Ein konkreter Vorschlag zur Erfassung militärischer Emissionen

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Lesedauer 4 Minuten

Von Martin Auer

Militärs gehören zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Bis zu fünf Prozent, in Kriegsjahren sechs Prozent aller Emissionen weltweit gehen auf ihre Rechnung.  Doch Militärs können ihre Emissionen nicht reduzieren, wenn sie sie nicht messen. Da ihnen lange Zeit keine Reduktionsziele vorgegeben waren, hinkt ihre Fähigkeit, den Überblick über ihre Emissionen zu wahren, hinter anderen Sektoren hinterher. Das Forschungsinstitut Conflict and Environment Observatory (CEOBS) hat daher ein Rahmenkonzept[1] für die Meldung von militärischen Emissionen im Rahmen der UNFCCC[2] ausgearbeitet. Das CEOBS arbeitet mit Harvard Law School, King’s College London, den Universitäten von Edinburgh und Leeds und verschiedenen NGOs zusammen. Es wurde 2018 mit dem Ziel gegründet, das Bewusstsein für die Umweltfolgen von Konflikten und militärischen Aktivitäten und für die humanitären Folgen, die sich daraus ergeben, zu fördern.

Die wichtigsten Inhalte:

  • Militärs sind Treibhausgas-intensiv und haben eine bedeutende Rolle für die Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen. 
  • Sicherheitsbedenken sollten nicht als Vorwand gebraucht werden, um das Militär von Berichtsverpflichtungen auszunehmen.
  • Militärs müssen sich bei der Nachverfolgung ihrer Emissionen mit ihren ausgedehnten Lieferketten auseinandersetzen.
  • Militärische Emissionen sollten nicht nur nach den drei Kategorien (Scopes) gemeldet werden, die für andere Organisationen gelten[3]. Scope 3+ soll Emissionen umfassen, die bei Kriegshandlungen anfallen.

Von den 20 Staaten mit den höchsten Militärausgaben entsprechen nur die Berichte Deutschlands den Mindestanforderungen der UNFCCC. Die NATO hat zwar angekündigt, ihre militärischen Emissionen senken zu wollen, hat aber bisher keine Angaben über die Methodik gemacht. Weltweit gibt es einige Daten für den Kraftstoffverbrauch der Militärs, begrenzte Daten für ihren Energieverbrauch, sehr begrenzte Daten über die Emissionen aus Lieferketten und keine Daten über die Emissionen aus Kriegshandlungen. 

Über die Qualität der Berichterstattung der 20 Länder mit den höchsten Militärausgaben gibt die folgende Tabelle Auskunft:

LandMilitärausgaben 2020 in Mrd. USDMilitärausgaben in Prozent des BruttoinlandsproduktsGesamte 2021 im Rahmen des UNFCCC gemeldete Treibhausgasemissionen unter Kategorie 1A5, die auch militärischen Brennstoffverbrauch einschließt, in Millionen Tonnen CO2eKommentar zu den im Rahmen des UNFCC militärischen Daten
USA778,23,717,2Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht klar aufgeschlüsselt
China252,31,7108,0Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht als militärisch ausgewiesen
Indien72,92,8UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet
Russische Föderation61,74,227,9Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Vereinigtes Königreich59,22,21,7Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Saudi Arabien57,58,2UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Deutschland52,81,40,9Angemessen – Daten werden gemeldet
Frankreich52,72,01,6Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Japan49,11,0UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Südkorea45,72,83,1Schlecht – Daten werden gemeldet, aber nicht als militärisch ausgewiesen
Italien28,91,50,5Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Australien27,52,10,8Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Kanada22,81,40,3Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Israel21,75,4UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Braslilien19,71,4UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Türkei17,72,5UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Spanien17,41,40,5Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Iran15,88,3UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Polen13,02,2UnbekanntSehr schlecht – keine Daten gemeldet,
Niederlande12,61,40,2Schlecht – Es werden keine aufgeschlüsselten Daten gemeldet
Tabelle 1: Beurteilung der THG-Erfassung der 20 Länder mit den höchsten Militärausgaben

Vermeiden, Reduzieren, Ersetzen, Kompensieren

Die Hierarchie des Treibhausgasmanagements für Unternehmen und andere Organisationen gilt auch für Militärs: Zuoberst steht: Vermeiden, Treibhausgase gar nicht erst verursachen. An zweiter Stelle: Reduzieren, zum Beispiel durch verbesserte Energieeffizienz. Drittens: Energiequellen durch weniger CO2-intensive ersetzen. Erst, wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommt Kompensieren in Frage.

Messung und Management der militärischen Emissionen müssen alle Aktivitäten des Militärs und auch die Emissionen aus der Lieferkette umfassen. Berichte müssen relevant, umfassend, konsistent, genau und transparent sein. Es braucht weltweit einheitliche Standards, um Emissionen und die Anstrengungen der einzelnen Länder zu deren Senkung vergleichbar zu machen. Transparenz ist besonders wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Transparenz ermöglicht es auch, Erfahrungen auszutauschen. Die Notwendigkeit zur Geheimhaltung sollte nur in Ausnahmefällen geltend gemacht werden. In solchen Fällen könnten Daten durch externe Dritte geprüft werden. 

Das vom CEOBS ausgearbeitete Rahmenkonzept soll alle Aspekte militärischer Aktivitäten und Beschaffungsmaßnahmen umfassen:

  • Betrieb von Militärbasen und anderen Immobilien
  • Landnutzung auf militäreigenem Grund, einschließlich Trainings- und Übungsgelände
  • Projekte wie Konstruktion, Forschung und Entwicklung
  • Beschaffung und Lieferketten
  • Nutzung der militärischen Güter, einschließlich Flugzeugen, Landfahrzeugen, Schiffen und Raumfahrzeugen
  • Entsorgung
  • Aktivitäten zur Friedenssicherung und humanitäre Einsätze
  • Auswirkungen von Kriegshandlungen wie Feuer, Zerstörungen durch Waffeneinsatz, Beschädigung und Zerstörung von Infrastruktur, Bodenzerstörung, Entwaldung, Beseitigung von Schutt und Abfällen und schließlich Wiederaufbau
  • Aktivitäten von zivilen Hilfseinrichtungen, wie Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Flüchtlingsbetreuung, die durch die Kriegshandlungen notwendig werden.

Es existieren bereits einige Richtlinien für die Messung und Bezifferung von Treibhausgasemissionen, zum Beispiel das Greenhouse Gas Protocol[4] oder die Science Based Targets Initaive[5]. Doch Militärs unterscheiden sich von Unternehmen und anderen Organisationen durch die vielfachen indirekten Emissionen die aus Kriegshandlungen resultieren. Diese werden im Rahmenkonzept als Scope 3+ bezeichnet. Sie sind noch wenig erforscht. Militärs haben auch ausgedehnte und komplexe Lieferketten. Die Emissionen aus Lieferketten für Infrastruktur betragen geschätzt das Vierfache der direkten Emissionen aus Treibstoff und Energie, und die Emissionen aus dem Fertigungssektor das 7,7-fache der direkten Emissionen. 

