Die militärische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit

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Beim Online-Podiumsgespräch Talk for Future der Scientists for Future Österreich am 31. 3. 2022 diskutierte ein Panel aus der Klima- und Umweltwissenschaft, der Politikwissenschaft, der Friedensbewegung und der Klimagerechtigkeitsbewegung über „Klimapolitik und Sicherheitspolitik“.

Verena Winiwarter: „Die Altlasten der Kriege sind unabschätzbar, teuer, und machen Teile des Planeten, die wir dringend für etwas anderes brauchen würden, unbewohnbar.“

Die Umwelthistorikerin Prof. Verena Winiwarter von der Universität für Bodenkultur Wien sprach einleitend über die Altlasten vergangener Kriege, zum Beispiel der Plutoniumfabrik Hanford in den USA, die 1987 stillgelegt wurde, wo die Aufräumungsarbeiten aber mindestens noch bis 2062 dauern werden, oder die „place de gas“ bei Verdun, wo nach dem ersten Weltkrieg Giftgasgranaten „entsorgt“ wurden, und der Boden noch immer so mit Arsen verseucht ist, dass nur verkrüppeltes Moos wachsen kann.

Jürgen Scheffran: „Die militärische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit.“

Der Geograph Prof. Jürgen Scheffran von der Universität Hamburg erklärte, dass eine der Ursachen für die gegenwärtigen Krisen unsere Abhängigkeit von der fossilen und nuklearen Energieversorgung sei. Die Konkurrenz um fossile Energieträger war immer auch mit Kriegen verbunden, und da diese Energiequellen begrenzt sind, stellt sich die Frage: Was passiert danach? Gibt es einen nicht fossilen Kapitalismus und wie müsste der aussehen? Wenn das nicht gelöst wird, müssen wir gerade in der Endphase der fossilen Abhängigkeit mit weiteren Gewaltkonflikten rechnen. Durch die Veränderung des Klimas  werden weitere erhebliche Gewalt- und Zerstörungspotentiale freigesetzt, vor allem in jenen Erdteilen, die am wenigsten dazubeigetragen haben. In Afrika wird das zu weiteren Problemen führen, die zu bestehenden hinzukommen: Wasserversorgung, Nahrungsmittelversorgung, Naturkatastrophen, Wetterextreme. Doch das Risiko eines Umkippens des Klimasystems, das alle Teile der Welt bedroht,  könnte global mit dem Kampf um Ressourcen und den Kampf um die eigene Existenz – von der Nation bis zum Individuum – verbunden sein.

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Kernkraft, Atomwaffen und nuklearer Winter
von Martin Auer

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Vierter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik

Die Kernkraft schafft eine Infrastruktur von Material und Fachwissen, das für die Waffenherstellung genutzt werden kann. Schon ein begrenzter Atomkrieg, bei dem nur 0,3 Promille des gegenwärtigen Atomwaffenarsenals zum Einsatz käme, würde nicht nur Millionen Menschen direkt töten, sondern das Klima auf der ganzen Welt beeinflussen. Ein globaler Temperatursturz, verkürzte Vegetationsperioden und verringerte Nahrungsmittelproduktion wären die Folgen. Ein globaler Atomkriegt würde einen jahrelangen „nuklearen Winter“ hervorrufen.

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von Martin Auer
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Klimakrise, Krieg und Flucht: Am Beispiel Syriens
von Martin Auer

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Dritter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik

Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung, die ungefähr so lautet: Wenn die Klimakatastrophe ganze Landstriche unbewohnbar macht, dann packen die Menschen dort ihre Sachen und machen sich auf den Weg, möglichst in wohlhabende Gegenden wie Europa, Kanada, die USA oder Australien. Klimaschützer*innen bringen das als ein Argument vor, warum der Klimawandel möglichst eingedämmt werden muss. Für Nationalist*innen ist es ein Argument, die Grenzen dicht zu machen und militärisch aufzurüsten.

