Seit Paris haben Banken die fossile Industrie mit fast 7 Billionen Dollar finanziert

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Laut dem Report „Banking on Climate Chaos“ haben die großen Banken der Welt seit dem Pariser Abkommen fast 7 Billionen (6.900.000.000) US-Dollar an Finanzmitteln für die fossile Industrie bereitgestellt. Forscher für den Bericht, der mittlerweile in der 15. Auflage erscheint, analysierten die Kreditvergabe der 60 größten Banken der Welt an mehr als 4.200 Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen.

Fast die Hälfte – 3,3 Billionen US-Dollar – wurden in den weiteren Ausbau der fossilen Industrie . Selbst im Jahr 2023, zwei Jahre nachdem viele große Banken versprochen hatten, im Rahmen der Net Zero Banking Alliance auf eine Reduzierung der Emissionen hinzuarbeiten, beliefen sich die Bankfinanzierungen für fossile Unternehmen auf 705 Milliarden US-Dollar, wobei 347 Milliarden US-Dollar in die Expansion flossen.

Die größten Finanziers waren US-Banken, allen voran JP-Morgan Chase und Bank of America, Der weltweit zweitgrößte Geldgeber für fossile Brennstoffe war die japanische Bank Mizuho, Europas größte Finanziers waren Barclay, Santander und Deutsche Bank. Insgesamt haben europäische Banken dem Bericht zufolge im Jahr 2023 etwas mehr als ein Viertel der gesamten Finanzierung fossiler Brennstoffe aufgebracht.



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Gespräch der S4F Regionalgruppe West mit Ministerin Gewessler: Wird das Renaturierungsgesetz scheitern oder wird es wie die Alpenkonvention ein Papiertiger?

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer 2 Minuten.   

Die Regionalgruppe West der Scientists for Future hatte am KlimaCamp in Innsbruck ein kurzes aber fruchtbares Treffen mit Frau Ministerin Gewessler. Im Zuge dessen diskutierten sie die wenigen Optionen für ein mögliches Zustandekommen des EU-Renaturierungsgesetzes Das Renaturierungsgesetz ist als Biodiversitätsstrategie ein Kernelement des Europäischen Green Deals

Schweden, Polen, Italien, die Niederlande und – im letzten Moment, auf Betreiben des belgischen Ministerpräsidenten – Ungarn haben angekündigt, dagegen stimmen zu wollen, Österreich, Finnland und Belgien wollen sich enthalten, wodurch das Gesetz nicht die notwendige qualifizierte Mehrheit erreichte. Damit das Gesetz in Kraft treten kann, müssen 15 Mitgliedsstaaten zustimmen, die zugleich auch mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Gegenwärtig wird die Zahl der Länder erreicht, das 65-Prozent-Quorum aber knapp verfehlt. Da das Gesetz beim Treffen der ständigen Vertreter beim EU-Rat diese qualifizierte Mehrheit nicht erreicht hat, konnte die Ratspräsidentschaft es nicht an das Treffen der Umweltminister:innen zur formellen Billigung verweisen.

Inzwischen wurde bekannt, dass Österreich die Option hat, das Gesetz via Zustimmung eines Landeshauptmannes bzw. einer Landeshauptfrau zu ratifizieren. Wenn die Länder zu einem Vorhaben eine einheitliche Stellungnahme an den Bund übermitteln, dann ist der Bund bei Verhandlungen und Abstimmungen in der EU an diese Stellungnahme gebunden. Widerspricht aber nur ein einziges Land der Stellungnahme, dann ist die Ministerin frei, nach eigenem Ermessen zu stimmen.

Die Option, das Renaturierungsgesetz mit Hilfe der Alpenkonvention umzusetzen, erwies sich als nicht gangbar. Die Alpenkonvention stellte sich als zahnloser Tiger heraus, blockiert durch die Schweiz und Bayern. Die RG-West wird weiterhin Druck auf die Alpenländer ausüben, In den Alpen sind die Temperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp zwei Grad Celsius gestiegen – beinahe doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. Und sie sollen noch mehr steigen. Forscher sagen einen Anstieg von weiteren zwei Grad Celsius für die nächsten 40 Jahre voraus.

