00_DokumenteHauptmenue/02_Klimawissen/FactSheets/32_carbon_capture_and_utilization_20210426.pdf

Wie können wir verhindern, dass immer mehr CO2 in der Atmosphäre abgeladen wird? Einerseits, indem wir Energie nicht mehr aus fossilen Brennstoffen gewinnen, sondern aus erneuerbaren Quellen. Andererseits aber auch dadurch, dass wir verhindern, dass das CO2, das bei industriellen Prozessen entsteht, in die Atmosphäre gelangt. Gearbeitet wird an zwei Gruppen von Technologien. Bei der einen geht es darum, Kohlenstoff langfristig zu speichern: Carbon Capture and Sequestration (CCS). Bei der zweiten Gruppe geht es darum, CO2 zu nutzen, um daraus kohlenstoffhaltige Produkte zur Weiterverarbeitung zu gewinnen: Carbon Capture and Utilization (CCU). Zur zweiten Gruppe von technischen Möglichkeiten hat das Climate Change Center Austria (CCCA) kürzlich sein 32. Factsheet herausgebracht.1

Einfangen oder zurückholen?

In erster Linie geht es bei CCU darum, CO2 einzufangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Dafür kommen vor allem die Abgase aus der Zement- und Stahlproduktion in Frage. Es werden aber auch Methoden entwickelt, um CO2 direkt aus der Luft zu gewinnen (Direct Air Capture). Grundsätzlich wird sehr viel Energie benötigt, um CO2 zu gewinnen, und zwar umso mehr Energie, je geringer die Konzentration von CO2 ist. Daher ist CCU nur sinnvoll, wenn bei einem Prozess nicht mehr CO2 freigesetzt als gewonnen wird. Die gesamte CO2-Bilanz eines solchen Prozesses muss beachtet werden. Im Wesentlichen heißt das, dass der Prozess sinnvoll nur mit „sauberer“ Energie betrieben werden kann.

Für die CO2-Gewinnung aus Punktquellen (also direkt ab Schlot, sozusagen), sind Technologien schon bis zur industriellen Reife entwickelt. Herstellen könnte man im Prinzip alle Produkte, die Kohlenstoff enthalten. Interessant wäre zum Beispiel die Produktion von Harnstoff für Stickstoffdünger oder Kunstharze, oder von Polyol, dessen Endprodukt Polyurethan aus dem Baumarkt als PU-Schaum bekannt ist. Auch Methanol könnte man so gewinnen, das Ausgangsbasis für viele verschiedene chemische Produkte ist. Synthetischer Diesel und synthetisches Kerosin könnten ebenfalls erzeugt werden.

Geforscht wird auch daran, mineralische Rohstoffe durch Reaktion mit CO2 in Karbonate umzuwandeln, die dann zum Beispiel als Baustoff-Zuschläge verwendet werden könnten. Hier werden auch Möglichkeiten zur langfristigen Speicherung von Kohlenstoff untersucht.

Wie groß wäre der Nutzen von CCU?

Wie viel CO2 könnte auf diese Weise nun eingespart oder gar zurückgeholt werden? Hier gehen die Schätzungen sehr weit auseinander: Sie reichen von mehreren 100 Millionen Tonnen CO2 im Jahr bis zu 10 bis 15 Gigatonnen im Jahr 2050. Da der von Menschen verursachte CO2-Ausstoß 35 Gigatonnen (nach anderen Schätzung 40 Gigatonnen) pro Jahr beträgt, könnte das je nachdem einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten oder einen bedeutenden Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels. Grund für diese unterschiedlichen Einschätzungen ist, dass viele dieser Verfahren sich noch in der Entwicklung befinden, und dass ihre Wirtschaftlichkeit noch nicht absehbar ist. Je nach Produkt dürften sie die Kosten 50 € bis 1000 € pro Tonne genutztem CO2 nicht überschreiten, damit der Prozess gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Derzeit steht für die industrielle Anwendung der Prozesse auch nicht genügend Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Und diese Prozesse brauchen, wie schon anfangs erwähnt, sehr viel Energie. Außerdem ist für die Klimawirksamkeit entscheidend, wie lange der Kohlenstoff in den Produkten gebunden bleibt: Bei Treibstoffen wird das CO2 schon nach Tagen oder Wochen wieder freigesetzt, bei Baustoffen kann das erst nach Jahrzehnten sein.

