Die Reichen und das Klima
von Martin Auer

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Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status haben einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf Treibhausgas-Emissionen. Und zwar direkt durch ihren Konsum und indirekt durch ihre finanziellen und sozialen Möglichkeiten. Dennoch zielen Klimaschutzmaßnahmen kaum auf diese Bevölkerungsgruppe ab und die Möglichkeiten solcher Initiativen sind noch kaum erforscht. Klimaschutz-Strategien müssen darauf abzielen, die Treibhausgas-Emissionen der Eliten zu reduzieren. Egal, welche Strategien man bevorzugt, ob Überredung und Überzeugungsarbeit oder politische und steuerliche Maßnahmen, auf jeden Fall muss die Rolle dieser Eliten mit ihrem hohen Konsum und ihrer politischen und finanziellen Macht, Klimagerechtigkeit zu behindern oder zu fördern, mit einbezogen werden. Fünf Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Psychologie, Nachhaltigkeitsforschung, Klimaforschung, Soziologie und Umweltforschung haben dazu kürzlich einen Beitrag im Fachblatt nature energy veröffentlicht1.

Wie wird „hoher sozio-ökonomischer Status“ definiert? In erster Linie durch Einkommen und Vermögen. Einkommen und Vermögen bestimmen wesentlich Status und Einfluss in der Gesellschaft, und sie wirken sich unmittelbar auf die Möglichkeiten zu konsumieren aus. Doch Personen mit hohem sozio-ökonomischem Status haben auch Einfluss auf Treibhausgas-Emissionen durch ihre Rollen als Investor*innen, als Bürger*innen, als Mitglieder von Organisationen und Institutionen und als gesellschaftliche Vorbilder.

Die Eliten verursachen die meisten Emissionen

Das reichste 1 Prozent verursacht 15 Prozent der durch Konsum hervorgerufenen Emissionen. Die ärmsten 50 Prozent dagegen verursachen zusammen nur halb so viel, nämlich 7 Prozent. Viele Superreiche mit Vermögen über 50 Millionen US-Dollar, die mit Privatjets zwischen mehreren Wohnsitzen auf der ganzen Welt pendeln, haben einen immens hohen CO2-Fußabdruck. Gleichzeitig werden diese Menschen am wenigsten von den Folgen des Klimawandels getroffen. Auch zeigen Studien, dass stärkere soziale Ungleichheit innerhalb eines Landes generell mit höheren Treibhausgas-Emissionen und weniger Nachhaltigkeit verbunden ist. Das liegt einerseits am Konsum dieser Menschen mit hohem Status und andererseits an ihrem Einfluss auf die Politik.

Drei Formen des Konsums sind es, die den größten Teil der Treibhausgas-Emissionen der Reichen und Superreichen bewirken: Flugverkehr, Kraftfahrzeuge und Immobilien.

Das Flugzeug

Foto: Emirates via flickr – Copyright released

Fliegen ist von allen Konsumformen die mit dem höchsten Energieverbrauch. Je höher das Einkommen, umso höher die Emissionen durch Flugverkehr. Und umgekehrt: Die Hälfte aller globalen Emissionen durch Flugverkehr wird durch das eine reichste Prozent verursacht (Siehe auch diesen Beitrag). Und würde das reichste Prozent in Europa auf Flugreisen gänzlich verzichten, würden diese Menschen 40 Prozent ihrer persönlichen Emissionen einsparen. Der globale Flugverkehr entlässt mehr CO2 in die Atmosphäre als ganz Deutschland. Die Reichen und Einflussreichen führen oft ein hypermobiles Leben und reisen sowohl privat als auch beruflich per Flugzeug. Zum Teil, weil ihr Einkommen es ihnen erlaubt, zum Teil, weil die Flüge vom Unternehmen bezahlt werden, oder auch, weil es zum Status gehört, Business-Class zu fliegen. Wie „plastisch“, also wie beeinflussbar dieses Mobilitätsverhalten ist, ist noch wenig erforscht, schreiben die Autor*innen. Soziale Normen rund um diese Hypermobilität zu verändern, scheint den Autor*innen ein wichtiger Hebel zur Verringerung der Emissionen aus diesem Bereich zu sein. Vielflieger*innen können eher die Zahl ihrer Flüge reduzieren, als Menschen, die vielleicht einmal im Jahr eine Flugreise buchen, um ihre Familie zu besuchen.