Die S4F-West hat eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Optionen für weiteres Vorgehen zu entwickeln. Sie stehen mit Mitgliedern des Kabinetts von BM Gewessler, dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Climate Change Center Austria, Club of Rome, WWF und weiteren Organisationen in Verbindung.

Obwohl die S4F-West mit den besten Denkfabriken in Kontakt wäre, erscheint es unmöglich, einen Termin bei einem der Neun Landeshauptleuten zu bekommen.

Daher bitten sie um dringende Unterstützung von den österreichischen Regionalgruppen und den Mitgliedern der S4F. Unsere Schwesterorganisation in Deutschland plant aktuell ein Stellungnahme zu veröffentlichen.

Optionen zur Unterschrift:

https://www.renaturierungsgesetz.at

https://actionnetwork.org/petitions/natur-retten

https://actionnetwork.org/petitions/natur-retten


FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Der Kampf gegen den Klimawandel ist auch ein Kampf gegen die Krise der Lebenshaltungskosten

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Erhöhte Durchschnittstemperaturen könnten die jährliche Lebensmittelinflation um bis zu 3,2 Prozentpunkte pro Jahr und die Gesamtinflation um bis zu 1,18 Prozentpunkte pro Jahr bis 2035 ansteigen lassen. Dies zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK und der Europäischen Zentralbank EZB, die in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht wurde. Dieser Effekt bleibt über 12 Monate in reichen und armen Ländern gleichermaßen bestehen, was den Klimawandel zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Preisstabilität macht.

In der Studie untersuchten die Forschenden, wie sich Klimakennzahlen – wie hohe Temperaturen, extreme Regenfälle usw. – in historischen Daten auf die Inflation ausgewirkt haben. Die Studie zeigt, dass die Inflation nicht linear auf den Anstieg der monatlichen Durchschnittstemperatur reagiert: Den Autorinnen und Autoren zufolge steigt die Inflation, wenn die Temperaturen steigen, und zwar am stärksten im Sommer und in heißen Regionen in niedrigeren Breitengraden, zum Beispiel im globalen Süden.Die Forschenden untersuchten auch den Sommer 2022 in Europa, als Hitze und Trockenheit weitreichende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Wirtschaft hatten: „Anhand unserer Ergebnisse schätzen wir, dass der extreme Hitzesommer 2022 die Lebensmittelinflation in Europa um etwa 0,6 Prozentpunkte erhöht hat. Die für 2035 prognostizierte künftige Erwärmung würde die Auswirkungen solcher Extreme um 50 Prozent verstärken“, erklärt Maximilian Kotz, PIK-Forscher und Erstautor der Studie. „Diese Auswirkungen sind für Währungsunionen mit einem Inflationsziel von zwei Prozent wie die Eurozone sehr relevant und werden sich mit der zukünftigen globalen Erwärmung noch verstärken.“

Artikel: Maximilian Kotz, Friderike Kuik, Eliza Lis, Christiane Nickel (2024): Global warming and heat extremes to enhance inflationary pressures. Communications Earth & Environment. [DOI: 0.1038/s43247-023-01173-x]



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Petition an die Landeshauptleute: Blockade des EU-Renaturierungsgesetzes beenden!

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Das EU-Renaturierungsgesetz, das bereits vom EU-Parlament im Februar 2024 verabschiedet wurde, zielt darauf ab, nachhaltige Standards im Schutz von Natur und Lebensräumen in Europa zu setzen. Trotz der Unterstützung durch SPÖ, Grüne und NEOS im EU-Parlament wird das Gesetz von den für Naturschutz zuständigen Bundesländern Österreichs blockiert.

Die fehlende Zustimmung Österreichs zum EU-Renaturierungsgesetz blockiert derzeit den Beschluss dieses Gesetzes in ganz Europa. Das Gesetz wäre die Grundlage einer EU-weiten Antwort auf die Klima- und Biodiversitätskrise.