Abbildung 1: Die von militaryemissions.org vorgeschlagene Kategorisierung militärischer Treibhausgas-Emissionen. Anmerkung: Mit englisch „theatre“ ist der Kriegsschauplatz gemeint.

Welche Emissionen will die NATO senken?

Beim NATO-Gipfel in Madrid erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass die NATO ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent senken und bis 2050 Netto-Null erreichen wolle[6]. Dabei blieb laut CEOBS aber unklar, ob damit nur die Emissionen von NATO-Einrichtungen oder die Emissionen aller Mitgliedsstaaten gemeint waren. 2021 hatte die NATO angekündigt, eine Methodologie zur Berechnung ihrer Emissionen zu entwickeln, da klar wurde, dass sie keine Verpflichtungen zu Reduktionen abgeben konnte, weil sie einfach nicht wusste, was ihre Emissionen oder die ihrer Mitglieder überhaupt waren. Doch macht die NATO ihr Berechnungssystem nicht öffentlich. Daher ist es für Forscher:innen, Entscheidungsträger:innen oder die Zivilgesellschaft nicht möglich, eventuelle Erfolgsmeldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. CEOBS fordert daher, dass die Standards für die Meldung von militärischen Emissionen durch die UNFCCC und das IPCC festgelegt werden sollen. 

Dass die Pläne der NATO, ihre Emissionen zu reduzieren, nichts mit Abrüstung zu tun haben, geht aus Stoltenbergs Aussage beim Madrider Gipfeltreffen hervor: „Ich bin überzeugt, dass in Zukunft die fortgeschrittensten Militärfahrzeuge und die widerstandsfähigsten Armeen solche sein werden, die nicht von fossilen Brennstoffen abhängig sind.“[7]

Aufruf an die NATO, Emissionen überprüfbar zu erfassen

Jedenfalls ist es dringend notwendig, dass militärische Emissionen bei den internationalen Klimaverhandlungen endlich auf den Tisch kommen. Bis zur der COP 28 im November 2023 soll die erste im Pariser Abkommen beschlossene globale Bestandsaufnahme[8] der Erfolge bei Klimawandelminderung und Klimawandelanpassung finalisiert werden. Ohne die Daten der Militärs wird diese Bestandsaufnahme nicht vollständig sein. Das CEOBS und eine Reihe von nationalen und internationalen Organisationen haben unter dem Titel NATO Emissions: Count Them, Cut Them[9] einen Aufruf an die NATO erlassen, ihre Methoden zur Erfassung der Treibhausgasemissionen öffentlich zu machen, sodass sie von unabhängigen Expert:innen überprüft werden können, und an die NATO-Mitgliedsstaaten gerichtet, sich zur Reduktion von militärischen Emissionen im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel zu verpflichten und diese nachvollziehbar und vergleichbar zu erfassen. Die NATO-Mitgliedsstaaten sind zusammen für mehr als die Hälfte der globalen Militärausgaben verantwortlich. Organisationen können den Aufruf hier unterzeichnen. Der Aufruf soll noch vor der COP 27 im November 2022 der NATO und ihren Mitgliedsstaaten übergeben werden. 

Titelbild: von Pexels auf Pixabay

Gesichtet: Verena Winiwarter


[1] https://ceobs.org/report-a-framework-for-military-greenhouse-gas-emissions-reporting/

[2] Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen

[3] Scope 1: direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen. Scope 2: indirekte Emissionen aus der Erzeugung von gekauftem Strom, Dampf, Wärme und Kühlung. Scope 3: alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen.

[4] https://ghgprotocol.org/

[5] https://sciencebasedtargets.org/

[6] https://ceobs.org/nato-wont-say-how-it-will-count-its-carbon-emissions/

[7] https://globalnews.ca/news/8952628/nato-emissions-cut-stoltenberg-madrid-summit/

[8] https://unfccc.int/topics/global-stocktake/global-stocktake

[9] https://ceobs.org/joint-call-nato-commit-to-credible-climate-action/



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Je 10.000 Euro Heeresbudget werden 1,3 Tonnen CO2e ausgestoßen
von Martin Auer

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Laut Schätzungen des Conflict and Environment Observatory betragen die militärischen Emissionen der EU jährlich (Stand 2019) 24,83 Millionen Tonnen CO2e1. Die Militärausgaben der EU betrugen 2019 186 Mrd. EUR, das sind 1,4% der gesamten EU-Wirtschaftsleistung (BIP)2.

10.000 EUR an Militärausgaben in Europa erzeugen also 1,3 Tonnen CO2e.

Wenn Österreich seine Militärausgaben, wie Bundeskanzler Nehammer es im März gefordert hat3 auf 1% des BIP steigern will, also von 2,7 auf 4,4 Mrd. EUR, bedeutet das eine Erhöhung der militärischen Emissionen um 226.100 Tonnen. Das wäre eine Erhöhung der gesamten österreichischen Emissionen (2021: 78,4 Mio. t CO2e4) um immerhin 0,3 %. Es bedeutet aber auch, dass diese 1,7 Mrd. EUR für andere Zwecke wie das Bildungs-, das Gesundheitssystem oder die Pensionen fehlen.

Doch es geht nicht nur um die österreichischen Militäremissionen. Ein neutrales Land wie Österreich könnte sich dem weltweiten Trend zur Aufrüstung entgegenstemmen und ein Beispiel geben. Das kann es vor allem als Mitglied der Europäischen Union. Wenn die EU-Länder, wie es NATO-Generalsekretär Stoltenberg fordert5, ihre Militärausgaben von derzeit 1,4% des BIP auf 2% des BIP steigern, also um nahezu die Hälfte, dann kann man eine Steigerung der militärischen Emissionen um 10,6 Mio. Tonnen CO2e erwarten.

Stuart Parkinson von Scientists for Global Responsibility schätzt den Anteil der Militärs an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf 5%, in Jahren mit großen Kriegen auf 6%6. Das allein zeigt, wie wichtig weltweite Abrüstung für ein nachhaltiges Leben auf der Erde ist. Denn abgesehen von den Emissionen, die das Klima schädigen, verbrauchen Militärs große Mengen an menschlichen und materiellen Ressourcen, die für konstruktive Zwecke fehlen, und im Kriegsfall verursachen sie ganz unmittelbar Tod, Zerstörung und Vergiftung der Umwelt. Und es steht zu befürchten, dass der gegenwärtige Trend zur Aufrüstung die Bemühungen um ein Sinken der weltweiten Emissionen schwer beeinträchtigen wird.