Das Auto

Foto: Dylan Pirozek via Unsplash

Kraftfahrzeuge, also in der Hauptsache Autos, machen in den USA den größten Anteil der Pro-Kopf-Emissionen aus, in Europa den zweitgrößten. Bei den größten Verursachern von CO2-Emissionen (wieder dem einen Prozent), macht das CO2 aus Kraftfahrzeugen ein Fünftel ihrer persönlichen Emissionen aus. Das größte Potenzial, diese verkehrsbedingten Emissionen zu reduzieren, hat der Umstieg auf öffentlichem Verkehr, Gehen und Radfahren. Der Effekt des Umstiegs auf batteriebetriebene Fahrzeuge wird unterschiedlich eingeschätzt, wird aber jedenfalls größer werden, wenn die Elektrizitätserzeugung dekarbonisiert wird. Menschen mit hohem Einkommen könnten diesen Übergang zur E-Mobilität anführen, da sie die hauptsächlichen Käufer neuer Autos sind. Mit der Zeit würden dann die E-Autos auch den Gebrauchtwagenmarkt erreichen. Doch um die Klimaerwärmung zu begrenzen, muss auch der Besitz und die Nutzung von Fahrzeugen eingeschränkt werden. Die Autor*innen betonen, dass diese Nutzung stark von der vorhandenen Infrastruktur abhängt, das heißt, wie viel Platz Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zur Verfügung gestellt wird.

Je höher das Einkommen, umso eher besitzen Menschen ein schweres Auto mit hohen Emissionen. Aber auch, wer nach sozialem Status strebt, kann sich bemühen, ein solches Fahrzeug zu besitzen. Menschen mit hohem gesellschaftlichen Status könnten, so meinen die Autor*innen, dazu beitragen, neue Statussymbole zu etablieren, zum Beispiel das Wohnen in einer fußgängerfreundlichen Umgebung. Während der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie sind die Emissionen zeitweilig zurückgegangen. Zum größten Teil wurde dieser Rückgang durch weniger Straßenverkehr bewirkt, nicht zuletzt, weil viele Menschen von zu Hause gearbeitet haben. Und die Berufe, wo das möglich ist, sind hauptsächlich solche mit höherem Einkommen.

Die Villa

Foto: Thank You via flickr

Das bekannte eine Prozent ist auch für einen großen Teil der Emissionen aus dem Bereich des Wohnen verantwortlich, nämlich für 11 Prozent. Diese Menschen besitzen größere Häuser oder Wohnungen, haben mehrere Wohnsitze und benutzen Haushaltsgüter mit hohem Energieverbrauch, zum Beispiel zentrale Klimaanlagen. Andererseits haben Menschen mit hohem Einkommen mehr Möglichkeiten, ihre Emissionen durch Maßnahmen mit hohen Anfangskosten zu reduzieren, zum Beispiel Heizungsanlagen zu erneuern oder Solarpanele anzubringen. Das größte Potenzial in diesem Bereich hat der Umstieg auf erneuerbare Energien, gefolgt von umfangreichen Renovierungen zur energetischen Sanierung und der Umrüstung auf energiesparende Haushaltsgeräte. Gut abgestimmte öffentliche Maßnahmen können das auch für Haushalte mit kleinerem Einkommen ermöglichen.

Studien zu Verhaltensänderungen haben sich bisher, so sagen die Autor*innen, leider auf Verhaltensweisen mit relativ geringem Klimaschutzpotential konzentriert. (Vor allem auf Verhaltensänderungen, die zu einem sofortigen oder nahezu sofortigen Effekt führen, wie z. B. den Thermostat der Heizung zurückzudrehen2.) Die vorhandenen Erkenntnisse zum Einfluss des sozio-ökonomischem Status auf Möglichkeiten zu Verhaltensänderungen sind unterschiedlich. So würden Menschen mit höherem Einkommen und höherer Bildung zwar eher in Maßnahmen zur Verbesserung der Energie-Effizienz oder in effizientere Technologien investieren, aber trotzdem nicht weniger Energie verbrauchen. Allerdings hätten, wie schon gesagt, Menschen mit höherem Einkommen die besseren Möglichkeiten, ihre Emissionen zu reduzieren.