Ein vielfältig zusammengesetztes, weitreichend engagiertes und parteiunabhängiges Unterstützungskomitee hat in Österreich eine Petition für das EU-Renaturierungsgesetz gestartet. Ziel ist, die Blockade durch einige Bundesländer aufzulösen, die bisher die Zustimmung zum Gesetz verweigern, obwohl das Umweltministerium seine Unterstützung zugesichert hat. Diese Maßnahme soll dringend benötigte Dynamik in die Angelegenheit bringen.

https://www.renaturierungsgesetz.at



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

In Zukunft könnte der Klimawandel die Artenvielfalt stärker schädigen als Landnutzungsänderungen

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Die globale Artenvielfalt ist im 20. Jahrhundert allein durch Änderung der Landnutzung (Z.B. Umwandlung von Wald in Ackerland oder Weide) um2% bis 11% zurückgegangen. Das besagt eine kürzlich in Science veröffentlichte Studie. Die Arbeit wurde vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) geleitet und ist die bisher umfangreichste Modellierungsstudie ihrer Art. Die Forscherinnen und Forscher verglichen dreizehn Modelle; diese berechneten die Auswirkungen von Landnutzungs- und Klimawandel auf vier verschiedene Messgrößen biologischer Vielfalt sowie auf neun verschiedene Ökosystemleistungen. Die Studie ergab auch, dass sich im 20. Jahrhundert versorgende Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel die Produktion von Nahrungsmitteln und Holz, vervielfacht haben. Dagegen sind regulierende Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel Bestäubung durch Insekten oder die Bindung klimarelevanten Kohlenstoffs, leicht zurückgegangen.

Den Berechnungen zufolge wird der Klimawandel sowohl die biologische Vielfalt als auch die Ökosystemleistungen zusätzlich beeinträchtigen. Während der Landnutzungswandel weiterhin eine wichtige Rolle spielt, könnte der Klimawandel bis Mitte des 21. Jahrhunderts zum Hauptgrund für den Rückgang biologischer Vielfalt werden.

Die Forscher:innen betonen, dass Modellierungen keine Vorhersagen von unvermeidlichen Ereignissen sind, sondern aufzeigen, welche Alternativen es gib, welche Auswirkungen verschiedene Maßnahmen oder das Unterlassen von Maßnahmen haben könnten, damit die erfolgversprechendsten Handlungen gesetzt werden.

„Unsere Ergebnisse zeigen klar, dass die derzeitigen politischen Maßnahmen nicht ausreichen, um die internationalen Ziele für biologische Vielfalt zu erreichen. Wir müssen mehr tun, um eines der größten globalen Probleme zu lösen: den vom Menschen verursachten Wandel der biologischen Vielfalt.“

Originalstudie: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adn3441
Deutsche Zusammenfassung: https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/5306.html



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

170 Wissenschaftler:innen fordern Ja der Bundesländer zum EU-Renaturierungsgesetz

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Auf Initiative der Umweltschutzorganisation WWF Österreich fordern 170 Wissenschaftler:innen eine Zustimmung der Bundesländer zum geplanten EU-Renaturierungsgesetz. “Intakte Ökosysteme sind unsere besten Verbündeten und eine Rundum-Lösung für viele Probleme. Daher ist eine Blockade dieses Gesetzes verantwortungslos und gefährlich”, sagt WWF-Programmleiterin Hanna Simons. Derzeit verhindert eine negative Stellungnahme aller Bundesländer ein Ja Österreichs im EU-Umweltrat.

Der Brief wurder unter anderem von dem Ökologen Franz Essl, der Landschaftsökologin Rafaela Schinegger, dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, der Umwelthistorikerin Verena Winiwarter und der ehemaligen Leiterin des Sekretariats des UNO-Weltklimarats (IPCC), Renate Christ unterzeichnet. Die Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass aus wissenschaftlicher Sicht „die Verbesserung und Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme zu den dringlichsten Aufgaben der nächsten Jahrzehnte“ zähle.