Titelbild: Bundesheer, vie Flickr, CC BY-NC-SA


1 https://ceobs.org/the-eu-military-sectors-carbon-footprint/

2 https://eda.europa.eu/news-and-events/news/2021/01/28/european-defence-spending-hit-new-high-in-2019

3 https://www.derstandard.at/story/2000133851911/nehammer-will-verteidigungsausgaben-auf-ein-prozent-des-bip-steigern

4 https://wegccloud.uni-graz.at/s/65GyKoKtq3zeRea

5 https://www.euronews.com/my-europe/2022/07/20/how-european-countries-stand-on-2-of-gdp-defence-spending

6 https://www.sgr.org.uk/resources/carbon-boot-print-military-0



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Klimafolgen eines Atomkriegs würden den Hungertod für zwei bis fünf Milliarden Menschen bedeuten von Martin Auer

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Wie würden sich die Klimafolgen eines nuklearen Kriegs auf die globale Ernährung auswirken? Dieser Frage ist ein Forscherteam um Lili Xia und Alan Robock von der Rutgers University nachgegangen. Die Studie wurde soeben in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlicht.1
Der Rauch und Ruß von brennenden Städten würde buchstäblich den Himmel verdunkeln, zu einer massiven Abkühlung des Klimas führen und die Nahrungsmittelproduktion extrem beeinträchtigen. Die Modellrechnungen ergeben, dass bei einem „begrenzten“ Krieg (etwa zwischen Indien und Pakistan) bis zu zwei Milliarden Menschen an den Folgen von Nahrungsmittelknappheit sterben könnten, bei einem „großen“ Krieg zwischen den USA und Russland bis zu fünf Milliarden.

(Siehe auch unseren Beitrag zu früheren Studien)

Die Forscher:innen verwendeten Klima-, Pflanzenwachstums- und Fischereimodelle, um zu berechnen, wie viele Kalorien den Menschen in den einzelnen Ländern im zweiten Jahr nach dem Krieg zur Verfügung stehen würden. Dabei wurden verschiedene Szenarien untersucht. Ein „begrenzter“ Atomkrieg etwa zwischen Indien und Pakistan könnte zwischen 5 und 47 Tg (1 Teragramm = 1 Megatonne) Ruß in die Stratosphäre einbringen. Das hätten ein Absinken der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5°C bis 8°C im zweiten Jahr nach dem Krieg zur Folge. Allerdings, so betonen die Autor:innen, könnte es schwierig sein, einen atomaren Krieg zu begrenzen, sobald er einmal begonnen hat. Ein Krieg zwischen den USA und ihren Verbündeten und Russland – die zusammen über mehr als 90 Prozent des nuklearen Arsenals verfügen – könnte 150 Tg Ruß verursachen und einen Temperaturrückgang um 14,8°C. Während der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren waren die Temperaturen um ca. 5°C niedriger als heute. Die Klimaeffekte eines solchen Krieges würden nur langsam zurückgehen und bis zu zehn Jahre anhalten. Die Abkühlung würde auch die Niederschläge in Regionen mit Sommermonsun reduzieren.

Tabelle 1: Atombomben auf urbane Zentren, Sprengkraft, direkte Todesopfer durch Bombenexplosion und Anzahl der von Hungertod bedrohten Menschen in den untersuchten Szenarien

Ruß (Tg)Anzahl der WaffenSprengkraft pro Waffe (kt)Direkte TodesopferMenschen ohne Nahrung im 2. Jahr
51001527.000.000255.000.000
162501552.000.000926.000.000
272505097.000.0001.426.000.000
37250100127.000.0002.081.000.000
47500100164.000.0002.512.000.000
1504.400100360.000.0005.341.000.000
1504.400100360.000.000a5.081.000.000
Der Fall mit einer Verseuchung durch 5 Tg Ruß entspricht einem angenommenen Krieg zwischen Indien und Pakistan im Jahr 2008, bei dem jede Seite 50 Bomben ihres damals verfügbaren Arsenals in der Stärke einer Hiroshima-Bombe einsetzt.
Die Fälle von 16 bis 47 Tg entsprechen einem angenommenen Krieg zwischen Indien und Pakistan mit der atomaren Bewaffnung, über die sie 2025 verfügen könnten.
Der Fall mit 150 Tg Verseuchung entspricht einem angenommenen Krieg mit Angriffen auf Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien, die USA, Russland und China.
Die Zahlen in der letzten Spalte sagen aus, wie viele Menschen verhungern würden, wenn der Rest der Bevölkerung mit dem Minimum von 1911 kcal pro Person versorgt würde. Die Annahme geht davon aus, dass der internationale Handel zusammengebrochen ist.
a) Die Zahl in der letzten Zeile/letzten Spalte ergibt sich, wenn 50 % der Futtermittelproduktion auf menschliche Nahrung umgestellt werden.

Jüngste Beobachtungen bei katastrophalen Waldbränden in Kanada und Australien haben gezeigt, wie Rußpartikel von der Sonne aufgeheizt in die Stratosphäre aufsteigen und sich über den gesamten Globus verteilen und monatelang verweilen. Die Simulationen sagen denselben Prozess nach einem Atomkrieg voraus, nur mit entsprechend größeren Mengen an Ruß.

Die lokale radioaktive Verseuchung von Boden und Wasser in der Umgebung der Bombenexplosionen ist aus der Studie ausgeschlossen, die Schätzungen sind daher jedenfalls sehr konservativ und die tatsächlichen Opferzahlen lägen jedenfalls darüber. Die plötzliche, massive Abkühlung des Klimas und der verminderte Lichteinfall für Photosynthese („nuklearer Winter“) würde bei Nahrungspflanzen zu verspäteter Reife und zusätzlichem Kältestress führen. In mittleren und hohen Breitengraden würde die landwirtschaftliche Produktivität stärker leiden als in subtropischen und tropischen Gebieten. Bei einer Verschmutzung der Stratosphäre mit 27 Tg Ruß würden in mittleren und hohen Breiten der nördlichen Hemisphäre die Ernten um mehr als 50 % zurückgehen, die Fischereierträge um 20 bis 30 %. Für die Atomwaffen besitzenden Länder China, Russland, USA, Nordkorea und Großbritannien würde das Kalorienangebot um 30 bis 86 % zurückgehen, in den südlicheren Nuklearstaaten Pakistan, Indien und Israel um 10 %. Insgesamt würde beim unwahrscheinlichen Szenario eines begrenzt bleibenden nuklearen Kriegs schon durch die Klimafolgen ein Viertel der Menschheit verhungern, bei einem größeren Krieg, dem wahrscheinlicheren Szenario, würden innerhalb von zwei Jahren über 60% der Menschen verhungern.