Nach bisheriger Erfahrung haben CO2-Steuern den Konsum von Haushalten mit hohem Einkommen kaum beeinflusst, weil diese zusätzlichen Kosten in deren Budget vernachlässigbar sind. Auf der anderen Seite werden Haushalte mit geringem Einkommen durch solche Steuern stark belastet3. Politische Maßnahmen, die zum Beispiel dazu beitragen, Anschaffungskosten zu reduzieren, wären ökonomisch gerechter.

Die Lage von Wohnsitzen mit hohem Status kann Treibhausgas-Emissionen verstärken oder verringern. Ein Wohnsitz im teuren, dicht besiedelten Stadtzentrum, wo Wohneinheiten auch kleiner sind, wirkt sich günstiger aus, als ein Wohnsitz außerhalb der Stadt, wo die Wohneinheiten größer sind und wo die meisten Wege mit Kraftfahrzeugen zurückgelegt werden.

Die Autor*innen betonen, dass das Konsumverhalten nicht nur durch rationale Entscheidungen bestimmt wird, sondern auch durch Gewohnheiten, soziale Normen, Erfahrungen und Neigungen. Preise können ein Weg sein, Konsumverhalten zu beeinflussen, aber Strategien, um soziale Normen zu verändern oder Routinen zu durchbrechen, können ebenfalls sehr erfolgreich sein.

Das Portfolio

Foto;  Csaba Nagy auf Pixabay

Das obere eine Prozent investiert natürlich am meisten in Aktien, Anleihen, Unternehmen und Immobilien. Wenn diese Personen ihre Investitionen in emissionsarme Unternehmen verlagern, können sie einen Strukturwandel antreiben. Investitionen in fossile Energieträger verzögern andererseits die Verringerung von Emissionen. Die Bewegung, den fossilen Industrien die Finanzierung zu entziehen, geht vor allem von Elite-Universitäten, Kirchen und einigen Pensionsfonds aus. Personen mit hohem sozio-ökonomischem Status können solche Institutionen beeinflussen, diese Bestrebungen zu übernehmen oder zu behindern, da sie zum Teil Positionen in Lenkungsgremien innehaben, aber auch durch ihre informellen Kontakte und Beziehungen.

Als Anzeichen für eine Änderung der sozialen Normen sehen die Autor*innen auch die zunehmende Zahl von „grünen“ Investmentfonds und eine neue EU-Regulierung, die Anlageverwalter*innen dazu verpflichtet, offenzulegen, wie sie Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer Beratungstätigkeit für Investor*innen berücksichtigen. Auf emissionsarme Industrien konzentrierte Fonds erleichtern auch die Verhaltensänderung, weil sie es für Investor*innen einfacher und daher günstiger machen, sich über die Emissionswirkungen verschiedener Investitionen zu informieren. Die Autor*innen meinen, dass Anstrengungen, klimagerechte Investitionen zu fördern, sich noch viel mehr auf die Schichten mit den höchsten Einkommen konzentrieren sollen, da diese einen großen Teil des Marktes kontrollieren und bis jetzt ihr Verhalten nur zögerlich verändert haben oder in einigen Fällen Veränderungen aktiv aufgehalten haben.

Die Prominenz

Foto: Rainboy 1981 via Wikimedia CC BY-SA

Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status haben bisher die Treibhausgas-Emissionen in die Höhe getrieben. Aber sie könnten auch zum Klimaschutz beitragen, da sie als Vorbilder großen Einfluss haben. An ihnen orientieren sich gesellschaftliche und kulturelle Vorstellungen von dem, was ein gutes Leben ausmacht. Als Beispiel führen die Autor*innen an, dass die Beliebtheit von hybriden und später vollständig elektrischen Autos durch Prominente vorangetrieben wurde, die solche Fahrzeuge angeschafft haben. Auch Veganismus hat durch Prominente an Popularität gewonnen. Die vollständig veganen Golden-Globe-Feierlichkeiten von 2020 hätten dazu wesentlich beigetragen.

Aber natürlich können Menschen mit hohem Status auch zur Verfestigung der bestehenden Verhaltensweisen beitragen, indem sie ihren übermäßigen Konsum zur Schau stellen und so die Funktion von Konsum als Statussymbol bestärken.

Durch ihre finanzielle und soziale Unterstützung für politische Kampagnen, Denkfabriken oder Forschungsinstitute können Menschen mit hohem Status den Diskurs über den Klimawandel positiv oder negativ beeinflussen, ebenso durch ihre Verbindungen zu einflussreichen Institutionen wie Elite-Universitäten. Da es bei Klimaschutzmaßnahmen Gewinner und Verlierer gibt, so die Autor*innen, können Menschen mit hohem Status ihre Macht gebrauchen, solche Anstrengungen zu ihrem Vorteil zu gestalten.