Es ist also noch nicht wirklich abzuschätzen, welche Bedeutung CCU bei der Eindämmung des Klimawandels wirklich haben kann. Doch in einigen Bereichen ist es dringend nötig, die Technologie voranzutreiben: Bei der Zementproduktion fallen fast 8 Prozent aller CO2-Emissionen an. Dieses CO2 muss möglichst schnell eingefangen werden. Grünes Kerosin aus einem CCU-Prozess wäre ebenfalls eine Möglichkeit, die Emissionen im Luftverkehr relativ schnell zu reduzieren.

Das Factsheet ist online frei zugänglich.

Gesichtet: A: B.

Titelbild: Richard Hurd: Exxon oil refinery near Chicago (edited). CC BY-SA 2.0


1 In einem weiteren Sinn könnte man unter CCU zum Beispiel auch Aufforstung und die Nutzung des Holzes als Baustoff oder Rohstoff für Treibstoff oder chemische Produkte verstehen. Das Factsheet bezieht sich aber auf CCU im engeren Sinn.

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Mai 2021: Höchste jemals gemessene CO2-Konzentration in der Atmosphäre

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Das NOOA Observatorium auf dem Mauna Loa in Hawaii meldete für Mai die höchste jemals gemessene CO2-Konzentration. Sie betrug im Monatsdurchschnitt 419,13 ppm. Zum Vergleich: Im Mai 2020 betrug sie 417 ppm. Der Anstieg entspricht dem der letzten Jahre. Der wirtschaftliche Rückgang durch die Covid-19-Pandemie hat in den Messungen praktisch keine Spur hinterlassen. „Wir brauchen Einschnitte, die viel schärfer und viel nachhaltiger sind als die durch Covid-19 bedingten Schließungen“, sagt Ralph Keeling, der Leiter des Beobachtungsprogramms auf dem Mauna Loa. Sein Vater Charles Keeling entdeckte als erster, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre trotz jahreszeitlicher Schwankungen von Jahr zu Jahr steigt. Nach ihm ist die Keeling-Kurve benannt, die diese Schwankungen und den Anstieg aufzeichnet.

Keeling-Kurve
Quelle: Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0


Im Mai wird regelmäßig die höchste CO2-Konzentration gemessen. Danach beginnen die Pflanzen auf der Nordhalbkugel, der Atmosphäre CO2 zu entziehen.

Gesichtet: A. B.

Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

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Schutz des Ozeans: Vorteile für Artenvielfalt, Produktion von Nahrungsmitteln und Klima

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Quelle: Sala, E., Mayorga, J., Bradley, D. et al. (2021) Protecting the global ocean for biodiversity, food and climate. Nature 592397–402 (2021).

Der Meeresboden ist das größte CO2-Reservoir auf der Erde. Besonders auf lange Sicht ist dies für uns wichtig – Der Meeresboden kann CO2 über Jahrtausende binden. Der Boden kann den gebundenen Kohlenstoff jedoch wieder als CO2 ins Wasser abgeben, wenn er beschädigt wird. Auslöser dafür können Schleppnetze sein, die beim industriellen Fischfang über den Meeresgrund gezogen werden. Das CO2, das dabei freigesetzt wird, kann eine Versauerung des Meeres verursachen. Dies kann sich wiederum negativ auf die Artenvielfalt und die Produktion von Nahrungsmitteln durch den Ozean auswirken.

Der Meeresboden ist weltweit der größte CO2-Speicher, wird jedoch kaum geschützt

Trotzdem stehen weltweit nur 7 % der Meere unter irgendeiner Form von Schutz und nur 2,6 % unter vollständigem oder besonderem Schutz. 26 Meeresbiolog*innen, Klimaexpert*innen und Ökonom*innen haben deshalb kürzlich einen Entwurf modelliert, der zeigen soll, welche Areale des Ozeans geschützt werden sollten, um drei Ziele zu erreichen: die Artenvielfalt im Meer zu erhalten, die Nahrungsproduktion zu fördern und klimaschädliche Emissionen zu verringern. 