Die Studie bezieht sich, wie betont werden muss, nur auf die indirekten Wirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion durch die Rußentwicklung eines Atomkriegs. Kriegführende Staaten hätten freilich noch mit anderen Problemen zu kämpfen, nämlich mit zerstörter Infrastruktur, radioaktiver Verseuchung und Unterbrechung von Lieferketten.

Tabelle2: Veränderung der Verfügbarkeit von Nahrungskalorien in den atomwaffenbesitzenden Ländern

Länder5 g16 Tg27 Tg37 Tg47 Tg150 Tg150 Tg + 50 % Lv150 Tg + 0 % Lv
Mit Viehzucht
China−14,1−47,4−64,0−77,7−83,5−99,5−99,5−99,4
Frankreich1,6−13,0−17,2−26,0−29,4−98,3−97,9−97,6
Indien−4,6−4,7−2,0−9,4−21,6−66,8−64,1−61,4
Israel25,4−5,0−1,9−4,53,8−63,3−55,2−46,9
Nordkorea−18,1−88,7−90,7−98,3−99,2−99,9−99,9−99,9
Pakistan−0,915,918,5−13,8−19,9−85,3−84,1−82,8
Russland1,3−62,3−83,1−89,6−90,9−99,0−98,9−98,7
Vereinigtes Königreich1,2−29,7−40,5−56,9−72,2−89,0−87,1−85,2
USA−11,2−45,8−62,0−75,7−86,3−98,8−98,5−98,3
Global8,223,833,442,149,281,378,876,5
Reduzierte Viehzucht (50% der Futterpflanzen für menschliche Ernährung, 50% als Futter)
China−2,1−40,6−59,8−75,2−81,5−99,6−99,5−99,5
Frankreich58,833,228,216,310,8−99,0−98,8−98,6
Indien−1,4−0,22,7−4,7−17,8−65,0−62,1−59,2
Israel16,70,3−1,1−3,8−8,1−75,5−70,0−64,5
Nordkorea−13,3−88,7−90,9−98,8−99,5−99,9−99,9−99,9
Pakistan−1,420,821,6−11,9−16,0−83,6−82,2−80,8
Russland25,3−56,1−80,6−88,0−88,7−99,0−98,9−98,7
Vereinigtes Königreich30,7−12,5−27,0−50,7−72,1−94,4−93,4−92,5
USA70,8−0,5−32,7−60,4−78,9−99,1−98,9−98,7
Global13,55,717,428,136,777,174,071,2
Keine Viehzucht (50% der Futterpflanzen für menschliche Ernährung)
China−11,4−46,6−64,0−77,9−83,5−99,7−99,6−99,5
Frankreich45,220,516,66,61,4−99,8−99,7−99,7
Indien−5,4−3,1−0,2−7,0−20,0−65,8−63,0−60,1
Israel−24,7−26,7−30,6−32,4−44,3−91,5−89,5−87,7
Nordkorea−16,0−89,6−91,8−99,4−99,8−99,9−99,9−99,9
Pakistan−12,112,711,8−19,4−21,2−83,7−82,4−81,0
Russland16,4−60,7−82,6−89,0−89,2−99,0−98,9−98,8
Vereinigtes Königreich15,9−24,2−37,3−59,7−79,7−99,8−99,8−99,8
USA60,3−8,1−38,6−65,1−81,8−99,5−99,4−99,3
Global5,9−12,1−22,9−32,9−40,8−79,0−76,3−73,7
China umfasst hier Festlandchina, Hongkong und Macao.
Lv = Lebensmittelverschwendung in Haushalten

Die Folgen für die Ernährung hängen allerdings nicht nur von der verursachten Klimaveränderung ab. Die Modellrechnungen kombinieren verschiedene Annahmen über die Zahl an eingesetzten Waffen und den dadurch verursachten Ruß mit weiteren Faktoren: Gibt es weiterhin internationalen Handel, sodass ein lokaler Nahrungsmangel ausgeglichen werden kann? Wird die Produktion von Futtermitteln ganz oder teilweise durch die Produktion von Nahrungsmitteln für Menschen ersetzt? Gelingt es, Lebensmittelverschwendung ganz oder teilweise zu vermeiden?

Im „günstigsten“ Fall einer Verseuchung mit 5 Tg Ruß würden die Ernten global um 7 % zurückgehen. In diesem Fall müsste die Bevölkerung der meisten Länder zwar mit weniger Kalorien auskommen, hätte aber genug, um ihre Arbeitskraft aufrecht zu erhalten. Bei stärkerer Verseuchung würden die meisten Ländern in mittleren oder hohen Breiten an Hunger leiden, wenn sie weiter Futtermittel für Tiere anbauen. Wenn die Futtermittelproduktion halbiert wird, könnten einige Länder in mittleren Breiten ihrer Bevölkerung noch genug Kalorien zur Verfügung stellen. Doch sind dies Durchschnittswerte, und die Frage de Verteilung hängt von der sozialen Struktur eines Landes und der vorhandenen Infrastruktur ab.

Bei einer „mittleren“ Verseuchung mit 47 Tg Ruß könnten genug Nahrungsmittelkalorien für die Weltbevölkerung nur gewährleistet werden, wenn die Futtermittelproduktion zu 100 % auf Nahrungsmittelproduktion umgestellt würde, es keinerlei Lebensmittelverschwendung gäbe und die vorhandenen Lebensmittel gerecht auf die Weltbevölkerung verteilt würden. Ohne internationalen Ausgleich könnten nur weniger als 60 % der Weltbevölkerung ausreichend ernährt werden. Im schlimmsten untersuchten Fall, einer Verseuchung der Stratosphäre mit 150 Tg Ruß würde die weltweite Nahrungsmittelproduktion um 90 % zurückgehen und es würden in den meisten Ländern im Jahr zwei nach dem Krieg nur 25 % der Bevölkerung überleben.

Besonders starke Ernterückgänge werden für wichtige Nahrungsmittelexporteure wie Russland und die USA vorhergesagt. Diese Länder könnten mit Exportbeschränkungen reagieren, was katastrophale Folgen für importabhängige Länder zum Beispiel in Afrika und dem nahen Osten hätte.

Im Jahr 2020 litten je nach Schätzung zwischen 720 und 811 Millionen Menschen an Unterernährung, obwohl global mehr als genug Nahrungsmittel produziert wurden. Das macht es wahrscheinlich, dass auch im Fall einer atomaren Katastrophe weder innerhalb noch zwischen den Ländern eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel stattfinden würde. Die Ungleichheiten ergeben sich aus klimatischen und wirtschaftlichen Unterschieden. So hätte Großbritannien einen stärkeren Ernterückgang als etwa Indien. Frankreich, derzeit Exporteur von Lebensmitteln, würde wegen der Unterbrechung des internationalen Handels in den niedrigeren Szenarien einen Nahrungsmittelüberschuss haben. Australien würde von einem kühleren Klima profitieren, das sich besser für den Weizenanbau eignen würde.