„In seiner Gesamtwirkung würde das Gesetz als eine Art Rundum-Lösung auch die langfristige Ernährungssicherheit Europas stärken sowie durch naturbasierte Lösungen (NbS) beispielsweise Siedlungsräume und Agrarflächen vor Hochwasser schützen, weil es an den Wurzeln vieler Probleme ansetzt“ erklären die Wissenschaftler:innen.

Ohne ein Einlenken der Landeshauptleute jedoch, so warnen sie, „droht ausgerechnet Österreich zum politischen Totengräber eines vorbildlichen Ansatzes zu werden, der eine EU-weite Antwort auf die gekoppelte Klima- und Biodiversitätskrise darstellt“.

https://www.wwf.at/eu-renaturierungsgesetz-170-wissenschaftlerinnen-fordern-ja-der-bundeslaender

Brief zum Download



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Das Great Barrier Reef erlebt die bisher schlimmste Massenbleiche

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Australiens berühmtes Great Barrier Reef erlebt die fünfte Massenbleiche in acht Jahren – und diese ist die schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen. In einem Bericht der Riffmanagementbehörde der australischen Regierung wurden Luftaufnahmen von 1.080 der schätzungsweise 3.000 einzelnen Riffe des Riffs sowie einige Untersuchungen im Wasser analysiert.

Korallen „bleichen“, wenn sie durch die Erwärmung des Wassers aufgrund des Klimawandels gestresst werden, und vertreiben ihre farbenfrohen Zooxanthellen. „Das ganze Ökosystemdes Riffs wird transformiert“,, sagt Meeresbiologe Terry Hughes. „Arten wie Fische, Krebstiere usw. hängen alle von der Struktur und Dreidimensionalität des Lebensraums ab, den Korallen bieten“. „Wenn man viele Korallen verliert, wirkt sich das auf alles aus, was von Korallen abhängt.“

Die Lösung für das Bleichproblem sei klar, sagte er: „Treibhausgasemissionen reduzieren. Punkt.“

https://www.nature.com/articles/d41586-024-01151-z



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Klimaforscher: CO2-Abscheidung und Speicherung bleibt ein EU-Wunschtraum

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Die Europäische Kommission hat am 6. Februar ein ehrgeiziges Klimaziel für 2040 vorgestellt : die Netto-Treibhausgasemissionen um 90 % im Vergleich zu 1990 zu senken. Laut der Zeitschrift nature sagen Forscher:innen, dass das Ziel zwar bewundernswert ist, aber die Gefahr besteht, dass man sich zu sehr auf Technologien wie die weitgehend unbewiesene Kohlenstoffentfernung verlässt, anstatt der Reduzierung des Einsatzes fossiler Brennstoffe Vorrang einzuräumen.

„Es wird sehr schwierig sein, eine Emissionsreduzierung von 90 % oder 95 % zu erreichen, ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe stark einzuschränken“, sagt Richard Klein, Klimaforscher am Stockholmer Umweltinstitut. „Kohlenstoffabscheidung und -Speicherung ist großartig, wenn sie funktioniert“, sagt Klein. „Aber es hat sich einfach nicht gezeigt, dass es in dem Ausmaß funktioniert, das nötig wäre – es bleibt ein Wunschtraum.“ Und weiter: „Es wäre sehr gefährlich, stark auf die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung zu setzen, denn es würde das Signal geben, dass man grundsätzlich weiterhin in fossile Brennstoffe investieren kann, und das würde völlig im Widerspruch zu dem stehen, was in Dubai auf der COP28 vereinbart wurde.“

https://www-nature-com.uaccess.univie.ac.at/articles/d41586-024-00361-9



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

S4F Salzburg: Neue Mehrheitsverhältnisse lassen auf ambitioniertere Klima- und Verkehrspolitik hoffen

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer 4 Minuten.   