Es ist aber nicht so einfach. Ob eine klimabedingte Veränderung dazu führt, dass Menschen ihre Heimat verlassen, hängt vor allem davon ab, ob sie die Möglichkeit haben, sich an die Veränderung anzupassen: Können sie Dämme gegen Überflutungen bauen? Könne sie Nahrungspflanzen anbauen, die mehr Trockenheit vertragen? Können sie, wenn die Landwirtschaft nichts mehr einbringt, eine andere Arbeit machen, von der sie leben können? Und das hängt wieder von sozialen und politischen Verhältnissen ab: Haben die Menschen genug Mittel, um sich selbst zu helfen? Haben sie Ersparnisse? Haben sie eine Versicherung? Gibt es eine funktionierende solidarische Gemeinschaft? Gibt es eine funktionierende Regierung, hat diese Regierung die Mittel, um Hilfsmaßnahmen und Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren, ist es eine demokratische Regierung, von der man solche Maßnahmen einfordern kann oder ist es eine korrupte Regierung? Und schließlich: Ist die Weltgemeinschaft bereit, Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren? Aber es stellt sich auch die Frage: Wenn Menschen den Wunsch haben, zu migrieren – haben sie auch die Möglichkeit dazu?

Am Beispiel Syriens, das in den Jahren unmittelbar vor Beginn der Rebellion und des Bürgerkriegs eine jahrelange Dürre erlebte, soll die Komplexität der Zusammenhänge beleuchtet werden. Auf die Dürre in dem autoritär geführten Land mit einer relativ großen agrarischen Bevölkerung folgte in einer Art Kettenreaktion interne Migration, verschärfte soziale Konflikte, Rebellion, Bürgerkrieg, intensivierter Sektarianismus, Terrorismus, Staatsterrorismus, ausländische Intervention, noch mehr interne und externe Migration und Flucht, eine andauernde humanitäre Krise und die Quasi-Unabhängigkeit des Gebiets Rojava mit einem gesellschaftlichen Experiment beruhend auf Ökologie, Feminismus und Demokratie von unten.

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von Martin Auer
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Blut und CO2 – Was der Krieg mit dem Klima macht
von Martin Auer

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Zweiter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik. Der erste Teil behandelte den CO2-Stiefelabdruck des Militärs am Beispiel der USA. Heute geht es speziell um die Auswirkungen von Krieg auf das Klima.

Kriege kosten Menschenleben, nicht nur auf dem Kriegsschauplatz. Kriege tragen zum Klimawandel bei und verursachen so indirekt den Tod von Menschen rund um den Globus durch Hitzestress, Wassermangel, Überschwemmungen, Mangelernährung, durch die Zunahme von durch Tiere auf Menschen übertragbare Krankheiten und noch andere Faktoren. Und sie kosten Geld, das dringend für die Abwendung der Klimakatastrophe benötigt würde.

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von Martin Auer
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Die Staaten der Welt geben sechs Mal so viel für Militär aus wie für Klimaschutz
von Martin Auer

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Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik. Er befasst sich zunächst mit den USA, der größten Militärmacht.

Im Jahr 2020 haben die Staaten der Welt 1.981 Mrd USD für Militär und Rüstung ausgegeben1. Das sind um 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr, und das, obwohl in Folge der Covid-19-Pandemie die globale Wirtschaftsleistung um 4,4 Prozent gesunken ist. 2,4 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung wurden also für Militär und Rüstung ausgegeben. 2018 waren es noch 2,15 Prozent, 2019 2,2 Prozent. Die Militärausgaben steigen also weltweit.

Die weltweiten öffentlichen Ausgaben für Klimaschutz und Klimaanpassung betrugen 2019/20 durchschnittlich 321 Mrd USD pro Jahr2, das entspricht 16,2 Prozent der weltweiten Militärausgaben und 0,37 Prozent des weltweiten BIP von 2020. Zusammen mit den Ausgaben des privaten Sektors kommt man auf 632 Mrd. USD.

Die jährlichen Ausgaben, die notwendig wären, um das 1,5°C-Ziel noch zu erreichen, schätzt die Climate Policy Initiative auf 3.800 Mrd USD. Das wäre das Doppelte der weltweiten Militärausgaben3. 2006 schätzte der Ökonom Nicholas Stern die notwendigen Ausgaben noch auf 1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung25. Da diese Chance nicht wahrgenommen wurde, hat sich die Zahl bis heute verfünffacht. Die jährlich 100 Mrd USD Finanzierung, die die Industriestaaten den Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen im Jahr 2009 versprochen haben – ein Versprechen, das bisher nur zum kleinsten Teil eingehalten wurde – wären ein Zwanzigstel der weltweiten Militärausgaben.

„Die Staaten der Welt geben sechs Mal so viel für Militär aus wie für Klimaschutz
von Martin Auer
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