Abbildung 1: Nahrungszufuhr in kcal pro Person pro Tag im Jahr 2 nach einer Verseuchung durch Ruß infolge eines Atomkriegs

Die Karte links zeigt die Ernährungssituation im Jahr 2010.
Die linke Spalte zeigt den Fall mit fortgesetzter Viehfütterung, die mittlere Spalte den Fall mit 50 % der Futterpflanzen für menschliche Ernährung und 50 % für Viehfutter, die rechte zeigt den Fall ohne Viehzucht mit 50 % der Futterpflanzen für menschlichen Konsum.
Alle Karten gehen von der Annahme aus, dass kein internationaler Handel stattfindet aber die Nahrungsmittel innerhalb eines Landes gleichmäßig verteilt werden.
In grün markierten Regionen können die Menschen genug Nahrung bekommen, um ihre physischen Tätigkeiten wie gewohnt fortzusetzen. In gelb markierten Regionen würden die Menschen Gewicht verlieren und könnten nur sitzende Tätigkeiten durchführen. Rot bedeutet, dass die Kalorienaufnahme geringer als der Grundumsatz ist, was nach der Erschöpfung der Fettvorräte und der entbehrlichen Muskelmasse zum Tod führt.
150 Tg, 50 % Verschwendung heißt, dass 50 % der sonst im Haushalt verschwendeten Lebensmittel für die Ernährung zur Verfügung stehen, 150 Tg, 0 % Verschwendung bedeutet, dass die gesamten sonst verschwendeten Lebensmittel für die Ernährung zur Verfügung stehen.
Grafik aus : Global food insecurity and famine from reduced crop, marine fishery and livestock production due to climate disruption from nuclear war soot injection, CC BY SA, Übersetzung M. A.

Alternativen in der Nahrungsproduktion wie kälteresistentere Sorten, Pilze, Seetang, Proteine aus Einzellern oder Insekten und dergleichen wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Es wäre eine überwältigende Herausforderung, die Umstellung auf solche Nahrungsquellen rechtzeitig zu bewerkstelligen. Die Studie bezieht sich auch nur auf Nahrungskalorien. Menschen brauchen aber auch Proteine und Mikronährstoffe. Vieles bleibt also für weitere Studien offen.

Abschließend betonen die Autor:innen noch einmal, dass die Folgen eines Atomkriegs – auch eines begrenzten – für die globale Nahrungsmittelsicherheit katastrophal wäre. Zwei bis fünf Milliarden Menschen könnten abseits des Kriegsschauplatzes sterben. Diese Ergebnisse sind weitere Belege dafür, dass ein atomarer Krieg nicht gewonnen werden kann und nie geführt werden darf.

Titelbild: 5ofnovember via deviantart
Gesichtet: Verena Winiwarter


1 Xia, L., Robock, A., Scherrer, K. et al. Global food insecurity and famine from reduced crop, marine fishery and livestock production due to climate disruption from nuclear war soot injection. Nat Food (2022). https://doi.org/10.1038/s43016-022-00573-0



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Militärische Emissionen – eine unbekannte Größe
The Military Emissions Gap
von Martin Auer

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Die Militärs der Welt setzen bedeutende Mengen an Treibhausgasen frei1. Doch niemand weiß genau, wie viel. Das ist problematisch, weil für die Bekämpfung des Klimawandels belastbare Zahlen und Fakten notwendig sind. Eine Untersuchung des Conflict and Environment Observatory2 in Zusammenarbeit mit den Universitäten Lancaster und Durham in Großbritannien3 stellt fest, dass die in den Klimaverträgen von Kyoto und Paris festgelegten Berichtspflichten absolut ungenügend sind4. Militärische Emissionen wurden aus dem Kyoto-Protokoll von 1997 auf Drängen der USA ausdrücklich ausgenommen. Erst seit dem Übereinkommen von Paris 2015 müssen militärische Emissionen zwar in die Berichte der Länder an die UNO aufgenommen werden, aber es ist den Staaten überlassen, ob sie diese – freiwillig – getrennt ausweisen. Kompliziert wird die Lage noch dadurch, dass das UNFCCC5 verschiedenen Staaten je nach ökonomischem Entwicklungsgrad unterschiedliche Berichtspflichten auferlegt. Die 43 im Anhang I (Annex I) als „entwickelt“ eingestuften Staaten (darunter auch die EU-Staaten und die EU selbst) sind verpflichtet, jährlich ihre nationalen Emissionen zu melden. Weniger „entwickelte“ (Non-Annex I) Staaten müssen nur alle vier Jahre berichten. Darunter fallen auch etliche Länder mit hohen Militärausgaben wie China, Indien, Saudi Arabien und Israel.

In der Studie wurden die Meldungen militärischer Treibhausgas-Emissionen im Rahmen der UNFCCC für 2021 untersucht. Nach den Richtlinien des IPCC soll die militärische Nutzung von Brennstoffen unter der Kategorie 1.A.5 gemeldet werden. Diese Kategorie umfasst alle Emissionen aus Brennstoffen, die nicht an anderer Stelle spezifiziert sind. Dabei sind unter 1.A.5.a Emissionen stationärer Quellen und unter 1.A.5.b Emissionen mobiler Quellen zu berichten, unterteilt noch in Flugverkehr (1.A.5.b.i), Schiffsverkehr (1.A.5.b.ii) und „Andere“ (1.A.5.b.iii). Die Treibhausgas-Emissionen sollten so differenziert wie möglich angegeben werden, doch ist es erlaubt, sie zusammenzufassen, um militärische Informationen zu schützen.

Insgesamt sind laut Studie die UNFCCC-Berichte meistens unvollständig, bleiben generell unklar und sind nicht miteinander vergleichbar, weil einheitliche Standards fehlen.

Von den 41 untersuchten Annex-I-Staaten (Liechtenstein und Island haben kaum Militärausgaben und wurden deshalb nicht mit einbezogen), werden die Berichte von 31 als signifikant zu niedrig eingestuft, die übrigen 10 können nicht beurteilt werden. Die Zugänglichkeit der Daten wird bei fünf Staaten als angemessen („fair“) bezeichnet: Deutschland, Norwegen, Ungarn, Luxemburg und Zypern. Bei den übrigen Ländern wird sie als schlecht („poor“) oder sehr schlecht („very poor“ eingestuft6.

Österreich hat keine stationären Emissionen gemeldet und 52.000 Tonnen CO2e an mobilen Emissionen. Das wird als „very significant under-reporting“ eingestuft. Die Zugänglichkeit der zugrundeliegenden Daten wurde als „schlecht“ beurteilt, da keine differenzierten Daten gemeldet wurden.