Zehn Fragen stellten die Scientists for Future (S4F) an Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), die Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ+) und Florian Kreibich (ÖVP) sowie Stadträtin Anna Schiester (Bürgerliste). „Die neuen Mehrheitsverhältnisse und Ressortverantwortlichen lassen auf eine ambitioniertere Klima- und Verkehrspolitik hoffen. Zu erwarten ist eine Qualitätsoffensive beim O-Bus sowie bei der Radinfrastruktur, zu hoffen auf mehr leistbaren Wohnraum, mehr Mut zu Solarenergie sowie mehr Grün in der Stadt“, so der Transformationsexperte Hans Holzinger, der die Fragen für S4F erstellt hat. Die drastische Reduktion des Autoverkehrs müsse noch klarer vermittelt und mit  lenkenden Maßnahmen unterstützt werden, da die alleinige Verbesserung der Alternativangebote für eine Änderung des Mobilitätsverhaltens nicht in der Regel nicht reiche. Über den S-Link werde wohl die zweite Bürgerbefragung entscheiden.

Mehr Mut wünscht man sich auch für die Energiewende. Vorbildwirkung der Stadt im Bereich der eigenen Gebäude sei wichtig, es gehe „aber auch um die Vereinfachung der PV-Nutzung etwa in den Schutzzonen der Stadt und den politischen Auftrag dafür, welcher auch in Abstimmung mit dem Land auf den Weg gebracht werden muss“, so der Energieexperte Franz Kok. Er wünscht sich auch mehr Unterstützung für Energiegemeinschaften, etwa bei im Miteigentum der Stadt stehenden gemeinnützigen Wohnbauträgern. Offen aber mindestens so wichtig sei die Dekarbonisierung der Fernwärme. „Dazu ist bisher jedoch weder von der SalzburgAG noch von Seiten der Stadtpolitik ein sachlich fundierter Vorschlag wahrnehmbar.“

Biodiversitätsexperte Andreas Tribsch begrüßt, dass Maßnahmen zur Stadtbegrünung Thema sind, um die Lebensqualität der Menschen zu steigern und Hitzeinseln vorzubeugen, wünscht sich aber mehr Aufmerksamkeit für Biodiversität und Natur in der Stadt, da „Siedlungsräume wesentliche Rückzugsgebiete für viele Tier- und Pflanzenarten sind.“ Jens Blechert, Sprecher von Scientists for Future Salzburg, betont die Notwendigkeit eines permanenten Monitorings der Fortschritte in der Klimapolitik von Stadt und Land. Die Gruppe stehe in ihren Möglichkeiten gerne beratend zur Verfügung und werde die Klimabewegung weiterhin wissenschaftlich unterstützen. Bei der Rademeo am 26. April werden die Scientists for Future ebenfalls vertreten sein.

Im ersten Link finden Sie die gesamten Ergebnisse der Befragung und im zweiten Link und untenstehend eine Zusammenfassung zentraler Aspekte für die Presse.  

Offensive für Bus und Fahrrad 

Mehr Busspuren, Rückkehr zum 10-Minutentakt, attraktive Haltestellen sowie gute Arbeitsbedingungen für Busfahrer und Busfahrerinnen lauten einige der Vorschläge im Bereich Verkehr. Auinger setzt auf die neue Verkehrsgesellschaft im Zuge der Ausgliederung des O-Bus aus der Salzburg AG, vorstellen kann er sich etwa „neue Expresslinien mit Doppelgelenksbussen“ für Pendelnde. Schiester und Dankl sprechen sich für eine starke Ausweitung des Radverkehrsbudgets aus – mindestens eine Verdoppelung auf 4 Millionen Euro sollen es werden, Auinger ist für eine Erhöhung „grundsätzlich offen“, für Kreibich erscheinen „die 2 Mio. € jährlich“ ausreichend. 

S-Link als strittiger Punkt

Ein strittiger Punkt ist der S-Link, den Bürgermeister Auinger weiterhin für zu teuer und ineffizient hält. Es gäbe „weitaus kostengünstigere, bessere und schnellere Lösungsansätze“. Für Kreibich ist der S-Link „de facto alternativlos“, Schiester plädiert für eine offene und transparente Diskussion auch mit den Gegnern, Dankl fordert „einen Pan B“von jenen, die das Projekt ablehnen. Entscheiden wird hier wohl die neue Bürgerbefragung. Die Scientists wollten auch wissen, wie sie den Bürgern und Bürgerinnen die notwendige Zurückdrängung des Autoverkehrs vermitteln wollen. Hier wird vor allem mit einem besseren Angebot an Alternativen argumentiert, Schiester setzt auch auf den Zugewinn an Lebensqualität, der den Menschen vermittelt werden soll.