Ziel 1: Die Artenvielfalt im Meer erhalten

Hinsichtlich der Biodiversität können 90 % der maximalen Vorteile erreicht werden, wenn insgesamt 21% des gesamten Ozeans geschützt werden. Und zwar wären das 6 % der Hochsee und 43 % der ausschließlichen Wirtschaftszonen der Küstenländer.(Ausschließliche Wirtschaftszone ist die 200-Seemeilen-Zone, in der ein Küstenstaat das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Nutzung hat.) Diese Zahlen gelten allerdings nur für eine global koordinierte Verteilungsstrategie der Schutzgebiete. Wenn die einzelnen Länder hingegen basiert auf nationalen Prioritäten schützen, müssten 44 % des gesamten Ozeans geschützt werden, um dasselbe zu erreichen. Internationale Zusammenarbeit ist also für den Artenschutz im Meer besonders wichtig.

Ziel 2: Produktion von Nahrungsmitteln fördern

Die Forscher*innen gehen davon aus, dass sich in vollständig oder besonders geschützten Meereszonen Fische und wirbellose Meerstiere vermehren würden, und sich von da aus dann in die ungeschützten Gebiete verbreiten würden, wo sie gefischt werden könnten. Würden 5,3 % des Ozeans in strategisch angelegten Zonen so geschützt, während der Fischfang sich auf die restlichen Meeresgebiete beschränkt, könnten bis zu 8,3 Megatonnen mehr Meeresfrüchte produziert werden als aktuell. Dies würde 90 % der Vorteile beinhalten, die für die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion erreicht werden können. Schützenswerte Zonen für dieses Ziel befinden sich vor allem in ausschließlichen Wirtschaftszonen.

Ziel 3: Klimaschädliche Emissionen verringern

Auf Basis von Satellitendaten schätzen die Forscher*innen, dass etwa 1,3 % des Meeres jährlich mit Grundschleppnetzen befischt werden. Dabei werden zwischen 0,58 und 1,47 Gigatonnen CO2 freigesetzt (Zum Vergleich: Die gesamten globalen CO2-Emissionen betragen 42 Gigatonnen jährlich). Wie viel genau davon in die Atmosphäre übergeht, ist zwar nicht klar, dennoch verändert der CO2-Gehalt im Wasser und im Boden die Umweltbedingungen und hat so Auswirkungen auf die Biodiversität und die Produktivität des Ozeans hinsichtlich Nahrungsmittel. 90 % der Risiken durch diese CO2-Freisetzung könnten allerdings durch 3,6 % Schutz, vor allem in ausschließlichen Wirtschaftszonen durchgeführt werden. Die ausschließliche Wirtschaftszone Chinas oder die europäischen Küstenregionen des Atlantiks sowie aufstrebende Regionen sind besonders von der CO2-Freisetzung bedrohte Gebiete.

In ihrer Studie identifizierten die Forscher jeweils Regionen für die einzelnen Ziele, die aus strategischer Sicht besonderen Schutz benötigen. In allen drei Fällen ist es effektiv Bereiche zu schützen, die durch menschliche Aktivitäten besonders bedroht sind. Dies sind vor allem Regionen, in denen großflächig industrieller Fischfang betrieben wird. Die Länder, die diese Regionen verwalten, können am meisten dazu beitragen, die Kohlenstofflager im Meeresgrund zu schützen und die Auswirkungen auf das Klima zu verringern. 

Ein besserer Schutz des Ozeans: Eine Win-Win-Win-Situation

Insgesamt können also Umwelt, Menschheit und Wirtschaft vom Schutz des Ozeans und seiner Arten profitieren. Um dies besonders effektiv zu gestalten, müssen die Nationen allerdings zusammenarbeiten und schnell handeln. So können die unterschiedlichen Vorteile am besten ausgeschöpft werden. 


Gesichtet: M.A.
Der zitierte Artikel ist zum Beispiel mit einem Zugang von der Universität Wien erreichbar.