Deutschland hat 411.000 Tonnen CO2e an stationären und 512.000 Tonnen CO2e an mobilen Emissionen gemeldet. Das wird ebenfalls als „very significant underreporting“ qualifiziert.

Oft werden als Hauptverursacher militärischer Emissionen die Energienutzung in militärischen Objekten und der Treibstoffverbrauch beim Betrieb von Flugzeugen, Schiffen und Landfahrzeugen gesehen. Doch eine Untersuchung von Streitkräften der EU-Staaten und Großbritanniens zeigt, dass die Beschaffung von militärischer Ausrüstungund und andere Lieferketten für den größten Teil der Emissionen verantwortlich sind. Für die EU-Länder werden die indirekten Emissionen auf mehr als das Doppelte der direkten Emissionen geschätzt, für Großbritannien auf das 2,6fache7. Emissionen entstehen bei der Gewinnung der Rohmaterialien, bei der Produktion der Waffen, beim Gebrauch durch das Militär und schließlich bei der Entsorgung. Und Militärs verwenden nicht nur Waffen, sondern ein breites Sortiment an anderen Produkten. Darüber hinaus sind die Auswirkungen von militärischen Konflikten noch viel zu wenig erforscht. Militärische Auseinandersetzungen können die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse massiv verändern, direkte Umweltschäden verursachen sowie Umweltschutzmaßnahmen verzögern oder verhindern, und sie können dazu führen, dass Länder die Nutzung umweltschädlicher Technologien verlängern. Der Wiederaufbau von zerstörten Städten kann Millionen Tonnen von Emissionen erzeugen, angefangen vom Abtransport der Trümmer bis zur Herstellung des Betons für neue Gebäude. Auch führen Konflikte oft zu einem rapiden Anstieg der Entwaldung, weil der Bevölkerung andere Energiequellen fehlen, also einem Verlust an CO2-Senken.

Die Autoren der Studie betonen, dass es nicht möglich ist, die Pariser Klimaziele zu erreichen, wenn die Militärs so weitermachen wie bisher. Sogar die NATO hat anerkannt, dass sie ihre Emissionen senken muss. Daher sollten militärische Emissionen bei der COP27 im November zur Sprache kommen. Als erster Schritt sollten Annex-I-Länder verpflichtet werden, ihre militärischen Emissionen zu melden. Die Daten sollten transparent, zugänglich, voll differenziert und unabhängig verifizierbar sein. Nicht-Annex-I-Länder mit hohen Militärausgaben sollten freiwillig jährlich ihre militärischen Emissionen melden.

Treibhausgasemissionen werden von dem am meisten benutzten internationalen Berechnungstool, dem Greenhouse Gas (GHG)-Protocol8, in drei Kategorien oder „Scopes“ unterteilt. Die militärischen Berichte sollten sich ebenfalls danach richten: Scope 1 wären dann die Emissionen aus den direkt vom Militär kontrollierten Quellen, Scope 2 wären die indirekten Emissionen aus der vom Militär angekauften Elektrizität, Heizung und Kühlung, Scope 3 würde alle anderen indirekten Emissionen umfassen wie durch Lieferketten oder durch militärische Operationen im Zuge von Konflikten verursachte. Um gleiche Verhältnisse für alle zu schaffen, sollte der IPCC die Kriterien für die Meldung von militärischen Emissionen aktualisieren.

Regierungen sollten sich, so lautet die Empfehlung der Studie, ausdrücklich zur Reduktion von militärischen Emissionen verpflichten. Um glaubwürdig zu sein, müssen solche Verpflichtungen dem Militär klare Ziele setzen, die mit dem 1,5°C-Ziel in Einklang stehen; sie müssen Berichtsmechanismen festlegen, die robust, vergleichbar, transparent und unabhängig bestätigt sind; dem Militär sollten klare Ziele zum Energiesparen, zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen und für Umstieg auf erneuerbare Energien gesetzt werden; ebenso sollten auch der Rüstungsindustrie Reduktionsziele vorgeschrieben werden. Das sollten echte Reduktionsziele sein und nicht Nettoziele, die auf Kompensation beruhen. Die vorgesehenen Maßnahmen sollten öffentlich gemacht und jährlich über die Ergebnisse berichtet werden. Schließlich sollte die Frage angegangen werden, wie eine Reduzierung der Militärausgaben und der militärischen Einsätze sowie eine generell andere Sicherheitspolitik zur Verminderung von Emissionen beitragen können. Um um die geforderten Klima- und Umweltschutzmaßnahmen auch vollständig umzusetzen, müssen auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Datenquelle: Stockholm International Peace Research Institute
Grafik: Visual Capitalist

Gesichtet: Petra Seibert
Titelfoto: 2014 People’s Climate March NYC, Stephen Melkisethian via flickr, CC BY-NC-SA


1 Vergleiche auch unseren Beitrag hier.

2 https://ceobs.org/

3 Dr. Benjamin Neimark, Senior Lecturer für Humangeographie und politische Ökologie an der Universität Lancaster, UK. Dr. Oliver Belcher, Associate Professor in the School of Government and International Affairs an der Universität von Durham, UK.

4 https://militaryemissions.org/

5 United Nations Framework Convention on Climate Change

6 Tabelle: https://docs.google.com/spreadsheets/d/12_1dkpjLqJYj5WFckIBUb3HCKD7v6a05SdYJ5GJr2Q4/edit#gid=1105995094

7 https://ceobs.org/the-militarys-contribution-to-climate-change/

8 https://ghgprotocol.org/



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Atombewaffnung steht im Widerspruch zu nachhaltiger Entwicklung
Fachgruppe Klimakrise, Militär, Konflikt

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Lesedauer 2 Minuten

Vom 21. bis 23. Juni findet in Wien die erste Konferenz der Teilnehmerstaaten des Atomwaffenverbotsvertrags1 statt. Die Arbeitsgruppe Klimakrise, Militär, Konflikt hat dazu ein Arbeitspapier2 eingereicht: „Atombewaffnung steht immer mehr im Widerspruch zu einer nachhaltigen Entwicklung“.

Zusammenfassung

Das Papier weist daraufhin, dass schon in der Präambel zu den Nachhaltigkeitszielen der UN für 2030 zu lesen ist: „Es kann keine nachhaltige Entwicklung ohne Frieden geben und keinen Frieden ohne nachhaltige Entwicklung“.

Die Kosten für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele werden auf 2.500 bis 5.000 Milliarden USD jährlich geschätzt. Die Kosten für die Erreichung der Pariser Klimaziele auf 350 Milliarden USD. Dass der Einsatz von Atomwaffen alle Nachhaltigkeitsziele gefährden würde, ist klar, und so besteht auch ein klarer Zusammenhang zwischen dem Atomwaffenverbotsvertrag und den Nachhaltigkeitszielen.