Die CEOs

Foto: Michèle Pauty, Austrian Airlines via Wikimedia CC BY-SA

Durch ihre berufliche Position beeinflussen Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status unverhältnismäßig stark die Emissionen von Unternehmen und Organisationen, einerseits direkt als Besitzer*innen, Aufsichtsratsmitglieder, Manager*innen oder Berater*innen, andererseits indirekt, indem sie die Emissionen ihrer Lieferant*innen, Kund’*innen und Konkurrent*innen beeinflussen. In den letzten Jahren haben viele private Organisationen Klimaziele beschlossen oder Anstrengungen unternommen, ihre Lieferketten zu dekarbonisieren. In manchen Ländern haben private Initiativen von Unternehmen und Organisationen mehr Fortschritte in Richtung Klimaschutz gemacht, als die Staaten. Unternehmen entwickeln und bewerben auch klimafreundliche Produkte.

Elite-Angehörige betätigen sich auch als Klima-Philanthropen. Zum Beispiel wurde das C40 Cities Klimanetzwerk aus dem persönlichen Vermögen eines ehemaligen Bürgermeisters von New York4 finanziert. Die Rolle von Philanthropie für den Klimaschutz ist allerdings umstritten.

Es wird noch zu wenig erforscht, in welchem Ausmaß Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status ihre Möglichkeiten zu Veränderung tatsächlich nutzen, und wie Initiativen, die direkt auf diese Schicht abzielen, deren Potenzial zu Veränderungen verstärken könnten. Da die meisten Mitglieder der Eliten ihr Einkommen aus Investitionen beziehen, können sie auch Quellen des Widerstands gegen Reformen sein, wenn sie ihre Profite oder ihren Status durch solche Reformen gefährdet sehen.

Die Lobby

Foto: Ciaran McCrickard via Flickr CC BY-NC-SA

Menschen beeinflussen Treibhausgas-Emissionen auf der staatlichen Ebene durch Wahlen, durch Lobbying und durch die Teilnahme an sozialen Bewegungen. Die Netzwerke nicht des obersten einen Prozents, sondern des obersten Zehntelprozents bilden den Kern der politischen und Ökonomischen Macht, sowohl global als auch in den meisten Ländern. Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status haben in ihrer Rolle als Bürger*innen unverhältnismäßig großen Einfluss. Sie haben besseren Zugang zu den Entscheidungsträger*innen in privaten Unternehmen und im öffentlichen Sektor. Ihre finanziellen Ressourcen ermöglichen ihnen, durch Zuwendungen an Lobbygruppen, Politiker*innen und soziale Bewegungen, ihren Einfluss auf diese Gruppen zu erweitern und soziale Veränderungen zu fördern oder zu blockieren. Die Energiepolitik von Staaten wird stark durch Lobbying beeinflusst. Eine sehr kleine Anzahl sehr einflussreicher Menschen wirkt wesentlich auf Entscheidungen ein.

Das politische Handeln der Eliten war bisher ein mächtiges Hindernis für Maßnahmen, den Klimawandel einzudämmen. Im Energiesektor kam politisches Lobbying und Einflussnahme auf die öffentliche Meinung in überwältigendem Ausmaß vom fossilen Sektor und begünstigte Politiken, die die Erzeugung und den Konsum von fossilen Brennstoffen einzementieren. Beispielsweise haben zwei Ölmilliardäre5 über Jahrzehnte tiefgreifenden Einfluss auf den politischen Diskurs in den USA genommen und ihn nach rechts gedrängt, was den Aufstieg von Politiker*innen begünstigt hat, die niedrige Steuern befürworten, gegen Umweltschutz und Klimaschutz auftreten und prinzipiell misstrauisch gegenüber staatlicher Einflussnahme sind.

Unternehmen für erneuerbare Energien und andere, die von einer dekarbonisierten Zukunft profitieren würden, könnten theoretischen diesen Einflüssen entgegentreten, doch war ihre Wirkung bislang minimal.