Foto von PxHere

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Benzin aus Strom?
Potentiale und Risiken von synthetischen Kraftstoffen für den Klimaschutz
von Martin Auer

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Studie: Ueckerdt, F., Bauer, C., Dirnaichner, A. et al. Potential and risks of hydrogen-based e-fuels in climate change mitigation. Nature Climate Change (2021). https://doi.org/10.1038/s41558-021-01032-7

E-Fuels oder synthetische Kraftstoffe sind Kohlenwasserstoff-Brennstoffe, die aus Wasserstoff und CO₂ synthetisiert werden. Dabei wird Wasserstoff durch Elektrolyse aus Wasser gewonnten. CO₂ kann direkt aus der Atmosphäre, aus Biomasse oder aus Industrieemissionen gewonnen werden. Diese flüssigen oder gasförmigen Brennstoffe können ihr jeweiliges fossiles Gegenstück perfekt ersetzen. Sie zeichnen sich aus durch hohe Energiedichte und können gut gelagert und transportiert werden. Sie könnten also als Speicher für aus Windkraft- oder Solaranlagen gewonnene Energie genutzt werden.

Dadurch eignen sie sich sehr gut für den Einsatz in Bereichen, die nur schwer direkt elektrifiziert werden können, zum Beispiel für den Einsatz in der chemischen Industrie, für Langstreckenflüge, industrielle Prozesse, die hohe Temperaturen erfordern, Schwerlasttransporte und Langzeit-Energiespeicherung.

Problematisch ist laut den Autoren der Studie die Hoffnung, synthetische Brennstoffe könnten fossile Brennstoffe so weit ersetzen, dass der Umbau von Infrastrukturen für die direkte Elektrifizierung überflüssig wird. CO₂ mit Hilfe von synthetischen Brennstoffen einzusparen, kostet derzeit 800 bis 1.200 Euro pro Tonne. Bei großindustrieller Produktion könnten die Kosten bis 2050 auf 20 bis 270 Euro pro Tonne eingespartes CO₂ gesenkt werden. Doch die Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass synthetische Brennstoffe früh genug reichlich und billig zu haben sein werden. Es wäre gefährlich, die Transformation zu direkter Elektrifizierung zu vernachlässigen. Das könnte zu einem Lock-In-Effekt führen: Sollten E-Fuels nicht den Erwartungen entsprechen, wäre man weiter auf fossile Brennstoffe angewiesen. Eine vernünftige Klimapolitik, so die Autoren, sollte den Einsatz von synthetischen Brennstoffen fördern, aber sich absichern gegen das Risiko, dass nicht genügend davon zur Verfügung stehen könnten.

Die Autoren berechnen, dass die Energieeffizienz – also die Umwandlung von Elektrizität in nutzbare Energie – je nach Einsatzgebiet 10 bis 35 Prozent beträgt. Daraus folgt, dass 2 bis 14 Mal so viel elektrische Energie benötigt wird, als für die direkte Elektrifizierung.

Die Klimawirksamkeit von E-Fuels hängt von der Kohlenstoff-Intensität der zur Erzeugung benötigten Elektrizität und der CO₂-Quelle ab. Beim derzeitigen Elektrizitätsmix in Deutschland etwa (Daten von 2018), würden E-Fuels in Autos, LKWs oder Flugzeugen 3 bis 4 Mal so viel Treibhausgas emittieren als fossile Brennstoffe! Bis 2030 kann also von synthetischen Kraftstoffen kein Klimaschutz-Effekt erwartet werden, es sei denn, sie könnten aus Ländern mit reichlich Wind- und Sonnenkraft und den für die Erzeugung notwendigen Anlagen importiert werden.

Der vollständige Text der Studie ist zum Beispiel mit einem Zugang von der Universität Wien erreichbar: https://www.nature.com/articles/s41558-021-01032-7.

Anmerkung: Da auch in Österreich unter anderem von der Wirtschaftskammer Oberösterreich für E-Fuels als Ersatz für die Elektrifizierung von Heizung und Verkehr geworben wird, hat S4F unabhängig von dem nun erschienenen Artikel eine eigene Stellungnahme zu diesem Thema erarbeitet und kommt zu den gleichen Schlussfolgerungen:

  • Auf Grund der geringen Gesamteffizienz können bis 2030 synthetische Treibstoffe keinen nennenswerten Beitrag zur Reduktion unseres Ausstoßes liefern.
  • Die Herstellung ist derzeit nicht wirtschaftlich rentabel in Österreich umsetzbar.
  • Aufgrund der kleinen zu erwartenden Produktionsmenge sind syntehtische Kraftstoffe nur für Nischenanwendungen eine Lösung, dürfen aber nicht als Ausrede verwendet werden, eine Elektrifizierung im Heiz- und Verkehrssektor zu verzögern.

Titelfoto: Pixabay

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