Eines der dringendsten Nachhaltigkeitsziele ist es, den Klimawandel einzudämmen. Doch die Menschheit hinkt hinter dem selbst gesteckten Ziel, ihn auf deutlich unter 2°C zu beschränken, hinterher. Die national festgelegten Beiträge der Staaten reichen bei weitem nicht aus, und die Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen im globalen Süden beträgt nur ein Fünftel oder gar nur ein Zehntel dessen, was nötig wäre. Das Ziel von 100 Mrd USD jährlich für den globalen Süden wurde bis 2021 noch immer nicht erreicht.

Atomwaffen verschlingen bedeutende Ressourcen, sowohl finanzielle als auch Ressourcen an Forschungs- und Entwicklungsaufwand, Arbeitskraft, Energie und natürlichen Ressourcen, unter anderem auch durch radioaktiv kontaminierte Gebiete.

Die USA etwa planen für die Dekade von 2017 bis 2026 400 Mrd USD für die Instandhaltung und Erneuerung ihres Atomwaffenarsenals aufzuwenden, bis 2046 sollen die Kosten 1.200 Mrd USD betragen. Die Kosten für die nächste Generation der britischen Atomwaffen, einschließlich der neuen strategischen Unterseeboote werden auf 300 Mrd USD geschätzt und die Ausgaben Frankreichs von 2019 bis 2025 auf 42 Mrd USD.

Die Menschheit kann es sich einfach nicht leisten, weiterhin bedeutende finanzielle und nicht-finanzielle Ressourcen auf Rüstung, speziell auf Atomrüstung zu verwenden.

Empfehlungen an die Konferenz der Teilnehmerstaaten

Das Papier der AG Klimakrise, Militär, Konflikt schlägt einige Empfehlungen an die Konferenz der Teilnehmerstaaten vor:

  • Die Regierungen der Atomwaffen besitzenden Staaten und ihre Verbündeten aufzurufen, die vollen Kosten von Nuklearwaffen in Betracht zu ziehen, einschließlich der Umwelt- und Gesundheitsfolgen der gesamten Produktionskette von Atomwaffen.
  • Regierungen, Forschungsinstitute und NGOs sollen aufgefordert werden, Untersuchungen über die vollen Kosten von Nuklearbewaffnung zu fördern, durchzuführen und zu veröffentlichen,.
  • Die Regierungen sollen aufgefordert werden, die Dringlichkeit der Klimakrise und die Begrenztheit der Ressourcen in Betracht zu ziehen sowie die gegenseitige Abhängigkiet von nachhaltiger Entwicklung und Frieden. Sie sollen sich bewusst werden, dass die Menschheit sich das gegenwärtige Niveau der Militärausgaben, die fortdauernden militärischen Konflikte und die Bedrohung durch Atomwaffen nicht leisten kann, wenn globale Katastrophen vermieden werden sollen, die einem großen Atomkrieg gleichkommen.
  • Alle in Betracht kommenden internationalen Foren und bilateralen Kontakte sollen genützt werden, um die Staaten aufzufordern, ihren Verpflichtungen laut dem Pariser Klima-Abkommen nachzukommen und ihre Ausgabenpolitik zu überdenken, insbesondere die Ausgaben für Rüstung bzw. für Atomwaffen umzulenken auf die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele.
  • Schließlich sollen alle Regierungen, öffentlichen Einrichtungen, Firmen, Finanzinstitute und individuelle Bürger:innen aufgerufen werden, keinerlei Ressourcen in Aktivitäten zu investieren, die unter Artikel eins des Atomwaffenverbotsvertrag verboten sind; keinerlei Ressourcen für die Anschaffung, den Einsatz, die Entwicklung oder Testung von Trägersystemen für nukleare Waffen zur Verfügung zu stellen; alle großen technischen und industriellen Projekte auf mögliche militärisch-zivile Zweifachnutzung („dual use“) hin zu überprüfen; und schließlich, alle dadurch freiwerdenden Mittel zur Verwirklichung der UND-Nachhaltigkeitsziele, insbesondere zu Minderung des Klimawandels einzusetzen.

Titelbild: B-52 Stratofortress mit AGM-109 Tomahawk Marschflugkörper. Quelle: The U.S. National Archives, Gemeinfrei.

1 https://meetings.unoda.org/meeting/tpnw-msp-1-2022/

2 https://documents.unoda.org/wp-content/uploads/2022/06/TPNW.MSP_.2022.NGO_.9.pdf

Titelbild: B-52 Stratofortress mit AGM-109 Tomahawk Marschflugkörper. Quelle: The U.S. National Archives, Gemeinfrei.



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Die militärische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit

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Lesedauer 6 Minuten

Beim Online-Podiumsgespräch Talk for Future der Scientists for Future Österreich am 31. 3. 2022 diskutierte ein Panel aus der Klima- und Umweltwissenschaft, der Politikwissenschaft, der Friedensbewegung und der Klimagerechtigkeitsbewegung über „Klimapolitik und Sicherheitspolitik“.

Verena Winiwarter: „Die Altlasten der Kriege sind unabschätzbar, teuer, und machen Teile des Planeten, die wir dringend für etwas anderes brauchen würden, unbewohnbar.“

Die Umwelthistorikerin Prof. Verena Winiwarter von der Universität für Bodenkultur Wien sprach einleitend über die Altlasten vergangener Kriege, zum Beispiel der Plutoniumfabrik Hanford in den USA, die 1987 stillgelegt wurde, wo die Aufräumungsarbeiten aber mindestens noch bis 2062 dauern werden, oder die „place de gas“ bei Verdun, wo nach dem ersten Weltkrieg Giftgasgranaten „entsorgt“ wurden, und der Boden noch immer so mit Arsen verseucht ist, dass nur verkrüppeltes Moos wachsen kann.

Jürgen Scheffran: „Die militärische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit.“

Der Geograph Prof. Jürgen Scheffran von der Universität Hamburg erklärte, dass eine der Ursachen für die gegenwärtigen Krisen unsere Abhängigkeit von der fossilen und nuklearen Energieversorgung sei. Die Konkurrenz um fossile Energieträger war immer auch mit Kriegen verbunden, und da diese Energiequellen begrenzt sind, stellt sich die Frage: Was passiert danach? Gibt es einen nicht fossilen Kapitalismus und wie müsste der aussehen? Wenn das nicht gelöst wird, müssen wir gerade in der Endphase der fossilen Abhängigkeit mit weiteren Gewaltkonflikten rechnen. Durch die Veränderung des Klimas  werden weitere erhebliche Gewalt- und Zerstörungspotentiale freigesetzt, vor allem in jenen Erdteilen, die am wenigsten dazubeigetragen haben. In Afrika wird das zu weiteren Problemen führen, die zu bestehenden hinzukommen: Wasserversorgung, Nahrungsmittelversorgung, Naturkatastrophen, Wetterextreme. Doch das Risiko eines Umkippens des Klimasystems, das alle Teile der Welt bedroht,  könnte global mit dem Kampf um Ressourcen und den Kampf um die eigene Existenz – von der Nation bis zum Individuum – verbunden sein.