Uneinigkeit bei neuem Kurzstreckenflug Wien-Salzburg, Mehrheit bei Umwidmung der Gewinne der Parkgaragengesellschaft 

Eine von der Wirtschaftskammer Österreich in Auftrag gegebene Studie, die für die neue Kurzstreckenlinie plädiert, wurde von den Scientists for Future als unseriös kritisiert. Auinger und Kreibich befürworten die Wiederaufnahme eines Kurzstreckenflugs Wien-Salzburg, Schiester ist dagegen. Die Scientists for Future schlagen zudem die Einschränkung von Privat- und Businessflügen vor. Schiester und Dankl sind für diesen Vorschlag; Unterstützung bekommen sie hier auch von Bürgermeister Auinger („stehe ich sehr offen gegenüber„). Abgefragt wurde auch eine Zweckumwidmung der Gewinne der Parkgaragengesellschaft für den Ausbau von Park & Ride-Plätzen sowie andere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Für Auinger, Dankl und Schiestl ist diese sinnvoll, Kreibich zögert, die Verhandlungen mit dem Land sollen „ergebnisoffen stattfinden“.

Leistbares Wohnen

Leistbares Wohnen war offensichtlich ein wichtiges, wahlentscheidendes Thema. Als Vorschläge gelten Baulandsicherungsmodelle, die Förderung des sozialen Wohnbaus, die Errichtung von Wohnungen durch die Stadt selbst sowie Maßnahmen der Nachverdichtung und der Nutzungszuführung von Leerstand. Hier scheint es breite Übereinstimmung zu geben. Die Knappheit an verfügbaren Flächen wird als Problem benannt, der Ankauf von Grundstücken durch die Stadt, verdichtetes Bauen sowie die Aktivierung von Leerstand werden als Maßnahmen vorgeschlagen.

Hebel der Stadt für die Energiewende durch Vorbildwirkung und Förderungen

Scientists for Future wollten auch wissen, welche zentralen Hebel seitens der Stadt für die Energiewende gesehen werden. Auinger plädiert für eine ergänzte Neuauflage des Smart City Masterplans 2025 in der neuen Legislaturperiode. Potenziale sieht er insbesondere in der Vorbildwirkung bei stadteigenen Gebäuden. Dankl setzt auf den Bau von Erneuerbaren Energieanlagen durch Genossenschaften sowie auf Energieeffizienz nicht nur im Neubau, sondern auch bei Sanierungen. Schiester verweist auf die Möglichkeit, PV-Anlagen auch auf Gewerbedächern, etwa bei Supermärkten, anzubringen; sie plädiert für eine Erhöhung der Photovoltaikförderung und mehr Unterstützung zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden („Überarbeitung der Wirtschaftsförderungsrichtlinien“); Energiegemeinschaften sollen ebenfalls gefördert werden. Kreibich verweist darauf, dass auch in der Altstadt bereits jetzt die Errichtung von Photovoltaikanlagen möglich sei, wenn diese den Anforderungen der Sachverständigenkommission entsprechen. Auf die Frage der weiteren Ökologisierung der Fernwärme in Kooperation mit der Salzburg AG wurde nicht besonders eingegangen. Schiester dazu: „Ausbau des Fernwärmenetzes und Dekarbonisierung der Fernwärme (Geothermie, Abwärmenutzung etc.“ Dankl schlägt grundsätzlich vor: „Umbau der Aktiengesellschaft Salzburg AG in ein gemeinnütziges Unternehmen“. Die Grundversorgung sei wichtiger als die Gewinnmaximierung, „fürstliche Manager-Boni“ sollen abgeschafft werden.