Was noch erforscht werden muss

In ihren Schlussfolgerungen nennen die Autor*innen drei hauptsächliche Forschungslücken:

Erstens, wie beeinflussbar ist das Konsumverhalten der Eliten, vor allem in Bezug auf Flugverkehr, Kraftfahrzeuge und Wohnen? Dass die negativen Auswirkungen des Fliegens keinen Preis haben, ist eine direkte Subventionierung der Reichsten, da sie für 50 Prozent der Flugemissionen verantwortlich sind. Eine lineare CO2-Steuer würde sich wahrscheinlich kaum auf das Konsumverhalten der Reichen auswirken. Eine Vielflieger-Abgabe, die mit der Anzahl der Flüge höher wird, könnte wirksamer sein. Eine generelle progressive Besteuerung hoher Einkommen und großer Vermögen könnten sich besonders günstig auf das Klima auswirken. Damit könnte man den Prestige-Konsum einschränken. Die relativen Statusunterschiede würden erhalten bleiben: Die Reichsten wären immer noch die Reichsten, aber sie wären nicht mehr um so viel reicher als die Ärmsten. Die Ungleichheit in der Gesellschaft würde dadurch reduziert und der unverhältnismäßig hohe Einfluss der Elite auf die Politik vermindert. Doch diese Möglichkeiten müssen noch viel besser erforscht werden, so die Autor*innen.

Eine zweite Forschungslücke betrifft die Rolle von Menschen mit hohem sozio-ökonomischem Status in Unternehmen. Wie weit gehen die Möglichkeiten solcher Personen, Unternehmenskultur und Unternehmensentscheidungen in Richtung geringerer Emissionen zu verändern, und wo liegen ihre Grenzen?

Eine dritte Forschungslücke machen die Autor*innen aus, inwiefern die Art der Einflussnahme von Personen mit hohem sozio-ökonomischem Status die Politik betrifft, nämlich durch ihr politisches Kapital, ihren Einfluss auf Unternehmen und Organisationen und durch finanzielle Unterstützung von Lobbying und politischen Kampagnen. Diese Eliten haben bisher am meisten von den gegenwärtigen Strukturen der Politik und der Wirtschaft profitiert, und es gibt einige Hinweise, dass Altruismus mit höherem Wohlstand abnimmt. Es geht darum, zu verstehen, wie unterschiedliche Elite-Personen ihren Einfluss nutzen, um die rasche Dekarbonisierung zu fördern oder zu behindern.

Zum Abschluss betonen die Autor*innen, dass die Eliten mit hohem sozio-ökonomischem Status in großem Ausmaß für den Klimawandel und die daraus folgenden Schäden verantwortlich sind. Doch die Machtpositionen, die sie haben, würden ihnen auch ermöglichen, auf die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen hinzuwirken und damit auch die Verringerung von Klimaschäden.

Die Autor*innen wollen die Rolle von Menschen ohne hohen Status bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht in Frage stellen, und sie betonen auch die Rollen von Indigenen und lokalen Bevölkerungen. Doch in dieser Untersuchung konzentrieren sie sich eben auf die, die die Probleme zum größten Teil verursacht haben. Keine einzelne Strategie kann das Problem lösen, und die Handlungen der Eliten können große Wirkung haben. Darum sind weitere Forschungen darüber, wie das Verhalten der Eliten geändert werden kann, von großer Bedeutung.

Gesichtet: Sarah Moussa
Titelbild: martinvarsavsky via flickr CC BY


1 Nielsen, Kristian S.; Nicholas, Kimberly A.; Creutzig, Felix; Dietz, Thomas; Stern, Paul C. (2021): The role of high-socioeconomic-status people in locking in or rapidly reducing energy-driven greenhouse gas emissions. In: Nat Energy 6 (11), S. 1011–1016. DOI: 10.1038/s41560-021-00900-y .

2 Nielsen KS, Clayton S, Stern PC, Dietz T, Capstick S, Whitmarsh L (2021): How psychology can help limit climate change. Am Psychol. 2021 Jan;76(1):130-144. doi: 10.1037/amp0000624

3 Die Autor*innen beziehen sich hier auf lineare Steuern ohne begleitende Ausgleichsmaßnahmen wie etwa einen Klimabonus.

4 Gemeint ist Michael Bloomberg, vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/C40_Cities_Climate_Leadership_Group

5 Gemeint sind die Koch-Brüder, vgl. Skocpol, T., & Hertel-Fernandez, A. (2016). The Koch Network and Republican Party Extremism. Perspectives on Politics, 14(3), 681-699. doi:10.1017/S1537592716001122



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