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Kernkraft, Atomwaffen und nuklearer Winter
von Martin Auer

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Vierter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik

Die Kernkraft schafft eine Infrastruktur von Material und Fachwissen, das für die Waffenherstellung genutzt werden kann. Schon ein begrenzter Atomkrieg, bei dem nur 0,3 Promille des gegenwärtigen Atomwaffenarsenals zum Einsatz käme, würde nicht nur Millionen Menschen direkt töten, sondern das Klima auf der ganzen Welt beeinflussen. Ein globaler Temperatursturz, verkürzte Vegetationsperioden und verringerte Nahrungsmittelproduktion wären die Folgen. Ein globaler Atomkriegt würde einen jahrelangen „nuklearen Winter“ hervorrufen.

„Kernkraft, Atomwaffen und nuklearer Winter
von Martin Auer
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Klimakrise, Krieg und Flucht: Am Beispiel Syriens
von Martin Auer

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Dritter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik

Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung, die ungefähr so lautet: Wenn die Klimakatastrophe ganze Landstriche unbewohnbar macht, dann packen die Menschen dort ihre Sachen und machen sich auf den Weg, möglichst in wohlhabende Gegenden wie Europa, Kanada, die USA oder Australien. Klimaschützer*innen bringen das als ein Argument vor, warum der Klimawandel möglichst eingedämmt werden muss. Für Nationalist*innen ist es ein Argument, die Grenzen dicht zu machen und militärisch aufzurüsten.

Es ist aber nicht so einfach. Ob eine klimabedingte Veränderung dazu führt, dass Menschen ihre Heimat verlassen, hängt vor allem davon ab, ob sie die Möglichkeit haben, sich an die Veränderung anzupassen: Können sie Dämme gegen Überflutungen bauen? Könne sie Nahrungspflanzen anbauen, die mehr Trockenheit vertragen? Können sie, wenn die Landwirtschaft nichts mehr einbringt, eine andere Arbeit machen, von der sie leben können? Und das hängt wieder von sozialen und politischen Verhältnissen ab: Haben die Menschen genug Mittel, um sich selbst zu helfen? Haben sie Ersparnisse? Haben sie eine Versicherung? Gibt es eine funktionierende solidarische Gemeinschaft? Gibt es eine funktionierende Regierung, hat diese Regierung die Mittel, um Hilfsmaßnahmen und Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren, ist es eine demokratische Regierung, von der man solche Maßnahmen einfordern kann oder ist es eine korrupte Regierung? Und schließlich: Ist die Weltgemeinschaft bereit, Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren? Aber es stellt sich auch die Frage: Wenn Menschen den Wunsch haben, zu migrieren – haben sie auch die Möglichkeit dazu?

Am Beispiel Syriens, das in den Jahren unmittelbar vor Beginn der Rebellion und des Bürgerkriegs eine jahrelange Dürre erlebte, soll die Komplexität der Zusammenhänge beleuchtet werden. Auf die Dürre in dem autoritär geführten Land mit einer relativ großen agrarischen Bevölkerung folgte in einer Art Kettenreaktion interne Migration, verschärfte soziale Konflikte, Rebellion, Bürgerkrieg, intensivierter Sektarianismus, Terrorismus, Staatsterrorismus, ausländische Intervention, noch mehr interne und externe Migration und Flucht, eine andauernde humanitäre Krise und die Quasi-Unabhängigkeit des Gebiets Rojava mit einem gesellschaftlichen Experiment beruhend auf Ökologie, Feminismus und Demokratie von unten.

„Klimakrise, Krieg und Flucht: Am Beispiel Syriens
von Martin Auer
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Blut und CO2 – Was der Krieg mit dem Klima macht
von Martin Auer

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Zweiter Teil unserer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik. Der erste Teil behandelte den CO2-Stiefelabdruck des Militärs am Beispiel der USA. Heute geht es speziell um die Auswirkungen von Krieg auf das Klima.

Kriege kosten Menschenleben, nicht nur auf dem Kriegsschauplatz. Kriege tragen zum Klimawandel bei und verursachen so indirekt den Tod von Menschen rund um den Globus durch Hitzestress, Wassermangel, Überschwemmungen, Mangelernährung, durch die Zunahme von durch Tiere auf Menschen übertragbare Krankheiten und noch andere Faktoren. Und sie kosten Geld, das dringend für die Abwendung der Klimakatastrophe benötigt würde.

„Blut und CO2 – Was der Krieg mit dem Klima macht
von Martin Auer
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Die Staaten der Welt geben sechs Mal so viel für Militär aus wie für Klimaschutz
von Martin Auer

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Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Serie zum Thema Klima und Friedenspolitik. Er befasst sich zunächst mit den USA, der größten Militärmacht.

Im Jahr 2020 haben die Staaten der Welt 1.981 Mrd USD für Militär und Rüstung ausgegeben1. Das sind um 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr, und das, obwohl in Folge der Covid-19-Pandemie die globale Wirtschaftsleistung um 4,4 Prozent gesunken ist. 2,4 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung wurden also für Militär und Rüstung ausgegeben. 2018 waren es noch 2,15 Prozent, 2019 2,2 Prozent. Die Militärausgaben steigen also weltweit.

Die weltweiten öffentlichen Ausgaben für Klimaschutz und Klimaanpassung betrugen 2019/20 durchschnittlich 321 Mrd USD pro Jahr2, das entspricht 16,2 Prozent der weltweiten Militärausgaben und 0,37 Prozent des weltweiten BIP von 2020. Zusammen mit den Ausgaben des privaten Sektors kommt man auf 632 Mrd. USD.

Die jährlichen Ausgaben, die notwendig wären, um das 1,5°C-Ziel noch zu erreichen, schätzt die Climate Policy Initiative auf 3.800 Mrd USD. Das wäre das Doppelte der weltweiten Militärausgaben3. 2006 schätzte der Ökonom Nicholas Stern die notwendigen Ausgaben noch auf 1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung25. Da diese Chance nicht wahrgenommen wurde, hat sich die Zahl bis heute verfünffacht. Die jährlich 100 Mrd USD Finanzierung, die die Industriestaaten den Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen im Jahr 2009 versprochen haben – ein Versprechen, das bisher nur zum kleinsten Teil eingehalten wurde – wären ein Zwanzigstel der weltweiten Militärausgaben.

„Die Staaten der Welt geben sechs Mal so viel für Militär aus wie für Klimaschutz
von Martin Auer
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