Biodiversität in der Stadt 

Maßnahmen zur Stadtbegrünung, um die Lebensqualität zu steigern, Hitzeinseln vorzubeugen und die Biodiversität zu fördern, werden ebenso begrüßt. Neben den bestehenden Vorgaben für Grünflächen bei Neubauten müssten in dieser Legislaturperiode auch „Maßnahmen für den Bestand“ entwickelt werden, so Auinger. Schiester sieht in der Stadtbegrünung eine wichtige Aufgabe: „Der Kühlung unserer Lebensräume kommt Jahr für Jahr eine stärkere Bedeutung zu. Gerade dort, wo es in der Stadt am heißesten ist, müssen wir Straßen und Plätze entsiegeln und begrünen.“ Dem pflichtet auch Dankl bei: „Wenn wir genossenschaftlich erzeugte erneuerbare Energieanlagen fördern, CO2-neutral bauen und dazwischen Raum für Grünflächen lassen, sparen wir nicht nur Treibhausgase ein, sondern erhöhen damit auch die Lebensqualität.“ Kreibich verweist in diesem Zusammenhang auf die „konsequente Umsetzung des im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten ´Salzach Masterplan´“, der nicht nur den Hochwasser-Schutz deutlich verbessere, sondern auch neue Naherholungsräume schaffe.

Beiträge der Stadt zu gesunder, klimafitter Ernährung

Die letzte Frage von Scientistst for Future bezieht sich auf das in der Klimadebatte meist unterbelichtete Thema unserer Ernährungsgewohnheiten. Weniger Fleischkonsum sei gut für die eigene Gesundheit, den Tier- und Klimaschutz, laut Studien sei ein Großteil der Menschen zu weniger Fleischkonsum bereit, so Anna Schiester: „Die Stadt sollte hier mit gutem Beispiel voran gehen und in ihrem Einflussbereich fleischreduzierte bzw. fleischlose, regionale und saisonale  Angebote fördern bzw. deutlich erhöhen.“ Auinger verweist hier auf einschlägige Programme in den städtischen Schulen: „Wir haben beim Essen in unseren Schulen einen starken Fokus auf biologische und regionale Produkte“. Dankl möchte „Mittagstisch-Angebote für Mitarbeiter:innen fördern und damit lokale Wirte unterstützen“. Kreibich warnt – wie beim Bereich Verkehr – auch beim Thema Ernährung „vor einer Politik des erhobenen Zeigefingers“, findet aber Projekte wie „Gesunde Jause“ in Schulen sinnvoll.

Titelfoto: Georg Peter Landsiedel via flickr CC BY-NC-SA



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram

Österreichs erneuerte Strategie zur Klimawandel-Anpassung vorgelegt

FacebooktwitterredditpinterestlinkedinmailFacebooktwitterredditpinterestlinkedinmail
Lesedauer < 1 Minute.   

Die Strategie wurde von der Bundesregierung beschlossen und wird nun den Ländern anlässlich der Landesklimaschutzreferenten-Konferenz zur zustimmenden Kenntnisnahme vorgelegt.
Das „Leitdokument“ umfasst über 120 konkrete Handlungsempfehlungen in Feldern wie Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit, Wasserwirtschaft und Tourismus.
Das Zwei-Säulen-Prinzip der Klimapolitik umfasst neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen auch die Anpassung an nicht mehr vermeidbare Auswirkungen. Die dafür notwendigen Maßnahmen finden sich in der erstmals 2012 verabschiedeten Klimawandelanpassungsstrategie. Zuletzt wurde 2021 der zweite Fortschrittsbericht (BMK 2021) veröffentlicht, auf dessen Basis nun die „Österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“ erstellt worden ist.
https://www.derstandard.at/story/3000000215554/214sterreichs-erneuerte-strategie-zur-klimawandel-anpassung-vorgelegt
https://www.bundeskanzleramt.gv.at/dam/jcr:3fa1deae-4b1b-4e16-8648-ffb7920a7067/93_14_beilage_2_nb.pdf



FacebooktwitterrssyoutubeinstagramFacebooktwitterrssyoutubeinstagram